Fräulein Draußen

Fernwandern in Südengland: Jurassic Coast

Fräulein Draußen

Fernwandern in Südengland: Jurassic Coast

Wander-Collection von Fräulein Draußen

Der „South West Coast Path“ in Großbritannien zählt zu meinen liebsten Fernwanderwegen auf der ganzen Welt. Wandern zwischen südenglischem Charme und den rauen Wellen des Atlantiks, über steile Klippen und traumhafte Sandstrände, oftmals ziemlich wild und abgelegen - und doch ist das nächste Café mit Cream Tea nie allzu weit entfernt.

Nachdem ich ihn bereits während meiner dreimonatigen Wanderung durch Großbritannien ausgiebig kennenlernen durfte, bin ich ein Jahr später wieder zurückgekommen, um auf sechs Etappen die Jurassic Coast zu erkunden.

Die Jurassic Coast ist ein 150 Kilometer langer Küstenstreifen an der südenglischen Ärmelkanal-Küste und wurde 2001 als erste Landschaft in England von der UNESCO ins Weltnaturerbe aufgenommen. Denn sie gewährt tiefe Einblicke in die Geschichte der Erde – die ältesten Felsen sind bis zu 250 Millionen Jahre alt! Neben den beeindruckenden Klippen ist die Jurassic Coast vor allem für ihre Felsformationen wie zum Beispiel die berühmte „Durdle Door“ bekannt. Und natürlich für die zahlreichen Fossilienfunde.

Mit 1.014 Kilometern Länge ist der South West Coast Path der längste der britischen Fernwanderwege, und verläuft dabei auch entlang der gesamten Jurassic Coast. Insgesamt erstreckt er sich von Minehead an der Nordküste Somersets bis zum South Haven Point in Dorset, meist sehr nah an der Küstenlinie. Der Weg ist durchgehend gut markiert und meistens gut ausgebaut, es gibt jedoch immer wieder auch steinige, matschige oder rutschige Passagen. Die größte Schwierigkeit auf dem South West Coast Path sind wohl die vielen und teils steilen Auf- und Abstiege. Auch das Wetter an der Küste darf nicht unterschätzt werden – plötzliche Wetterumschwünge sind jederzeit möglich und warme sowie regenfeste Kleidung sollte auch am schönsten Sommertag mit im Gepäck sein. Theoretisch kann man den South West Coast Path ganzjährig bewandern, in der Nebensaison muss man aber damit rechnen, dass viele Unterkünfte und Einkehrmöglichkeiten geschlossen haben können. Dafür hat man dann den Weg dann aber auch oft für sich allein.

Mehr Tipps rund ums Wandern auf dem South West Coast Path gibt es auch auf meinem Blog.

Auf der Karte

Touren & Highlights

    05:31
    19,9 km
    3,6 km/h
    250 m
    250 m

    Es war ein strahlender Frühlingsmorgen wie aus dem Bilderbuch, als ich am langen Sandstrand von Exmouth die ersten Meter meiner einwöchigen Wanderung auf dem South West Coast Path zurücklegte. Die schon ziemlich kräftige Morgensonne schien mir mitten ins Gesicht, die Möwen begrüßten lauthals den Tag und außer mir und ein paar Hundespaziergängern war noch niemand unterwegs. Es lag diese besondere Ruhe in der Luft, die ich schon während meiner langen Wanderung im letzten Sommer immer so genossen hatte. Und doch war ich ziemlich aufgeregt, denn es fühlte sich einfach ziemlich verrückt an, wieder hier zu sein und genau das zu tun, was ich noch vor weniger als einem Jahr jeden Tag getan hatte.Schon nach kurzer Zeit markierte die „Geoneedle“, ein Pfeiler in Pyramidenform auf den Klippen am Orcombe Point, den Start der Jurassic Coast World Heritage Site, die für die nächsten Tage mein Zuhause sein sollte. Dieser westlichste Teil der Jurassic Coast ist gleichzeitig der älteste Teil und geprägt von roten Sandsteinfelsen aus der Triaszeit – eine spannende Zeitreise! Wie eine solche fühlte es sich auch an, als ich im kleinen Küstenort Budleigh Salterton einen meiner heißgeliebten Strandimbisse entdeckte und mir die übliche kalte Coladose sowie eine Jacket Potatoe mit Käse bestellte. Jacket Potatoes sind einfach das allerbeste! Und kalte Coladosen natürlich auch.

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    04:43
    15,9 km
    3,4 km/h
    340 m
    340 m

    Es fiel mir schon ein bisschen schwer, das äußerst hübsche Städtchen Sidmouth nach nur einer Nacht wieder zu verlassen. Zumal ich am Abend so müde gewesen war, dass es nur für einen Minirundgang gereicht hatte. Ich hätte überhaupt gar nichts dagegen gehabt, hier einen sonnigen Frühlingstag zu verbringen! Aber ich war auch schon wieder voll im Wanderfieber und der nach wie vor strahlende Sonnenschein machte mir den Abschied dann doch nicht allzu schwer.Ich brach früh auf, denn vor mir lag mit 26 Kilometern eine lange Etappe und ich wollte bei dem schönen Wetter unbedingt genug Zeit haben, um auf den Klippen im grünen Gras zu liegen und auf das tiefblaue Meer zu schauen. Dies machte umso mehr Spaß, weil der Frühling selbst so früh im Jahr schon in vollem Gange war. Auch wenn viele Büsche und Bäume noch relativ kahl waren: Überall brummte und summte und grünte und blühte es schon und manchmal wäre ich am liebsten einfach für den Rest des Tages an meinem Pausenplatz liegengeblieben. Aber so funktioniert das mit dem Wandern ja nun mal nicht und so kam ich dann doch irgendwann in Seaton an – leider so spät, dass alle Cafés und Supermärkte (weil Sonntag) schon zu hatten. Ein Hoch auf den örtlichen Pizzaimbiss!

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  • 07:26
    25,3 km
    3,4 km/h
    630 m
    620 m

    Der morgendliche Blick auf die Karte ließ mich stutzen: Ungefähr die Hälfte der Etappe schien durch Waldgebiet zu führen, was doch ziemlich ungewöhnlich für den SWCP ist. Ich machte mich auf ein paar eintönige Stunden in einem grünen Tunnel gefasst, sollte jedoch schnell eines Besseren belehrt werden. Kaum hatte ich das „Axmouth to Lyme Regis Undercliff National Nature Reserve” betreten, fühlte ich mich wie auf Trekkingsafari im Dschungel Borneos! Und wäre plötzlich vor mir ein Orang-Utan an einer Liane vorbeigeschwungen – es hätte mich nicht gewundert. Für einige Stunden gab es nur noch mich und die knorrigen Bäume und grünen Farne und die Käfer und die Vögel und (…). Erst kurz vor der Küstenstadt Lyme Regis endete dieses wilde Paradies, welches übrigens eine Folge von Erdrutschen und heute ungestörter Lebensraum einer seltenen Fauna und Flora ist.Erst wollte ich nicht in den Wald hinein – und dann nicht wieder raus. So schnell kann man seine Meinung ändern! Und überhaupt schien heute einfach der Tag der spontanen Meinungsumschwünge zu sein, denn in Lyme Regis angekommen, entschied ich mich dann auch noch dafür, den restlichen Tag lieber am Strand und in Cafés zu verbringen als die restliche Etappe nach Seatown zu Fuß zurück zu legen. Dafür würde dann der Bus herhalten – übrigens auch eines der Dinge, die ich am South West Coast Path so unheimlich gut und praktisch finde! Man kann stundenlang allein durch wilde Natur laufen und keiner Menschenseele begegnen und dann plötzlich kommt wieder irgendwo ein Küstenort, in dem es nicht nur Jacket Potatoes und kalte Coladosen (oder in diesem Fall einen kalten Cider, ich musste ja nicht mehr wandern) gibt, sondern auch eine Busverbindung.Das Golden Cap, die höchste Klippe an der englischen Südküste kurz vor Seatown, verpasste ich durch meine spontane Planänderung allerdings. Um den anstrengenden Anstieg am Ende einer langen Tagesetappe tat es mir allerdings nur bedingt leid. Und ich würde die Klippe ja am nächsten Morgen noch sehen können. Dachte ich zumindest…(Hinweis: Die Route zeigt die ursprünglich geplante, komplette Route bis nach Seatown)

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    05:21
    20,1 km
    3,8 km/h
    180 m
    150 m

    Die Sicht aufs Golden Cap sollte mir leider verwehrt bleiben, denn dichter Frühnebel versperrte jeden Ausblick. Dafür gab er der Küste und dem Coast Path nach drei Tagen Sonnenschein nochmal ein ganz neues Gesicht. Und so schön ich die Sonne und die weiten Blicke hier an der Küste auch finde – diese ganz besondere Stimmung, die nur Küstennebel erzeugen kann, liebe ich einfach am allermeisten. Außerdem hatte ich es heute eigentlich heute sowieso auf ganz andere Felsen abgesehen. Denn für mich als Fan der englischen Krimiserie „Broadchurch“ standen die Klippen von West Bay ziemlich weit oben auf der Wunschliste. Der Weg bis dorthin war gesäumt von unzähligen wolligen Schafen mit noch nicht ganz so wolligen, dafür aber ziemlich frisch geschlüpften Babyschafen! Eines sogar so frisch geschlüpft, dass es noch ganz nass war und sich kaum auf den Beinen halten konnte, geschweige denn wusste, dass es die Milch beim Mutterschaf nicht zwischen den Vorderbeinen suchen sollte.Pünktlich zu meiner Ankunft in Broadchurch-Hausen gab dann auch der morgendliche Nebel endgültig den Blick frei und dafür war ich ihm durchaus dankbar. Die Klippen sehen schon echt genial aus und wenn man sich nicht umdreht, sieht man auch nichts von dem großen Trailerpark, der der ganze Szenerie zugegebenermaßen ein bisschen den Zauber nimmt. Aber wer könnte es den Trailerbesitzern verübeln?!Neben allerliebesten Schafen und weiten Sandstränden und beeindruckenden Klippen folgte an diesem Tag noch ein weiteres Highlight, und das war Abbotsbury selbst. Das Städtchen ist eine wahrhaft englische Bilderbuchstadt mit gut erhaltenen Steinhäusern, Überresten einer Abtei auf einem grünen Hügel, einer feudalen Gartenanlage (Abbotsbury Gardens), einer Schwanenzucht (Abbotsbury Swannery) und allem was sonst noch so dazu gehört.

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    05:58
    22,8 km
    3,8 km/h
    120 m
    150 m

    Nach ein paar gemütlichen Kilometern über grünes Farmland erreicht man von Abbotsbury aus die „Fleet Lagoon“ – ein 13 Kilometer langes Paradies für Wasservögel und deren Beobachter. Dieser Lagune folgt der Coast Path bis nach Ferry Bridge und Weymouth. Von hier aus umrundet der Wanderweg eigentlich noch die komplette Isle of Portland, aus deren besonderem Kalkstein berühmte Gebäude wie die Saint Paul’s Cathedral oder das British Museum in London gebaut wurden. Ich habe diese Etappe rund um die Insel aber übersprungen, um es am nächsten und letzten Tag meiner Wanderung noch bis zu einer der wohl schönsten Buchten Großbritanniens zu schaffen.

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    05:27
    19,6 km
    3,6 km/h
    290 m
    280 m

    Wie konnte das passieren? Mein letzter Wandertag war gekommen, dabei war ich doch quasi gerade erst losgelaufen! Ich hörte meinen Kopf förmlich fragen: „Laufen wir jetzt etwa nicht wieder bis hoch nach Schottland?“ „Nöööö, dieses Mal ausnahmsweise nicht.“ Und meine Beine und Füße zumindest waren darüber auch ganz froh, denn nach ewiger Grippe-Odyssee gehörten die nicht gerade zu den fittesten Vertretern ihrer Art. Und dafür haben sie die vielen Kilo- und Höhenmeter echt gut weggesteckt (danke dafür, liebe Gliedmaßen).Diese letzte Etappe sollte sie dann auch direkt nochmal auf die Probe stellen, denn es galt einige ziemlich anstrengende An- und Abstiege zu bewältigen. Aber wie so oft auf dem South West Coast Path sind die anstrengendsten Etappen auch die schönsten und so war es auch dieses Mal! Denn sobald ich die lange Strandpromenade von Weymouth hinter mir gelassen hatte, war ich im siebten Wanderhimmel angekommen. Eine imposante Klippe folgte der nächsten und die Ausblicke waren einfach nur bombastisch.Gekrönt wurde der Tag durch den berühmten Felsbogen Durdle Door und eine der wohl schönsten Buchten in ganz England – Lulworth Cove. Dementsprechend hoch war dann auch das Besucheraufkommen und es ist nur schwer vorstellbar, was hier in der Hauptsaison los sein muss (die Größe des Besucherparkplatzes lässt nichts Gutes erahnen). Aber die wenigsten dieser Besucher bleiben über Nacht in Lulworth und so teilte ich mir die Bucht am Abend lediglich mit einem kleinen Ruderboot, saß auf einem Felsen und war einfach nur dankbar dafür, dass es diesen Wanderweg gibt.

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Collection Statistik

  • Touren
    6
  • Distanz
    124 km
  • Zeit
    34:26 Std
  • Höhenmeter
    1 800 m

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