Caro hat Wanderlust

Pyrenäen Durchquerung: Haute Randonnée Pyrénéenne

Caro hat Wanderlust

Pyrenäen Durchquerung: Haute Randonnée Pyrénéenne

Wander-Collection von Caro hat Wanderlust

Die Pyrenäen vom Atlantik bis zum Mittelmeer durchqueren. Klingt das nicht nach einem tollen neuen Abenteuer? Ich finde schon und so hatte ich mir die 800 Kilometer und 40.000 Höhenmeter für diesen Sommer (2020) vorgenommen. Mich erwarten schroffe und hohe Berge, grüne und blühende Wiesen, kristallklare Bergseen, urige Berghütten und malerische kleine Dörfer. Aber auch Abgeschiedenheit, Einsamkeit und eine große Portion Abenteuer.

Die Haute Randonnée Pyrénéenne ist nämlich kein offiziell ausgeschilderter Wanderweg, sondern vielmehr eine sehr individuelle Route über den Bergkamm der Pyrenäen. Im Gegensatz zu dem GR10 auf der französischen und dem GR11 auf der spanischen Seite verläuft sie meist über die höchsten Pässe und Berggipfel. Viele tolle Ausblicke sind hier also garantiert.

Für mehr Informationen über den Trail und ausführlichen Reiseberichten kannst du auch gerne auf meinem Blog vorbeischauen:
carohatwanderlust.com/category/reiseberichte/pyrenaeen-durchquerung.

Auf der Karte

Touren & Highlights

    10:59
    24,1 km
    2,2 km/h
    1 280 m
    900 m

    Der Start in ein neues Abenteuer 🏔🥾⛺️.

    Mein Plan für den Sommer 2020: die Pyrenäen vom Atlantischen Ozean bis zum Mittelmeer durchqueren 🥾. 800 Kilometer und 40.000 Höhenmeter Wanderspaß warten auf mich 😍.

    Als es losgeht, bin ich aufgeregt und in mir kribbelt alles. Ich laufe barfuß durch den warmen, weichen Sand und tunke die Füße in das eiskalte Wasser. Wenn alles gut geht, werde ich in einigen Tagen wieder den Sand unter meinen Füßen spüren. Nur dann wird es hoffentlich der des Mittelmeers sein.

    In Hendaye kaufe ich noch schnell ein paar Kleinigkeiten ein, bevor es in die sanften, grünen Hügel des Baskenlandes geht. Nun heißt es erstmal ganz viel Wandern 😉.

    10:33
    28,1 km
    2,7 km/h
    910 m
    920 m

    Müde krieche ich aus dem Zelt 🏕.

    Ich kann es immer noch kaum glauben, dass ich tatsächlich hier bin. Mitten im zauberhaften Baskenland 🌿. Aber es ist ein tolles Gefühl und ich freue mich einfach riesig, dass es in diesem Jahr doch noch geklappt hat 😊👍🏻.

    Zum Frühstück gibt es frisch gepflückte Brombeeren, die hier überall zu finden sind. Danach gehe ich auch schon wieder Wandern. Vorbei an dutzenden Pferden streife ich durch die mit Farn gesäumten Hänge. Die verschiedensten Grüntöne zieren die Landschaft und sorgen für ein herrlich idyllisches Bild.

    Nur die knallende Sonne und hohe Luftfeuchtigkeit lassen das Wandern hier anstrengend werden. Wasser gibt es auf dieser Etappe nur in dem kleinen Dorf Arzikun. Mit einem Restaurant, einem sehr kleinen Shop und einem Hostel ist das auch unser Ziel nach einem langen Wandertag.

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  • 11:44
    25,7 km
    2,2 km/h
    1 390 m
    760 m

    Nach einer sehr erholsamen Nacht in einem kleinen Hostel in Arzikun schlendern wir in der Morgendämmerung durch die Gassen der Stadt. Malerische Gebäude aus Stein und blumenbehangene Balkone finden sich hier an jeder Ecke.

    Früh am Morgen ist es noch angenehm kühl und der Nebel liegt noch über den Hängen. Wir kommen flott voran und träumen schon vom Einkauf in Aldudes. Als wir mittags dort ankommen dann aber erstmal der Schock: Der kleine Supermarkt hat montags immer geschlossen.

    Und wir sind natürlich an einem Montag da. :D Aber wir haben großes Glück und kommen mit einem Einheimischen ins Gespräch, der uns lieberweise mit genug Essen fürs Weiterwandern ausstattet. Trailmagic gibt es also auch auf dem HRP.

    Bevor wir den nächsten Hügel hinaufsteigen, gönnen wir uns eine super leckere Eiscreme. Danach geht es zurück ins Grüne. Wunderschöne und vor allem windige Ausblicke versüßen uns den heißen Nachmittag. Gezeltet wird heute in der Nähe einer kleinen Hütte gleich neben der Wasserstelle.

    12:17
    27,6 km
    2,2 km/h
    1 070 m
    990 m

    Straße hier und Straße da – Straße laufen ist wunderbar? Na ja, eigentlich nicht, aber ich versuche es mir einzusingen, denn heute laufen wir sehr viel Straße 😅🙈.

    Dafür warten aber auch hier einige Highlights auf uns, wie eine alte Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg und ein Stück Wandern auf dem Camino. Und wow, ist hier viel los – gegen den HRP ist das eine Autobahn 😄. „Buen Camino!“

    Abends laufen wir durch grüne, steile Wiesen bis zu einem kleinen Bach. Unser geplanter Zeltplatz entpuppt sich als Flop und so müssen wir noch eine Stunde weiter wandern. Am Pass bauen wir dann müde und erschöpft unser Zelt auf. Aber ob das so eine gute Wahl war... 🏕🙈. Zumindest heute Abend genießen wir einen traumhaften Sonnenuntergang bei einem leckeren Abendessen.

    12:28
    21,9 km
    1,8 km/h
    1 070 m
    710 m

    Die falsche Entscheidung...🏕

    ...haben wir gestern Abend getroffen. Denn unser Zeltplatz war zwar wunderschön, aber auch wahnsinnig windig. Schon früh an diesem Morgen werden wir von tosendem Wind aus dem Schlaf gerissen. Die Zeltstangen biegen sich nur so im Wind und ich habe echt Schiss, dass sie brechen könnten.

    Beim Zeltabbauen müssen wir höllisch aufpassen, dass nichts wegfliegt. Jana, die mich auf den ersten Tagen meiner Pyrenäen Durchquerung begleitet, hat diese Nacht fast nicht geschlafen.

    So kommt es, dass wir schnell ins Tal absteigen. Dort sind wir zum Glück windgeschützt und können an einem kleinen plätschernden Bach eine Ruhepause einlegen. Hier bekommen wir auch noch etwas Schlaf 😴.

    Das ist auch gut so, denn der folgende Aufstieg ist zermürbend. Kein Trail in Sicht, geht es über einen steilen Wiesenhang bergauf. Erst ganz oben angekommen stoßen wir auf einen schmalen Wanderpfad. Begleitet von tollen Aussichten auf die Weiten des Baskenlands gelangen wir zu einem Hochplateau.

    „So in etwa stelle ich mir die Savanne vor“, denke ich, während ich durch die schier endlosen goldenen Wiesen laufe. Am Refugio Alberta haben wir die Möglichkeit, kostenlos zu duschen und unsere Klamotten zumindest auf der Hand zu waschen.

    Danach geht es in Windeseile zu dem kleinen Shop, der zu unserem Glück noch geöffnet hat. Der Resupply gestaltet sich allerdings eher schwierig, da viele Lebensmittel nur im Glas verfügbar sind. Also greifen wir auf Mayonnaise zurück und so gibt es zum Abendessen Nudeln mit Mayo 😅. Hmmm, lecker 😜😂?!

    10:01
    19,1 km
    1,9 km/h
    810 m
    890 m

    Gipfelglück 🏔.

    Während die Wolken die Berghänge noch mystisch bedecken, steigen wir bereits früh morgens Richtung Gipfel auf. Riesige Greifvögel schweben friedlich über uns hinweg.

    Unserer ersten Gipfelbesteigung steht an diesem wunderbaren Morgen nichts mehr im Wege. Auf dem 2.000 Meter hohen Orhi ist die Aussicht dann wirklich gigantisch 😍.
    Staunend stehe ich auf dem langen Bergkamm. Auf der einen Seite erstreckt sich eine dicke Wolkendecke, während uns auf der anderen Seite ein traumhafter und gar typischer Blick ins Baskenland erwartet.

    Doch irgendwann muss es leider auch wieder heruntergehen – mitten rein in die Wolken. Es ist ziemlich nebelig und so beschließen wir, zu einer Schutzhütte abzusteigen. Hier gibt es einen Kamin, genügend Wasser aus einem Bach, aber leider auch einige Mäuse 🐭😅.

    13:15
    28,7 km
    2,2 km/h
    1 190 m
    1 370 m

    ❗️Wichtige Info❗️

    Ich habe es gestern geschafft, einen Teil meiner Touren zu löschen🙈. Mein Plan war es eigentlich nur, meine geplanten Touren von der Pyrenäen Durchquerung zu löschen. Dabei habe ich aber auch versehentlich welche von den bereits gemachten Touren gelöscht und so lade ich die nun alle nochmal hoch 😉.

    Wenn du die Touren schon kennst, kannst du sie also einfach nochmal genießen oder einfach abwarten bis es bald weitergeht mit dem Rückblick 😊.

    An diesem Morgen erwartet uns zum Glück kein Nebel. Als ich den Reißverschluss des Zeltes öffne, strahlt mir stattdessen ein blauer Himmel entgegen. Voller Vorfreude auf diesen neuen Wandertag packen wir unsere Rucksäcke und laufen die sanften Wiesenhänge hinauf.

    Pferdeherden am Wegesrand und diese wunderschöne Bergkulisse sorgen für einen Ausblick wie aus dem Bilderbuch. Dieses Mal sind die goldbraunen Pferde sogar sehr zutraulich, was aber eigentlich nur daran liegt, dass sie es auf unser Essen abgesehen haben 😅🙈.

    Mittags folgen wir einem prima ausgebauten und sogar markierten (hier wirklich eine Seltenheit) Weg ins Tal. An einer moderneren Berghütte kehren wir ein und gönnen uns mitten in dem Gewusel eine kleine Stärkung.

    Danach erstreckt sich das unendliche Tal vor uns. Durch die schroffe und nicht endende Berglandschaft führt uns der HRP bis zu einem kleinen Bach. Der perfekte Platz für ein leckeres Abendessen und eine kleine Katzenwäsche 😉.

    Ich schütte die Nudeln ins dampfende Wasser und plaudere mit einem anderen Wanderer, der hier sein Zelt aufgeschlagen hat. Im Gegensatz zu ihm wollen Jana und ich heute noch absteigen und machen uns nach unserer Pause auf den Weg. Spät am Abend erreichen wir ein traumhaftes Hochplateau, mit einem brausenden Wasserfall, einem Fluss und vielen anderen Campern... 🏕🏔.

    10:05
    24,8 km
    2,5 km/h
    1 440 m
    590 m

    Wanderfaul 😄🥾.

    Das sind wir zumindest heute Morgen. Von unserem traumhaften Zeltplatz brauchen wir nur eine Stunde bis in den kleinen Ort Lescun. Alte Steinhäuser reihen sich hier aneinander und durch die schmalen Straßen laufen wir zu dem Mini Supermarkt. Trotz der kleinen Größe ist alles da, was mein Wanderherz begehrt 😍. So gibt es nur wenig später ein Festmahl mit Schokocroissants, Baguette, Käse und Obst für uns.

    Danach schleppen wir uns mit vollen Mägen den heißen und langen Aufstieg hinauf. Immerhin werden wir dafür wieder einmal mit spektakulären Weitblicken belohnt. Große Schafsherden begleiten uns zu dem Refugio. Die dreiecksförmige Berghütte liegt gleich an einem großen See und bietet auch Platz zum Zelten. „Sollen wir?“, frage ich Jana mit einem Blick auf den in der Sonne glitzernden See.

    „Na klar“ ist die Antwort und nur wenig später stürzen wir uns in das kühle Nass. Beendet wird dieser Wandertag mit einem Gewitter, Hagel und einem bunt schillernden Regenbogen.

    10:25
    21,7 km
    2,1 km/h
    630 m
    1 080 m

    Täglich grüßt das Murmeltier 😄.

    Ein neuer Wandertag, an dem es zusammen mit dem schrillen Pfeifen der Murmeltiere durch wunderschöne Wildblumenwiesen geht. Die noch wolkenverhangenen Berge laden zum Träumen ein und wir kosten es voll aus unterwegs zu sein.

    Hinter jeder Ecke warten auch an diesem Tag wieder atemberaubende Ausblicke und kristallklare Bergseen auf uns. Ich komme aus dem Staunen und Schwärmen gar nicht mehr raus. Nie hätte ich damit gerechnet, dass mich die Pyrenäen so überraschen und begeistern können 😮. Aber sie haben es schon jetzt geschafft und ich freue mich auf jeden weiteren Tag hier 🏔.

    Dieser Tag endet in einem Skigebiet, das im Sommer einen sehr trostlosen Eindruck macht. Die Wiesen sind braun statt saftig grün, überall stehen verwaiste Skilifte herum und das Dorf wirkt wie ausgestorben. Nur wenige Hotels und Geschäfte haben geöffnet. Zu unserem Glück aber zumindest der Supermarkt 😄😉.

    09:00
    20,9 km
    2,3 km/h
    1 230 m
    1 180 m

    „Tschüss gemütliches Bett“ und „Hallo Natur“ 🏔.

    Obwohl der Abschied mir morgens etwas schwerfällt, können wir uns nach einer heißen langen Dusche aufraffen und wandern weiter. Rasch hinein in eine riesige Menge von Tagestouristen. Das so viel los ist, bin ich überhaupt nicht mehr gewohnt nach den letzten Tagen auf dem HRP.

    Das ist ja fast wie auf meiner Alpenüberquerung auf dem E5 eine Wanderautobahn hier. Zu unserem Glück wird die aber zu einer Landstraße, sodass wir die Natur ganz für uns genießen können 😊. Also ganz genau so wie ich es am liebsten habe 😉.

    10:55
    20,3 km
    1,9 km/h
    1 370 m
    780 m

    Das Land der Tausend Seen 🏔.

    Ich heiße dich herzlich willkommen im Seenland. Alle paar Kilometer befindet sich hier ein strahlend blauer, kristallklarer und manchmal auch smaragdgrüner Bergsee. Still und ruhig liegen sie meist eingebettet zwischen großen Bergen.

    Vor lauter Seeromantik kommen wir heute nur schwer zum Wandern. Aber wer will es und verübeln? Es ist einfach viel zu schön 😉. Außerdem machen wir an einer rustikalen Hütte eine Pause mit Kakao und Kuchen und ich glaube fast, dieser Tag könnte nicht schöner sein.

    Leider ändert sich das am Nachmittag. Beim nächsten steilen Abstieg über ein langes Geröllfeld machen Janas Schuhe nach nur 12 Tagen und 250 Kilometern schon schlapp. Die Sohle löst sich, wodurch vor allem die Abstiege eine wahre Herausforderung werden. Wir versuchen die Schuhe mit Panzertape zu verarzten (das ist bei mir immer um die Wanderstöcke gewickelt 😉), aber wie lange das hält, ist fraglich.

    Ich hoffe einfach nur, dass wir gemeinsam weiterwandern können und Jana deswegen nicht früher absteigen muss...

    09:49
    19,6 km
    2,0 km/h
    1 280 m
    1 260 m

    Plötzlich alleine 🙈.

    Kennst du das Gefühl vom Zehn-Meter-Brett ins kalte Wasser zu springen? Wenn dich das kalte Wasser umhüllt? Dieses Gefühl habe ich heute, denn trotz Panzertape löst sich Janas Sohle noch mehr vom Schuh ab. Vor allem die Abstiege sind dadurch nicht nur schwierig, sondern auch echt gefährlich, da sie viel schneller wegrutscht.

    Deshalb entscheidet sie sich schon heute ins Tal abzusteigen. Nach einem letzten gemeinsamen Foto, einer letzten Umarmung, stehe ich plötzlich alleine da. Und obwohl ich schon oft alleine wandern war, bildet sich ein Kloß in meinem Hals und ein paar Tränen kullern meine Wangen hinunter.

    Ich fühle mich einsam, ein wenig verloren und verliere mich in negativen Gedanken. „Stopp!“, entscheide ich dann aber. Ich bin hier in einer bezaubernden Gegend, habe diese Chance einen Monat wandern zu gehen und mir einen Traum zu erfüllen. Da sollte ich doch nicht Trübsal blasen. „Ich schaffe das“, wird mein persönliches Mantra und ich mache mich auf zur Hütte.

    Jana hat nämlich unser Zwei-Personen-Zelt bekommen und so schlafe ich heute in einer großen, urigen Berghütte.

    08:57
    23,9 km
    2,7 km/h
    720 m
    1 460 m

    Bergliebe 🏔.

    In der Nacht heult der Wind um die Hütte. Auch, als ich in der Morgendämmerung die dicke Holztür hinter mir zufallen lassen, pfeift mir der Wind entgegen. Es ist noch früh und ich bin fast alleine am Berg.

    Die Sonne taucht die Wolken über den Bergen in ein rosarotes Licht und sie erwecken den Eindruck von fluffiger Zuckerwatte. Als der Pass in Sicht kommt, macht sich ein Glücksgefühl in mir breit. Dieses Gefühl es auch alleine weit zu schaffen, hoffentlich sogar bis zum Mittelmeer, durchströmt mich. Diese Momente kann mir wirklich keiner nehmen 🧡🏔🏕.

    Auch der Rest des Wandertages entpuppt sich als wahrer Genuss. Weite Täler, beeindruckende Wasserfälle und in der Sonne dösende Kühe bekomme ich zu Gesicht. Als ich nachmittags in dem kleinen Dorf Gavarnie ankomme, habe ich ein großes Grinsen im Gesicht, so schön war der Tag. Leider ist das malerische Dorf vollkommen von Touris überlaufen und Zuckerwatte, Souvenirshops und Esel reihen sich an den schmalen Gassen aneinander. Ich hole schnell mein Ein-Personen-Zelt bei der Post ab, gehe einkaufen und mache es mir auf dem Campingplatz gemütlich 🏕.

    10:51
    24,8 km
    2,3 km/h
    1 800 m
    980 m

    Fit und ausgeschlafen 👍🏻.

    So schließe ich mich am nächsten Morgen den Touristenscharen an. Im Gänsemarsch geht es den Berg hinauf und permanent muss ich selbst oder andere für mich beiseite treten. Aber das Schöne ist: Je höher ich komme, desto weniger Tagestourist*innen sind dort zu finden.

    So beiße ich nochmal die Zähne zusammen, überwinde den letzten Pass und bin wieder ganz alleine. In dieser uralten und gigantischen Berglandschaft fühle ich mich ganz klein und nichtig 😮.

    Nach meinem langen Aufstieg folgt natürlich auch wieder ein Abstieg. Von einem großen Stausee aus muss ich lange einer Autostraße bis in ein kleines Dorf folgen. Bei einer kalten Apfelschorle in der Bar komme ich mit einer Französin ins Gespräch. Wir kommen aus dem Schwärmen über das Wandern und diese herrliche Gegend fast nicht raus.

    Das führt dazu, dass ich erst spät aufbreche und erst mit der Abenddämmerung mein Zelt aufbaue. Dafür aber an einem ganz fantastischen Ort mitten im Bergpanorama.

    09:05
    25,5 km
    2,8 km/h
    650 m
    1 750 m

    Wanderabenteuer erleben 🥾🏕.

    Zum Frühstück quatsche ich erstmal mit zwei Jungs, die ganz in der Nähe gezeltet haben. Als die hören, wie weit ich gestern gewandert bin und wo ich noch hin möchte, sind sie erstmal sprachlos 😮. Mit dem Kompliment „You are a tough girl“ verabschieden wir uns 😊.

    Ich mache mich auf zur nahegelegenen Wasserquelle. Doch da bekomme ich einen großen Stress, denn sie ist ausgetrocknet. Auch die nächste Quelle enthält kein Wasser mehr. Puh – zum Glück habe ich noch einen Notfall-Liter Wasser dabei. Mit dem sollte ich wohl bis zum nächsten See kommen 🙈. Unangenehm ist das Gefühl trotzdem.

    Aber ich lenke mich mit singen ab und während die Sonne den Berg hinaufklettert, komme ich schnell voran 😄. Als der See endlich in Sicht kommt, trinke ich sofort gierig von dem kühlen Wasser. Natürlich erst, nachdem ich es gefiltert habe 😉.

    Anschließend überquere ich die Spanisch-Französische Grenze und folge einer stark befahrenen Autostraße bis nach Parzan. Eine etwas trostlose kleine Stadt, mit zwei Supermärkten, einem Restaurant und einem Hotel, in dem ich diese Nacht schlafe 😴.

    09:45
    27,0 km
    2,8 km/h
    1 760 m
    830 m

    Neuer Tag – neues Glück 🍀?

    Morgens schlafe ich lange aus und versuche mich danach daran, die Vorräte wegzuputzen. Ich war gestern nämlich noch hungrig einkaufen und dabei ist einiges zusammen gekommen 😅. Unter anderem 500 Gramm Joghurt und ein großer Kuchen. Na ja, zumindest gibt’s die nächsten Tage Kuchen zum Frühstück 😍😄.

    Als ich endlich starte, ist es schon sehr heiß und die ersten Kilometer geht es leider wieder die Straße entlang. Während die Autos an mir vorbeirasen, versuche ich möglichst schnell zurück in die Natur zu kommen 🏔. Dahin, wo ich mich am wohlsten fühle 😊.

    Die Landschaft ist heute nicht ganz so spektakulär und so nutze ich den Tag für Musik, Hörbücher und zum Nachdenken. Dafür ist wirklich sehr viel Zeit auf einer solch langen Wanderung 😅. Als ich einen schönen Zeltplatz direkt neben einer Schäferhütte finde, ist Schluss für heute...

    11:47
    29,0 km
    2,5 km/h
    1 220 m
    1 350 m

    Es ist ein Montag... 🙈.

    Ein Montag, an dem ich das erste Mal keine Wanderlust mehr verspüre. Nicht einmal einen klitzekleinen Hauch. Stattdessen habe ich großes Heimweh. Ich sehne mich nach Familie, Freunden und meinem Zuhause. Nach einem warmen Bett, einer Dusche und einem Kühlschrank mit vielen leckeren Sachen drin 😍.

    Der lange und kräftezehrende Anstieg steigert meine Laune nicht gerade. Heute heißt es: Zähne zusammenbeißen. Mittags erreiche ich einen Campingplatz und treffe nur wenig später einen mir schon bekannten Wanderer wieder. „Flowerman“ läuft den HRP genau andersherum als ich und wir haben uns schon auf dem Pacific Crest Trail 2017 kennengelernt.

    Auch ihn macht der HRP ziemlich fertig und wir stellen zusammen fest: „Das ist so viel härter als der PCT“ 😅. Der Weg ist nämlich nicht markiert, manchmal existiert überhaupt kein Weg und ich klettere querfeldein die Berge hinauf. Das kann manchmal sehr zermürbend sein...

    18,3 km
    -- km/h
    1 040 m
    1 380 m

    Wo ist meine Wanderlust?

    Seit einigen Tagen scheint sie wie weggeblasen und auch an diesem Morgen schleppe ich mich mehr den Berg hinauf. Wirklich Spaß bereitet mit der knackige Anstieg nicht und ich beginne so langsam diese Wanderung zu hinterfragen 🙈: „Soll ich überhaupt weiterwandern?“

    Ehrlich gesagt weiß ich es zunächst nicht. Aber dann kommt ein See in Sicht und statt weiter in Zweifeln zu versinken, beschließe ich eine kleine Runde schwimmen zu gehen. Und was soll ich sagen? Das wirkt wahre Wunder 😄. Ich fühle mich so frei und schwerelos und habe danach endlich mal wieder richtig gute Laune.

    Um die auch noch zu verstärken, gibt es in der Berghütte was Ordentliches und vor allem zu essen. Ich hoffe, dass dieser Stimmungsumschwung anhält und nun wieder ein paar bessere Tage folgen... 😊

    10:37
    16,9 km
    1,6 km/h
    1 050 m
    530 m

    Meine absolute Lieblingsetappe 😍.

    In dieser atemberaubenden Seenlandschaft erreicht meine Stimmung neue Höhepunkte 🥰. Auch hier wartet hinter jeder Ecke ein neuer See. Kristallklar und in der Sonne glitzernd laden sie förmlich zum Schwimmen ein.

    Da kann ich gar nicht widerstehen und ich freue mich darauf, in einigen davon heute meine Runden zu ziehen 😉. Tiefblau sind die ersten und smaragdgrün ist der letzte. An diesem schlage ich abends auch mein Zelt auf.

    Das Gefühl in einem kalten Bergsee zu schwimmen ist unfassbar genial. Wenn das kalte Wasser meine Beine berührt, schrecke ich zunächst oft zurück. „Soll ich wirklich?“, denke ich dann. Doch wenn ich meinen inneren Schweinehund überwinde, mich in das kalte Wasser gleiten lasse und losschwimme ist es einfach wunderschön.

    Ich fühle mich so frei und schwerelos 😍. Voller Freude lachend schwimme ich im kalten Wasser umher. Viel länger als ein paar Minuten halte ich es allerdings nie aus 😅. Anschließend lasse ich mich in der warmen Sonne trocknen und genieße dieses wunderbare Glücksgefühl 🧡.

    An diesem Abend treffe ich auch endlich mal andere HRP Wanderer, die wirklich ziemlich rar sind. Wir kochen zusammen Abendessen und einer der Jungs hat noch Schokolade zum Nachtisch dabei. „Hm lecker 😍“. Danach wird bis spät in den Abend gequatscht. Übers Wandern, unsere Wünsche und Ziele im Leben und unsere Zukunft. Es ist sowohl schön und erstaunlich wie vertraut die Gespräche sind. Fast so als würden wir uns ewig kennen 😊.

    07:36
    19,9 km
    2,6 km/h
    400 m
    1 310 m

    Halbzeit 🥳😮!

    Unfassbar, die Hälfte des HRP sind tatsächlich schon geschafft 😄. Schon über 400 Kilometer und über 20.000 Höhenmeter habe ich hinter mir. Das ist doch mal ein wahrer Grund zum Jubeln 😍. Es ist einfach immer wieder ein tolles Gefühl und ich bin jetzt schon sehr glücklich und stolz darüber 😊.

    Aber wieso mache ich das überhaupt? Nun ja – einmal ist Wandern meine große Leidenschaft und ich bin am liebsten mitten in der Natur unterwegs 🏔. Andererseits möchte ich meine Wanderungen auch immer dafür nutzen, Spenden für Menschen zu sammeln, die nicht ganz so viel Glück hatten wie ich.

    Während meiner Pyrenäen Durchquerung sammle ich daher Spenden für den Förderverein für Tumor- und Leukämiekranke Kinder in Mainz. Von dem gesammelten Geld sollen die Ferienanlage als auch das Reiseprogramm profitieren.

    Auch du kannst sehr gerne mitmachen und ein bisschen Glück verschenken 🧡😉. Der Förderverein und ich freuen uns über jeden Euro, der dem Projekt zugutekommt 😊.

    Alle Infos dazu findest du auf meinem Blog: carohatwanderlust.com/2020/08/06/wenn-jeder-schritt-hilft.

    16,8 km
    -- km/h
    1 430 m
    470 m

    Wie ein Sturz alles verändern kann... 🙈🥾🏔.

    Bei schwachem Nebel verlasse ich die Stadt Salardu, in die ich gestern noch gekommen bin. Mein Rucksack ist gut gefüllt mit Essen für sieben Tage. Heute ist für den ganzen Tag leichter Regen und Nebel angesagt und so starte ich zum ersten Mal in Regenklamotten.

    Ich bin mitten am Bergkamm, als es plötzlich anfängt zu gewittern. Dicke, schwere Hagelkörner schlagen von einer auf die andere Minute auf mich ein. Grelle Blitze gefolgt von lautem Donnergrollen lassen Unbehagen in mir aufsteigen.

    Bei Gewitter mitten am Berg? Das ist ganz und gar nicht gut. Ich entscheide mich besser abzusteigen und da ist es auch schon passiert. Die Steine sind rutschig und ehe ich’s mich versehe, stürze ich einige Meter den Hang hinunter, schlage mir Kopf und Knie auf.

    Danach bin ich einfach nur aufgelöst. Blutig, schmutzig und vollkommen durchnässt kauere ich mitten am Berg. Jetzt erstmal durchatmen. Zum Glück habe ich Handyempfang und dank eines Telefonates mit meinem Freund Matthias kann ich neuen Mut und Kraft schöpfen, um weiterzuwandern.

    Aber auch mein GPS Gerät hat keine Lust auf dieses miese Wetter und gibt einfach den Geist auf. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie dankbar ich über die zusätzlichen Karten und die Sprachnavigation von Komoot war. Zusammen mit dieser schaffe ich den langen Abstieg zu einer kleinen Schutzhütte, an der ich abends total entkräftet ankomme.

    Als ich die Hütte betrete, schlägt mir eine glühende Hitze entgegen. Ein anderer Wanderer ist zum Glück schon da und hat die Hütte ordentlich eingeheizt. Vor lauter Erleichterung rollen mir die Tränen die Wangen hinunter, während draußen der Regen auf das Hüttendach prasselt.

    22:19
    21,1 km
    0,9 km/h
    900 m
    1 200 m

    Was nun? 🙈🏔🥾

    Ich wache morgens mit schmerzenden Knien auf. Die ersten Bewegungen machen das Ganze nicht besser und ich fühle mich erschöpft und gebrechlich. „So kann ich auf gar keinen Fall loswandern“, denke ich geschockt.

    Der Wanderer von gestern Abend, den ich „Fire Maker“ getauft habe (auf den langen Weitwanderwegen in den USA sind Trailnamen Tradition 😉, meiner ist übrigens „Happy Cheese“ 😄), wacht wenig später auch auf.

    Bis spät in die Nacht haben wir noch gequatscht und zusammen unseren ganzen Frust des gestrigen Tages rausgelassen. Das hat richtig gut getan 😄. Heute morgen bringt er zum Glück mein GPS Gerät wieder zum Laufen und verspricht mir mich in die nächste Stadt zu bringen.

    Doch vorher versuche ich mit dehnen, massieren und tapen den Schmerz etwas zu lindern. Trotzdem ist das Wandern nicht angenehm und wir kommen nur schleichend voran. Bei schwierigen Passagen hilft mir Fire Maker und ehrlich gesagt glaube ich, ohne ihn wäre ich nicht weiter gewandert. Ohne ihn wäre das heute mein letzter Tag auf dem HRP gewesen.

    So gebe ich dem HRP mit ihm zusammen die nächsten zwei Tage noch eine Chance.

    11:25
    20,0 km
    1,8 km/h
    1 260 m
    1 200 m

    Es schneit, es schneit...❄️!

    Kommt alle aus dem Zelt 🏕😅! Wobei ich morgens eigentlich am liebsten im Zelt und im warmen Schlafsack bleiben würde. Als ich den verlasse, schlägt mir nämlich sofort die Kälte entgegen. Die Berge rundum sind mit Schnee bedeckt und bilden eine wunderschöne Winterlandschaft.

    Bevor es losgeht, kümmere ich mich allerdings erstmal wieder um meine Knie. Dehnen, Massieren, Tapen und vor allem sehr langsam wandern helfen ungemein 😊👍🏻. Da Fire Maker meist erst so gegen 10 Uhr startet, laufe ich alleine los. Er ist sowieso schneller und holt mich sicher bald wieder ein 😄.

    Den ersten schneebedeckten Pass meistere ich alleine und sehr vorsichtig. Schritt für Schritt taste ich mich hinauf und erhasche oben ein Bild von der traumhaften Bergkulisse, bevor auch schon wieder Nebel aufzieht. Der Weg hinunter wird nochmal richtig kniffelig, denn ein sehr steiles, vereistes Geröllfeld erstreckt sich vor mir. Ich krieche förmlich den Berg hinunter und bewältige große Teile des Abstiegs auf meinem Hintern 😅.

    Aber hey, ich bin so sicher den Berg heruntergekommen 👍🏻. Nachmittags ist Fire Maker dann auch wieder an meiner Seite. Total glücklich und enthusiastisch wegen des Schnees setzten wir unsere Kletterpartie gemeinsam fort.

    Der Abend endet mit einer großen Portion Nudeln und spannenden Wandergeschichten im Zelt 🏕. Ab morgen werde ich wieder auf mich alleine gestellt sein, denn nach zwei Tagen trennen sich unsere Wege leider schon wieder 😔. Für Fire Maker beginnt morgen der lange Abstieg zurück in die Zivilisation und für mich geht’s weiter auf dem HRP 🥾.

    Mal schauen, was er die nächsten Tage für mich bereithält. Bisher bin ich auf jeden Fall froh, ihm noch eine Chance gegeben zu haben 🧡🏔.

    11:51
    24,3 km
    2,0 km/h
    1 700 m
    1 690 m

    Kalte Nacht ❄️.

    Die erste Nacht auf dem HRP, in der ich ein wenig gefroren habe. Daher bin ich morgens sehr froh, endlich die aufgehende Sonne zu sehen. Mit vor Kälte steifen Fingern baue ich das Zelt ab und tanze mich noch eine Runde warm, bevor der Rucksack geschultert wird 😄.

    Die Kälte spornt mich an und ich erreiche schnell das Refugio Cerstacan. Dort gibt es ein wirklich köstliches Frühstück für mich. Und während ich den warmen Kakao schlürfe, durchströmt mich eine Dankbarkeit. Ich bin dankbar für dieses leckere Essen, für Fire Maker, ohne den ich nicht weiter gewandert wäre, für die Möglichkeit, so eine tolle Wanderung zu machen und für die ganze Unterstützung aus der Heimat.

    All die lieben Nachrichten motivieren mich zum Weiterwandern 🧡🏔😊. Zum Glück erhole ich mich auch Tag für Tag von dem Sturz und mir geht es immer besser. So kann es gerne weitergehen 👍🏻.

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Collection Statistik

  • Touren
    35
  • Distanz
    819 km
  • Zeit
    160066:55 Std
  • Höhenmeter
    39 580 m

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