Max

Mein erster Bikepacking Trip – Vier-Länder-Tour über die Alpen

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Mein erster Bikepacking Trip – Vier-Länder-Tour über die Alpen

Rennrad-Collection von Max

Ich sitze schon seit mehr als 17 Jahren auf dem Rad. Ich bin Straßenrennen gefahren, habe Mountainbike Marathons absolviert und sogar ein paar (ziemlich wenig erfolgreiche) Versuche auf dem Cyclocrosser gewagt. 2013 beschloss ich dann aber: Es ist genug mit dem Rennen fahren. Seitdem plane und fahre ich total gerne mit meinen Freunden schöne Mehrtagesfahrten auf dem Mountainbike. Früher fuhr man mit Rucksack oder auch mit Seitentaschen, also eher mit dem typischen Touren-Setup. Das war aber nie unser Ding, zumal die Fahrten mit der Zeit immer länger wurden und einen sportlicheren Charakter bekamen. Da wir in Sachen Gepäck aber so limitiert waren, schliefen wir meistens in Hotels und hatten dadurch immer genau definierte Etappen für jeden Tag. Aus Wochenend-Trips wurden jedenfalls immer längere Mehrtagestouren bis hin zu Alpenüberquerungen – wir genossen es einfach, mit unseren Bikes viel weiter zu fahren, als wir es zuvor jemals für möglich gehalten hätten.

2018 hörte ich vom Silkroad Mountain Race. Ich sah Bilder, schaute mir den Trailer an und las darüber und ich wurde nahezu abhängig davon, auf dem Bildschirm den Tracking-Punkten der Teilnehmer*Innen zu folgen und all die verrückten Stories darüber zu lesen. Ich beschloss: 2019 will ich beim Silk Road Mountain Race mitfahren! Also begann ich zu trainieren und fuhr zunächst nur Overnighter, später auch längere Bikepacking Touren. Und genau das wurde zu einer Leidenschaft – es veränderte die Art und Weise, wie ich Fahrrad fahre. Zu meinem Geburtstag „schenkte“ ich mir eine viertägige Tour durch vier Länder (meine Heimat Österreich, Slowenien, Italien und Deutschland), auf der ich einige der höchsten Pässe Europas überqueren wollte und die durch unterschiedlichstes Gelände führte. In dieser Collection erzähle ich dir die Geschichte von diesem Bikepacking Abenteuer. Es ist eine Geschichte des Scheiterns, über Fehler und schlechte Planung. Aber es ist auch eine Geschichte voller Spaß, Freude und Begeisterung: Mein erster „echter“ Bikepacking Trip!

Auf der Karte

Touren & Highlights

    06:06
    134 km
    22,0 km/h
    1 920 m
    1 230 m

    Der Moment kurz vor der Abfahrt ist für mich immer besonders stressig. Habe ich auch wirklich alles eingepackt? Oh nein, schon wieder etwas vergessen! Hmmm, da hinten sind Wolken in den Bergen, ich checke lieber nochmal das Wetter. Und wie ich noch so über alles nachdenke und alles nochmal checke – boom – ist es auch schon wieder Mittag. „Naja, was soll’s“, dachte ich mir also und entschied, besser einfach loszufahren, bevor ich gleich zu müde bin, um in die Pedale zu treten. Ich bin ja schließlich nicht auf einem Rennen.

    Also rollte ich durch die Stadt um „Tschüss“ zu sagen und genoss noch einmal die schöne Aussicht auf die beeindruckende Festung Hohensalzburg, bevor ich mir den Pass Lueg vorknöpfen wollte. Das ist ein kleiner, gemütlicher Talpass, der normalerweise überhaupt nicht der Rede wert ist. Die schmalen Gravelwege entlang der Salzach eigen sich perfekt zum Radfahren und schon bald fühlte ich mich richtig wohl und war froh, dass ich mich endlich auf den Weg gemacht hatte. Doch bevor ich mir weiter ausmalen konnte, wie schön dieser Trip, den ich so lange geplant hatte, werden würde, wurde ich von der Realität auf den Boden der Tatsachen geholt. Nach einem kleinen Anstieg wurde ich von einer Schranke und dem Hinweis gestoppt: „Pass Lueg geschlossen. Steinschlag.“

    Ich holte schnell mein Smartphone raus, um zu checken, was da los ist. Und tatsächlich: Scheinbar war die ganze Straße von einem riesigen Bergrutsch verschüttet. Es half nichts: Ich startete komoot, um eine Umfahrung zu planen. 30 Kilometer und 500 bis 600 Höhenmeter mehr – ich war so nah dran, einfach umzukehren! Zum Glück tat ich es nicht. Ich machte mich also auf den Weg und ehe ich mich versah, war die Umleitung geschafft und ich war wieder „back on track“. Das bedeutete: Der längste Anstieg des Tages rauf nach Obertauern stand mir nun bevor.

    Ein kleiner Schotterweg schlängelte sich neben einem winzigen Fluss das Tal hinauf. Es war wunderschön hier. Später musste ich über eine Straße weiterfahren, aber auch das war okay, denn es gab keinen Verkehr. Als ich mich dem Gipfel näherte, begann es zu regnen und ich bekam sogar noch Schnee ab. Gott, war das kalt! Ich versuchte, so schnell es ging runter nach Mauterndorf im Lungau zu fahren. Als es dann auch noch dunkel wurde und ich völlig durchnässt und durchgefroren war, beschloss ich, mir ein Hotel zu suchen. Was für ein erster Tag!

    von
    Max
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    08:20
    147 km
    17,6 km/h
    2 850 m
    3 260 m

    Ausgeruht und mit trockenen Klamotten startete ich in den neuen Tag, begleitet von perfektem Sonnenschein! Heute konnte ich (zumindest größtenteils) der geplanten Route folgen und endlich auch auf weniger Asphalt fahren. Richtig schöne Forstwege und tolle Trails führten mich durch den Lungau auf meinem Weg nach Kärnten.

    Der längste Anstieg des Tages wartete gleich zu Beginn auf mich. Oben angekommen war die Straße auf einmal zu Ende. Vor mir war ein Hochmoor, ich sah weit und breit nichts anderes. Etwas verwirrt schaute ich auf mein Handy und suchte mit komoot nach Alternativen. Eigentlich müsste es hier weitergehen... Plötzlich tauchte ein Förster auf, der über meine Anwesenheit (und die meines Bikes) nicht sehr erfreut schien. Ich erklärte ihm meine Situation und versicherte ihm, dass ich es nicht auf sein Jagdgebiet abgesehen hätte. Als ich gerade umdrehen und wieder zurückfahren wollte, lächelte er mich an und zeigte mir einen Weg durch den Sumpf. Glück gehabt – aber wer das nachmachen möchte, sollte hier auf jeden Fall anders planen!

    Die Abfahrt war richtig gut und ich genoss die Wärme und die glatte Straße runter zum Millstätter See. Dort entschied ich mich für die hügeligere, aber auch aussichtsreichere Route. Das war genau die richtige Entscheidung (wie du vielleicht dem Grinsen auf meinem Foto entnehmen kannst). Einige Wanderer waren sehr neugierig, wollten alles über meinen Trip erfahren und boten an, ein Foto von mir zu schießen. Nach einem netten Plausch fuhr ich weiter bergab Richtung Villach. Und wieder tauchte ein Förster auf – wieder gefiel ihm nicht, was er sah. Er zwang mich, die Hauptstraße zu benutzen und den Trail zu verlassen, auf dem ich unterwegs war. Da ich überhaupt nicht in der Stimmung für eine Diskussion war, wechselte ich einfach auf die Straße, wo ich schon bald einen ganz schönen Fahrradweg fand, auf den ich ausweichen konnte. Hinter Villach genoss ich die schönen Trails des Römerwegs, bevor mich der berühmt-berüchtigte Wurzenpass erwartete. Wow, die Straße geht richtig steil nach oben!

    Ich war richtig euphorisch, als ich anschließend die Abfahrt runter nach Slovenien nahm. In Kranjska Gora besorgte ich mir mein Abendessen und knöpfte mir den bekannten Vrsic-Pass vor. Der ist ein Muss für jede Radfahrerin und jeden Radfahrer – egal ob auf Asphalt oder Offroad. Die Kopfsteinpflaster-Serpentinen sind legendär und der schmale Schotterweg, der daneben hochführt, ist ein Traum für Mountainbiker. Es fehlte eigentlich nur noch eines für den absolut perfekten Tag: ein guter Schlafplatz. Als ich durchs wunderschöne Soča Tal rollte, hielt ich in einem der kleinen Dörfer an, um die Karte zu checken. Ein Mann kam aus einem der Häuser heraus und fragte mich freundlich, ob er mir helfen könne. Ich sagte ihm, dass ich eigentlich nur auf der Suche nach einem Campspot bin – kaum hatte ich es gesagt, bot er mir schon an, in seinem Garten zu zelten. Direkt am Fluss, umgeben von Bergen – was für eine Erfahrung! Leider gibt es nur ein wirklich schlechtes Bild von diesem wunderbaren Spot.

    von
    Max
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  • 09:17
    178 km
    19,2 km/h
    3 220 m
    2 910 m

    Als ich aufwachte, hörte ich nichts weiter als das Rauschen des Soča und das Zwitschern der Vögel. Langsam ging die Sonne auf und brachte Wärme in das Tal, in dem es nachts erstaunlich kalt geworden war. Ich packte meinen Kram zusammen, hinterließt eine „Dankeschön“-Nachricht und machte mich auf den Weg. Da es noch sehr früh war, hatte ich das Soča Tal fast für mich alleine, es war kaum Verkehr. Dieses Tal ist wirklich einer der schönsten Orte in den Alpen!

    Mein nächstes Ziel war der Mangart-Pass. Dieser sehr bekannte Pass wurde als Stichstraße erbaut und diente dem Militär im Krieg als Artilleriestellung. Er ist leider sehr steinschlaggefährdet und war geschlossen. Ich bin diesen Pass schon einmal gefahren und ich muss unbedingt ein zweites Mal hier hoch! Wenn du steile Auffahrten und grandiose Ausblicke magst, dann gehört der Pass definitiv auf deine Bucket-List! (Als Inspiration habe ich ein Bild vom Gipfel mit hochgeladen.) Heute ging es für mich jedenfalls nicht auf den Pass – stattdessen fuhr ich direkt nach Italien hinunter, indem ich einen unglaublich guten Singletrail abseits der Straße benutzte.

    Die Region rund um Tarvisio war einmal sehr geschäftig, als hier noch Bergbau betrieben wurde. Seitdem die Minen geschlossen sind, stehen viele Dörfer leer, nur wenige Einwohner sind geblieben. Meine Route über die Berge ins Val Saisera war ziemlich ambitioniert. Der Anstieg war unglaublich steil und die Schotterstraße wurde irgendwann so schlecht, dass ich absteigen und schieben musste. Plötzlich endete die Straße ganz, sodass ich auf einen scheinbar nur sehr selten genutzten Pfad ausweichen musste. Der war so steil, dass ich selbst ohne Fahrrad Probleme gehabt hätte, nicht ständig wegzurutschen. Ich beschloss, nach Tarvisio umzudrehen und um die Berge herumzufahren. Die gute Nachricht dabei: Zeit für Eiscreme in der Stadt!

    Ein Pass blieb mir heute noch: Über den Nassfeld-Pass (Passo Pramollo) wollte ich ins Nassfeld nach Kärnten fahren. Diese Straße, die sich in engen Kurven den Berg hinaufwindet, ist atemberaubend und aufgrund vieler Brücken und Tunnel sehr speziell. Wenn du zum Nassfeld-Pass fahren möchtest, vergiss nicht deine Beleuchtung, damit die Autofahrer*Innen dich sehen können! Ich genoss anschließend die schnelle, spaßige Abfahrt und folgte dann den Flüssen Gail und Drau nach Osttirol. Pünktlich zur Dunkelheit erreichte ich den Iselsbergpass und fand ein Stück talaufwärts einen schönen Campspot.

    von
    Max
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    07:28
    149 km
    19,9 km/h
    2 120 m
    2 710 m

    Heute Morgen wurde ich ganz früh wach und durfte mich ein weiteres Mal über richtig gutes Wetter freuen. Ein wunderschöner Tag für die letzte Etappe meiner Reise! Auf mich wartete die bekannte Großglockner-Hochalpenstraße, die ich noch nie von der Heiligenblut-Seite aus hochgefahren bin. Ich entschied, über den Appriacher Höhenweg zu fahren, um dem Verkehr zu entgehen und bessere Aussichten zu haben. Diese kleine Straße zu nehmen war eine sehr gute Idee, die ich so unbedingt weiterempfehlen kann!

    Es war viel kälter als ich dachte, sodass ich sogar bergauf ein langes Trikot anziehen musste. Ich begegnete nur sehr wenigen Autos, zu meiner Überraschung aber umso mehr Radfahrern, besonders nach dem Abzweig zur Kaiser-Franz-Joseph Höhe. Da fiel mir auch plötzlich wieder ein, warum das so war: An diesem Wochenende fand das Rennen „Großglöcknerkönig“ statt. Währenddessen hatte ich mein eigenes, „privates“ Rennen mit zwei Radlern, die offensichtlich ziemlich erschöpft waren und mit ihrem ganzen Körperschwung versuchten, ihre Fahrräder den Berg hochzuquälen. Sie schauten sich ständig nach mir um und als ich sie eingeholt hatte, blieben sie bis zum Gipfel an mir dran. „Ha, wenigstens hast du uns nicht abgehängt! Aber im Ernst: Was hat es mit deinen ganzen Taschen am Bike auf sich?“

    Ich erzählte ihnen von meinem Bikepacking Trip, wir tauschten einige Geschichten aus, lachten viel und machten ein paar Fotos. Die beiden waren wirklich nett. Dann kam die Abfahrt – eine der besten, die man fahren kann! Vor allem, wenn keine Autos unterwegs sind. Stattdessen fuhr ich gegen ein riesiges Feld von Radfahrern hinunter nach Fusch. In der Mittagshitze ließ ich den Zeller See links liegen und fuhr weiter nach Berchtesgaden und ins „kleine deutsche Eck“. Hier ragt dieses kleine Stück von Deutschland in Österreich hinein und ist ein echtes Paradies für Radfahrer*Innen. Ich fuhr durch atemberaubende Berglandschaften, über gute Radwege und tolle Trails. Je nach gewählter Route kannst du hier sehr viel alleine sein.

    Ich war total glücklich, als ich wieder heimischen Boden unter den Reifen hatte. Ich glaube, ich lächelte die ganze Zeit über, nicht nur, weil ich wusste, dass zu Hause meine Freunde mit ein paar kalten Bieren auf mich warteten. Gleichzeitig war ich aber auch ein bisschen wehmütig, weil diese großartige Reise nun ihrem Ende entgegenging. Zum Glück lässt die nächste Tour nicht lange auf sich warten!

    von
    Max
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Collection Statistik

  • Touren
    4
  • Distanz
    608 km
  • Zeit
    31:11 Std
  • Höhenmeter
    10 110 m

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