Holger S.

Von Ischgl nach Latsch – Enduro Alpencross

Holger S.

Von Ischgl nach Latsch – Enduro Alpencross

Mountainbike-Collection von Holger S.

Klassische Mountainbike Alpencross-Routen folgen einem ganz klaren Schema: Es soll auf möglichst attraktiven Wegen idealerweise vom kühlen Norden der Alpen in die warmen Gefilde des Südens gehen. Optimalerweise endet die Transalp an einem traumhaften See wie dem malerischen Gardasee. Nicht so dieser Alpencross. Wenn das Enduro zum Spielen raus darf, dann soll es auch gefordert und nicht mit langen Transfer-Strecken zwischen den coolen Trails gelangweilt werden. Spaß beiseite – ich möchte dir mit dieser Mountainbike Enduro Collection eine Route vorstellen, die ich Freunden und Bekannten empfohlen habe, die bereits mehrere Transalps gefahren sind und eine neue Herausforderung mit einem Maximum an anspruchsvollen Trails, verpackt in einer Mehrtagestour, gesucht haben.


In sechs Tagen wirst du etwa 270 Kilometer und über 8.000 Höhenmeter zurücklegen. Freue dich auf mehr als 16.000 Tiefenmeter Downhill. Dreimal wirst du auf über 3.000 Metern über Meereshöhe stehen. Hochalpine Trails, atemberaubende Landschaft und actiongeladene Abfahrten erwarten dich auf deinem Abenteuer zwischen Ischgl und Latsch.


Natürlich gilt diese Collection als Transalp, denn bei Nauders am Reschensee überquerst du den Alpenhauptkamm. Die Route führt dich von den Trails am Grenzkamm von Ischgl ins Engadin und weiter auf die Drei-Länder Enduro-Trails am Reschenpass. Auf alten Militärwegen gelangst du am dritten Tag vom Stilfser Joch nach Bormio und von dort auf einer legendären Freeride-Strecke, die auf 3.000 Metern Höhe beginnt, nach Santa Catarina am Gaviapass. Scheinbar umzingelt von Gletschern erwartet dich am kommenden Tag der Passo Zebrù, der dich erneut in eine Höhe führt, wo die Luft bereits dünner wird. Nach einer Übernachtung über dem Stilfser Joch mit imposanten Blick auf das Ortlermassiv startest du den Tag mit dem König der Trails, dem Goldseeweg. Der Tag endet auf der anderen Seite des Ortlers auf der Schaubachhütte. Das Finale führt dich schließlich über einen der höchsten schneefreien Pässe der Alpen. Vom Madritschjoch auf 3.123 Metern gelangst du auf Trails bis nach Latsch im Vinschgau, das sich auf 640 Metern befindet.


Diese Mehrtagestour ist ein Abenteuer. Es ist eine körperliche und mentale Herausforderung für Biker, die bereits Erfahrungen mit alpinen Mehrtagestouren haben. Dich erwarten spektakuläre Trails, die eine solide Beherrschung deines Mountainbikes erfordern. Mehrfach wirst du Lifte und Shuttle-Busse nutzen, um das Verhältnis zwischen Uphill und Downhill zu optimieren. Hinweise dazu findest du in den Kommentaren, die ich dir bei den jeweiligen Tagesetappen hinterlassen habe.


Sei dir bewusst, dass eine Mehrtagestour im Hochgebirge gewisse Risiken mit sich bringt. Es beginnt mit dem Wetter, das sich oft innerhalb von Augenblicken verändern kann, und endet bei Streckenverhältnissen, die zahlreichen Einflussfaktoren unterliegen. Plane genügend Zeitreserven ein, falls der ursprünglich geplante Wege durch einen Erdrutsch, Schnee oder ganz trivial durch Forstarbeiten umgangen werden muss. Bitte checke täglich den Wetterbericht und beziehe die Tipps von den Locals in deine Entscheidungen mit ein. Enduro fahren und Mountainbiken im Allgemeinen heißt: auf Sicht fahren! Dementsprechend defensiv solltest du auch deinen Fahrstil anpassen, um jeden Abend glücklich und überladen von überwältigenden Eindrücken den Tag verletzungs- und defektfrei ausklingen zu lassen.


Ausgelegt ist die Tour für Selbstversorger, die mit dem Rucksack unterwegs sind. Du kannst die Tour natürlich so anpassen, dass du auch einen der zahlreichen Gepäck-Shuttle Dienste in der Region in Anspruch nehmen kannst. Unterkünfte findest du in den Etappenorten oder den empfohlenen Hütten. Eine Reservierung ist empfehlenswert. Die beste Reisezeit ist im Sommer. Zwischen Mitte Juli und Mitte September sind die Pässe weitestgehend schneefrei. Für die An- und Rückreise beziehungsweise den Rücktransfer vom Zielort Latsch zum Ausgangspunkt Ischgl habe ich dir im Kommentar zur jeweiligen Etappe Vorschläge gemacht.


Ich wünsche dir eine erlebnisreiche Tour mit tollen Eindrücken.

Auf der Karte

Touren & Highlights

    Schwer
    04:36
    50,5 km
    11,0 km/h
    1 400 m
    2 790 m
    Schwere Mountainbike-Tour. Sehr gute Kondition erforderlich. Fortgeschrittene Fahrtechnik notwendig. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen.

    Ohne Umschweife geht es direkt hinein ins Abenteuer. Die Silvrettabahn bringt dich zunächst zur Idalp. Dort steigst du in den Sessellift der Flimjochbahn und gelangst zum Grenzkamm am Äußeren Viderjoch auf 2.752 Meter. Entlang der Grenze zwischen der Schweiz und Österreich verläuft die Strecke nun bis ins Engadin, dem Schweizer Teil des Oberen Inntals.


    Doch zuerst heißt es gut durchatmen und mit kalten Gliedern die zwei steilen Rampen zur Greitspitz (2.872 Meter) zu überwinden. Dort beginnt der berühmte SchmugglerTrail, der teilweise dem Grenzverlauf am Berggrat folgt. Das ist schon sehr spektakulär – und es wird noch besser. Auf einsamen hochalpinen Trails gelangst du erst zum sehr wenig befahrenen Fuorcla da Val Gronda (2.752 Meter) und schließlich zum Fimberpass (2.608 Meter). Du wirst dein Bike teilweise schieben oder tragen (etwa 45 Minuten am Val Gronda, weitere 30 Minuten am Fimberpass). Der Trail am Fimberpass ist legendär und unglaublich lang.


    In Griosch solltest du gleich an der ersten Hütte bei Doris und Chasper einen Zwischenstopp einlegen. Leckere Nudeln mit selbstgemachtem Pesto „Wilde Wiese” oder die herrlichen Kuchen geben wieder Kraft. Fichtennadel- oder Almrosen-Sirup hast du sicherlich auch noch nicht oft probiert. Eine Alternative nur wenige Minuten später, mit etwas edlerem Ambiente, bietet der Hof Zuort, wo du eine etwas größere Auswahl auf der Karte findest.


    Sobald du den kleinen Weiler Griosch verlassen hast, taucht der Trail in einen herrlichen Wald ein und folgt einem wilden Gebirgsbach, den du zweimal über Hängebrücken überqueren wirst. Mehrfach wirst du im Verlauf der Abfahrt dein Bike kurz den Hang hinaufschieben. So auch, nachdem du das altehrwürdige Kurhaus Val Sinestra hinter dir gelassen hast. Ein wunderschöner Singletrail führt als Höhenweg weiter aus dem engen Tal hinaus ins breite Inntal bei Ramosch. Zeit zum Durchschnaufen. Entlang des Inns geht es entspannt zum Anstieg zum Schwarzsee und auf die Trails von Nauders. Möchtest du dir die Höhenmeter bis dahin sparen, kannst du bereits in Ramosch, oder an jeder weiteren Bushaltestelle bis nach Martina, in den Bus springen und dir die etwa 750 Höhenmeter bis nach Nauders am Reschenpass sparen.


    Auf den Drei-Länder-Enduro-Trails am Kleinmutzkopf bei Nauders erwarten dich zum Tagesabschluss ein paar schöne flowige Wege, die dich bis zum Etappenziel bringen. Mit schönen Blick über den Ort mache ich oft noch einen kurzen Stopp am Berggasthof Riatschhof. Übernachtungsmöglichkeiten findest du in Nauders in der vollen Bandbreite zwischen basic und super luxuriös.


    Hinweis zur Anreise:
    Im Idealfall bist du bereits am Vortag nach Ischgl angereist und kannst heute entspannt mit dem ersten Lift dein Enduro-Alpencross beginnen. Ich empfehle dir vor dem Start in dein Abenteuer den Anreisetag so zu gestalten, dass du bereits am Nachmittag an deiner Unterkunft ankommst. Bis nach Landeck/Zams im Oberinntal nimmst du die Bahn oder parkst dort dein Auto. Nun gibt es zwei Optionen: Du fährst mit dem Bike über Tobadill ins Paznauntal und folgt dort dem Talweg bis nach Ischgl. Oder du nutzt den Postbus. Dieser transportiert auch Räder. Falls du mit Sack und Pack und Auto bis nach Ischgl anreist, kannst du dir die Optionen schon für die Rückreise merken. Ab Landeck/Zams verfährst du dann genau gleich, wobei ich glaube, dass du sicher den Bus nehmen wirst.

    Der bekannte Wintersportort Ischgl bietet im Sommer tolle Übernachtungen zum Schnäppchenpreis, von denen du im Winter träumen würdest. Obendrauf gibt es eine Gästekarte, die einige Vorteile mit sich bringt. Die Silvretta Card ermöglicht dir neben zahlreichen anderen Vergünstigungen auch die freie Nutzung der Bergbahnen inklusive deines Mountainbikes - auch schon am Anreisetag (Falls du den Vellil-Trail kennenlernen möchtest, solltest du bis 15 Uhr in der Silvrettabahn sitzen, um noch ganz raufzukommen.)

    Schwer
    04:14
    60,1 km
    14,2 km/h
    1 460 m
    3 030 m
    Schwere Mountainbike-Tour. Sehr gute Kondition erforderlich. Fortgeschrittene Fahrtechnik notwendig. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen.

    Stell dich gar nicht erst darauf ein, jeden Tag mit einer Liftfahrt zu beginnen. Aber heute geht das schon nochmal, vom kurzen Warm-Up zur Talstation Bergkastelbahn abgesehen. Denn auf 2.500 Metern Höhe erwartet dich der flowige Einstieg in den Tag mit dem Zirmtrail. Weiter geht es über den Almtrail und dem Plamorttrail zu den Bunkern und Panzersperren an der wunderschönen Plamort-Hochebene. Nahe dem Einstieg zum Bunkertrail, der schließlich mit recht viel Getöse zum Reschensee abwärts führt, befindet sich der “Poserfelsen”. An diesem hast du einen Pflicht-Fototermin. Der Ausblick auf den Reschensee und den Ortler im Hintergrund ist extrem eindrucksvoll. Apropos Ortler – der gewaltige 3.904 Meter hohe Bergkönig mit seinen imposanten Gletschern und dem ehrwürdigen Gefolge wie Königsspitze, Monte Zebru oder Cevedale, werden dich in den kommenden Tagen stets begleiten.

    Doch vorher heißt es Konzentration auf die genial angelegten Endurotrails am Reschensee. Du befindest dich nun bereits in Südtirol. Nachdem du den ruppigen Bunkertrail und den Etschtrail hinter dir gelassen hast, geht es Richtung Schöneben. Entweder du nutzt die Bergbahn oder du kurbelst durch das schöne Rojental bis zur Bergstation. Auf dem Oberen Spintrail und dem Gorftrail geht es für hiesige Verhältnisse relativ flowig auf schönen naturbelassenen Waldstrecken nach St. Valentin, wo dich der finale Anstieg (oder die letzte Liftfahrt) des Tages zur Haideralm erwartet. Zum letzten Mal bietet sich ein herrlicher Blick auf den Reschensee und die Nauderer Berge. Der Haideralmtrail ist die anspruchsvollste Abfahrt der Drei-Länder Endurotrails und vor allem bei Nässe eine ganz ordentliche Herausforderung. Ich habe dir aus diesem Grund den Plattwegtrail kombiniert mit dem Unteren Spintrail empfohlen. Auch da kommt Freude auf. Wie du schon festgestellt hast, sind viele Trails am Reschensee nicht typisch Bikepark, sondern sehr natürlich gestaltet. So auch der Plattwegtrail, der eine aktive Fahrweise fordert, um in den Flow zu kommen.

    Zum Abschluss des Tages geht es vom Haidersee aus in den Vinschgau. Du folgst dem Radweg bis ins malerische Städtchen Glurns, wo du zahlreiche Unterkünfte findest. Organisiere noch den Bikeshuttle für den kommenden Tag, der dich gleich morgens zum Start der nächsten Etappe zum Stilfser Joch fahren wird. Je früher, desto besser!


    Hinweis zu Bergbahnen und Tickets:

    Ein Tagesticket für die Lifte der grenzübergreifenden Drei-Länder Endurotrails (3-laenderendurotrails.com/bergbahnen-und-tickets) ist empfehlenswert, falls du Trails mehrfach fahren willst oder etwas flexiber planen möchtest, als ich dir die Route vorgeschlagen habe. Wenn du der vorgeschlagenen Route folgst, benötigst du nur das Ticket für die Bergkastelbahn plus Zirmbahn. In Schöneben und an der Haideralmbahn ist der Anstieg aus eigener Kraft vorgesehen. Mit dem Lift-Ticket hättest du die Möglichkeit, ein Maximum an Trailabfahrten herauszuholen.

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  • Schwer
    03:51
    51,7 km
    13,4 km/h
    2 570 m
    3 570 m
    Schwere Mountainbike-Tour. Sehr gute Kondition erforderlich. Fortgeschrittene Fahrtechnik notwendig. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen.

    Der Tag beginnt mit einer Shuttlefahrt zum Stilfser Joch auf 2.757 Meter. Am besten organisierst du den Shuttle schon mindestens einen Tag vor der geplanten Tour mit Doris von Bikeshuttle.it (bikeshuttle.it/de/kontakt.html).

    Von der Passhöhe geht es direkt steil hinauf zur Dreisprachenspitze und dem Rifugio Garibaldi. Gönne dir noch einen Espresso zum wach werden, falls die steile Rampe dafür noch nicht gereicht hat. Das Panorama ist gewaltig. Von hier siehst du das Ortlermassiv im Großbildformat in seiner ganzen erhabenen imposanten Erscheinung. Du kannst dich bereits mit dem Wirtsleuten bekannt machen, denn morgen wirst du auf der spektakulär gelegenen Hütte übernachten.

    Den Auftakt des Tages macht der flowige Dreisprachentrail, der einer alten Militärstraße bis zum Umbrailpass folgt. Von dort steigt ein herrlicher Singletrail bis zum Pass Bocchetta di Forcola an. Bis auf ein paar kurze Abschnitte und die letzten steilen Kehren vor der Passhöhe ist der Weg komplett fahrbar. Hier erwarten dich erneut Relikte aus dem Ersten Weltkrieg in Form von zerfallenen Stellungen und Ruinen von Militärgebäuden. Ein schöner Trail geht kurz abwärts, um nochmals kurz bis zum nächsten Übergang, dem Bocchetta di Pedenolo anzusteigen. Die hochalpine Umgebung ist karg und beeindruckt durch die Vielfalt von Gesteinen und Farben. Vergleiche zu den Anden oder Regionen im Himalaya sind nicht weit hergeholt.


    Vom Bocchetta di Pedenolo führt dich ein Trail bis ins Val Forcola und weiter in die Nähe der Laghi di Cancano. Die atemberaubende Kulisse der Pedenolo-Alp ist umwerfend. In der Ferne siehst du den Monte Sobretta mit seinen glänzenden Gletschern. Pass auf, dass du keine Murmeltiere überfährst. Von denen gibt es hier unglaublich viele. Aus der schroffen Felskulisse geht es über breite Wiesenwege, die wiederum militärischen Ursprung haben, zu einer steilen Bergflanke, an der sich der Weg in vielen Kehren anschmiegt. Hast du den Talboden erreicht, rollst du auf einem groben Schotterweg weiter in Richtung Bormio, wo dich schon ein Hauch mediterranen Feelings umweht.


    Die historische Innenstadt ist einen Besuch wert. Es gibt Restaurants und Eisdielen – super, um sich für den zweiten Teil des Tages zu stärken. Mit dem Lift geht es in zwei Etappen bis zur Bergstation Bormio3000 auf 3.012 Metern. Hier beginnt auch der Freeride-Trail Bormio3000. Sie ist eine der bekanntesten, aber auch berüchtigsten Abfahrten der Region Alta Rezzia. Der Trail für wurde zwar für Biker optimiert, doch darfst du auf keinen Fall mit einer gemütlichen Tour rechnen. Solide Fahrtechnik und eine gute Portion konditioneller Reserven solltest du mitbringen. Am ehesten kannst du die Abfahrt mit der vom Fimberpass vergleichen, inklusive der spektakulär schönen hochalpinen Landschaft.


    In Santa Catarina erreichst du schließlich das Ziel einer gewaltigen Etappe. Im Ort stehen mehrere Unterkünfte zur Verfügung, die speziell auf die Bedürfnisse von Mountainbikern ausgerichtet sind.

    Schwer
    03:12
    34,4 km
    10,8 km/h
    1 390 m
    1 920 m
    Schwere Mountainbike-Tour. Sehr gute Kondition erforderlich. Fortgeschrittene Fahrtechnik notwendig. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen.

    Nachdem du gestern den Lift benutzt hast, um die 3.000er Marke zu überwinden, empfehle ich dir heute, den Shuttle für den ersten Anstieg einmal wegzulassen. Der Weg durch die Täler Valle dei Forni und das anschließende Valle di Cedec sind zwar kein Zuckerschlecken, doch bietet sich dir auf dem Weg ein unvergleichliches Bergpanorama mit Gletscherblick. Das ist nicht mit einer holprigen Fahrt eingesperrt in einem Geländewagen zu vergleichen.


    An der Pizzini-Hütte kannst du dich nach dem beschwerlichen Uphill stärken. Danach geht es auf einem Wanderweg bis zum Übergang ins Val Zebrù auf 3.004 Metern. Bis zur Hütte ist alles fahrbar. Ab jetzt wirst du dein Bike für die letzten 300 Höhenmeter streckenweise schieben oder tragen müssen. Was dich dann erwartet, ist eines der großen Enduro-Highlights der Alpen: Vom Passo Zebrù geht es zunächst steil und teils verblockt, jedoch für fahrtechnisch sichere Biker gut fahrbar bis zu einem Nadelöhr. Mit einer Hand am Drahtseil und einer Hand am Bike überwindest du eine Passage von etwa hundert Tiefenmetern. Danach wird es deutlich flüssiger fahrbar: Hast du bis zu dieser Passage wenig fahren können, dann kannst du dich nun auf einen tollen hochalpinen Trail freuen, auf dem Flow-Gefühl aufkommt.


    Am urigen und gemütlich einfachen Rifugio Campo kannst du durchschnaufen, die überwältigenden Eindrücke verarbeiten und das Adrenalin der Abfahrt abbauen. Das Val Zebrù am Fuße der Königsspitze und des namensgebenden Monte Zebrù verlässt du Richtung Bormio auf Schotterwegen und ein paar schönen Trails.


    Solltest du extrem motiviert sein, kannst du von Bormio bis zum Stilfser Joch hinauf kurbeln. Das sind etwa 21 Kilometer und 1.550 Höhenmeter. Die Alternative bietet die Postbuslinie von Bormio zum Pass oder ein Shuttleservice. Infos findest du hier:
    fahrplanfelder.ch/fileadmin/fap_pdf_fields/2021/90.821.pdf
    bormiobike.it/de-Shuttleservice.aspx


    Ziel der heutigen Etappe ist das Rifugio Garibaldi auf der Dreisprachenspitze. Die imposante Lage gegenüber vom Ortler ist Grund genug für eine Übernachtung. Dazu kommt das supernette Personal und die Gemütlichkeit der Hütte, wenn es am Abend ruhig wird. Am Morgen der fünften Etappe bist du der Erste am Goldseetrail und musst dir dir keine Sorgen um die zeitlich befristete Sperrung des Weges machen.


    Infos zur Hütte findest du hier: rifugiogaribaldi.it

    Schwer
    03:58
    38,4 km
    9,7 km/h
    1 830 m
    2 070 m
    Schwere Mountainbike-Tour. Sehr gute Kondition erforderlich. Fortgeschrittene Fahrtechnik notwendig. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen.

    Früh aufstehen hast du bei deinem Alpencross in den vergangene Tagen ja schon kennengelernt. Nach einem herrlichen Sonnenaufgang auf 2.842 Metern und dem Frühstück solltest du spätestens um acht Uhr auf dem Bike sitzen. Der Goldseeweg ist für Mountainbiker zwischen neun und 16 Uhr gesperrt. Der Einstieg befindet sich direkt vor der Tür.


    Dich erwartet einer der spektakulärsten und längsten Trails der Region, wenn nicht sogar der gesamten Alpen. Nachdem ich dir für die letzten Etappen zahlreiche Hinweise mitgegeben habe, die Vorsicht und Bedachtsamkeit anregen sollen, so sind die auch heute wieder aktuell. Der Trail beginnt zunächst schön flowig leicht fallend, jedoch auch ausgesetzt. Doch schon bald wird es gröber. Geröll liegt auf dem Weg, es gibt Stufen und Spitzkehren. Einige ausgesetzte Stellen erfordern eine solide Bike-Beherrschung. Nur wenige Biker fahren den Trail, ohne Passagen geschoben zu haben. Nimm dir Zeit und genieße die überwältigende Aussicht.


    An der Furkelhütte endet der Goldseeweg, doch längst nicht die Trails. Die Abfahrt bis nach Stilfs sammelt in der Summe fast 350 Höhenmeter. Der längste Gegenanstieg erwartet dich nach einer kurzen Schotterabfahrt von der Furkelhütte Richtung Obere Stilfser Alm auf dem Almenweg. Der felsige schroffe hochalpine Charakter der Wege und der Umgebung weicht nun tiefgrünen Almwiesen und einem gigantischem Fernblick ins Vinschgau und auf den Alpenhauptkamm. Ein schöner Trail führt schließlich hinab zur Oberen Stilfser Alm. Das Frühstück ist hier sicher längst verbrannt. Gut so, denn das Essen an der Hütte ist mindestens so großartig wie die Lage. Vielleicht liegt der begeisterte Appetit auch an der Euphorie nach den genialen Trails am Morgen. Probier es aus. Energie für die restliche Tagesetappe brauchst du jedenfalls noch reichlich.


    Auf dem Almenweg gelangst du Richtung Lichtenberger Almen auf weiteren schönen, durchaus technischen Trails nach Stilfs und Stilfser Brücke. Dort befindet sich der tiefste Punkt der Tagesetappe an der Straße zum Stilfser Joch. Nun geht es auf Schotterwegen und ruhigen Straßenabschnitten nach Sulden am Ortler. Wenn du Zeit und Muße hast, statte dem Messner Mountain Museum “Ortles” einen Besuch ab. Der berühmte Bergsteiger Reinhold Messner züchtet in der direkten Nachbarschaft zum Museum, das dem Thema Eis gewidmet ist, eine Herde niedlicher Yaks.


    Am Ortsende von Sulden befindet sich die Talstation der Seilbahn. Von hier siehst du auch die Rampe, die zu deinem heutigen Etappenziel, der Schaubachhütte auf 2.581 Metern, führt. Wenn du aus eigener Kraft hinauf kurbelst, dann wäre das Madritschjoch (3.123 Meter), das du morgen als erstes Tagesziel nach dem Frühstück auf dem Plan hast, der zweite Dreitausender, den du ohne Liftunterstützung packst.

    Schwer
    03:23
    43,8 km
    13,0 km/h
    1 140 m
    3 090 m
    Schwere Mountainbike-Tour. Sehr gute Kondition erforderlich. Fortgeschrittene Fahrtechnik notwendig. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen.

    Die sechste und finale Etappe beginnt mit einem Anstieg von 550 Höhenmetern durch eine von grauem Gestein geprägten Mondlandschaft. Selten ist die komplette Strecke bis zum Madritschjoch auf 3.123 Metern schneefrei. Trotzdem gilt der Übergang ins Martelltal als höchster schneefreier Übergang der Alpen, den man mit dem Bike machen kann. Wenn das nicht Grund genug ist, die Mühe des Aufstiegs auf sich zu nehmen. Doch es kommt noch viel besser: Die Abfahrt hat in keinster Weise mehr etwas mit der Wüste aus Schutt und Geröll auf der Suldener Seite des Passes zu tun. Weit öffnet sich das Madritschtal und gibt bald den Blick zur vergletscherten Zufallspitze (3.757 Meter) und dem Monte Cevedale (3.769 Meter) frei, auf dessen Südwestseite sich das dir bekannte Valle di Cedec mit der Auffahrt zum Passo Zebrù befindet.


    Der Trail ins Madritschtal ist erneut gut mit dem Trail am Fimberpass zu vergleichen. Der Beginn ist eine fahrtechnische Herausforderung. Loses Geröll, Spitzkehren und die Steilheit fordern eine sichere Beherrschung deines Bikes. Danach wird es zunehmend flowiger und streckenweise kannst du es richtig laufen lassen. Kurz vor der Zufallhütte wird es dann nochmals verblockt, bevor du das Bike zur Hütte hinauf trägst. An der Hütte bietet sich eine toller Pausenplatz mit Gletscherblick. Wenn du am Vortag schnell vorangekommen bist, dann ist die Hütte eine super Alternative für die Übernachtung (zufallhuette.com).


    Der Trail ist an der Hütte noch längst nicht vorbei. Entlang des Plimabachs geht es auf teils anspruchsvollen Streckenabschnitten bis zum Ufer des Zufrittstausees. Das Martelltal verlässt du schließlich auf einem Mix aus Trails, Radwegen und kurzen Straßenabschnitten. Der kleine Abstecher über den Sonnenberg hat es nochmal in sich. Am Steinwandhof kannst du nochmals einkehren und den super Kaiserschmarrn probieren oder direkt durch den steilen Serpentinen-Trail zurück ins Tal zirkeln.


    Bevor das Tal Richtung Etschtal öffnet, zweigst du auf einen Waalweg ab, der auch für Mountainbiker freigegeben ist. Mit Blick auf die Burgen von Morter und die Apfelplantagen, die wie ein Flickenteppich den Talboden bedecken, erreichst du den Anstieg zum Trail-Finale deiner Enduro-Transalp. Der “4 gewinnt 13 Trail” ist bekannt für seinen technischen Anspruch. Du könntest vom geplanten Einstieg in den 13er Wanderweg noch bis zur Latscher Alm weiter hinauf kurbeln, um die komplette Länge des Trails auszukosten. Ich denke, nach sechs Tagen Alpencross mit dem Enduro und vielen genialen Trails ist hier eine würdige Abfahrt gefunden, die dich schließlich bis nach Latsch führt.


    Solltest du mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Etappenstart angereist sein, dann gestaltet sich die Rückreise recht einfach. Du rollst die etwa 26 Kilometer gemütlich auf dem Etschtalradweg nach Meran und genießt dort die schöne Stadt. Natürlich geht auch die Vinschgerbahn. In Meran hast du am Bahnhof Anschluss an den Fernverkehr. Innerhalb von drei Stunden bist du beispielsweise in Innsbruck (Reservierung für dein Bike nicht vergessen).


    Um zurück zum Ausgangspunkt in Landeck oder Ischgl zu gelangen, bietet sich am Bahnhof Latsch die Möglichkeit, mit der Vinschgerbahn bis zur Endhaltestelle in Mals zu fahren. Dort steigst du in den Postbus (Linie 273) nach Nauders. In Nauders steigst du nochmals um und gelangst mit dem Postbus (Linie 210) schließlich nach Landeck/Zams, wo du Anschluss an den Fernverkehr hast. Alternativ zu Bus und Bahn kannst du mit einem der zahlreichen Shuttle-Anbieter der Region bis zum Ausgangsort zurückkehren.

    Folgende Anbieter sind empfehlenswert:
    bikeshuttle.it
    prenner.it/de/bikeshuttle
    zionreisen.eu
    bikeshuttle.at/de/bike-shuttle.html

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Collection Statistik

  • Touren
    6
  • Distanz
    279 km
  • Zeit
    23:14 Std
  • Höhenmeter
    9 780 m

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