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peacemaker_fx

Über peacemaker_fx

Radfahren, Wandern, Paddeln, Joggen - Ich bewege mich gerne und bin gerne draußen in der Natur, möglichst weit weg von Autos und Motorenlärm. Mindestens einmal pro Woche versuche ich, der Stadt den Rücken zu kehren. Klappt nicht immer, aber oft. Meistens solo, ab und zu mit Freunden.
Eine sportliche Herausforderung ist fast immer mit dabei. Ich versuche aber diese nicht die Oberhand gewinnen zu lassen, sondern bewusst das Unterwegssein selbst als Erlebnis zu verstehen und zu gestalten. Klappt auch nicht immer, aber oft.
PN: felix(*at*]masurenburg.de

Distanz

15 323 km

Zeit

1312:10 Std

Letzte Aktivitäten
  1. peacemaker_fx war draußen aktiv.

    vor einem Tag

    04:09
    22,5 km
    5,4 km/h
    170 m
    170 m
    Bonnie24, Karen 🥾🚴‍♀️⛷️⛵ und 34 anderen gefällt das.
    1. peacemaker_fx

      Mein kleines Kajakabenteuer ging am Sonntagmorgen recht gemächlich weiter. Ich war wirklich ziemlich unausgeschlafen, da sich das Campingplatzrestaurant in Ukta mit dem Dunkelwerden in eine Großraumdiskothek verwandelte. Auch meine eigens für laute Zeltplätze bzw. schnarchende Zeltplatznachbarn mitgenommenen Ohrstöpsel schafften es nur bis zu einem gewissen Grad die dröhnende Musik einzudämmen. Ich komme mir so blöd dabei vor, der Jugend verbieten zu wollen am Samstagabend mal die Sau rauszulassen. Wenn ich aber schlafen will, kann ich auch nichts dagegen tun, dass ich in Gedanken das zum Grundstück führende Hauptstromkabel ausgrabe und kappe. So gegen 4:00 war es dann ruhig.Ein paar Grüppchen von Kajakfahrern war auch noch stromabwärts von Ukta unterwegs. Ein paar mehr, als ich erwartet hatte. Ein entspanntes und angenehmes Vorankommen war jedoch bequem möglich. An der Krutynia wechseln sich kleine Abschnitte am Waldrand mit solchen ab, die an Wiesen oder an schilfbewachsenen Sümpfen vorbeiführen. Der Fluss mäandert wild vor sich hin, was zusätzlich die Chance erhöht, auf einer kleine Strecke allein mit der Natur zu sein. Eine großer Teil der ungefähr 10 km bis zum Erreichen des nächsten Sees ist Naturschutzgebiet (Krutynia Dolna - falls ich mich auf Google-Translate verlassen kann, müsste das sowas wie Krutynia-Niederung heißen.) Mal abgesehen von den vielen Kurven verändert sich nicht sehr viel. Ein wenig schade ist es schon, dass man sich selbst an die schönsten Umgebungen mit der Zeit gewöhnt und nach irgendwas Besonderem sucht, obwohl alles um einen herum im Prinzip das Besondere und Einmalige darstellt. Kann man aber leider nicht viel dagegen machen, als es sich immer wieder in's Bewusstsein zu rufen. Die Krutynia, immer noch klar wie ein Gebirgsbach, mündet in den sehr stark verschilften und verkrauteten Gardyńskie-See, verlässt ihn jedoch auch gleich wieder nur ein paar Paddelschläge entfernt. Mit dem schönen klaren Wasser ist's dann leider vorbei. Durch einige ganz hübsche, vom Wald umgebene Seen geht es im Zick-Zack-Kurs dem Ende der Krutynia entgegen. Gleich hinter der Ortschaft Iznota mündet sie in einer tief eingeschnittenen Bucht in den Bełdany-See. Schon bevor man das letzte Stück des Flusses vollständig verlassen hat, dringt der Lärm der Motorboote heran. Nun ist nicht nur der Fluss zu Ende sondern leider die Ruhe. Schon zu Hause finde ich es auf den dichter befahrenen Seen relativ nervig mit dem Lärm, der Geschwindigkeit und den blöden Wellen klarzukommen, die der motorisierte Schiffsverkehr verursacht. (Wobei mir durchaus bewusst ist, dass Motorbootfahrer in Deutschland durch strenge Reglementierungen schon ziemlich an die Zügel genommen werden.) Hier in Polen geht es aber richtig ab. Scheinbar macht jeder was er will. Schneller, lauter und unvorhersehbare Richtungswechsel heißt die Devise. Ich sitze ja nicht zum ersten Mal in einem Paddelboot, aber die sich ständig kreuzenden und gegenseitig aufschaukelnden Wellen waren selbst für mich eine ganz schöne Herausforderung. Über diese kleinen Jetski, die sich einen Spaß daraus machen möglichst dicht an einem vorbeizudreschen, will ich lieber gar nicht erst anfangen zu schreiben. Den Lärm kann man sich ungefähr so vorstellen, als wenn eine große Motorraddemo durch die Stadt fährt. Vom nervösen Reng-teng-teeeeee über zorniges Wrmmm-Wrmmmmm bis zum röhrend-gurgelnden Bass à la Harley ist alles dabei. Hinter mir, im Westen, zog sich deutlich sichtbar ein Gewitter zusammen. Da ich sehr, sehr ungerne bei Gewitter irgendwo auf dem offenen Wasser unterwegs bin, hab ich nach einem Blitz versucht die Sekunden zu zählen, bis der Donner kommt, damit ich etwa einschätzen kann, wie viel Zeit ich noch habe. Es war nicht möglich. Die Motorboote waren tatsächlich lauter als der Donner. Oh, Mann. Wünschte ich mich auf den ruhigen Fluss zurück. Die Gewitterzelle trieb glücklicherweise rechterhand vorbei, sodass ich nicht vorzeitig Pause machen oder nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen musste. Nicht mal einen Tropfen Regen hab ich abgekriegt. In der Bucht von Wygryny ist es zu meiner Freude verboten hohe Wellen zu verursachen. Ätsch!Der private Zeltplatz hier ist eher ein Wohnmobilstellplatz und mit 40 Sloty mehr als doppelt so teuer als alle anderen vorher. Der Zeltplatztyp ist so wie man sich einen echten Platzwart vorstellt. Auf meine Frage, ob er deutsch oder englisch versteht, hab ich mir erstmal in einem eine Ansage in englisch-polnisch Mix eingefangen, dass wir ja in Polen sind und hier polnisch gesprochen wird. Nachdem er mir die Kohle abgenommen hatte, ist er auf sein klappriges, altes Damenrad gestiegen und hat mich die komplette Strecke über den Platz in 2 Meter Entfernung hinterherlaufen lassen, um mir die Stelle zu zeigen, wo ich mein Zelt hinstellen darf. Es war eine sehr gelungene Vorstellung und ich musste mehrmals aufpassen, nicht laut aufzulachen. Der Platz der mir zugewiesen wurde entschädigte aber für die ganze Lächerlichkeit. Gleich am Ufer, sodass ich sozusagen alles direkt vom Boot direkt ins Zelt werfen konnte. In Wygryny gibt es zwar zwei Einkaufsläden. Ein vernünftiges Restaurant hab ich aber nicht gesehen. Heute mal selber kochen. Hab ich den ganzen Kochkrempel doch nicht umsonst mitgeschleppt. Sehr lustig finde ich auch, dass Wygryny in Luftlinie nicht mehr als 3,5 km entfernt von meinem heutigen Startpunkt Ukta liegt. Eigentlich hätte ich auch das Boot und meinen ganzen Kram zusammenpacken und rübertragen können und wäre wohl noch früher hier gewesen. Aber darum geht es ja zum Glück nicht - weder beim Wandern auf Land noch beim Wasserwandern.

      • vor 23 Stunden

  2. peacemaker_fx war draußen aktiv.

    vor 2 Tagen

    Joe Penner, Hans Wurst - Das Original und 33 anderen gefällt das.
    1. peacemaker_fx

      Begleitet vom weiterhin spektakulär guten Hochsommerwetter startete ich diese Touretappe in Zgon. Vor mir lagen zunächst ca. 8 Kilometer auf dem Muckersee, Jezioro Mokre. Zeitweilig herrschte fast Windstille und der breite, längliche See schien in der brennenden Sonne zu liegen wie grünes, geschmolzenes Blei. Die Qualität des Seewassers ist momentan nicht besonders gut. Algenblüte in voller Ausprägung. Ich weiß nicht, wie lange die Hitzeperiode hier schon anhält. Fakt ist aber, dass er, wie viele masurische Seen, mit zwei Problemen zu kämpfen haben. Erstens mit einer hohen Eutrophierung, die vom Nitrat- und Phosphateintrag der Landwirtschaft herrührt, sowie zweitens der meist geringen Tiefe und damit einhergehenden schnellen Erwärung. Beides ist sehr förderlich für das starke Algenwachstum. Dem majestätischen Anblick des vollständig vom Wald umgebenen Gewässers, tut das natürlich keinen Abbruch. Immer neue Buchten tun sich rechts und links auf. Ein paarmal dachte ich schon, ich hätte das Ende des Sees erreicht. Aber wieder war es nur eine bewaldete Landspitze die sich bis weit ins Wasser vorschob oder eine der Inseln, die das Nordufer vortäuschte. Irgendwann war es aber dann doch erreicht. Hinter einer Brücke beendete ein Wehr die Weiterfahrt in den nächsten See. Daneben eine wirklich eklige Übersetzstelle. Ohne die Hilfe der polnischen Paddlertruppe, hätte ich vermutlich das Boot größtenteils entladen müssen, um es die steile, hölzerne Rampe hinaufzukriegen. Das vollgepackte Boot alleine zu heben, schaffe ich nicht. Besonders nicht, auf nassen, rutschigen Holzplanken. Zu zweit war es jedoch kein Problem. In den sich anschließenden kleineren Seen und die Abschnitte dazwischen, wurde das Wasser zusehends klarer, bis man, kurz vor dem Punkt, wo die Krutynia ausfließt, nahezu überall bis auf den Grund schauen kann. Hier beginnt nun der zweite und vollkommen andere Abschnitt der Flussbefahrung. Sogar anders noch, als die schon vorangegangenen Flussabschnitte der letzten Tage. Es war einfach unbeschreiblich schön. Das Flussbett schätzungsweise 10-15 Meter breit und meist nicht tiefer als 30 cm. Der kiesige und mit unzähligen Muscheln übersäte Grund glitzerte golden durch das glasklare Wasser während die rasche Strömung mich ohne einen Paddelschlag darüber hinweggleiten ließ. Die Ufer rechts und links sind mit Büschen und Bäumen eingefasst und steigen so steil an, dass man unwillkürlich an einen Gebirgsfluss denken muss. Auch hier tat sich wieder das Problem mit den umgestürzten Bäumen und unter Wasser liegenden spitzigen Ästen auf. Da das Wasser klar ist, kann man sie zumindest vorher sehen. Ausweichen ist dann nur noch von der aktuellen Geschwindigkeit abhängig. Ein anderes Problem machte mir jedoch weit mehr zu schaffen. Und zwar fast für den gesamten Rest der heutigen Strecke. Es hat sich wohl gut herumgesprochen, dass dieser Teil der Krutynia besonders schön ist und dass man stromabwärts auch ohne Anstrengung vorankommt. Das wird absolut gnadenlos vermarktet. Der vom Wasser aus sichtbare Teil des Ortes Krutyń besteht aus einem Kayakverleih neben dem nächsten. Schon auf dem kurzen Stück bis zum Dorf, wo man ja gegen den Strom paddeln muss, kamen mir so viele Paddelboote entgegen, dass ich mein zuvor, bei jeder sich bietenden Gelegenheit angebrachtes 'Dzień dobry' aufgab, Ab Krutyń wäre es dann genauso gewesen, als wenn man versuchte nachmittags über den Alexanderplatz zu laufen und jedem, den man trifft, 'Guten Tag' zu sagen. (Nicht, dass man das nicht machen könnte. Ist aber nicht so verbreitet.) Ein Wald von sich auf- und ab bewegenden Paddeln wogte quasi über dem Fluss. Von Vorwärtskommen war keine Rede mehr. An jeder Engstelle (z.B. durch im Wasser liegende Baumstämme) schaffte es mindestens einer der offensichtlich komplett unerfahrenen Paddelanfänger sich querzustellen, woraufhin alle Nachfolgenden dagegen trieben. Es war auch irgendwie lustig und die Stimmung war ausgelassen. Nicht zuletzt deswegen, weil eigentlich alle schon ziemlich angetüddert waren. Aber mit ungetrübten Naturerlebnis hatte es kaum mehr zu tun als eine Fußgängerzone in einer beliebigen deutschen Großstadt. Den absolute Gipfelpunkt wurde an der Mühle von Zielony Lasek erreicht. Dort müssen alle umtragen. Ein unglaubliches Gedränge an der schmalen Aussetzstelle. Anschließend ging es weiter wie vorher. Die Mehrzahl der Ausleihpaddelboote haben gegenüber meinem kleinen Bötchen zwei kleine Nachteile. Erstes sind sie länger und daher schwerer zu lenken und zweitens haben sie kein Steuerruder und daher sowieso schon schlecht zu lenken, wenn man nicht so richtig weiß, wie das geht. (Auch ein Grund, warum so viele es nicht schafften halbwegs geradeaus zu fahren und ständig jemand im Schilf steckenblieb.) Ich hatte irgendwann den Dreh raus, wie ich mich im Slalom durch die Menge bewegen, sodass ich wenigstens ab und zu mal ein Stück vorankam. Vielleicht sollte ich als Erklärung für dieses Phänomen hinzufügen, dass in Polen noch Ferien sind und dass Samstag ist. Ich vermute an einem Wochentag ist es sicher nicht so extrem, wie das, was ich heute erlebt habe. In Rosocha ist etwa die Hälfte der Tagesausflügler ausgestiegen. Ein weiteres Drittel hat es bis Wojnowo geschafft. Die letzten drei Kilometer bis Ukta waren dann schon erträglich. Damit es nicht ganz unter den Teppich fällt, obwohl ich mich statt auf die Umgebung mehr auf die anderen Boote konzentrieren musste: Es ist tatsächlich sehr schön hier und ich vermute auch ziemlich einzigartig, eine so lange Strecke auf einem sehr naürlichen, klaren Fluss fahren zu können. Ungefähr bis zu der Kurve bei Rosocha, wo die Krutynia von Norden kommend sich in weitem Bogen wieder dorthin wendet, fließt sie durch den Wald. Sie ist etwas tiefer als am Anfang und es gibt mehr Wasserpflanzen. Dann wird sie zu einem Wiesenfluss und ein Schilfgürtel befindet sich vor dem Ufer (laut Karte teils offenbar recht breit - Sieht man ja vom Boot aus nicht.) Dafür kann man an vielen Stellen Hügel, Kühe und Häuser dahinter erblicken. Eine sehr hübsche Gegend, soweit man es aus dieser Perspektive wahrnehmen kann. Definitiv zu Gute halten muss man den polnischen Paddlern außerdem, dass wirklich kein Müll herumliegt - keine Chipstüten im Schilf, keine angetriebenen Bierflaschen. Bei der Menge an Menschen hat mich das sehr beeindruckt.In Ukta war der Spuk dann vorbei. Weiter fahren die wenigsten. Endlich wieder etwas Ruhe und mal zehn-zwölf Paddelschläge hintereinander machen. Der PTTK-Campingplatz liegt ein wenig entfernt vom Ort und ist für Paddelboote eigentlich ungeeignet, da an einem recht steilen Ufer gelegen. Dafür hat es hier richtig Spaß gemacht im Fluss zu baden. Ich glaube in der Art habe ich das noch nie gemacht. Das Wasser ist so tief, dass die Pflanzen nicht stören und die Strömung ist so, dass man ohne große Anstrengung auf der Stelle schwimmen kann. Oder man lässt sich ein Stück flussabwärts treiben und muss anschließend ein wenig mehr strampeln, um zum Steg zurückzukommen.

      • vor 2 Tagen

  3. peacemaker_fx war draußen aktiv.

    vor 3 Tagen

    Alex.spielt.Cello, Dana und 38 anderen gefällt das.
    1. peacemaker_fx

      Tag 2 begann deutlich früher als Tag 1. Um zu vermeiden, dass ich mich wieder wie gestern so lange im Schlafsack herumdrehe, bis die Sonne auch über die höchsten Spitzen der Bäume aufgestiegen war, hab ich absichtlich das Zelt so hingestellt, dass es gleich die volle Ladung Morgensonne abkriegt. Daher bin ich schon um sieben aus den Federn und war schon recht gar. Ein kleines Bad in der Krutynia schaffte Abkühlung. Nebenbei gesagt, hat der Fluss für meinen Geschmack jedoch zu viele Wasserpflanzen, als dass ich so richtig ausgiebig darin baden möchte. Nachdem das morgendliche Einpack- und Verstauritual vollbracht war ging es zunächst noch ein Weilchen den Kurven des träge dahinströmenden Wasserlaufs nach. Der nächste Ort, Babieta, zu dem auch der Zeltplatz gehört, ist jedoch nicht weit. Dort wartete eine Premiere auf das neue Faltboot. Eine Umtrage. An der alten Mühle von Babieta musste das Boot über Land auf die andere Seite. Ich war erst mal ein wenig skeptisch, denn sowohl der Weg hoch zur Straße, wie auch zu der noch tiefer unten liegenden Einsetzstelle waren einigermaßen steil und steinig. Mit dem kleinen Bootswagen ging es aber dann doch besser als erwartet. Hinter der Mühle ist das Wasser wieder extrem flach und fließt recht flott. Hab gleich erstmal mit vollem Karacho auf einem riesigen unter Wasser liegenden Stein aufgesetzt. Als die Schrecksekunde überwunden und das Boot glücklicherweise unbeschadet wieder befreit war, tastete ich mich anschließend erstmal sehr, sehr vorsichtig weiter voran. Davon abgesehen war dieser Abschnitt wirklich wunderschön. Dort, wo viel Sonne bis nach unten dringt, bedeckt ein hellgrüner Teppich aus Wasserpflanzen das Bachbett. Das Wasser ist so schön klar, dass es aussieht, als schwebt man in wenigen Zentimetern darüber hinweg. An den Stellen, wo der Fluss den Wald durchquert, sieht man den sandigen Boden. Wo das Paddel eintaucht, stieben die kleinen Fische nach allen Seiten weg. Mir scheint, die Krutynia ist in der Vergangenheit nie vertieft und begradigt worden, wie fast alle kleineren Flüsse bei uns (zumindest in Brandenburg). Daher erscheinen die Ufer als regelrechte Wildnis. Und wegen der empfindlichen Außenhaut des Bootes muss man höllisch auf die vielen umgestürzten Bäume sowie unter Wasser liegende Äste achten. Kurz vor dem Erreichen des nächsten Sees, wird es dann breiter, tiefer und schilfiger und es folgt der bisher längste Seeabschnitt über den Großen und Kleinen Zyzdrój-See. Diese beiden aneinander anschließenden Seen erstrecken sich ca. 7 Kilometer in Nord-Süd Richtung. Wind kam von Ost. Also alles perfekt. Ruhiges Wasser. Kurz bevor der Große Zyzdrój See in den Kleinen übergeht, befindet sich mitten darin die sogenannte Liebesinsel. Sie ist ein sehr beliebter und begehrter Biwakplatz (Ist bestimmt ganz schön da, sofern man eine freie Stelle auf dem winzigen Eiland ergattern kann). So ganz klar ist mir bisher noch nicht geworden, was Biwakieren in Polen bedeutet. Bisher scheint es mir identisch zu Wildcampen zu sein. Es gibt auf der Karte zwar eingezeichnete Biwakplätze. Vor Ort gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, inwiefern man hier legal sein Zelt hinstellen kann. Die Polen haben offenbar einen recht ungezwungenen Umgang damit.Am Ende des Kleinen Zyzdrój-Sees wartete die zweite Umtragestelle an einem sehr hohen Wehr. Noch ein wenig höher und steiler als die letzte. Aber jetzt war ich ja schon geübt. Dahinter ist die Krutynia im Gegensatz zu den anderen Flussabschnitte davor relativ breit und wird auf beiden Seiten von einem Schilfgürtel begleitet. Ein kleiner Knick am Ende des Spychowo-Sees beendet vorerst die seit Fahrtbeginn in Sorkwity vorherrschende Fahrtrichtung Süden. In Spychowo macht die Krutynia einen U-förmigen Bogen nach Osten und wendet sich dann wieder zurück nach Norden. Auch hier bleibt sie weiterhin breit und meist tiefer als einen Meter. Man könnte sagen, sie ist vom Bach zu einem richtigen kleinen Fluss geworden. Hinter Koczek mündet sie wieder in einen See, den man aber quasi nur am Südende streift. Eine Kette weiterer kleiner Seen mit sehr steil ansteigenden, bewaldeten Ufern bringt einen schließlich zum Jezioro Mockre - dem Muckersee. Der größte bisher. Von dem südlichen Zufluss, wo man in den See einfährt, kann man die ganze Ausdehnung gar nicht richtig erfassen. Irgendwo da ganz hinter ist er wohl zu Ende. Ein prachtvoller Anblick ist es jedenfalls. Das Befahren folgt aber erst morgen. Stopp für heute ist in Zgon. Ich hab lange hin- und her überlegt, ob ich wirklich hier übernachten soll, denn die stark befahrene Fernverkehrsstraße führt gleich in der Nähe des Sees durch den Ort. Aber es gibt auch einen kleinen Einkaufsladen und ein Restaurant mit schönem Biergarten. Glücklicherweise ist das Areal zum Zelten aber sehr schön und wird durch Bäume und einen Hügel von der Straße abgeschirmt. Ganz verschwinden tut die Geräuschkulisse natürlich nicht. Es wird aber auf ein erträgliches Maß reduziert. Also bin ich da geblieben.

      • vor 3 Tagen

  4. peacemaker_fx war draußen aktiv.

    vor 4 Tagen

    🥾Robin💥, Joe Penner und 38 anderen gefällt das.
    1. peacemaker_fx

      Nachdem mein Fahrradurlaub vergangenes Jahr in Italien recht straßenlastig war, hatte ich mit für dieses Jahr fest vorgenommen, irgendwohin zu fahren, wo ich wenig bis gar keine Autos sehen und hören muss. Paddeln schien dafür bestens geeignet. Den ursprünglichen Plan 'Finnland' habe ich coronabedingt zunächst mal verschieben müssen, da die ganze Planungsphase genau in die Zeit fiel, wo völlig unklar war, ob eine Reise dorthin überhaupt möglich sein würde. Wie auch immer, in den Masuren war ich auch erst einmal, kurz nach dem Abi irgendwann mal gewesen. Das Gebiet ist touristisch gesehen bestens erschlossen und man kommt von Berlin in ca. 8 Stunden und zwei mal Umsteigen recht schnell und unkompliziert dorthin. Ich habe den Schwierigkeitsgrad noch dahingehend erhöht, dass ich mein eigenes Faltboot durch Züge und Busse geschleppt habe. Falls jemand vorhat auch sowas in Angriff zu nehmen, dem sei gesagt, dass der polnische Tourismusverband PTTK überall in den masurischen Seen Stationen unterhält, wo man Boote leihen und auch an jeder anderen Station wieder abgeben kann. Unter den Paddeltrips in der Masurischen Seenplatte ist eine Kruttinafahrt eins der absoluten Highlights. Ja, das wollte ich machen. Der beste Ort für den Start ist Sorkwity (dt. Sorquitten). Das Dorf selbst liegt an der Fernverkehrstrasse zwischen Olsztyn (dt. Allenstein) und Giżycko (dt. Lötzen). Daher gibt es dort 1-2 Geschäfte, eine Bushaltestelle und den PTTK-Stützpunkt mit Campingplatz. Ein sehr schickes kleines Schloss mit vielen Türmen, Erkern und Zinnen, befindet sich am Rand des ansonsten eher uninteressanten Örtchens. Mir hat der Zeltplatz gut gefallen. Er hat einen rundlichen Grundriss und ist abgesehen von der Seeseite von einem Ring kleiner spitzer Ferienhütten umgeben. Ganz in der Mitte befindet sich die Rezeption mit kleinem Laden und Restaurant. Fast der ganze Platz dazwischen ist Wiese zum Zelten (keine Dauercamper mit Gartenzwergen, Autos müssen draußen auf dem Parkplatz bleiben.)Bei dem herrlichsten Sommerwetter hab ich mich von der allgemeine trägen Urlaubsstimmug anstecken lassen, relativ lange herumgetrödelt und Kaffee getrunken, bevor ich in die Gänge kam. Aber wie schön war es dann, wieder übers Wasser zu gleiten. Vor mir nur die große, glatte Wasserfläche, den blauen Himmel, getrennt durch ein schmales Band von Bäumen. Allmählich verschwinden die Landgeräusche - Musik aus der Campingplatzkneipe, Kreischen der Kinder an der Badestelle, Dorfkrach. Irgendwo dahinten zwischen dem Schilf würde ich den See wieder verlassen. So ganz alleine war ich natürlich nicht. Dafür ist die Kruttina auch in Polen viel zu bekannt. Glücklicherweise sehr moderat, kein Massenansturm. Der erste See Jezioro Lampackie und der zweite Jezioro Lampasz gehen direkt ineinander über und sind nur durch schmale, verschilfte Stellen voneinander getrennt. Spannender wurde es dann am Ende des zweiten. Wildwasser wäre sicher maßlos übertrieben. Aber es gab eine deutlich spürbare Strömung, die mich innerhalb kürzester Zeit auf der nächsten Stelle des äußerst flachen Flussbettes aufsetzen ließ. Ich hab wirklich mehrmals probiert wieder in das Boot einzusteigen und zu paddeln, wenn das Wasser so tief wurde, dass es mir bis über die Knöchel reichte. Weiter als fünf-sechs Meter ging aber nicht. Irgendwann hab ich das es aufgegeben und bin den restlichen Kilometer einfach das Boot hinter mir herziehend auf dem kiesigen Grund des Bachbetts gelaufen. War auch mal eine Erfahrung. Wer schon mal auf der Schwanhavel gepaddelt ist, kennt vielleicht solche eine Situation. - Ist so ähnlich, nur länger und mit vielen Steinen. Auch wenn durch die ganze Sache der Abenteuercharakter der Tour hervorgehoben wurde, war ich dennoch froh, dass diese Art der Fortbewegung sich auf den folgenden flussartigen Abschnitten der Kruttina nicht fortsetzte. Ähnlich wie die Havel in MeckPomm und Brandenburg fließt die Kruttina von See zu See. An einigen gibt es Dörfer, andere wirken so abgeschieden, dass man denkt: So ähnlich könnte es auch in Kanada aussehen. Fast alle Seen sind vom Wald umgeben. Dort, wo keine Bäume am Ufer stehen und man hinter der Wasserfläche ein wenig in die Landschaft schauen kann, bekommt man einen kleinen Eindruck von dem hügligen Charakter des Masurenlandes. Die Seen haben größtenteils grünes, nahezu undurchsichtiges Wasser. Beim Eintauchen des Paddels, sieht man die Spitze schon nicht mehr, wenn gerade das Ende des Blattes erreicht ist. Je weiter man flussabwärts vorankommt, desto klarer wird es aber. Besonders am Ende des Gant Sees, wo sich der Flusslauf viele hundert Meter durch ein ausgedehntes Schilfareal schlängelt, ist die Kruttina wasserklar. Die Abschnitte zwischen den Seen sind in der Regel stark verkrautet. Ich kann mir keinen so richtigen Reim darauf machen, ob der oft sehr schmale Durchlass für die Paddler künstlich freigehalten wird oder ob der hier überall motorlose Bootsverkehr alleine ausreicht um das Vordringen des Schilf und der Seerosen zu stoppen. Teilweise muss man jedenfalls ganz schön ackern, um nicht zwischen den Wasserpflanzen stecken zu bleiben. Auch werden umgefallene Bäume oder unter Wasser liegende Äste nicht bzw. nur selten entfernt. Den Paddler im Plastikboot stört's wohl nicht weiter. Mit der zwar robusten, aber bei weitem nicht unzerstörbarem Gummihaut meines Faltboots, geht das schabende Geräusch beim Überqueren eines Unterwasserhindernisses immer mit einem mulmigen Gefühl einher. Möge die Strömung weiterhin mit mir sein.Ende der heutigen ersten Etappe ist die PTTK-Station Babięta (dt. Babienten). Die Zeltwiese liegt etwa 15 Meter über dem Wasserspiegel des Flußlaufs. Viele Treppenstufen, bis all der ganze Kladderadatsch vom Boot nach oben gewandert ist. Das frisch Gezapfte in dem kleinen Zeltplatzrestaurant entschädigt für diese Mühe.

      • vor 4 Tagen

  5. peacemaker_fx war wandern.

    26. Juli 2020

    08:16
    42,7 km
    5,2 km/h
    430 m
    380 m
    1. peacemaker_fx

      Nachdem ich Joe's Uckermarkbilder von seiner Strong-Viking-Challenge (z.B.: komoot.de/tour/224949492) in den vergangen Tagen gesehen hatte, verlockte es mich, auch mal wieder eine Tour in die Rolling Hills von Brandenburg zu machen. Sonntag früh: Auf nach Schwedt! - Von mir zuhause eine Stunde Zugfahrt ohne Umsteigen. So leid es mir tut, liebe Einwohner von Schwedt, aber beim Rennen um die ersten Plätze im Wettbewerb der schönsten Städte in Brandenburg seid ihr, glaube ich, nicht dabei. Ich gebe gerne zu, mein Timing war sicher semioptimal. An dem trüben Sonntagvormittag in der Ferienzeit wirkt die Stadt quasi wie ausgestorben. Die ersten beiden Eindrücke nach dem Aussteigen am Bahnhof Schwedt-Mitte waren der unendlich große, leere Parkplatz hinter dem Oder-Center und der Blick entlang der unendlichen langen, schnurgeraden, leeren Lindenallee, gesäumt von Plattenbauten. Auch wenn die Gebäude schön saniert sind und es hier und da was zu gucken gibt, wirkte es auf mich doch irgendwie trostlos, so fast ganz allein durch die menschenleere Schlucht zwischen den eckigen Betonblöcken zu laufen. Erst unten am Wasser (das gar nicht die Oder ist, sondern ein künstlich angelegter Kanal) waren ein paar Leute zu sehen, die sich um eine Eisbude scharten, wobei schätzungsweise die Hälfte davon Oderradwegtouristen waren. Nachdem ich die Stadt vom Bahnhof zum Wasser bereits einmal durchquert hatte, führte mein Weg von dort in fast entgegengesetzter Richtung erneut hindurch. Jetzt durch das Viertel rund um die Fußgängerzone Vierradener Straße, wo der 2. Weltkrieg ein paar der historischen Gebäude übrig gelassen hat. Schwedt war bei Kriegsende lange und heftig umkämpft worden und wurde dabei fast vollständig zerstört. Deswegen sicher auch die vielen Plattenbauten. Auch hier kaum ein Mensch unterwegs. An dem sehenswerten Wasserturm des ehemaligen Wasserwerks ging es dann zu Stadt hinaus. Platte gab es weiterhin. Nun nicht mehr als Gebäude rechts und links sondern unten auf dem Weg. Dieser führt um eine sehr große Kleingartenkolonie herum. Rechts Hecke, links Wassergraben und mehr Autos als ich beim Weg durch die Stadt insgesamt habe herumfahren sehen. Der weite Blick über die Polderwiesen des flachen Odertals und die ansteigende Hänge am gegenüberliegenden, polnischen Ufer der Oder entschädigen ein wenig. Erst kurz vor Meyenburg wurde es dann natürlicher. Der folgende, längere Wegabschnitt zwischen Meyenburg und Flemsdorf hat mir heute am besten gefallen. Eine Weile läuft man zunächst noch unten im Odertal am Rand eines Wäldchens, dass sich entlang der Talhänge erstreckt, bevor es in der Nähe von Zützen nach oben über die sogenannten Schlangenberge geht. Bis hierher entspricht meine Wanderung dem Verlauf des Märkischen Landwegs. Oberhalb des Odertals schließt hier sich die wunderbare, sanft gewellte Hügellandschaft der Uckermark an, die einem allerorts diese wohlgefällige Blicke öffnet, welche das Auge so gern hat: Eine kleine Kette rundlicher Hügel hier, eine Talschüssel mit einem runden, buschumkränzten Teich in der Mitte da, ein kleines Wäldchen, welches den Hang hinaufkriecht, dort. Nicht mal der mit Betonformsteinen gepflasterte Fahrweg kann das vermiesen.
      Oben, zwischen den Hügeln befindet sich eine kleines Seengebiet. Am Briesensee gibt es eine Badestelle, sogar mit richtiger Liegewiese. Halb im Sand versunkene Treppenstufen und überwucherte kleinen Betonmauern erinnern daran, dass es hier früher mal eine richtige Badeanstalt gegeben hat. Bei dem regnerische Wetter waren heute jedoch keine Badegäste sondern nur einige Angler am See unterwegs. Auf dem Karlsberg steht die Ruine eines alten Vorwerks. Halb verfallene rote Ziegelgebäude - fast komplett zugewuchert, der Garten mit alten Obstbäumen - ganz verwildert. Sehr romantisch. Zumindest ich als Stadtmensch fange gleich an zu träumen, wie schön das sein müsste hier oben, gleich hinter der Hügelkuppe auf dem Berg zu wohnen, weitab von den Menschen, Lärm, Stress und Dreck der Stadt.
      Am Pagelsee vorbei führt ein Plattenweg. Ein Stück weiter, neben dem dem Großen und kleinen Buttersee hat der Bauer seinen Fahrweg nach oben auf das Feld verlegt, sodass man jetzt im Sommer sehr schön auf dem alten Feldweg zwischen den Büschen und Bäumen durch das ungemähte, hohe Gras voller Sommerblumen wandern kann. Natur pur, inklusive nasser Hosen bis zu den Knien. Kurz vor Flemsdorf mündet der Weg auf die Landstraße, der man bis ins Dorf hinein ein Stück folgen muss. Den hier recht schnell fahrenden Autos entkommt man aber gleich hinter dem Ortsschild wieder. Ein Feldweg führt hinunter zum Flemsdorfer Haussee an dessen Ufer man anschließend entlangwandern kann. Ich bin allerdings doch noch mal hoch zur Straße, um einen Blick auf die kleine, trutzige Kirche zu werfen. Das Kirchenschiff hat zwei Türen, von eine schmaler und niedriger ist als die nächste. Wenn ich was dabei gehabt hätte um nachzumessen, dann hätte ich mir den Spaß gemacht. Ich würde aber mal schätzen das die Durchgangshöhe jeweils maximal 1,50 ist. Sehr putzig. Aus Flemsdorf hinaus hatte ich ein wenig Navigationsprobleme, da eingezeichnete Wege nicht mehr existierten bzw. über versperrte Grundstücke führten. Ich werde das demnächst mal bei Openstreetmap korrigieren. Zunächst kann man das Dorf nicht am Seeufer passieren. Den Weg gibt es nicht mehr. Und als zweites ist der Weg über den Johannishof oben auf dem Berg mit einem großen Metalltor verschlossen, sodass ich am Feldrand außen um das Gelände herumgelaufen bin. Kurz dahinter trifft man aber wieder auf einen schönen Feldweg, der zum Flemsdorfer Wald und in das Naturschutzgebiet "Felchowseegebiet" führt.Eine Weile konnten die Kronen der Bäume den nun einsetzenden starken Regen noch abhalten, worüber ich erstmal ganz froh war. Aber irgendwann tropft es ja dann doch überall. Falls man sich nicht durch die dichten Büsche kämpfen will und den Morast am Ufer, sieht man auf dem Wanderweg, fast nichts von den kleineren Seen - Wustrowsee, Kleiner und Großer Strewensee. Ab und zu blinkert die Wasserfläche mal hinter den Bäumen hervor. Um da herunterzukraxeln war es mir zu dem Zeitpunkt zu nass. Der Wald hat mir aber sehr gut gefallen dort. Ursprünglich ist es bis zur Wende scheinbar der übliche Kiefernforst gewesen. Kurz danach wurde das Naturschutzgebiet eingerichtet und seitdem breitet sich eine Wildnis junger Bäume und Büsche zwischen den alten Kiefern aus. Am Großen Felchowsee gibt es eine Stelle, wo man nah ans Ufer kommt, sofern man das nah nennen kann. Denn der der See hat so wenig Wasser, dass ein 15 - 20 Meter breiter Streifen des schlammigen Seegrundes trocken liegt. Hatte was von Wattenmeer bei Ebbe. Ich bin ja nicht empfindlich, habe mich aber trotzdem gefreut, dass der Regen wieder aufhörte und sich nun ein immer breiter werdender Streifen blauen Himmels von Westen heranschob. Als ich in Pinnow ankam, strahlte bereits die Sonne und meine Regensachen konnte ich schon wieder trocken im Rucksack verstauen. Nach kurzer Besichtigung des riesigen Gutshofensembles ergriff ich gleich die Gelegenheit der Wanderung noch eine kleine sommerliche Wendung zu verpassen, indem ich mich für ein halbes Stündchen im Biergarten des kleinen Restaurants "Eisschmiede" niederließ. Schön da. Im Nachhinein würde ich sagen, hier wäre eigentlich die bessere Gelegenheit gewesen, die Wanderung zu beenden. Das ist sogar gut möglich, denn in Pinnow gibt es einen Bahnhof. Bis auf wenige Stellen war die restliche Strecke zum Wandern eigentlich nicht mehr so besonders attraktiv. Das wusste ich aber da noch nicht und da der Plan lautete "Wandere nach Angermünde!", konnte ich ja auch nicht so einfach abbrechen. Also weiter. Von Pinnow ging es auf der Landstraße über die Hügel nach Mürow. Mit dem Kopfsteinpflaster sieht es am Anfang wenigstens noch ganz schön aus, spätestens ab der Brücke über die Bundesstraße 2 wandert man auf Asphalt, die Straße ist schmal und die Autos schnell. Zum Glück ist dort nicht viel Verkehr. Im Mürow gibt es einen sehr verwilderten Lennépark und daneben ein ausgesprochen hübsches Gutshaus, Schloss genannt. Es wird gerade saniert. Dach und Fassade sind bereits fertig. Die Anlage des Dorfes rund um den großen Teich in der Mitte gefiel mir ebenfalls sehr gut. Nun ginge es nach Dobberzin zum Mündesee hinüber. Der etwas eintönige, gerade Schotterweg ab Mürow verläuft zwischen Windkraftanlagen und Weizenfeldern den Hügel hinauf. Oben biegt man nach rechts auf einen Plattenweg ab. Der ist schon etwas schöner und grüner, die Aussicht auf die Landschaft ist besser und es gibt keine Windräder. Teilweise wird er sogar von einer Allee kleiner Obstbäume gesäumt. Der ganze Wegabschnitt ab Mürow gehört zum Weitwanderweg „Uckermärker Landrunde“.Unten am Fuß des Hanges liegt das Dorf Dobberzin. Weil es bereits relativ spät war, hab ich mir das Dorf nicht mehr angesehen sondern bin durch die Kleingartenkolonie gleich zum Mündesee. Der um den See führende Rundweg brachte mich nach Angermünde. So richtig begeistert hat mich dieser spezielle Abschnitt des Mündeseerundweges nicht. Nur ganz am Anfang kommt man in die Nähe von Wasser. Dann geht es meist auf einem asphaltierten Weg in einiger Entfernung und außer Sichtweite des Sees durch Kleingarten- und Einfamilienhaussiedlungen sowie hinter den Brachflächen ehemaliger Industriegebiete entlang. Auf dem Weg durch Angermünde strahlte zum Abschied noch einmal die Sonne. Jetzt, Ende Juli, merkt man schon ein wenig, dass die Tage wieder kürzer werden. Nur die Hausdächer bekommen kurz nach 8 noch direktes Licht. Unten auf der Straße ist Schatten. Zum Glück hält der Sommer ja noch einige Wochen. Viel Zeit.

      • 29. Juli 2020

  6. peacemaker_fx war draußen aktiv.

    13. Juli 2020

    Der Bernauer 🇫🇷🇩🇪, Joe Penner und 28 anderen gefällt das.
    1. peacemaker_fx

      Eigentlich hatte ich gar keine Unternehmungen geplant, sondern wollte heute lediglich ein paar Kleinigkeiten im Haushalt erledigen und ansonsten faulenzen. Aber ich sollte mich wohl besser kennen, um zu wissen, dass ich es bei dem herrlichen Sommerwetter nicht schaffe stillezusitzen. Bis halb 11 hab ich es ausgehalten, dann hab ich mir das Faltboot geschnappt und in die S-Bahn gezerrt. Um nicht noch mehr Zeit zu verplempern, musste es eine Tour werden, die vor allem schnell zu erreichen wäre. Die Gewässer der Dahme und Spree rund um den Müggelsee kannte ich schon. Warum also nicht mal 'ne volle Schippe Berlin. Die ganze Stadt ist ja mit Kanälen und Flussläufen durchzogen. Wer sich gelegentlich meine Tourbeschreibungen durchliest, weiß, dass ich Outdooraktivitäten eigentlich viel lieber weitab von der Stadt, mitten in der Natur absolviere. Momentan empfinde ich Berlin allerdings recht erträglich. Es herrscht die etwas schläfrige, gemütliche Ferienstimmung. Wenn man die Gesichter der Menschen anschaut, scheinen viele entspannter und glücklicher zu sein als sonst. Überall sieht man Leute herumsitzen, was trinken oder einfach nur so in der Sonne chillen. Selbst die Autos gucken nicht mehr so böse und gemein, wie es ihre Designer vorsehen haben und sind irgendwie netter als gewohnt. Auf dem Wasser kommt wegen der ungewohnten Perspektive und der Distanz zum quirligen Leben oben an Land noch mal eine gehörige Portion Urlaubsfeeling dazu. Das Boot aufgebaut und eingesetzt habe ich in der Nähe des S-Bahnhofs Jungfernheide. Dort wo der Westhafenkanal in die Spree mündet gibt es eine kleine Hundewiese. Leider war da echt wenig Platz, weil der größte Teil von einer Baustelle in Anspruch genommen wurde. Das etwas unhandliche Boot auf der schmalen, steilen Treppe zum Wasser hinunterzutragen, war doch ein wenig hakeliger und spannender als geplant. Umso schöner, als ich dann endlich auf dem Wasser war. Leinen los. Ahoi.Vom Schloss Charlottenburg auf der rechten Seite sieht man nichts. Nur ein Eckchen des Belvedere taucht kurz aus dem Grün hervor. Auf der Uferpromenade am Rand des Schlossparks sind Spaziergänger und Radfahrer unterwegs. Fast jede Bank am Wasser ist besetzt. Viele folgen dem Winkreflex, der durch Wasserfahrzeuge ausgelöst wird. Gegenüber rollt der Verkehr auf dem Tegeler Weg. Hinter der Schlossbrücke geht es nach der Kurve noch ein kleines Stück auf der Spree weiter. Unweit des Heizkraftwerks Charlottenburg trifft man auf eine große Wasserwegkreuzung. Der Charlottenburger Verbindungskanal und der Landwehrkanal zweigen hier von der Spree ab. Deren Flusslauf durchquert das Zentrum Berlins in großen Bögen. Zwischen Humboldthafen beim Hauptbahnhof und Oberbaumbrücke ist die Spree jedoch für Paddelboote gesperrt. Daher steuerte ich nach rechts in den Landwehrkanal hinein und paddelte auf dem schönen und ruhigen Abschnitt zwischen Salz- und Einsteinufer bis zur Charlottenburger Brücke. Dort überquert die Straße des 17. Juni den Kanal. Gleich dahinter folgte an der Unter- oder auch Tiergartenschleuse genannt die erste der beiden heutigen Schleusungen. Etwas mehr als einen Meter geht es hinauf. Wie schon beim Schlosspark Charlottenburg, bekommt man auf dem kurzen Stück, wo der Landwehrkanal neben dem Tiergarten verläuft, von dem Park so gut wie nichts mit. Wäre natürlich cool, wenn es eine Verbindung zum Neuen See geben würde. Dann könnte man einen lustigen, kleinen Abstecher in den Tiergarten machen. Ich vermute aber, der Wasserspiegel der Tiergartenteiche liegt ein wenig höher, als der des Kanals. Ohne eine weitere Schleuse wäre das nicht machbar. Aber angenehm ruhig ist es hier zwischen Zoo auf der einen und Park auf der anderen Kanalseite. Ab der Stelle wo die beiden hübschen Brücken Rosa-Luxemburg-Steg und Lichtensteinbrücke das Wasser in eleganten Bögen überspannen, ist der Landwehrkanal mit hohen, steinernen Mauern eingefasst. Ich war ganz froh, dass heute keine Ausflugsdampfer unterwegs waren. (So ganz genau habe ich es nicht ermitteln können, aber evtl. ist das Befahren durch große Schiffe momentan sogar ganz verboten.) Mir war es recht, denn die Dinger sind breit und lang, der Kanal schmal und mein Bötchen klein und zerbrechlich. Mal schnell an's Ufer geht wegen der hohen glatten Wände nicht.
      Ohne den Dampfertourismus war es daher auch hier ein gemütliches Dahingleiten auf dem Wasser zwischen den Alleen aus alten Bäumen rechts und links. Da merkt man, dass der große Meister Lenné den Kanal geplant und gebaut hat - nicht nur praktischer Nutzen für damals stark wachsende Stadt Berlin, sondern auch Natur, Ästhetik und Erholung. Bei seiner Fertigstellung im Jahr 1850 lag der Landwehrkanal allerdings weit außerhalb der Stadtmauern. Da war noch Platz und man konnte es sich wohl leisten, die Promenadenwege am rechten und linken Ufer anzulegen. Heute ist es ein Schatz in der dicht bebauten Stadtlandschaft.
      Hinter der Möckernbrücke wird es dann deutlich lauter. Hoch oben, auf Stelzen, fast schon über das Ufer hinausragend, verläuft die Strecke der U-Bahnlinien 1 und 3 am Halleschen Ufer. Von beiden Ufern dröhnt zudem der Autoverkehr der dichtbefahrenen Straßen bis hier herunter. Die Enten und Blässrallen scheinen sich daran gewöhnt zu haben und bauen hier in aller Seelenruhe ihre Nester auf die Ufersteine. Urlaubsfeeling gab es dann wieder am Urbanhafen. Der Kanal ist hier verbreitert und auf beiden Seiten sind Grünanlagen. Dort traf ich dann auch zum ersten mal, seit ich gestartet war, auf andere Wassersportler. Ein- zwei elegante Stehpaddler sowie ein paar weniger dynamisch wirkende Jugendliche, die mit Schlauchbooten umhertrieben und bei Musik und Getränken die Sonne genossen. Sogar ein anderer Kajakfahrer begegnete mir. Auf dem letzten Abschnitt des Landwehrkanals zwischen Maybach- und Paul-Linke-Ufer rücken die Häuser recht nah an den Kanal heran. Der baumgesäumte Grünstreifen bleibt zum Glück erhalten. In der Nähe des Lohmühlenplatzes, wo die Stadtbezirke Treptow, Neukölln und Kreuzberg aufeinandertreffen, zweigt der Neuköllner Verbindungskanal ab, über welchen man weiter zum Teltowkanal und in die Dahme gelangen kann. Der Landwehrkanal macht einen Knick und mündet hinter der Oberschleuse an der Lohmühleninsel zurück in die Spree. Der Fluss scheint hier plötzlich gigantisch breit zu sein und auch außerordentlich geschäftig. Hier waren sie dann, die Ausflugsschiffe. Eins folgte dem nächsten. Nach dem ruhigen Kanal musste ich mich erst mal an den Wellengang gewöhnen. Der Abstecher zu Oberbaumbrücke musste einfach sein. Den Blick aus der Wasserperspektive auf Berlins schickste Brücke wollte ich mir nicht nehmen lassen. Vorbei an den mondänen Repräsentationsgebäuden am Osthafen, Molecule Man, Treptower und unter der Elsenbrücke hindurch ging es anschließend weiter spreeaufwärts. Ich bin auf der Stralauer Seite geblieben. Vor den Schiffen der Dampferflotte, die dicht an dicht das Ufer des Treptower Parks einnehmen, hatte ich ein wenig Angst. Wenn die rückwärts ausparken, bemerken die so ein kleines Paddelboot bestimmt nicht. Weiter oben hab ich dann doch noch mal die Seite gewechselt, um eine Runde um die Insel der Jugend zu drehen und ein Foto von der Abteibrücke zu erhaschen. Dort gibt es einen Bootsverleih. Dem entsprechend waren hier eine Menge Kajaks, Kanadier und Tretboote unterwegs. Den Abschluss der Tour bildet nach neuerlicher Überquerung der Fahrrinne die Rummelsburger Bucht. Diese taucht ja regelmäßig in der Nachrichten auf - wilde Bootsparties, wütende Anwohner und sich anschließender Einsatz der Wasserschutzpolizei, die schwimmende Aussteiger-Hausbootsiedlung Neu-Lummerland, Dreck und Müll im Wasser, Anker- und Anlegeverbote, Berlins größtes Obdachlosencamp, Besetzung- und Räumung des Schiffs 'Freibeuter'. Heute Nachmittag war dort alles sehr unspektakulär und friedlich. Sogar eine halbwegs passable, freie Stelle zum Aussetzen und Boot abbauen gab es neben dem Paul und Paula Steg. Alles in Allem ist es doch eine ganz gelungene Tour geworden und hat Spaß gemacht. Nicht zuletzt hatte das spitzenmäßige Wetter natürlich auch einen hohen Anteil daran. Es ist sehr witzig, die Stadt mal aus dieser Perspektive anzuschauen, insbesondere solche Stellen, die man von Land aus kennt. Über die Baerwaldbrücke führt zum Beispiel mein täglicher Weg zur Arbeit. In den paar Sekunden, während ich mit dem Rad dort entlangsprinte, werfe ich immer einen kleinen Seitenblick auf den Urbanhafen. Nochmal muss ich diese Paddelstrecke aber trotzdem nicht machen. Dann lieber doch raus in die Natur.

      • 14. Juli 2020

  7. peacemaker_fx war Fahrrad fahren.

    9. Juli 2020

    09:20
    219 km
    23,5 km/h
    1 330 m
    1 330 m
    Joe Penner, Morky und 99 anderen gefällt das.
    1. peacemaker_fx

      Mein Bruder und ich hatten schon seit längerem den Plan, uns mal zum Pizzaessen zu treffen, wobei jeder von uns beiden von zu hause angeradelt kommt. Nun nicht unbedingt, weil Wittenberg eine berühmte Pizzametropole ist, sondern weil es ungefähr in der Mitte zwischen unseren beiden Wohnorten Halle/Saale und Berlin liegt. Jetzt haben wir das mal in die Tat umgesetzt. Es war eine schräge Idee, hat super geklappt, unheimlich Spaß gemacht und war mega anstrengend. Aber ich bin echt froh, dass ich einen Bruder habe, mit dem ich solche abgefahrenen Sachen machen kann.Eine ausführliche Routenbeschreibung erspare ich euch bei der Streckenlänge lieber. Auf dem Hinweg habe ich einfach versucht die kürzeste und schnellste Strecke zwischen Berlin und Wittenberg zu wählen, die man mit dem Fahrrad nehmen kann. An den Hauptverkehrsstraßen quer durch Berlin bis Charlottenburg, Kronprinzessinenweg durch den Grunewald und von Wannsee über den Kilometerberg nach Potsdam. Morgens zwischen 6 und halb 8 ist das Verkehrsaufkommen noch gering und überall dort, wo man damit in Berührung kommt, gibt es in der Regel gute oder zumindest benutzbare Radwege.
      Auf der Glienicker Brücke habe ich lange hin und her überlegt, ob ich nicht doch lieber versuche, den R1 nach Wittenberg zu nehmen. Das wäre mit Sicherheit die schönere und weniger straßenlastige Variante gewesen. Aber auch 30 km weiter und mitten über die Hügel des Hohen Fläming. Da es in jedem Fall heute wohl 200 km würden, hab ich's gelassen und bin die Via Imperii gefahren, seit einigen Jahren auch als Bundesstraße 2 bekannt. Die Strecke ist relativ langweilig, gerade und wegen des reichlichen PKW und Lasterverkehrs auch laut. Dafür ein guter Kilometerfresser. In Brandenburg gibt immer einen Radweg neben der Straße. An der Grenze zu Sachsen-Anhalt ist es damit vorbei und die 15 km über die Fläminghügel muss man am Rand der rechten Spur fahren und sich in wenigen Dezimetern Entfernung von dicken Sattelschleppern überholen lassen.
      Unterwegs ist mir etwas passiert, was ich noch nie hatte. Und zwar ist der Mantel des Hinterreifens an der Seite ein Stück aufgerissen und hatte seitdem eine kleine Beule. Diese machte sich sehr unangenehm durch gleichmäßiges Hoppeln bemerkbar und verursachte die unbehagliche Sorge davor eventuell ein paar Kilometer schieben zu müssen, falls das Hoppeln nach einem lauten Knall aufhören würde. Ist zum Glück nicht passiert und in Wittenberg gibt es mehrere Fahrradläden. Nach dem gemeinsamen, ausgedehnten Besuch in der Pizzeria und der anschließenden Fahrradreparatur verabschiedeten wir uns, und jeder fuhr wieder in Richtung Heimat. Den selben Weg an der B2 wollte ich nicht zurückfahren und habe mich für den Radweg Berlin <-> Leipzig entschieden. Der hat mir insgesamt recht gut gefallen, auch wenn er einige Schwächen hat. Aus Wittenberg heraus radelt man noch einige Zeit auf Nebenstraßen, bevor der Radweg ein paar Kilometer außerhalb der Stadt auf einen angenehmen, gut fahrbaren Feld- und später Waldweg mit losem Untergrund abzweigt. Je näher man dem Flämingskate kommt, desto besser werden die Radwege. Ab Dennewitz, an Jüterbog vorbei sowie auf dem Abschnitt nördlich der Golmberghügel benutzt die Radroute dann die Wege des Flämingskate. Zum Fahrradfahren ist das natürlich erste Sahne - asphaltierter Radweg, glatt wie ein Kinderpopo, fast durchgehend mitten durch die Natur und fern von Straßen und Autos. Da ist es schon ein relativ krasser Gegensatz, wenn man ab Stülpe die 15 Kilometer nach Sperenberg auf die Landstraße geleitet wird, welche gar keinen Radweg hat und wegen der langen, geraden Abschnitte die Autofahrer nicht unbedingt zur Entdeckung von Vorsicht und Langsamkeit animiert.Das einzige wirklich schöne Stück auf den verbleibenden 30 km, war die Strecke am Nottekanal. Der Radweg neben der B96 durch Zossen ist eine ziemliche Katastrophe. Erst hinter Dabendorf wird es es wieder etwas besser. So richtig viel mitgekriegt hab ich auf dem letzten Stück jedoch sowieso nicht mehr. War schon zu fertig. Zum Glück bin ich in der S-Bahn nicht eingepennt sondern auf direktem Weg, müde und mit einem Bärenhunger wieder zu hause angekommen. Mein Bruder und ich haben uns vorgenommen das gelegentlich zu wiederholen. Voraussichtlich mit anderem Zielort.

      • 10. Juli 2020

  8. peacemaker_fx war wandern.

    1. Juli 2020

    Sven, Dexter04 und 20 anderen gefällt das.
    1. peacemaker_fx

      Diese Etappe meiner Wanderung auf dem Brandenburger Teil des E10 Wanderwegs kann man grob in zwei sehr unterschiedliche etwa gleichlange Abschnitte unterteilen. Von Märkisch Buchholz bis Groß Wasserburg ist das dominierende Merkmal der trockene, sandige Kiefernwald, welcher sich bis Köthen in der Ebene, und anschließend über das ganze Gebiet der Krausnicker Berge erstreckt. Mit Erreichen des Unterspreewaldes bekommt die Landschaft einen komplett anderen Charakter, der vom Wasser der vielen Spreefließe bestimmt wird - Wiesen, Seen, Moore und Laubwald. Der Morgen empfing mich in Märkisch Buchholz mit ein paar vereinzelten, halbherzigen Regentropfen aus etwas traurigem, grauen Himmel. Meine Wege kreuzten ja bereits mehrere Male diese kleinste Stadt Brandenburgs, aber mehr als Kirche und Kneipe am Marktlatz, sowie das Wehr an der Brücke hatte ich bisher nicht wahrgenommen. Heute morgen wollte ich mir die halbe Stunde Zeit nehmen und mal schauen, ob es noch mehr zu sehen gibt. Zusammenfassend muss ich sagen: Nein, an bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten war's das wohl. Die Stadt wurde Ende des zweiten Weltkrieges im Zusammenhang mit der Kesselschlacht von Halbe fast vollständig zerstört. Historische Bausubstanz ist daher kaum erhalten. Bisher war mir allerdings entgangen, dass Märkisch Buchholz der langjährige Lebensmittelpunkt der DDR-Schriftstellers Franz Fühmann gewesen ist. Er hatte zwar auch eine Wohnung am Strausberger Platz in Berlin, geschrieben hat er jedoch meist hier draußen, soviel man weiß. Nach einem konkreten Hinweis auf sein Wohnhaus habe ich leider vergeblich gesucht. Mehr als den Hinweis "einsam in einer Kiefernschonung" eines alten Zeitungsartikels hab ich nicht gefunden. Das könnte hier überall sein.
      Als Kind habe ich viele seiner Bücher verschlungen - die Nacherzählungen des Nibelungenliedes oder der Irrfahrten des Odysseus. Ganz besonders ist mir das Buch "Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm zu Babel" in Erinnerung geblieben. Das habe ich geliebt.
      In der ehemalige Grundschule von Märkisch Buchholz ist ein Literatur- und Begegnungszentrum entstanden. Ein Verein hält dort mit Lesungen und Vorträgen die Erinnerung an den Schriftsteller lebendig. Für seine 'Erwachsenenbücher' war ich damals noch zu jung. Später, nach der Wende, haben mich DDR-Bücher nicht mehr interessiert. Erst jetzt bin ich beim Stöbern im Netz auf das "Ruppiner Tagebuch" gestoßen. 1967 sollte Fühmann im Auftrag des Aufbau Verlages Fontanes Wanderungen unter dem Gesichtspunkt der Errungenschaften des Sozialismus nachvollziehen. Aus dem Buch ist damals nichts geworden. Offenbar nicht zuletzt deswegen, weil Fühmann komplett die Lust daran verloren hatte. Erst 2005, 21 Jahre nach seinem Tod, wurde das Buch verlegt. Da werde ich demnächst mal meine Nase reinstecken. Franz Fühmann ist in Märkisch Buchholz begraben. Der kleine Abstecher zu seinem Grab auf dem Friedhof war gleichzeitig auch mein Abschied aus der kleinen Stadt. Der Wanderweg verläuft auf einer kleinen Straße neben dem Dahme-Umflutkanal. Dieser verbindet die Spree mit der Dahme und war zwischen 1907 und 1911 gebaut worden, um die Spreehochwasser abzuleiten. In den Jahren um die Jahrhundertwende gab es mehrere davon, die zum Teil verheerende Schäden angerichtet hatten. Nach 2 km endet die asphaltierte Straße bei einigen im Wald versteckten Häuschen und ein Waldweg führt weiter am Kanal entlang bis in die Nähe des Köthener Sees. Die Strecke ist nicht übermäßig interessant: Der Weg ist gerade, rechts Kiefern, links Kanal. Sonst gibt es nicht viel zu sehen. Bei der Waldsiedlung Neuköthen verlässt man den Kanal und auf besonders sandigen Wegen gehts an der nordwestlichen Seite des Köthener Sees bis zur Landstraße. Entgegen meiner Planung und auch meiner Erwartung ist der E10 hier auf der Autostraße nach Köthen ausgeschildert, statt, wie der hier ebenfalls verlaufende 66-Seen Wanderweg, einen Bogen nach Süden über die Hügel zum Dorf zu nehmen. Nun gut, dann soll das eben so sein. Es ist nicht viel mehr als einen Kilometer und es herrscht wenig Verkehr. Köthen kommt mir jedes Mal schicker vor, wenn ich hier bin. Alles schön restauriert und gepflegt. Man setzt auf Tourismus - Ruhe, Natur, Entspannung. Eine Jugendherberge, zwei Pensionen, mindestens ein Paddelbootverleih und ein Yogastudio im Ortskern. Da ist es ein wenig verwunderlich, dass es im Dorf weiterhin keine Gaststätte mehr bzw. wieder gibt. "Kühns Gasthaus" stand schon leer, als ich vor zwei Jahren auf der 66-Seen-Wanderung hier vorbeikam und auch das Café bei dem Yogastudio scheint es nicht mehr zu geben.
      Dafür ist Badestelle direkt am Dorf wirklich ausgesprochen schön. Wenn es nur ein klein wenig sonniger und wärmer gewesen wäre. Es verlockte mich sehr, dort in den See zu springen.
      Von Köthen aus geht es dann in die Krausnicker Berge. Die Eiszeit hinterließ dieses kleine Sandgebirge vor ca. 20000 Jahren mitsamt der kleinen Gruppe von Seen an seiner nördlichen Flanke. An drei der sogenannten Heideseen führt der E10 vorbei - Pichersee, Mittelsee und Schwanensee. Sie sind alle nicht sehr groß und liegen sehr malerisch rundherum von Hügeln und Wald eingeschlossen. Auf dem Weg zwischen ansteigendem Gelände einerseits und steil abfallenden Seeufer auf der anderen, kommt sogar fast ein wenig Bergfeeling auf. Das Gebiet um die Heideseen steht unter Naturschutz. Um so mehr fällt auf, wie eintönig und artenarm der Kiefernforst ist, der sich nach dessen Verlassen anschließt. Ich hatte kurz überlegt, ob ich abkürze und dem Wegweiser folge, der einen kurzen, steilen Weg auf den Wehlaberg anzeigte, habe es aber dann doch nicht gemacht. Ich will ja dem E10-Verlauf folgen und so nahm ich die weiß-blau-weiß markierte, längere Strecke, die flacher ansteigt. Alle Waldwege hier sind aus relativ feinem, festgestampften, grauen Schotter. Farblich passt das ganz gut zu den roten Stämmen der Kiefern. Neben der Waldbewirtschaftung spielt sicher auch der hier verlaufende Gurkenradweg eine Rolle dabei, dass die Wege so befestigt worden sind. Auf Strecken, die von Wanderern und Radfahrern gleichermaßen benutzt werden, fällt es mir manchmal ein wenig schwer, das Wandervergnügen ungetrübt zu genießen. So richtig abschalten kann ich da nicht. Ein kleines inneres Warnlämpchen bleibt stets an, um bei nahenden Radverkehr rechtzeitig reagieren zu können. Nichtsdestotrotz ist es mir so hundertmal lieber als mit dem Lärm und der Gefahr, die vom motorbetriebenen Fahrzeugen ausgeht. Davon abgesehen verschlägt es sowieso nicht viele Radler hier hinauf. Wie ich da so sinnierend über die Berge wandelte hab ich glatt den Abzweig zum Aussichtsturm auf dem Wehlaberg verpasst und musste fast eine Kilometer wieder zurücklaufen. Die Aussicht von der 24 Meter hohen Plattform des Turms, der auf dem höchsten Gipfel der Krausnicker Berge steht, wollte ich mir aber auf keinen Fall entgehen lassen. Es lohnt sich. Anschließend ging es dann wieder recht unspektakulär hinab in die Ebene nach Groß Wasserburg. Dort beginnt der Spreewald und somit der zweite Wegabschnitt. Zu meiner Freude verzogen sich nun die grauen Wolken allmählich und immer öfter tauchte die Sonne zwischen ihnen auf. Der Wanderweg verläuft von der Brücke über die Wasserburger Spree ungefähr 3 km auf einem kleinen Deich direkt am Westrand des Unterspreewaldes. Er heißt Sommerdamm. Zur einen Seite eröffnet sich oft ein schöner Blick über die weiten Wiesen voller Sommerblüten, während auf der anderen der Wald anfängt, mal ein wenig näher mal in weiterer Entfernung. Die Wasserburger Spree oder einer ihrer sumpfigen Altarme taucht gelegentlich unter den Büschen hervor, nur um ein paar Meter weiter wieder im Dickicht zu verschwinden. Bei jedem Schritt sprangen hunderte von Grashüpfern vom Weg in das hohe Gras, was der Wanderung dort einen ulkig raschelnd-klackernden Soundtrack verpasste. Der Weg endet an der Landstraße, die zwischen Krausnick und Schlepzig verläuft. Ich hatte sehr gehofft, dass ich den Straßenteil komplett umgehen kann. Auf der Karte sind Wege eingetragen, die südlich davon durch den Wald führen. In der ersten Hälfte, bis zu der Stelle, wo die Straße den Puhlstom überquert, hat es nicht geklappt. Die Wege gibt es zwar, jedoch weisen Schilder auf ein Betretungsverbot zwischen Anfang Februar und Ende Juli hin. Ein Grund dafür ist nicht angegeben, vermutlich wegen der Brutperiode von geschützten Vogelarten. Das akzeptiere ich und wandere brav am Straßenrand. Hinter dem Puhlstrom zweigt ein kleiner Naturlehrpfad rechts ins Gebüsch ab. Der sogenannte Archedamm ist eine der ältesten Querverbindungen durch den Unterspreewald und war lange auch die einzige direkte Verbindung zwischen Krausnick und Schlepzig. Heute ist es ein herrlicher, schmaler, von alten Bäumen gesäumter Pfad, welcher unmittelbar durch die unter Wasser stehenden Moorwiesen führt. An der Kreuzung von Zerniasfließ und Quaaspree steht ein Aussichtsturm, von welchem man eine schönen Blick über das ausgedehnte Feuchtgebiet hat. Auf dem letzten Stück nach Schlepzig lässt sich die Straße ebenfalls nicht vermeiden. Es sei denn, man hat ein Boot oder schwimmt dorthin. Schlepzig ist ganz hübsch aber auch ziemlich touristisch, zumindest die Teile des Ortes, welche direkt in Wassernähe liegen. Daher hat man auch kein Problem an einem Mittwoch im Sommer eine geöffnete Lokalität zu finden. Man könnte sagen, dass man sogar gezwungen ist, sich zwischen mehreren zu entscheiden. Es ist hier aber immer noch gemäßigt im Vergleich zu dem lauten, bunten Trubel, der sich um Lübbenau, Leipe und Burg im Oberspreewald abspielt. Nach meiner kleinen Rast mit Schmalzstulle, Gurke und Bier aus der lokalen Brauerei bin ich den vielen Menschen im Ort jedoch trotzdem schnell wieder entflohen und zurück in die Natur. Nun ging es für viele Kilometer durch die Landschaft der Schlepziger Fischteiche. Der E10-Verlauf ist hier identisch mit dem Spreeradweg und teilweise auch mit anderen ausgeschilderten Nah- und Fernradwegen. Bis auf den separaten Pfad am Inselteich, gleich hinter Schlepzig, teilen sich Radler und Wanderer die Strecke. Zu Fuß muss man hier auch tatsächlich mehr aufpassen, denn im Gegensatz zu den Krausnicker Bergen sind hier ein paar mehr Radfahrer unterwegs.
      Bei dem freundlichen Sommerwetter ist der Blick über die Teichlandschaft ausgesprochen schön. Man kann nicht so ganz ignorieren, dass die einzelnen Seen künstlich angelegt wurden, denn an vielen Stellen sieht man dicke Rohre, kleine Wehre, Pumpanlagen und irgendwelche plattformartigen Vorrichtungen, die ins Wasser hineingebaut worden sind. Es stört aber auch nicht besonders. Im Herbst ist das Abfischen. Dabei wird das Wasser aus dem betreffenden Teich fast vollständig abgelassen und die Fische mit Netzen und Stangen zusammengetrieben und herausgeholt. Das Abfischen des Inselteiches bei Schlepzig ist wohl jedes Mal ein Riesenspektakel mit Bierzelten und Blasmusik, das viele Besucher anzieht. Ich war selbst aber noch nie dabei. Habe es nur gelesen.
      Gegenüber von den Teichen, auf der anderen Seite des Weges, fließt in ca. 20 Metern Entfernung die Hauptspree. Sehen kann man sie nicht. Die Büsche sind dicht und der Boden des Uferstreifens ist morastig. Manchmal hört man, wie ein Motorboot vorbeitukkert oder Gesprächsfetzen von Paddlern, die sich auf dem Wasser unterhalten.
      So schön es ist, nach 8 Kilometern entlang der Fischteiche hatte ich mich so ziemlich sattgesehen am blauen Himmel und weißen Wolken, die sich vor dem Hintergrund des Waldes im Wasser spiegeln, und Schwänen, die sich sehr unordentlich verteilt, in der Wärme des späten Nachmittags faul darauf herumtreiben ließen.
      Auf der Höhe von Hartmannsdorf, das auf der anderen Spreeseite liegt, macht der Wanderweg einen kleinen Umweg durch den Wald, überquert die stillgelegte Bahnstrecke Lübben-Beeskow und kehrt dann zum Fluss zurück. Hier kommt man an ein paar Stellen bis an's Wasser heran. Der Weg verläuft auf dem Deich bis zu der 500 m langen Holzbrücke, auf der man über die gesamte Spreeaue zur anderen Seite gelangt. Dort liegt das Gasthaus Lehnigksberg mit Pension und kleinem Hafen. Bis nach Lübben läuft man von da auf der asphaltierten Straße, am Anfang noch zwischen Spree und Wiesen, näher am Ort zwischen Kleingärten.Wegen der inzwischen schon fortgeschrittenen Uhrzeit habe ich in Lübben keinen Stadtrundgang mehr gemacht sondern bin durch den 'Hain Lübben', einen Stadtwald mit schönen alten Bäumen, der von dem Flüsschen Berste durchflossen wird, auf direktem Weg zum Bahnhof. Die Zugverbindung von Lübben nach Berlin ist gut. Bis spät abends fährt die Regionalbahn stündlich. Auf dem Bahnsteig gab es zu meiner großen Freude eine Automaten, der auch Wasserflaschen verkauft, sodass ich der Deutschen Bahn bzw. der OEDG nicht die Schlagzeile über den ersten Brandenburgreisenden bescheren musste, der im Zug verdurstet ist. Meine mitgenommenen Getränkevorräte waren nämlich schon länger erschöpft und in direkter Umgebung des Bahnhofs hatte ich keinen Laden entdeckt.

      • 5. Juli 2020

  9. Olaf 1/Ω, Alex.spielt.Cello und 133 anderen gefällt das.
    1. peacemaker_fx

      Bilder kommen nachher, wenn ich wieder zu Hause bin. Vielleicht schaffe ich auch noch den Tourbericht. Falls nicht, dann morgen früh. Stehe gerade noch auf dem Bahnhof in Löwenberg und bin einigermaßen platt.Tourbeschreibung (nachgetragen am 26.06.) Groß Schönebeck, eines der Tore zur Schorfheide. Zunächst hatte ich darüber nachgedacht, eine reine Schorfheidewanderung zu machen. Es sollte ja im Lauf des Tages heiß und sonnig werden. Da könnte ich schön im Schatten durch das riesige Waldgebiet laufen. Der Drang nach Westen war aber doch zu verlockend. Jetzt, hinterher, bin ich ganz froh, dass ich das so gemacht habe. Recht früh am Morgen startete ich an dem kleinen, schick gemachten Bahnhof, wo KlausBraus den virtuellen Staffelstab hinterlegt hatte. In Sichtweite vom Bahnsteig endet das Gleis der Heidekrautbahn an einem Prellbock. Der kleine Ort war schnell durchquert. Ein kurzer Blick auf das Jagdschloss, dass im 17. Jh. unter dem Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm, erbaut und ihm und den nachfolgenden preußischen Königen als Ausgangspunkt für die Jagden in der Schorfheide gedient hatte. Ein paar Meter weiter steht die Kirche. Der Feldsteinsockel des Turms, soll das einzige gewesen sein, was nach dem Dreißigjährigen Krieg vom Dorf übriggeblieben war.
      Das waren sie dann, die drei sehenswerten, historischen Gebäude von Groß Schönebeck. Nun hinein in den Wald, der direkt am Ortsrand beginnt.
      In der direkten Umgebung des Dorf sieht man noch viel Unterholz, Eichen, Robinien und Birken. Es gibt einen kleinen Naturlehrpfad mit Schautafeln von Pilzen und Wildschweinen, aber sehr bald weichen die Büsche und Laubbäume den monotonen Kiefernplantagen. Diese dominieren dann im Wesentlichen den gesamten Verlauf meiner Wanderroute durch die Schorfheide bis zum Erreichen der Havelniederung. In mehrerer Hinsicht denke ich, ist die unendlich große, quasi unbesiedelte Schorfheide für Wildtiere, Jäger, Förster und eventuell sogar für Radfahrer deutlich attraktiver als zum Wandern. Das Wegenetz bildet ein fast schachbrettartiges Muster. Zu Fuß werden einem die schnurgeraden und immer gleich aussehenden Wegabschnitte, von denen man einen nach dem anderen absolviert, irgendwann langweilig. Es sieht alles gleich aus. Positiv ist, dass die Wege größtenteils natürliche Waldwege mit einem Streifen aus Gras und Waldblumen rechts, links und in der Mitte zwischen den Fahrspuren sind, statt der geschotterten Waldstraßen, die in der Forstwirtschaft immer beliebter werden. Das flachwellige Relief gibt auch nicht viel an Abwechslung her. So war ich sehr froh als ich den kleinen Glasowsee erreichte und bin auch gleich erstmal für ein erfrischendes, morgendliches Bad hineingesprungen. Der kleine runde See hat wunderbar klares Wasser und einige kleine sandige Badebuchten. Vollständig vom Wald umschlossen vermittelt er den perfekten Eindruck von Abgeschiedenheit und Ruhe. Nach einer Runde um den See und einem weiteren Stück Kiefernwald folgte dann der Große Glasowsee. Der ist etwas wilder. Mehr Schilf, mehr Sumpf und nur wenige Zugänge. Er besteht aus einem größeren, runden Teil im Süden und einem kleinen, ovalen im Norden, welche durch eine Enge verbunden sind. Die Badestellen liegen alle am Südlichen und östliche Ufer des unteren Teils. Ich habe probiert, ob man vielleicht näher am Ufer zum Nordende entlanglaufen kann. - Die Glasowseen sind bei Anglern recht beliebt, was mich auf einen nicht eingezeichneten Trampelpfad am Ufer hoffen ließ. - War jedoch nix. Musste wieder zurück. An der nördlichen Spitze des Großen Glasowsees änderte ich die Richtung und wanderte von nun an für lange Zeit nach Westen. Bedingt durch den Verlauf der kleinen Fließe, welche die Abflüsse der Waldseen zur Havel bilden, ist die strenge geometrische Ordnung der Waldwege hier unterbrochen. Die feuchten, moorigen Niederungen stehen unter Naturschutz und eigenen sich vermutliche ohnehin nicht für die Forstwirtschaft. Daher wurde jetzt sowohl der Wegverlauf krummer, als auch die Vegetation viel abwechslungsreicher. Als nächstes sollte mich die Wanderung am Trämmersee vorbeiführen. Der Waldweg endet jedoch an einem Grundstück, das mit einem zwei Meter hohen, hölzernen Jägerzaun umgeben ist und sich bis zum Wasser hinunter erstreckt. Man kann die gegenüberliegende Seite sehen, aber zum Darüberklettern war er mir zu hoch. Da ich keine Lust hatte zurück bis zur letzten Wegkreuzung zu laufen, bin ich die hundert Meter quer durch den Wald und viele Spinnweben, wo ich das Grundstück dann auf dem nächsten Weg umgehen konnte. So ganz entgehen lassen wollte ich mit den Trämmersee dann aber doch nicht und hab es an der nächsten Kreuzung noch mal probiert zum Wasser hinunterzugelangen. Erstaunlicherweise hat der Trämmersee momentan sehr viel Wasser. Die Uferbäume stehen zum Teil 3 bis 4 Meter vom Rand entfernt. Ich würde schätzen, dass der Wasserstand bestimmt 30 cm höher ist als normalerweise. Vielleicht ist der Biber verantwortlich. Ein paar angeknabberte Bäume gab es zumindest.
      Mehr als ein zwei kleine Abstecher zum See waren aber nicht drin. Man kann am Ufer nicht gut entlanglaufen. Der parallel verlaufende Waldweg oben ist scheinbar aufgegeben worden. Wahrscheinlich nicht zuletzt deswegen, weil er durch das Grundstück weiter vorn unterbrochen ist. Er ist sehr verwildert aber noch ganz gut zu laufen. Kurz hatte ich überlegt, der kleinen Siedlung am Trämmersee noch einen Besuch abzustatten. Angesichts dessen, dass der größte Teil der heutigen Wanderung noch vor mir lag, habe ich es aber auf einen späteren Besuch verschoben.
      Der Weg führt nicht weit vom Waldrand entfernt zwischen dem Trämmerfließ und dem Faulen Fließ bis die Waldstraße erreicht ist, die von Schluft nach Krewelin führt. Links ein schöner Mischwald in der Senke des Trämmerfließ', ein paar Meter rechts vom Weg die offene, mit Schilf und kleinen Büschen bestandene Sumpflandschaft des Faulen Fließes. Dann war der Wald zu Ende und die offene Landschaft der der Havelniederung begann. Große Wiesen und Felder begleiteten den Weg, unterbrochen von den Busch- und Baumreihen längs der Bäche. So richtig dolle schön ist der Weg bis Krewelin nicht. Eine sehr breite, graue Sandstraße. Ein paar Autos und Mopeds sind vorbeigekommen. Sie stellt eine der wenigen Verbindungswege zu den kleinen Wohnplätzen im Wald dar. Krewelin ist ein hübsches kleines Dorf direkt an der Havel. Im historischen Ortskern, der sich zum Glück abseits der Hauptstraße befindet, steht eine sehr niedliche kleine Fachwerkkirche zentral auf dem Dorfanger. Ein entscheidendes Kriterium, warum ich überhaupt die Route hier entlang geplant hatte, ist die Brücke über die Havel. Es gibt nicht besonders viele davon. Die nächsten Möglichkeiten sind Zehdenick im Norden und die Schleuse Liebenwalde im Süden, dort jedoch über den Voßkanal. Um auch über die Schnelle Havel zu kommen, muss man noch weiter südlich bis zur Brücke der Bundesstraße bei Liebenwalde. Das war auch der Hauptgrund, warum ich die Wanderung nicht dort entlang geplant habe, denn von der Bundesstraße kommt man dort nicht mehr so leicht weg. Es gibt nur wenige kleinere Wege die quer über das Luch führen. Nach dem Überqueren der Havel kam dann auch endlich die versprochene Sonne raus. Bis auf ganz früh war war es den ganzen Vormittag lang doch einigermaßen grau geblieben. Der Wald zwischen Krewelin und der Bundesstraße 109 war die letzte, langweilige Kiefernmonokultur mit geraden Wegen, die es heute zu durchqueren galt. Im Anschluss entspricht meine Route bis nach Liebenberg der des E10 Wanderweges und ist wesentlich abwechslungsreicher und schöner zu wandern als zuvor. Mit herrlichem Blick über die weiten flachen Weiden auf die Hügel, wo sich sich Granseer Platte über die Havelniederung erhebt führte der Weg am Rand des Waldes zum Ausbau Falkenthal. Das ist kein richtiges Dorf sondern einzelne Gehöfte und kleine Grüppchen von Häusern, die etwas zufällig in der Landschaft zu stehen scheinen. Gleich hinter der Siedlung geht es auf sandigem Boden steil nach oben auf die sogenannten Hohen Berge. Oben hat man eine prima Sicht über die hügeligen Felder und die einzelnen Höhenrücken, die allesamt mit Windkraftanlagen besetzt sind. Durch das erste Tal führt ein wirklich hässlicher Betonweg. Der hört zum Glück an der Kopfsteinpflasterstraße auf, die zwischen dem Dorf Falkenthal und Bergsdorf verläuft. Ab dort wandert man auf einen normalen Feldweg weiter. Ein Stück weiter ist der Weg nach Liebenberg hinauf vollständig zugewachsen. Wenn ich vom Komoot-Navi nicht gewusst hätte, dass ich hier entlang muss, und man bei genauen Hinsehen den Pfad gerade so noch erahnen konnte, so hätte ich mich nur schwerlich den Kilometer durch das mannshohe Gras gekämpft. Am Ende ging es aber doch besser als erwartet und es gibt zum Glück wenig Brennesseln. Oben angekommen betritt man den Schlosspark von Liebenberg. Durch den von Lenné gestalteten englischen Landschaftspark bin ich bis vor zu dem wunderschönen Gutshaus. Schon Theodor Fontane war von Schloss und Gut begeistert, dass er oft hierher kam. Leider war der Innenhof des Ensembles verschlossen. Weil inzwischen die meisten Wolken vom Himmel verschwunden waren und die Sonne mit voller Kraft herunterballerte, hatte ein wenig darauf gehofft, hier eine kleine Rast einlegen zu können. Sollte aber nicht sein. Alles geschlossen.
      So bin ich durch das Dorf wieder den Berg hinuntergegangen und habe es auf dem Radweg, der in der Nähe des Weißen Sees vorbeiführt, wieder verlassen. Glücklicherweise im Schatten des Waldes. Das sogenannte Seehaus war mir auf vorherigen Touren (die meisten mit dem Fahrrad) bisher noch nie aufgefallen. Der kleine Umweg mußte einfach sein. Ein sehr schmuckes Schlösschen auf dem Hügel über dem Großen Lanksee. Errichtet worden ist es Anfang des 20 Jh. und diente während der DDR-Zeit hochrangigen Mitgliedern des Zentralkomitees der SED als Urlaubsdomizil.
      Auch wenn ich inzwischen meine Füße müde gelaufen hatte, gefiel mir der Abschnitt von dort durch den Wald bis nach Neu-Löwenberg auf der gesamten Wanderung am besten. Das Gelände ist erstaunlich hügelig. In den Tälern zwischen den Bergen sind kleine Seen wie der Papensee und der Kleine Lanksee oder sumpfige Bruchwaldsenken. Alle Seen hatten sehr schönes klares Wasser und luden förmlich zum Baden ein. So gerne ich auch noch mal reingesprungen wäre, ich konnte mich doch nicht durchringen. Ich fürchtete mich zu sehr vor dem Wieder-in-Gang-kommen nach der Badepause und wollte lieber in Bewegung bleiben und durchziehen. Neu-Löwenberg zieht sich entlang der Straße und es gibt nichts, was es wert wäre, erwähnt zu werden. Was mir wirklich gefehlt hat, war ein Supermarkt, Laden oder Imbissstand, denn mein Wasservorrat war schon lange erschöpft. Aber da gibt es nichts. Insgesamt kann ich diese Wanderung nur bedingt zum Nachwandern empfehlen. Wegen der Länge braucht man schon ein wenig sportlichen Ehrgeiz. Vermutlich könnte man sie in zwei kürzere Abschnitte teilen, indem man als Zwischenstopp Zehdenick einbaut. Ansonsten gibt es unterwegs keine einzige Einkehrmöglichkeit. Wegverpflegung sollte man also dabeihaben. Abgesehen von dem genannten Problem des Wanderns in der Schorfheide, ist es sehr angenehm abgelegen und ruhig dort. Wenn man Pech hat, sind vielleicht die Forstarbeiter zugange. Aber sonst hört man dort keinen menschengemachten Lärm. Ab der Überquerung der Havel ist es wesentlich dann abwechslungsreicher. An dieser Stellen auch meinen ganz herzlichen Dank an alle, die bei dieser Staffelwanderung mitmachen, besonders an Frank Meyer, sowie an alle, die die sie unterstützen und sie verfolgen. Ich freue mich sehr, dass ich daran teilnehmen konnte.

      • 25. Juni 2020

  10. peacemaker_fx war draußen aktiv.

    14. Juni 2020

    01:46
    8,79 km
    5,0 km/h
    50 m
    50 m
    Gerd, Tom & Lupus illustrati und 11 anderen gefällt das.
    1. peacemaker_fx

      Nun bin ich schon fast am Ende der Tour angelangt. Bis Anklam sind es nur ca. 10 km, sodass ich mir wirklich viel Zeit lassen konnte bei herrlichsten Sonntagswetter ganz gemütlich zu frühstücken. Die wunderschöne, große Wiese am Wasserwandererrastplatz hatte ich hatte ich an diesem Morgen ganz für mich alleine. Mit sportlicher Aktivität hatte es dann rein gar nichts mehr zu tun, wie ich die Paddelstrecke nach Anklam zurückgelegt habe. Man könnte es als Dahindümpeln bezeichnen. Ungefähr nachdem ich die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, konnte ich schon den Kirchturm der Marienkirche sehen, der hoch über die Stadt aufragt. Von dort oben hat man bestimmt eine phantastische Aussicht über das ganze platte Land ringsum. Kurz danach erschien auch der Turm der Nikolaikirche. Die Peene ist hier kurz vor Anklam schon richtig breit. Schätzungsweise 50 Meter oder vielleicht sogar 60. Ein paar Kilometer hinter der Stadt mündet sie in den westlichsten der drei Meeresarme bzw. Mündungsarme der Oder, die das Stettiner Haff mit der Ostsee verbinden. Daher wird dieser auch als Peenestrom bezeichnet. Er trennt die Insel Usedom vom Festland. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, wäre ich vielleicht sogar bis Wolgast hochgefahren. Das hebe ich mir für das nächste Mal auf, denn ich bin mir sicher, dass ich nicht zu letzten Mal an der Peene gewesen bin. Der Rest ist schnell erzählt. Nach der Ankunft in Anklam konnte ich das Boot super auf der Wiese des Wasserwandererrastplatzes in der Sonne trocknen lassen, ganz in Ruhe alles wieder verstauen und mich mit Sack und Pack auf den beschwerlichen Weg zum Bahnhof machen. (Das Rad von dem Bootswagen war ja immer noch platt. Wie sich herausstellte war das Innenleben des Ventils verschwunden, sodass mir Flickzeug und Luftpumpe selbst dann nichts genützt hätten, wenn ich sie mitgenommen hätte.) Aber gut, ich will nicht meckern. Lieber einen platten Reifen gehabt, als ein Loch im Boot. Die zwei Kilometer zum Bahnhof waren noch im Rahmen. Die Regionalbahn nach Berlin fährt alle zwei Stunden.

      • 20. Juni 2020