Als wir Geschichte schrieben – das Transcontinental Race #TCRN06

2018 sind Marion Dziwnik und ich gemeinsam beim Transcontinental Race gestartet – als einziges Frauenteam. Nach einigen Jahren Fixedgear-Rennen und „Umdieweltreisen“ für das Red Hook Criterium, hatten wir Lust auf ein neues Abenteuer.

Das TCR funktioniert wie ein großes Alleycat, aber natürlich mit viel strengeren Regeln und „ein paar“ mehr Kilometern. Je nach Routenplanung kommen irgendwas um die 4.000 Kilometer und 40.000 Höhenmetern zusammen. Es gibt einen Start, ein Ziel und dazwischen vier Checkpoints – der Rest ist dein eigenes Ding.

Gefahren wird Solo oder im Team und die FahrerInnen müssen komplett ohne Support ins Ziel kommen. Kein Windschattenfahren, keine Hilfe von Freundinnen oder Freunden unterwegs, nichts. Nur wer im Team startet, darf sich innerhalb des Teams unterstützen.

In dieser Collection findest du unsere gefahrenen Etappen. Der Start war in Geraardsbergen, Belgien und das Ziel in Meteora, Griechenland. Die Etappen sind nicht unbedingt zum Nachfahren geeignet, da es bei der Routenplanung vor allem darum ging, schnell zu sein. Trotzdem war es ein großartiges Abenteuer und genau von dem will ich dir hier berichten. Und einige Passagen sind natürlich trotzdem sehr schön – aber sieh doch selbst!

Auf der Karte

Touren & Highlights

    24:04
    418 km
    17,4 km/h
    3 640 m
    3 500 m

    Was du in der ersten Etappe schaffst, hast du als Bonus für das ganze Rennen, sagten sie. „Sie“, die erfahrenen Racer*innen, die ich seit Jahresbeginn zum TCR ausgequetscht habe. Wir dachten, da hören wir mal drauf. Im Ganzen brauchten wir drei Powernaps á 30 Minuten um diese erste Etappe durchzuhalten. Wasser holten wir uns nachts auf einer Party und aus einem Automaten. Nur nicht verzocken, nicht zu früh den Körper zu sehr zerstören, denn schließlich sind 400 Kilometer nur zehn Prozent von 4.000!

    14:08
    226 km
    16,0 km/h
    1 490 m
    1 270 m

    Wir merken die Belastung vom Vortag. 421 Kilometer hinterlassen so ihre Spuren. Deswegen werden es heute nur 220 Kilometer. Auch, weil wir vor der Schweiz Übernachten wollten. Wir haben keine Lust die Hälfte unseres Budgets für eine einzige Unterkunft auf den Kopf zu hauen.

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  • 16:43
    273 km
    16,3 km/h
    2 320 m
    2 140 m

    Im Sonnenaufgang fahren wir den Bodensee entlang. Leider ist heute auch der Tag, an dem meine Knieschmerzen beginnen. Mein Sattel ist nach hinten gerutscht. Das werde ich aber erst Tage später merken. Ich besorge Tape, weil ich weiß, wo der Schmerz herkommt und was ich tun kann, um ihn etwas zu lindern. Hätte ich damals gewusst, dass ich die gesamte Strecke bis zum Checkpoint 3 mit diesen Schmerzen fahren werde, hätte ich wohl hier und jetzt gescratched.

    15:43
    234 km
    14,9 km/h
    2 310 m
    2 230 m

    Über den Brenner und über Felder. Traumhafte Fahrradwege und idyllische Dörfer. Wir starten in der Regel um 5 Uhr morgens und genießen die Ruhe. Hier war die Routenplanung nicht so ganz ideal, aber hat funktioniert. Wir stärken uns ordentlich, denn morgen geht es zum Checkpoint 2.

    16:13
    225 km
    13,9 km/h
    3 690 m
    3 830 m

    Die schönste Etappe im Rennen. Mit wwei der beeindruckendsten Pässe, die ich je gefahren bin: Mangart Sedlo und Vrsic Pass!Wir treffen regelmäßig andere TCR-RacerInnen, werden am Checkpoint 2 begeistert empfangen, bekommen wieder einmal zu hören, wie sauber wir doch noch aussähen und erfahren, dass das führende Team (Chas und Nico) nur 20 Minuten vor uns fährt. Für einen Moment sind wir verlockt, ihnen hinterher zu ballern, aber dann machen wir lieber erst mal Pause.

    13:11
    280 km
    21,2 km/h
    1 680 m
    1 960 m

    Wir haben mittlerweile gelernt: Nicht nur die Anzahl der Höhenmeter hilft bei der Einschätzung der Etappe, sondern auch, ob es generell viel bergauf oder bergab geht. Heute rollt es sich richtig gut. 280 Kilometer bis nach Wien in knapp über 13 Stunden. Mein Knie dankt es mir.

    14:00
    241 km
    17,2 km/h
    1 320 m
    1 080 m

    Heute fahren wir auf richtig schönen Wegen nach Tschechien rein. Hätten wir gewusst, was uns danach an Straße erwartet, hätten wir es noch mehr zu schätzen gewusst. Marion verliert eine Schraube ihres Schuh-Cleats, aber dank YouTube Tutorial bekomme ich ihren Schuh irgendwann trotzdem aus dem Pedal. Heute bin ich definitiv ihre Heldin.

    12:20
    195 km
    15,8 km/h
    2 380 m
    2 090 m

    Es ist geschafft. Das Minimalziel, CP3 zu erreichen, liegt direkt vor uns. Und der steilste Anstieg Polens liegt hinter uns. Angela Walker, die das TCR im vorherigen Jahr im Frauenteam gefinished hat, wartet auf uns und freut sich, dass wir es geschafft haben. Direkt zeigt sie uns eine Nachricht, die das „Fahrtwind“-Team extra für uns hinterlassen hat. Wir freuen uns total und nachdem wir unsere Stempel und Patches abgeholt haben, rollen wir ein Stück den Berg runter und kehren in unser Hotel ein. Für heute haben wir genug. Wir feiern unser Bergfest mit einem alkoholfreien Cocktail und sehr gutem Essen.

    14:51
    282 km
    19,0 km/h
    1 560 m
    2 120 m

    Meine Mutter schreibt mir: Meine Tochter isst jeden Tag eine extra Kugel Eis für mich mit, um mir Power zu schicken. Ich glaube es funktioniert: Wir fahren einmal komplett durch Tschechien. An einem Tag.

    12:44
    230 km
    18,0 km/h
    890 m
    910 m

    Auf unseren Socialmedia-Kanälen sieht es so aus, als würden wir mehr Essen als Fahren. Vielleicht stimmt das auch. Ich nenne das Transcontinental von jetzt an liebevoll: Snackcontinental.

    14:30
    285 km
    19,7 km/h
    710 m
    760 m

    Irgendwie befinden wir uns auf der Zielgeraden, aber irgendwie ist das Ziel noch richtig weit weg. Wir scheinen wieder auf einer beliebten Route zu sein, denn wir treffen immer wieder anderen RacerInnen. Mir fehlt ein bisschen ungarisches Kleingeld für einen Kaffee und dieser nette Engländer möchte mich einladen. Leider darf ich das nicht annehmen. Hab mich trotzdem gefreut und bezahle zu einem sehr schlechten Wechselkurs mit Euro. Das kommt davon, wenn man denkt, „ach wir fahren da schnell durch und brauchen keine Landeswährung“.

    14:00
    248 km
    17,7 km/h
    2 870 m
    1 700 m

    Auf dem Weg zu Checkpoint 4 sind wir durch die Vororte von Sarajevo gefahren. Einer der Profi-Tipps für die Routenplanung ist, das Zentrum der Städte zu meiden. Das kostet meist zu viel Zeit. Das interessante hier ist, dass ich oft das Gefühl hatte, der Stadt und den Menschen in genau dieser Peripherie viel näher zu sein. Vielleicht „fehlen“ hier einfach die oft so mühsam aufrechterhaltenen touristischen Fassaden der Innenstädte. Aber das ist nur eine Hypothese.

    15:46
    204 km
    12,9 km/h
    2 900 m
    3 550 m

    The Reward: Nach drei Stunden schieben haben wir es tatsächlich geschafft: Wir sind auf dem Mt Bjelasnica, 2.067 Meter über dem Meer. Diese ganze Gegend ist von hoher historischer Relevanz. 1984 fanden hier die Olympischen Spiele statt, es wurden aber während des Krieges auch Menschen in diesen Gebäuden eingesperrt. Mit unseren 28er Reifen ist an ein Runterfahren übrigens auch nicht zu denken. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir wieder das CP4-Hotel und gönnen uns erstmal ein großes Frühstück.

    16:12
    275 km
    17,0 km/h
    1 490 m
    2 010 m

    Ja, das ist wohl der Teil des Transcontinental Races, den ich niemals gefahren wäre, wenn ich nicht nach Griechenland gemusst hätte: Albanien. Ein faszinierendes Land, wir werden oft gefragt, ob wir Schwestern sind. Dass zwei Frauen einfach so alleine Radfahren, das ist hier jedem ein bisschen suspekt. Wir werden überwiegen sehr freundlich behandelt, nur einmal in einem Restaurant nicht direkt bedient. Ungeplant machen wir dadurch eine sehr lange Mittagspause. Im Nachhinein war das aber gar nicht so schlimm, denn so haben wir die größte Hitze gemieden. Abends im Hotel gibt es zum ersten Mal eine längere Diskussion, bis wir unsere Räder letztendlich doch mit aufs Zimmer nehmen dürfen. Wir entscheiden, nachdem wir so gut in der Zeit liegen, dass wir die restlichen 321 Kilometer am nächsten Tag durchziehen. Um 4 Uhr wollen wir auf dem Rad sitzen.

    18:12
    322 km
    17,7 km/h
    3 730 m
    3 610 m

    Nach vier Stunden Schlaf sitzen wir wieder auf dem Rad: Königsetappe am Anfang – Königinnenetappe am Ende! Manchmal frage ich mich, wie wir das alles geschafft haben. Wir sind das erste und bis heute einzige Frauenteam, das das TCR innerhalb der Zeit gefinished hat (Was hoffentlich nicht so bleiben wird).Ich habe immer gewusst, dass es möglich ist, aber nicht, ob ich schon so weit bin. Und wieder einmal, auch wenn es abgedroschen klingt: du kannst echt mehr als du denkst. Irgendwann hatte ich auch die Ursache für die Knieschmerzen gefunden und so konnte ich das Rennen ab Checkpoint 3 richtig genießen. Im Ziel warteten Chas und Nico auf uns und ein Mann, der extra kurz vor Meteora noch an uns vorbeigeflitzt ist, um uns ein kaltes Bier reichen zu können. Wie gut das geschmeckt hat, kannst du dir sicher denken.

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Collection Statistik

  • Touren
    15
  • Distanz
    3 937 km
  • Zeit
    232:36 Std
  • Höhenmeter
    32 970 m

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