Romy von Etappen-Wandern

Bernina-Tour – 8 Tage um den einzigen 4.000er der Ostalpen

Romy von Etappen-Wandern

Bernina-Tour – 8 Tage um den einzigen 4.000er der Ostalpen

Wander-Collection von Romy von Etappen-Wandern

Die neue, erst seit 2019 bestehende Rundtour um das Bernina-Massiv habe ich als äußerst abwechslungsreich erlebt. Meine kreative Interpretation der Etappenwanderung weicht etwas von der Original-Route ab, ist aber deshalb nicht minder schön. Für Bergwanderer, die über Kondition und etwas Schwindelfreiheit und Trittsicherheit verfügen, ist die Tour einfach phänomenal.

Im italienischen Teil der Wanderung geht es ziemlich wild zu. Ich sah Steinböcke, Adler und ganz viel unberührte Alpennatur bei gleichzeitig außergewöhnlich freundlichen Gastgebern. Im schweizerischen Teil der Tour geht es etwas touristischer zu, dafür darfst du aber bei meiner Variante drei 3.000er-Gipfel besteigen und den ganz großen Gletschern von Piz Palü (3.901 Meter), Piz Bernina (4.049 Meter) und Piz Roseg (3.937 Meter) sehr nah sein. Ein einzigartiges Erlebnis, das normalen Bergwanderern eigentlich vorenthalten bleibt.

Die insgesamt 120 Kilometer meiner 8-tägigen Tour mit mehr als 7.000 Höhenmetern allein im Aufstieg erfordern schon etwas Durchhaltevermögen. Allerdings entschädigt wirklich jede einzelne Etappe bis zum Schluss die Anstrengungen. Ausgesprochen gut gefallen hat mit, dass jede Etappe im Zeichen eines großen Gipfels steht, den du fast den ganzen Tag im Blick hast: Monte Disgrazia (3.678 Meter), Piz Palü, Piz Zupo (3.996 Meter), Piz Roseg und wie sie alle heißen. Kurzum: Eine wunderschöne Tour, auf der mich meine Münsterländer-Hündin Lotte wieder begleiten durfte.

Einen ausführlichen Bericht mit Tipps zu den Übernachtungen, Anreise und den Tourenberichten gibt's auch auf meinem Blog: etappen-wandern.de/fernwanderweg/bernina-tour.

Auf der Karte

Touren & Highlights

    05:27
    15,1 km
    2,8 km/h
    800 m
    960 m

    Das war er also, mein erster Tag auf der Bernina-Tour. In 8 Tagen wandern wir einmal rund um das Bergmassiv, mit dem Piz Bernina, auch bekannt als einziger 4.000er der Ostalpen. Gesehen hab ich ihn heute allerdings nicht, glaube ich zumindest 😆. Frisches, klares Wetter erwartet mich heute Morgen, als ich mich in die einsame Schweizer Bergwelt stürze. Recht flott bekomme ich glasklare Bergseen, hübsche Hütten und schroffe Gipfel geboten, ehe ich mich in Richtung Italien aufmache. Nicht, dass es mir in der Schweiz nicht gefallen hätte, aber um das Bergmassiv zu umrunden, muss ich erst mal nach Italien. Und dazu geht’s auf alten Schmugglerwegen erst Mal hinauf.

    Der Aufstieg zum Grenzpass Passo del Muretto war mäßig, nur am Ende steil und damit ein äußerst dankbarer Einstieg in diese Tour. Die Berge wirken groß und die Täler weit, überall plätschert Wasser und lange kann ich zu meinem Ausgangsort Maloja zurückblicken. Lotte stiefelt derweil fröhlich vorweg. Möglicherweise habe ich ein Dauergrinsen im Gesicht. Kaum habe ich die Grenze nach Italien passiert, schmettert mir auch schon ein herzliches „Buon giorno“ entgegen. Ein weiteres folgt, dann bin ich wieder ganz allein unterwegs. Und während wir so die 1.000 Höhenmeter hinabschlurfen, erfreue ich mich am Anblick des großen Monte Disgrazia. So schöne Berge! So ein tolles Wetter! So ein Paradies!

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    08:00
    19,6 km
    2,5 km/h
    1 420 m
    1 010 m

    Heute war ich wirklich nicht sicher, ob ich das packe. Ich finde ja, um eine lange Tour gut zu schaffen, muss vieles stimmen. Das tat es heute bei mir nicht. Ich hatte unglaublich schlecht geschlafen, bin am zweiten Tag eh meist nicht so fit und es war sehr heiß. Lange haben mich heute diese tolle Bergwelt, unzählige Wasserfälle und die ausgesprochen freundlichen Italiener durch den Tag getragen. So schaffte ich die ersten 900 Höhenmeter zwar mit schweren Beinen, aber recht gut bis zum Rifugio Longoni. Was für ein Ort! Nicht nur toll gelegen, sondern auch so freundliche Gastgeber, einfach phänomenal gut. Das Essen war auch lecker!

    Aber dann ging’s bergab – mit mir und dem Weg 😆. Ich dachte noch, „die 100 Höhenmeter stiefelst du rasch hinab“. Ich hab 40 Minuten gebraucht. Und dann konnte ich mich nicht entscheiden: Zwei Wege führten zum Ziel, beide in Sachen Höhenmeter und Strecke gleich. Ich entschied mich schließlich für „oben rum“ und nicht für die Bernina-Tour, um den Aufstieg wegzuhaben und am Ende nur noch abzusteigen. Keine Ahnung, ob das gut war, denn die letzten 150 Höhenmeter waren reinste Blockwerkkletterei und im Abstieg war es nicht besser. Aber oben angekommen, begrüßten mich drei Steinbock-Damen, jede ein niedliches Jungtier an der Seite. Ich war hin und weg.

    „Ich schaff das nicht“ und „Boah, ist das schön hier“ wechselten sich fröhlich ab. Keine Ahnung was Lotte gedacht hat, der schien das alles nämlich nix auszumachen. Unglaublich. Ach ja, und auch der Piz Bernina zeigte sich mir, erst scheu hinter Nebel, dann kurz auch in ganzer Pracht. Ich erreichte schließlich nach langem Kampf (weitere Details erspare ich dir) das Rifugio Musella. Anekdote am Rande: Ich bin nicht nur der einzige Gast, sondern auch der Letzte. Denn eigentlich haben die hier schon zu, waren aber so lieb, mich noch aufzunehmen 😊.

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  • 03:58
    12,4 km
    3,1 km/h
    870 m
    270 m

    Mit dem guten Gefühl zu wissen, ab jetzt wird alles leichter, wache ich im Rifugio Musella auf. Es ist kurz vor acht und ich habe keine Eile. Meine dritte Etappe habe ich gestern noch umgeplant und so 600 Höhenmeter gespart. Heute will ich genießen und mir viel Zeit lassen können. Statt oben herum, gehe ich heute unten an den beiden Stauseen di Compo Moro und di Alpe Gera vorbei, ganz gemütlich, ohne Eile. Man mag ja von Stauseen halten, was man will, schön schaut’s schon aus. Vor allem, wenn im Hintergrund dicke Gletscher und riesige Berge prangen. Wie der Piz Zupo, der mit 3.996 Meter Höhe nur knapp die magische 4.000er-Grenze verpasst.

    Auf dem Weg zu den Stauseen muss ich übrigens ganze viermal Italienern den Weg zum Rifugio erklären. Na sag mal, haben die denn kein komoot 😂? Das zeigt mir für heute entspannte 800 Höhenmeter an. Nach der Hälfte, an der Alpe Gembre, lege ich eine extra lange Pause ein, lasse mich von aufgeweckten Murmeltieren akustisch unterhalten und darf sogar noch einen Adler 🦅 an mir vorbeigleiten sehen. Unfassbar wild und schön ist’s hier.

    Noch zur Erklärung: Hier im italienischen Teil der Bernina-Tour habe ich statt drei Übernachtungen nur zwei, laufe also etwas mehr als üblich. Und auch den Wegverlauf interpretiere ich etwas kreativ. Das führt dazu, dass ich heute sozusagen auf der Grenze zwischen Italien und der Schweiz schlafe: im Bivacco Rusconi. Allein auf 2.654 Meter Höhe. Mir war die Konservendose lieber als im Hotel zu nächtigen. Ein Traum. Kann mich mal jemand kneifen?!

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    05:00
    18,7 km
    3,7 km/h
    700 m
    1 060 m

    Gestern Abend gesellten sich noch zwei freundliche Italiener zu mir ins Biwak, aber das war nicht schlimm. Im Gegenteil, sonst könnte ich diese Geschichte nicht erzählen: Heute morgen wache ich auf und Lotte ist weg! Ich mein soviel Platz ist ja in so einem Biwak nicht. Wo finde ich sie? Im Bett eines fremden Mannes 😱! Eng aneinander gekuschelt schlafen die beiden seelenruhig nebeneinander 😂. Unfassbar, aber Fabio hat’s nicht gestört, er meinte, so hätte er sich wärmen können.

    Mit einem „buona giornata“ verabschiede ich mich von beiden und setze vor einer atemberaubenden Bergkulisse meine Wanderschuhe wieder auf Schweizer Boden. Bis ich die ersten Zeichen der Zivilisation sehe, eine kleine Alm, vergehen zwei Stunden. Es ist so still hier, so wunderschön. Schließlich sehe ich von oben die Ortschaft Poschavio, dahinter einen riesigen See. Und dann steige ich wieder auf, erst zur Alpe Güm, dann zum Lago Bianco. Schade nur, dass ich mir den Aufstiegsweg mit zahlreichen Downhill-Mountainbikern teilen muss. Aber oben angekommen, habe ich einen traumhaften Blick auf den Piz Palü und später zum Lago Bianco. Die italienische Sprache begleitet mich übrigens weiterhin. Denn Graubünden ist der einzige Kanton der Schweiz mit Italienisch als Amtssprache, neben Deutsch und Rätoromanisch. Wie das wohl klingt?

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    04:21
    12,8 km
    2,9 km/h
    1 050 m
    340 m

    Ein weiterer toller Spätsommer-Tag auf der Bernina-Tour liegt hinter uns und was für einer! Am Ende des Lago Bianco verlassen wir die Zivilisation und steigen Höhenmeter für Höhenmeter hinauf – weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen. Wir haben fast den ganzen Tag Sonne, nicht schlecht dafür, dass es heute regnen sollte.

    Die Landschaft ist karg, schroff und absolut faszinierend. Aber du glaubst kaum, wie sehr sich das steigern lässt, wenn man auf 3.000 Metern Aug in Aug mit den riesigen Gletschern von Piz Palü (3.905 Meter), Bellavista (3.922 Meter) und Piz Bernina (4.049 Meter) steht. Was für eine Kulisse hier oben auf der Diavolezza! Ich erklimme noch kurzerhand zwei 3.000er, den Sass Queder (3.066 Meter) und den Munt Pers (3.206 Meter) und habe jedes Mal eine atemberaubende Sicht in eine Gletscherwelt, die Wanderern eigentlich verborgen bleibt. Und ich habe Lotte erzählt, dass es zu Hause 30 Grad hat, darauf hin hat sie sich hier oben erst mal ausgiebig dem Schnee gewidmet 😂.

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    04:46
    12,2 km
    2,6 km/h
    1 200 m
    890 m

    Schweren Herzens verabschiede ich mich heute morgen von den dicken Gletschern der Bernina-Alpen und mache mich auf in Richtung Potresina. Von der Talstation der Diavolezza-Seilbahn geht es ins beschauliche Val Languard. Doch um das Hochtal zu erreichen, müssen die ersten 700 Höhenmeter auf kleinen, steilen Pfaden Kehre für Kehre bewältigt werden. Die Mühen der letzten Tage zahlen sich aus, es fühlt sich richtig gut an aufzusteigen.

    Aber stell dir vor, auf der Hochebene angekommen, winkt mir da der Piz Languard zu. Ehrlich! 3.263 Meter feiner Fels haben gewunken. Da kann man (also ich) doch nicht dran vorbeigehen, oder? Auch wenn das nochmal 400 Höhenmeter mehr bedeuten, wovon die letzten 200 ordentlich Körner gekostet haben, ich musste da einfach hoch. Das Wetter war zwar heute nicht so phänomenal gut, aber ich hatte trotzdem Sicht bis zur Wildspitze. So schön, so hoch zu sein. Die 1.400 Höhenmeter im Abstieg verliefen auf einfachen Wegen mit vielen Murmeltier-Sichtungen. Teilweise sprangen die auf dem Weg rum. Die Engadiner sollten den Weg Murmeli-Steig oder so nennen.

    Und dann ging ich etwa 500 Höhenmeter vor dem Ziel an einem Sessellift vorbei, der mich wirklich magisch anzog 😂. Und als ich Lotte fragte, ob ich ihr, wenn wir früh genug unten sind, was Feines aus dem Supermarkt kaufen soll und sie mich mit ihren braunen Kulleraugen angeschaut hat, war die Entscheidung gefallen und wir sind gefahren. Hättest du nach 1.200 Höhenmetern hinauf und 900 hinab widerstehen können?

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    03:55
    13,4 km
    3,4 km/h
    1 000 m
    120 m

    Während ich mich ja gestern von den dicken Gletschern wegbewegt habe, ging es heute wieder geradewegs darauf zu. Bei frischen 6 Grad auf gut ausgebauten Wegen wanderten wir durch das Val Roseg, den gleichnamigen Piz Roseg fast immer direkt vor Augen. Der markante Fast-4.000er, der direkt neben dem Piz Bernina steht, ist damit der Leitberg dieser Etappe. Das gefällt mir ausgesprochen gut an der Bernina-Tour, für jede Etappe gibt es einen bestimmenden Giganten. Auf der ersten Etappe der Monte Disgrazia, auf der zweiten der Piz Argient, dann der Piz Zupo, der Piz Palü am vierten Tag, na und so weiter und so fort.

    Das Val Roseg ist übrigens definitiv eine Reise wert. Am Talschluss prangen Piz Roseg und Piz Bernina, ein breiter Gletscherfluss fließt rauschend hindurch und überall säumen alte Lärchenbäume den Weg. Fast am Ende des Tals angekommen, stiegen wir 1.000 Höhenmeter mit allerbester Aussicht auf. Im Laufe des Tages wurde es jedoch sehr heiß, sodass Lotte etwas schwächelte und wir viele Pausen machten. Auch meine Beine waren froh, als wir die Fuorcla Surlej endlich erreichten und Lottes umso mehr, denn oben gab’s für sie ein frisches Bad. Wir werden nun langsam müde und freuen uns, dass wir diese tolle Etappen-Tour morgen noch mit einer kurzen Wanderung ausklingen lassen können.

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    03:30
    15,5 km
    4,5 km/h
    70 m
    970 m

    Als ich heute Morgen in die Karte schaute, dachte ich so „na ja, das wird wohl eine mäßige Tour.“ In der Tat begann sie mit einem Marsch durchs Skigebiet, was ich eigentlich nicht sonderlich mag. Aber: Diese Aussichten auf die Engadiner Seenplatte bei Hochnebel waren einfach atemberaubend schön. Ich bummelte also so vor mich hin, strapazierte meine Kamera und merkte fast gar nicht, wie ich langsam aus dem Skigebiet heraus wanderte. An jeder Ecke gab es noch schönere Weitsichten, rechts, links – ein Panorama schöner als das andere. Auch wunderschöne Lärchenwälder gab’s wieder, wie gern wäre ich mal hier, wenn sie sich gelb färben. Am Lej da Segl angekommen, musste ich meine Route aufgrund einer Wegsperrung anpassen und lief links am See dorthin zurück, wo ich vor acht Tagen meine Wanderung begonnen hatte, nach Maloja. Geschafft 💪.

    Was bleibt von der Bernina-Tour? Ein unglaublich abwechslungsreiches und außergewöhnlich schönes Trekking um den Piz Bernina! Im italienischen Teil ist es etwas wilder, im schweizerischen touristischer. Dafür darf man hier auf Tuchfühlung mit den ganz großen Bergen und dicken Gletschern gehen und 3.000er-Gipfel besteigen. Die Schweizer sind übrigens außergewöhnlich gastfreundlich, ungezwungen bin ich oft ins Gespräch gekommen, wobei es (natürlich) meist um Lotte ging 😆. Nur das schweizerische „Grüezi“ mag mir einfach nicht über die Lippen kommen, hört sich bei mir wie „Grütze“ an, ich bleibe daher besser beim „Grüß dich“. Danke Engadin für diese tolle Tour!

    Mit vielen tollen Erinnerungen mache ich mich jetzt wieder auf ins Flachland. Danke euch für die vielen Rückmeldungen und fürs virtuelle Mitwandern 😊.

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Collection Statistik

  • Touren
    8
  • Distanz
    120 km
  • Zeit
    38:57 Std
  • Höhenmeter
    7 100 m

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