Mandelkern
 

Über Mandelkern

Wandern, fotografieren und darüber schreiben.Komoot ist für mich Wander-Blog, Fotogalerie und Forum. Das Wendland meine Wahlheimat, eine dünn besiedelte Region in Niedersachsen. Die nächste Autobahn gut anderthalb Stunden entfernt, die Elbe ganz nah. Der Kulturbahnhof Hitzacker mit Anschluss nach Lüneburg und ans »Tor zur Welt« in Reichweite. Mandelkern ist der »Nom de plume«, unter dem ich schreibe. Der kann hier nach Lust und Laune vor sich hindenkeln, Leute zu Papier bringen, seine Meinung verklappen und Gedanken verzetteln.Direktkontakt: daniel.mandelkern@gmx.de

Distanz

6 879 km

Zeit in Bewegung

1156:10 Std

Letzte Aktivitäten
  1. Mandelkern war wandern.

    20. April 2021

    03:20
    13,0 km
    3,9 km/h
    90 m
    90 m
    Rita🌵, Biggi und 24 anderen gefällt das.
    1. Mandelkern

      April 20, 2021
      Swinmark | »Komm, lieber Mai ...
      ... und mache die Bäume wieder grün«, beginnt vielleicht eines der bekanntesten Kunstlieder, das durch seine große Verbreitung zum Volkslied wurde. Das hat mit dem schönen Text eines unbekannten Dichters aus Lübeck, Christian Adolph Overbeck, zu tun, aber vor allen Dingen mit Wolfgang Amadeus Mozart, der diese Zeilen im Jahr des Herrn 1791 vertonte. Sein korrekter Titel »Sehnsucht nach dem Frühling« beschreibt, was auf der Tour in mir vorging. Gut, der strahlend blaue Himmel war da, aber die ganze Zeit begleitete mich ein fieser, kalter Nordwind. Das änderte sich im Mai. Ich war unterwegs in der Swinmark, im äußersten Südwesten des Wendlandes. Wie der Name einmal zustande gekommen ist, weiß niemand mehr so genau. Einige sagen, es sei eine besonders nahrhafte Gegend für Schweine gewesen. Andere schreiben, es sei nicht auszuschließen, dass es sich ursprünglich um einen abschätzenden Spitznamen in Abgrenzung zur benachbarten Altmark gehandelt habe. Heute mal keinen langen Text, der die Leichtigkeit dieser Tour vielleicht zerredet, sondern sich als Quelle für »Schnappschüsse« darstellt, die der Tour ein unverwechselbares Gesicht geben. Bearbeitet und gerahmt mit Adobe Lightroom und Photoshop Express.Meine Bitte an den Mai:

      • vor 5 Tagen

  2. Mandelkern war wandern.

    13. April 2021

    07:07
    25,7 km
    3,6 km/h
    140 m
    140 m
    Karen 🥾🚴‍♀️⛷️⛵, Angie P und 25 anderen gefällt das.
    1. Mandelkern

      April, 13, 2021
      Gartow | Ich brauch Tapetenwechsel
      «Ich brauch Tapetenwechsel sprach die Birke und macht sich in der Dämmerung auf den Weg« sang im Jahre des Herrn 1971 Hildegard Knef. Heute auf der Tour, entlang eines Birkenhains, fiel mir diese Zeile ein. Meine Mutter sang, summte das Chanson immer dann, wenn sie der Meinung war, dass nur noch ein «Tapetenwechsel» ihr Leben retten konnte.Nach Rückkehr habe ich mir den Text ergoogelt, dazu die Musik. Sehr schnulzig für heutige Ohren. Aber der Text ist klug. Meine Lesart in Zeiten der Pandemie: Wenn wir schon nicht reisen können, sorgt Wandern für den Tapetenwechsel. Denn auch «Ich brauche frischen Wind um meine Krone».Der Gartower See, ganz im Nordosten von Niedersachsen, ist ein touristisches Ziel im Wendland. Es gibt viele Möglichkeiten, das Auto loszuwerden. Leere Parkplätze rund um den See.Ich starte mit einem kleinen Schlenker durch Gartows Hauptstraße. Vorbei am «Eismacher» (geschlossen), am Gartower Hof (dauerhaft geschlossen), an der Kunstkammer (geschlossen). Die Galerie macht mit «Schaufenster-Ausstellungen» auf sich aufmerksam und hofft im Mai wieder öffnen zu können. Die St. Georg-Kirche, gepriesen wegen ihrer barocken Innenausstattung - geschlossen. Gartow an einem sonnigen Werktag im April 2021 - eine Kleinstadt im coronabedingten Dornröschenschlaf.Nur einen Katzensprung von der Kirche entfernt lande ich auf der betonierten Deichpromenade. Der folge ich in westlicher Richtung. Der Gartower See ist ein künstlicher. Angelegt in den 1970er Jahren und rundherum vollgespickt mit Angeboten ländlicher «Sommerfrische» für die ganze Familie. Camping, Bootsverleih, Minigolf, Angeln, Fitness-Pfad und natürlich Baden. Auch hier ist nix los. Hin- und wieder treffe ich Leute, der ihren «Spazinesen» ausführen.Eine Beobachtungsplattform am Westufer nutze ich zum Fotografieren. Nach der Überquerung der Seege, den Fluss, der den Gartower See durchfließt und der L 258 lande ich in einem kleinen Eichenwald. Aus dem Wäldchen heraus führt ein asphaltieren Wirtschaftsweg, der aber bald seine Teerdecke verliert und als schöner unbefestigter Wanderweg mich zu jenem Birkenwald führt, der verantwortlich ist für die Erinnerung an besagter Schlagermonzette.Meine Aufmerksamkeit gilt wenig später einer alten Holzbrücke, die über den «Südlichen Schaugraben», einer der unzähligen Entwässerungsgräben über die Qualmwasser in die Seege geleitet wird. Auf dem Bildschirm ploppt ein Fenster auf, es erscheint der Erklärbär: «Bei Hochwasser kann es an Deichen zu einer Unterströmung kommen. Durch den Wasserdruck des hohen Flusspegels wird der Deich dann von Grundwasser unterströmt. Direkt hinter dem Deich tritt das Wasser wieder an die Oberfläche und bildet Seen und Tümpel. Dabei erfolgt der Wasseraustritt manchmal ›qualmend‹, weil im Boden eingelagerte Luft hochgedrückt wird. Deshalb nennt man dieses Phänomen Qualmwasser. Um großflächige Überschwemmungen zu verhindern, wurden landseitig Qualmdeiche angelegt oder Entwässerungsgräben gezogen. In einem Naturschutzgebiet sind Qualmwasser ein Segen und Voraussetzung für die Entstehung wertvoller Biotope», verrät der Erklärbär und verschwindet wieder.Weiter geht’s und schon kurze Zeit nach der Holzbrücke biege ich ab, westwärts. Über einen Wirtschaftsweg erreiche Pevestorf. Genauer gesagt, das Werkstor eines Saftherstellers, dessen Unternehmensgeschichte sich so liest: In den 1920er Jahren zogen Margret und Karl Voelkel mit ihrem «Mostmax», einer mobilen Saftpresse, von Dorf zu Dorf und verwandelten Obst der Bewohner in Saft. Ab 1936 entstand in der stillgelegten Meierei von Pevestorf eine Naturkostsafterei. Heute, Deutschlands grösste.Die Hauptstraße in Pevestorf heißt Fährstraße. Vermutlich auch deshalb, weil es außerhalb des Dorfes einem Fähranleger gibt. Von dort pendelt zwischen 06 und 20 Uhr die «Westprignitz». Die bringt Fußgänger und Radfahrer, aber auch Mopeds und PKWs über die Elbe nach Lenzen und damit in den westlichsten Zipfel von Brandenburg.In der Fährstraße treffe ich einen Bekannten, der mich mit einer Überraschung empfängt. Am Fenster im Dachgeschoss seines Hauses hat er ein Teleskop aufgebaut. Er nennt diesen Platz «meine Naturerlebnisstation». Ich habe eine Weile gebraucht, um das brütende Kranichpaar inmitten der vielen Tümpel, Senken und Gestrüpp der Pestorfer Wiesen zu erkennen. Ausnahmsweise wähle ich für dieses Schauspiel einen Begriff aus der Floskelwolke: «Ganz großes Kino! [Alle jetzt Besorgten sei gesagt, es trafen sich zwei Erstgeimpfte, die sich so verhielten als wären sie noch nicht geimpft und alle AHA-Regeln beachteten]. Wir verabreden uns zum Kranich-Gucken und Kaffee nach der zweiten Impfung in vier Wochen. Bis dahin sind die Kranich-Küken geschlüpft, aber noch nicht flugfähig. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Kranich-Kleinfamilie wiedersehen, denn oft bleiben sie bis zum Winterquartier zusammen.Aus Pevestorf hinaus folge ich einer ruhigen Landstraße bis zu ihrer Rechtskurve, die zum Fähranleger führt. Ich laufe geradeaus, vorbei an einer Schutzhütte und gut gestalteten Informationstafeln über einen unbefestigter Wanderweg mit vertrauter Markierung, dem «E» für Elbhöhenweg. Zuerst aufwärts zum Aussichtsturm auf dem Höhbeck. 120 Stufen sind zu bewältigen. Zur Belohnung, spektakuläre Aussichten weit über die Elbe hinaus in den «Nahen Osten».Weiter dann am Cafégarten «Schwedenschanze» vorbei. Der Name führt in die Irre. Es ist kein Austragungsort für die Qualifikation zum Neujahrsspringen der Vierschanzentournee, sondern es handelt sich bei diesem Erdwall um die Reste einer slawischen Burg. Seit Jahrzehnten existiert hier eine wunderbare Möglichkeit einzukehren. Der «Kaffeegarten Schwedenschanze» hat ganzjährig geöffnet. Ja, wenn es die Pandemie nicht gäbe.Es folgt ein sehr abwechslungsreicher Abschnitt, bergauf und bergab, manchmal auch mit Hilfe von Stufen, später über einen langen Steg dann wieder in Serpentinen aufwärts, die mich zur Vietzer Schanze bringen. Im frühen 9. Jahrhundert ließ Karl der Große eine Festungsanlage hier errichten, um sein Frankenreich gegen die Bösen (= die Slawen) jenseits der Elbe zu schützen. Auch hier eine Aussichtsplattform und vielen Informationstafeln über den «Global Player» und seine Machtzentren in der Welt um 800. Seitdem ist viel Wasser die Elbe hinuntergeflossen. Ich muss an die Zeit in einem anderen «Karlsort» denken, wo ich einen «Milieuwechsel» erfahren sollte. An «Aquis Villa» (Aachen), die der «Reisekönig» später zu seiner Lieblingspfalz erklärte und an seine Pfalzkapelle (Aachener Dom), wo im Laufe von 600 Jahren mehr als 30 römisch-deutsche Könige gekrönt wurden.Ab hier folge ich einer attraktiven Alternative zum Elbhöhenweg, die auf den etwas umständlichen Namen «Entdeckerpfad-auf-dem-Höhbeck» hört. Er ist schmaler, dem Steilhang, dem Fluss näher. Praktisch und irritierend zugleich, ist er ebenfalls mit einem «E» markiert. Man merkt erst beim Betrachten der Karte hinterher, dass man sich zum Glück (!) verlaufen hat. Am Ende dann, auf einem Plateau eine hölzerne Sitzgruppe mit großem Tisch und großer Aussicht auf den Fluss. Ab hier kann man wählen. Entweder nutzt man den hölzernen Stufensteg oder begleitend den sandigen Fusspfad. Beide Möglichkeiten bringen den Wanderer zu einer Grillhütte direkt am Elbufer.Zwiespältig bin ich immer, wenn ich auf ein «Kriegerdenkmal» treffe. In Vietze steht so eins mitten im Weg. Ein «Mini-Mausoleum» mit der Inschrift «Unseren tapferen Söhnen». Von einer «Gedenkhalle» ist auf der Homepage des Dorfes die Rede im expressionistischen Architekturstil des Kunstmalers und Grafikers Adolf Schlawing. Ich lass das mal umkommentiert.Vietze war einst ein Schifferdorf (in besseren Zeiten auch «Klein Hamburg» genannt, weil sich das Dorf unmittelbar am Ufer der Elbe entlang streckt und die Bewohner fast ausschließlich von der Elbschifffahrt lebten). Im Einwohnerbuch von 1929 werden 3 Schiffseigner, 24 Schiffsführer, 11 Schiffer und 35 Steuerleute und Maschinisten aufgeführt.
      Das ist heute anders. Man versucht auf bescheidenem Niveau, Wanderer und Radfahrer zum Genießen und Entspannen anzulocken, punktet mit einem kleinen Hotel, zwei Pensionen und vielen Privatunterkünften. Für Wohnmobilisten gibt es schöne Stellplätze direkt an der Elbe. Aber auch hier ist die Pandemie greifbar. Vietze wirkt wie ein verlassenes Dorf.
      Vorbei am Höhbeck-Museum (öffnet wieder Anfang Mai) folge ich der Kapellenstraße, die mich - wie könnte es anders sein - zu einer schmucken Feldsteinkirche mit Friedhof, etwas außerhalb des Dorfes bringt. An diesem schönen Tag leuchtet das Kirchlein und gibt sich fotogen.Weiter muss ich jetzt ein Stück Radfahrweg entlang der Kreisstraße in Kauf nehmen, um von einem Parkplatz nach links einem Feldweg folgen zu können, der mich vorbei an einem See mitten hinein in ein abwechslungsreiches Waldgebiet bringt. Die Fotos sprechen für sich. Kurz bevor ich Brünkendorf erreiche, verlasse ich den Weg und gebe mir für heute die Portion grasige Deichkrone. Fast zwei Kilometer ist sie lang. Rechts mit Blick Richtung Seege, links Agrarlandschaft mit Aussicht auf Mist, Brünkendorf und Restorf.Wenn der Deich einen großen Bogen nach links Richtung Restorf macht, verlasse ich ihn nach rechts und folge einem betonierten Wirtschschaftsweg durch die Seege-Niederungen in Richtung Laasche, wo ich als erstes einen Campingplatz erreiche. Hier ist auch nix los, denn bekanntlich sind Campingplätze derzeit nur für Dauercamper geöffnet. Noch bevor ich überhaupt das Dorf betrete, bin ich auch schon wieder raus und etwa 500 Meter später überquere ich für heute zum zweiten Mal die L 256 geradeaus hinein in den Wald.Am einem ›niedrigen‹ Hochsitz, gut getarnt, biege ich nach links ab. Ab hier geht es immer weiter geradeaus durch den Meetschower Forst, für heute meine Zielgerade. Der Waldweg wird zum Gedelitzer Weg. Ihm folge ich bis zur Einmündung in die Hahnenberger Straße. Hier nehme ich den Bürgersteig ortseinwärts zurück zum Parkplatz.Es klang einmal:

      • 25. April 2021

  3. Mandelkern war wandern.

    2. April 2021

    06:31
    25,5 km
    3,9 km/h
    350 m
    350 m
    Sabine B, Marflow und 49 anderen gefällt das.
    1. Mandelkern

      April 2, 2021
      Klötzie-Stieg | In der Nähe bleiben (XIX)
      Karfreitag 2021. Immer noch Pandemie. Die Tage werden länger, das heißt, die Touren können auch länger werden. Aber ich vermute «Trainingsrückstand».Ich bin zu faul, mir eine Tour auszudenken. Vielleicht gehen mir auch die Ideen aus? Ich mach’s mir also einfach und folge einem «Klassiker» im Wendland, dem «Klötzie-Stieg». Klingt ein bisschen so, als sei ich in der Schweiz unterwegs, ist aber leider nicht so. Klötzie-Stieg, heißt 26 Kilometer Wendland. Die Kombination aus Pandemie, Karfreitag und Wendland bedeutet, aus der Tour wird eine «Trainingseinheit in völliger Abgeschiedenheit». Die Bedingungen: bewölkt, 8°, frischer Westwind. Das «Büchsenlicht» ist bescheiden. Ich muss an Barbara Klemm denken, die ihre Art sich als Fotografin fortzubewegen als «sehr konzentriertes Schlendern» umschrieb. Das fehlt mir heute. Dennoch: 48 Bilder vom Wegesrand.Für die Tour brauche ich keine Anreise. Sie führt quasi am Wohnzimmerfenster vorbei. Deshalb ist der Startplatz auch nicht einer der vielen Wanderparkplätze, die der «Klötzie-Stieg» bereit hält, sondern ein Lokschuppen am ehemaligen Ölbahnhof in Harlingen und Überbleibsel eines Großtanklagers der WIFO (eine Nazi-Tarnorganisation). Der wurde viele Jahre als Feldscheune von einem Landwirt genutzt und ist heute eine scheußliche «Sehenswürdigkeit», ein zugemüllter «Lost-Place» mit frischen Spuren, die auf einen aktuellen Treffpunkt schließen lassen. Wer sich hier trifft, ist unklar.Heute mal kein detailliertes Protokoll, sondern ein Kurzportrait. In vier Abschnitte könnte man die Tour einteilen.Die erste führt durch lichtes Waldgebiet mit ein paar kräftigen Anstiegen ostwärts an den Stadtrand von Hitzacker. «Klötzie» ist der Name für den Bereich einer Endmoränenlandschaft, die als Steilhang an der Elbe endet.Der zweite Abschnitt (sicher der schönste) führt über einen schmalen Fußpfad entlang der Steilküste, stetig auf und ab und bietet großartige, natürliche Aussichtspunkte auf Elbe und Elbauenlandschaft jenseits des Flusses. Aber auch die Teilstücke auf Augenhöhe mit meinem «Lebensfluss» über die tiefgelegenen Wiesen, sind großartig.Im dritten Teil - wieder etwas weg vom Fluss aber immer noch so nah, dass er zuweilen durch die Bäume blinzelt - wieder ein Laubwaldabschnitt hinauf auf den Osterberg und nach einem kleinen Schwenk über Tießau nach Tiesmesland, vorbei am Aussichtsturm Kniepenberg bis zum Schifferdorf Drethem. Auch hier wieder ständiges Auf und Ab.Der vierte Abschnitt, quasi der Rückweg, ist eine Mischung aus Agrarlandschaft, kleinen Dörfern und gegen Ende auch wieder viel Wald. Die Steigungen sind hier deutlich geringer als auf dem Hinweg. Mir kommt einige Male der Gedanke, dass sich die Tour - bedingt durch wenig Abwechslung über die langgezogenen Wirtschaftswege und viel Asphalt - irgendwie in die Länge zieht. Und dafür gibt es Punktabzug.

      Aber das Sportliche stand im Vordergrund. Und was soll ich schreiben? Ich hab’s geschafft, bin aber auch am Ende ein wenig geschafft. Rund 26 Kilometer und fast sieben Stunden auf den Beinen. Dazu, für diese Region etwas völlig Überraschendes: 350 Höhenmetern sind zusammengekommen.

      • 7. April 2021

  4. Mandelkern war wandern.

    16. März 2021

    02:59
    12,9 km
    4,3 km/h
    40 m
    40 m
    Sabine B, Biggi und 47 anderen gefällt das.
    1. Mandelkern

      März 16, 2021
      Die Lucie | In der Nähe bleiben (XVI)
      Das Auto stelle ich auf dem Parkstreifen der Bundesstraße in Woltersdorf ab. Woltersdorf ist kein Dorf, obwohl es der Name suggeriert, sondern ein «zweizeiliger langgestreckter größerer Ort» rund 4 km südwestlich von Lüchow. Die B493 führt mittendurch, zerschneidet das Dorf in zwei Hälften. Der Wanderer, der hier startet, will dann auch nix wie weg.Der Versuch der Bundesstraße über die Feuerwehrstraße zu entkommen scheitert, weil sie, ohne besonderen Hinweis, zur Sackkasse wird. Vor einem verschlossenem Schiebetor aus Stahl, wird klar, ich muss wieder zurück. Gelandet bin ich auf dem Gelände einer jener Banken, die nicht nur mit Geld, sondern auch mit Saatgut, Düngemittel und vielen anderen landwirtschaftlichen Produkten handelt.Also zurück auf die Bundesstraße. Aber nur ganz kurz, denn am ehemaligen Bahnhof geh ich nach rechts in die Bahnhofsstraße. Woltersdorf war einst Haltepunkt der Schmarsauer Kleinbahn, die bis 1969 zwischen Lüchow und Schmarsau verkehrte. Einen besonderen Namen machte sie sich in den Jahren 1945 bis zur Währungsreform 1948. Weil die Strecke parallel der «Zonengrenze» verlief, hieß sie im Volksmund auch «Heringsexpress». Der damaligen Not geschuldet, wurde auf der Strecke geschmuggelt, vor allen Dingen Fisch und Fischöl.Kurz hintern den letzten Häusern des Bahnhofsviertels folge ich einem Schnurgeradeausweg, anfangs geteert, später unbefestigt, aber problemlos zu laufen. Die äußeren Bedingungen, Vorfrühling: Heiter bis wolkig. 8°, wenig Wind. Erstes «Sighting», direkt am Weg in einem kleinen Birkenhain gelegen, ist ein Findling, der «Brautstein», der an das böse Ende eines Hochzeitszuges erinnert, der nie sein Ziel erreichte. Mensch und Tier hat der Erdboden an dieser Stelle verschluckt. Sollte sich die Geschichte wirklich zugetragen haben, muss es zu einer Zeit gewesen sein, als «Die Lucie», so heißt die Landschaft in der ich heute unterwegs bin, noch eine Sumpf- und Moorlandschaft war.Nach noch einmal einem knappen Kilometer über den Schnurgeradeausweg erreiche ich den Luciekanal, der - zusammen mit einem verzweigten Netz von vielen kleinerer Entwässerungsgräben - für die Trockenlegung der Auenlandschaft verantwortlich ist. Schon seit 1951 ist «Die Lucie» als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Anlass dafür waren Brutvorkommen des Kranichs.Was folgt ist ein Weg, der eigentlich keiner ist. Über die grasige Deichkrone, deren Untergrund bei jedem Schritt gelenkschonend nachgibt. Zweimal wechsele ich die Uferseite. Dieser Streckenabschnitt braucht keinen Text. Die Fotos sprechen für sich. Und wenn ihr neben dem Bildschirm auf einem zweiten Monitor Google Earth mit der Satelliten-Ansicht aufschlagt, wird deutlich warum. Auf diesen Metern entsteht der Vorsatz, spätestens im Sommer wiederzukommen.Klein Breese (eigentlich ein schöner, kleiner Rundling), lasse ich links liegen (wörtlich), wende mich nach rechts und überquere für heute zum zweiten Mal den Luciekanal. Blicke aufs Wasser gewähren «den Himmel auf Erden».Ich kehre dem Luciekanal den Rücken und folge einem kleinem namenlosen Entwässerungsgraben entlang eines Wirtschaftsweges, der mich direkt zum schönen, aufgeräumten Dorfplatz - gesäumt von einem Kranz alter Eichen - von Thurau bringt. Um ihn herum sanierte Gebäudefassaden. Dieses Ensemble, bestehend aus Dorfplatz und angrenzenden Hofanlagen, ist denkmalgeschützt.Thurau ist ein Rundling und auch heute noch als solcher zu erkennen. Kleiner Exkurs. Thema Dorfbrände. Zur Entstehungszeit waren die meisten Häuser stroh- oder reetgedeckt. Sie hatten offene Feuerstellen in der Diele. Die Ernte lagerte unterm Dach. Das und die enge Bebauung der Häuser führte selbst bei nur einer Brandstelle nicht selten dazu, dass ganze Dörfer Opfer der Flammen wurden. Vorsorglich gab man beim Wiederaufbau die Rundlingsform auf. War der Rundling aber nur zur Hälfte abgebrannt, wie hier in Thurau, wurde sie beim Wiederaufbau beibehalten.Wenn man das Dorf nach Westen verlässt, ist er nicht zu übersehen. Der Thurauer Turm. Was von weitem aussieht wie ein riesiges Nasenspray-Fläschchen, ist eine ehemalige Militärliegenschaft und diente ab 1967 der Aufklärung des Feindes im Osten. Als der sich 1989 «unsichtbar» machte und vom Westen aus nichts mehr zu klären gab, wurde er 1994 nach einer Ausschreibung an eine Firma verkauft, die u.a. für die Rüstungsindustrie produziert. Leider kein Museum oder Aussichtsturm mit Restaurant o.ä., wie sich das viele gewünscht haben, sondern «Militärtechnik made in Wendland« mit viel Gegenwind aus der Bevölkerung. 2018 hat die Firma den Turm aufwendig restauriert und bekam einen «Tarnanstrich» mit grün abgestuften Farbringen, ähnlich wie die modernen Strommühlen. Und so steht er da, der Thurauer Turm, als «Landmarke» und Fotoobjekt. Als Symbol, als Wahrzeichen des Kalten Krieges ungeeignet. Entlang der Obstbaumallee, wie die L259 hier heißt, verlasse ich den gut abgeschirmten Ort wieder in Richtung Woltersdorf. Nutze vorher die Gelegenheit für einen Abstecher über den Friedhof vorbei an der Feldkirche Woltersdorf, die - wie so oft im Wendland - außerhalb des Dorfes steht. Das liegt daran, dass in den Rundlingen - gebaut in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts - kein Platz war für eine Kirche. Und die Wenden ließen sich erst später christianisieren.Die wortwörtliche Zielgerade ist so ein für die Region typischer Wirtschaftsweg, zweispurig mit Betonplatten ausgelegt und einem grünen Mittelstreifen, der mich zurück zum Ausgangspunkt nach Woltersdorf bringt.Heute kein Fazit, sondern ein «Lied für jetzt» (nicht von den «Ärzten»).

      • 24. März 2021

  5. Mandelkern war wandern.

    5. März 2021

    Güni, Maik und 60 anderen gefällt das.
    1. Mandelkern

      März 12, 2021
      Drawehner Jeetzel | In der Nähe bleiben (XV)
      Den halben Freitag nur rumgescrollt, hierkurzwasgelesen, daschnellwasgepostet. Das digitale Leben zu Hause macht kribbelig und so nehme mir eine kleine (analoge) Auszeit.Drei Stunden bleiben noch bis Sonnenuntergang. Deshalb schnell zum Ausgangspunkt der Tour. Ein kleiner versteckter Parkplatz im Schatten des Amtsturms (heute ein Museum) in Lüchow, wo ich das Auto loswerde. Lüchow als Ausgangspunkt habe ich deshalb gewählt, weil ich dort bei meinem Lieblingsdiscounter auch noch nach Sonnenuntergang einkaufen kann.Einmal um die Ecke gebogen, erreiche ich den schönen Weg durch den Amtsgarten entlang der Drawehner Jeetzel. Sie ist ein Nebenarm des Jeetzel-Flusses und heißt deshalb so, weil sie das Wasser aus dem Drawehn (so der Name der Altmoränenlandschaft im südlichen Wendland) aufnimmt und verteilt. Eigentlich nur ein Entwässerungsgraben, wird aber durch viele Wehre als Fluss am Leben erhalten. Ein nahezu stehendes Gewässer. Paradies für Angler.Der Gang entlang des Ufers ist ein kurzes Vergnügen. Ich überquere das Flüsschen, weil der Weg sich weg vom Wasser entfernt und stehe wenige Augenblicke später vorm Deich der «richtigen», der Fluss-Jeetzel. Weiter jetzt über die grasige Deichkrone in südöstlicher Richtung. Der erhöhte Standpunkt macht’s möglich: Großartige Blicke über Wiesen und Weiden.Ziel ist Jeetzel, das Dorf, das den Namen des Flusses trägt. Heftig umstritten ist die Annahme, dass ein im 9. Jahrhundert urkundlich erwähnter Handelsplatz mit dem Namen «Schezla» identisch sei. Denn wenn das so wäre, wäre das Dorf einer der ältesten Siedlungen im Wendland. Ein bisschen zu viel Konjunktiv. Unumstritten ist aber der Standort einer schmucken Kapelle. Drei Architekturstile nebeneinander. Der Chorraum, Ziegelbau auf Feldsteinsockel, in der Mitte Fachwerk mit Ziegelausmauerung, als Abschluss ein Holzturm. An seiner Seite, eine Linde. Wunderbares Ensemble.Auf demselben Weg zurück. Am Ortsausgang nach rechts bis zu einem Tannenwäldchen. Dann nach links, erst über den Fluss, dann über ein ehemaliges Gleis. Es gehört zu einer alten Bahnverbindung zwischen Dannenberg und Salzwedel: die Jeetzeltalbahn. Bedingt durch die deutsche Teilung 1963 in Lübbow gekappt, fuhren von hier aus in den 1950er Jahren noch durchgehende Züge über Dannenberg, Uelzen und Bremen nach Bremerhaven. Dass diese Strecke wieder reaktiviert wird, glauben nur noch Eisenbahnromantiker.Nach einer Weile am Straßenrand entlang der Bahnschienen «darf» ich wieder auf einen Wanderweg. Vor mir liegt ein großes Brack. Die Szene, rund eine Stunde vorm Sonnenuntergang, wie von Hochzeitsfotografen ausgesucht für ein Foto-Shooting und perfekte Beauty-Fotos für das Leben nach der Hochzeit.Zurück in die abendliche Realität. Ich erreiche wieder den Jeetzel-Fluss. Die Zielgerade ist noch einmal einer dieser herrlichen schmalen, grasigen Fußpfade über die Deichkrone, die ich so mag.Kommt man der Stadt näher, wird klar, dass Lüchow einmal eine Hafenstadt war. Umschlagplatz für Lastkähne aus Hamburg, geladen mit Heringstonnen, Kaffee oder Petroleum, um lange Winterabende auf dem Lande ins rechte Licht zu rücken. Die Fotoausbeute ist kärglich. Auch weil das Licht nicht mitspielt. Was den Wanderer freut, ist dem Fotografen ein Graus. Ein grelles, schattenloses Licht der hochstehenden Sonne, wolkenloser Himmel. So hell, dass die Fotos förmlich verbrennen. Erst am Abend entstehen in der «Blauen Stunde» ein paar postkartentaugliche Fotos, die ganz nah am Kitsch vorbei schrammen. Apples KI legt noch einen drauf. Auch mit Hilfe von Lightroom bekomme ich das nicht in den Griff.Fazit? Ich hatte mir vorgenommen, in diesem Text über Wanderungen an Vor-Frühlingstagen, ohne das Wort Pandemie auszukommen. Beinah gelungen.

      • 8. März 2021

  6. Mandelkern war wandern.

    10. Februar 2021

    03:03
    11,6 km
    3,8 km/h
    110 m
    120 m
    Ida Bogø, Baerbel L 🍁 und 57 anderen gefällt das.
    1. Mandelkern

      Februar 10, 2021
      Schieringer Forst | In der Nähe bleiben (XI)
      Ich starte die »Flockdown-Tour« heute von einem winzigen Wanderparkplatz an der L231 zwischen Barskamp und Walmsburg. Die äußeren Bedingungen: -2°, stark bewölkt, Nordwind. Es schneit. Mittwoch. Hier ist außer mir niemand.Die ersten Meter hinein in den Schieringer Forst wird klar, ich bin in der Situation eines Pioniers. Ich lege frische Spuren in den Schnee. Weil es aber immer noch (oder wieder) schneit, kann ich sicher sein, dass die Spuren nach mir wieder verschwinden.Ein Begrüßungsschild, das ich vom Schnee befreien muss, um es lesen zu können heißt mich «Willkommen im Forst der Hünen». Kleiner Zeitsprung. In der Jungsteinzeit ändern die Menschen ihre Lebensgewohnheiten. Aus Jägern und Sammlern werden Bauern und Viehzüchter. Sie werden seßhaft. Zu ihrem neuen «Lebensstil» gehört das Errichten von riesigen Grabmonumenten: «Senkrecht stehende große Steine tragen quer darüber liegende, wodurch Grabkammern entstehen».Schon bald nach dem Start, nachdem ich an einer fünfarmigen Waldkreuzung nach links abgebogen bin, erreiche ich das erste Hünengrab. Besonderen Eindruck macht das nicht. Aber es ist heute schön dekoriert und die «Säulen» sind schon deshalb nicht zu übersehen, weil sie weiße Hüte tragen.Weiter folge ich einem schmalen Waldpfad bis zu einer Gabelung. Hier halte ich mich links und überquere einen breiteren Waldweg, um einen halben Kilometer später nach rechts abzubiegen. Nach einer schneebedeckten, unberührten steinernen Sitzgelegenheit mit Tisch erreiche ich den Opferberg, der sich schneebedeckt wie ein Rodelhügel ankündigt. Ist er aber nicht. Nicht zufällig, auch keine Laune der Natur, sondern im Inneren des Hügels verbirgt sich eine Grabkammer. Von den Denkmalbehörden werden die Hügel erfasst, um sie im Blick zu behalten und weiter zu untersuchen.Den Opferberg zur rechten folge ich einem schönen Waldweg, vorbei an einem jener Hochsitze, die den Namen «Schlaf- und Jagdkanzel» verdient hätte und ich mich bei dieser Gelegenheit frage, ob das Betreten eines Hochsitzes erlaubt ist. Ich meine ohne Gewehr, sondern mit Kamera «bewaffnet» und Geduld «im Anschlag». Die Antwort kommt aus Armeniens Hauptstadt. Radio Erivan antwortet: «Im Prinzip nein, aber es wird immer wieder gemacht». Die Frage, ob das erlaubt ist oder nicht, spielt aber für heute keine Rolle. Es ist deutlich zu kalt und der heiße Tee ist auch schon alle.Wenig später, an einer T-Kreuzung biege ich links ab, vorbei an einer Lichtung mit See und der Försterei Schieringen zur rechten. Ab hier wird’s sehr ungemütlich. Heftiges Schneetreiben, böiger Wind und dichter Nebel sorgen dafür, dass die Wege augenscheinlich nicht mehr zu erkennen sind. Die Orientierung ist futsch. Auch die Landschaft bietet keine. Vereinzelte kleine Bäume am Wegrand im dichten Nebel sind erst zu erkennen, wenn man quasi vor ihnen steht. Ich verlasse mich auf die Navigation und versuche mit Blick auf die Karte auf der (geplanten) Spur zu bleiben.Gott sei Dank lässt das Schneetreiben nach. Dass der Weg auch raus aus der freien Landschaft in den Wald hineinführt, macht das Weiterkommen wieder einfacher. Nächste Station ist Reeßeln. Im Mittelpunkt des Dorfes steht der Kastanienhof, eine Höfegemeinschaft verschiedener Landwirte, die sich zur Hauptsache um die Kartoffel kümmern und ein Reiterhof. Am Ortsausgang muss ich aufpassen. Denn die Dorfstraße macht einen Schwenk nach rechts, ich muss aber weiter geradeaus, wenig später nach rechts abbiegen, um einem schmalen Fußpfad bergauf zu folgen. Oben angekommen wird daraus ein schöner Hohlweg, der mich bergab ins nächste Dorf bringt. Walmsburg, Ortsteil Bruchdorf. Endstation Eigenheimsiedlung, angeklebt ans Dorf. Mittendrin «Mutter Grün». Kein Biomarkt, sondern ein Campingplatz. Nach der Überquerung der L231, wähle ich nicht den direkten Weg ins alte Dorf, sondern erreiche den historischen Dorfkern über den Wiesenweg. Brutal idyllisch. Die einzelnen Bauernhäuser, im Kreis angeordnet. In ihrer Mitte eine dreieckige schneebedeckte Insel, ihr Herzstück wiederum «Die Schneckenfrau». Die Skulptur steht seit 2010 hier, ist aus Ulmenholz und stammt von Wolf Kobernuß aus Neetzendorf. Das Café Hofliebe - selbstverständlich geschlossen. Hat nur Sonntags drei Stunden geöffnet für den Außer-Haus-Verkauf.Ich verlasse Walmsburg immer noch über den Wiesenweg in südwestlicher Richtung. Kurz hinterm Ortsausgang geht’s dann nach weiter rechts. Bergauf, erst Wald, dann Waldrand, dann Freies Feld und wieder vorbei an einem stattlichen Hochsitz. Ein Wegweiser überrascht. Ich bewege mich, während es wieder anfängt zu schneien, auf einem Europäischen Fernwanderweg, der von der Ostsee bis an die Adria führt. Dachte ich bisher immer, Fernweh sei eine Marketing-Idee der Tourismusbranche, so keimen für den Moment Ideen auf für die Zeit, wenn das Gröbste überstanden ist.Inzwischen wieder im Wald, vorbei an den letzten Hünengräbern für heute. Nach einem Rechts-links Schwenk mündet der Weg auf einen querlaufenden, breiteren Waldweg. Meine Zielgerade, die mich zurück zum Wanderparkplatz an der L231 führt. Der Schieringer Forst bietet wenig Ablenkung, es sei denn, man ist besonders interessiert an einem gutsortierten «Bodenarchiv für Archäologen». Aber wenn «Wandern an sich» oder heute «Stapfen an sich», eine eigene Kategorie ist, empfehle ich die Tour.

      • 11. Februar 2021

  7. Mandelkern war wandern.

    12. Januar 2021

    04:28
    18,5 km
    4,1 km/h
    120 m
    110 m
    Ingorato, So, nun aber los und 32 anderen gefällt das.
    1. Mandelkern

      Januar 12, 2021
      Kiek Ut | In der Nähe bleiben (IV)
      Auf der Suche nach bekannten Wegen, die ich neu «mischen» kann, fällt mir eine alte Wanderkarte in die Hände. Leicht vergilbt und deutlichen Spuren aus einer anderen Zeit. Sie zeigt markierte Wanderungen im Wendland.Ich füttere Komoot mit den Daten und herauskommt der «DVV 2». DVV steht nicht für Deutscher Vanderverein, sondern für «Deutscher Volkssportverband». Klingt wie Volkstanz oder Volkswagen. Nein, Volkswandertag ist das Stichwort. Vielleicht erinnern sich die Älteren. «Jeder Kilometer zählt» war das Motto. Klingt modern, stammt aber aus den 1970er Jahren. Für mich war das vereinsorganisiertes Wandern mit Eltern in der Eifel oder im Siebengebirge.Zurück in die Gegenwart. Ich bin heute später los, um dem Regen ein Schnippchen zu schlagen. Es gelingt halbwegs. Zu Beginn und am Ende Regen, dazwischen «Goldener Januar».Ich starte auf dem Marktplatz von Hitzacker und es geht stadtauswärts über die Jeetzelbrücke in die Drawehnertorstraße. Die verlasse ich aber schon bald, laufe nach links in eine Gasse zwischen den Hausnummern 13 und 15. Die wird zu einem schmalen Fußpfad entlang der Gärten an der Brunnenhofsiedlung. Hätte ich einen Garten, würde ich ihm einen Namen geben. So wie ein Zeitgenosse hier, der seinen Garten «Musenhain» nennt. Gefällt mir. Am Ende des Fußpfads Hitzackers Skaterpark, im letzten Sommer erneuert und erweitert um eine Fullpipe, umgebaut aus einem ausgedienten Getreidesilo. Sehr fotogen.Ich überquere Hitzackers Umgehungsstraße, den Parkplatz des Archäologischen Zentrums und dann eine Holzbrücke überm Harlinger Bach, der sich hier der Jeetzel ergibt. Weiter geht es über einen Pfad, der mit Abstand dem Ufer des Hitzacker Sees folgt und später zu einem «richtigen» Weg mutiert. Am Ende lande ich auf Hitzackers Aus- und Einfahrtsstraße. Ich nutze den Fußgängerweg der Dannenberger Straße, rund 400 Meter später den unbefestigten, breiten Weg nach links. Der schwenkt nach wenigen Meter nach rechts und führt mich raus aus Hitzacker.Ein kleiner Schlenker durch ein Wäldchen, dann führt ein Feldweg durch die offene Landschaft in Richtung Seerau. Aber noch bevor ich den Ort erreiche, an der Grüngut-Annahmestelle, unterquere ich die Bahnlinie der Wendlandbahn, um direkt hinter der Brücke, noch vor dem Trafoturm zur Rechten, nach links einen schönen, grasigen Weg entlang des Bahndamms zu folgen. Übrigens bin ich heute pünktlich und erwische die Wendlandbahn auf der Brücke Richtung Lüneburg. Nächster Halt: Bahnhof Hitzacker.Etwas später kommt mir der erste Mensch an diesem Tag entgegen. Eine Frau, unterwegs mit ihrem «Spazienesen». Sie ist besorgt, meint wohl, ich sei fremd hier. «Kann ich ihnen weiterhelfen?». Ich widerspreche, bedanke mich. Wir ziehen weiter, jeder in seine Richtung.Der Weg führt etwas später weg vom Bahndamm halb rechts hinein in den Wald (später am Waldrand entlang) Richtung Kähmen. Kähmen lasse ich links liegen (wörtlich) biege nach rechts ab (nachdem ich kurz die L231 genutzt habe) und folge einer kleinen Straße leicht bergauf, um sie einen knappen halben Kilometer später wieder nach links zu verlassen.Auf halber Höhe, kurz nachdem rechts ein schmaler Weg abzweigt, gehe ich nach links und folge einem grasigen Weg hinein ins Glück, ins Biosphärenreservat Elbtalaue. Der Streetzer Mühlenbach gibt diesem Abschnitt seinen Namen. Der Höhepunkt für heute. Gut ein Kilometer (viel zu kurz!) durch wunderbare «strukturreiche Waldgesellschaften», wie es in der Charakterisierung des Gebietes heißt. Mittendrin die Ernüchterung. Ein Schießstand mit den entsprechenden Absperrungen und Verbotshinweisen. Später erfahre ich, dass hier der Jägernachwuchs ausgebildet wird. Aber wie zum Trost folgt wieder Wald noch einmal rund 1500 Meter - unterbrochen von einer einzigen Ackerlichtung. Riskau, das nächste Dorf auch ohne besondere Vorkommnisse. Bettelnde Gänse, knorrige Eichen und an der Bushaltestelle im Dorf gleich zwei Busse, beide ohne Fahrgäste. Das heißt, Zeit für die Fahrer zum Plaudern bei heruntergelassen Scheiben.Wenig später verlasse ich die Dorfstraße nach rechts auf einen asphaltierten Wirtschaftsweg. Man muss hier schon dem Komoot-Coach zuhören, denn der Hinweis «Sarenseck» auf dem steinernen Wegweiser ist verblichen. Gut ein Kilometer später, am Waldrand, da wo der Weg seine Asphaltdecke gegen einen zweispurigen Waldweg mit grasigem Mittelstreifen austauscht, treffe ich wieder auf einen in Stein gemeißelten Hinweis. Der ist so grade noch zu entziffern ist und so erreiche ich einen halben Kilometer später Sarenseck. Auch hier keine Menschenseele.Bis zum Ortsausgang zunächst ein Stück Straße, später Waldrandweg und es folgt ein Abschnitt mit sehr guten Aussichten ins weite Land. Das Licht verzaubert die Landschaft. Ich versuche, den romantisch-kitschigen Klischees von Fotos zu entkommen und fokussiere die Landschaft durch Löcher im Lattenzaun - das funktioniert nicht wirklich gut.Nach einer Rechtskurve überquere ich die Bauernstraße und treffe auf einen schönen Grasweg, besser Graspfad, also einspurig. Sehr gut zu laufen und hält großartige Blicke parat über eine Acker- und Weidenlandschaft. Der Weg wird breiter, führt an einer Schweine-Mastanlage vorbei, lässt mich die Kreisstraße überqueren und folge dann einer kleinen Straße leicht bergauf zum eigentlichen Ziel für heute, zum «Kiek Ut». Doch bevor es soweit ist, steht noch ein Hindernis im Weg. Die Hinweisschilder am breiten Tor sind eindeutig. «Betreten des Grundstücks verboten». Zusätzlich die unmissverständliche «Warnung vor freilaufendem Hund». Eine schmale Wegmarkierung für den Wanderer befindet sich am Torpfosten. Der offizielle Wanderweg führt ab hier exakt entlang der Grundstücksgrenze. «Eigentum verhindert» könnte man formulieren. Neugierig bin ich trotzdem und folge den Grundstücksgrenzen, dreimal links, immer am Zaun entlang bis zum Aussichtspunkt «Kiek Ut». Der ist ausgestattet mit Bänken, Schutzhütte und in unmittelbarer Nähe befindet sich eine Grabstätte aus der Bronzezeit. So ist das jedenfalls in der (veralteten) Karte eingezeichnet. Sofort wird klar, der Aussichtspunkt war gestern. Heute keine Schutzhütte, keine Bänke. Auch keine Grabstätte. Nur eine vergammelte Sitzgelegenheit. Vielleicht haben sie den «Kiek Ut» aufgegeben, weil keiner mehr kommt? Oder verlegt an eine Stelle mit mehr Aussichten. Immerhin, der Ausblick über die Felder bis nach Hitzacker ist noch da. Die Wegmarkierung bittet mich wieder zurück an den Zaun. An einem zweiten Tor, verriegelt wie das erste, muss ich ein paar Schritte nach rechts, dann nach links, erst am Waldrand entlang, dann über einen Feldweg zurück auf die Kreisstraße.Der Rest der Tour ist schnell erzählt. Auch deshalb, weil es anfängt zu regnen. Nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit, aber eine Stunde später wäre auch okay gewesen. Die Kreisstraße ein Stück abwärts, dann nach links auf einen unbefestigten Weg, vorbei an Hitzacker Dorf durch das Gewerbegebiet Am Räsenberg und über den Bahnübergang in die Neue Straße. Hier überquere ich zum zweiten mal den Harlinger Bach und erreiche die Lüneburger Straße. Über ihren Fußgängerweg stadteinwärts, an der großen Kreuzung weiter nach links in die Drawehnertorstraße. Vorher kurzer Blick rüber zum standhaften Anti-Atom-Ritter. Dann über die Jeetzelbrücke zurück auf die Stadtinsel. Ich bin am Ziel. Mir bleibt noch Zeit, frisches Brot bei meinem Lieblingsbäcker einzukaufen.Fazit? Keine Tour ist so verrückt, dass sie nicht einen noch Verrückteren fände, der sie anschaut. (sehr frei nach Heinrich Heine)

      • 18. Januar 2021

  8. Mandelkern war wandern.

    10. Januar 2021

    02:47
    13,7 km
    4,9 km/h
    20 m
    10 m
    Schwester Silke, Baerbel L 🍁 und 34 anderen gefällt das.
    1. Mandelkern

      Januar 10, 2021
      Wurtendörfer | In der Nähe bleiben (III)
      Start ist der Parkplatz am «Wussegler Dorfkrug» (heute Elbterrassen) in WUSSEGEL. Der Blick vom Deich aus über die Elbe verrät, vor mir liegt eine Tour mit trüben Aussichten. Das Restaurant mit seinen ausladenden Terrassen lässt leider keine Möglichkeit zu, dem Deich zu folgen. Ich muss also runter auf die Elbuferstraße um etwa 300 Meter später in Richtung NIENWEDEL nach links abzubiegen.Schnurstracks geradeaus führt die schmale Straße in ein «echtes» Storchendorf. Im Rundling gibt es vier Nester, die regelmäßig belegt sind. An der ersten Kreuzung verlasse ich Nienwedel vorbei an einem «Zucht-Betrieb». Die Stalltüren sind weit geöffnet, es riecht streng. Die Rindviecher fressen. Sie stecken ihre Köpfe durch die Absperrgitter, lassen sich dabei aber nicht stören. Nur Nummer 36 hebt fürs Foto kurz seinen dicken Schädel. Nächste Station ist GRABAU. Hier ist nicht der Hund begraben, sondern lebt. Als er mich bemerkt, kommt er auf mich zu, bellt mich an. Seine Chefin will ihn zurückpfeifen. Aber das ignoriert er. Er beruhigt sich und folgt mir, mit Abstand. Meist läuft er vor mir, so dass ich ihn im Auge behalten kann. Er führt mich durch Grabau. Aber auch am Dorfende macht er keine Anstalten zurückzukehren. Die Rufe seiner Chefin werden immer leisen und verhallen schließlich auf dem Weg durch die Dannenberger Elbmarsch.Ich versuche mich zu konzentrieren, zum Beispiel auf die windschiefen, zerzausten Kopfweiden am Wegrand, die dastehen wie gemalt und wie wir sie aus den Skizzenbücher von Malern kennen. Erst rund zwei Kilometer später endet meine Begegnung mit dem großen schwarzen Hund. Seine Chefin hatte sich inzwischen das Fahrrad geschnappt und holt uns kurz vor den Bracks und Altwässern bei Predöhlsau ein. Sie schaut mich achselzuckend an und befielt meinem Kurzeitbegleiter zur Umkehr.In PREDÖHLSAU belebt oder stört kein Hund, kein Mensch die «Szene». Ein Dorf wie ein Freilichtmuseum - nur ohne Besucher. Das einzige Geräusch ist der Auslöser der Kamera. Trotz maroder Bausubstanz und der vielen Eingriffe, schreibt das Wendland-Lexikon Predöhlsau sei als «denkmalgeschützter Rundling noch erlebbar». Die ergoogelten Daten: Im Dorf leben 37 Menschen zwischen zwei und 86 Jahren, sieben sind unter 18, zehn über 65 Jahre alt. Auf vier von zwölf Höfen wird Landwirtschaft betrieben. Aktuell beweiden rund 100 Milchkühe und 14 Pferde die Flächen rund ums Dorf. [Stand 2017]Der grasige Weg hinaus aus dem Dorf führt in den nächsten «Naturraum», der den Namen Dambecker Wiesen trägt. Großräumiges Grünlandgebiet, Ackerflächen. Nach einem knappen Kilometer trifft dieser Weg auf die Kreisstraße, die ich überquere, um in einem kleinen Bogen nach DAMBECK zu gelangen. Das Dorf liegt sehr abseits und an keiner Durchfahrtsstraße. Ein großer landwirtschaftlichen Betrieb und seit 2009 eine Keramik-Manufaktur (im wohl ältesten Haus von 1734 ) «wirtschaften» hier. Überragend, wörtlich genommen, aber ist ein Storchennest. Und wie überall wird buchgeführt. In Dambeck aber sind sie sehr vorausschauend. Die Tafel bietet Platz für Eintragung über den Bruterfolg bis ins Jahr 2039 (!). Noch ein kurzes Stück durch die Dambecker Wiesen lande ich wieder auf der Landstraße, der ich nach rechts folge und die leider ohne Rad- oder Fußgängerweg auskommt. Erst im nächsten Dorf, in PENKEFITZ hält sie für mich einen Bürgersteig parat, dem ich folge. Zur Linken die wunderbaren Aussichten auf die «Taube Elbe», ein alter Mäander und zur Rechten das Dorf. Penkefitz erlebe ich also nur «am Rande». weil ich den Bürgersteig entlang der Elbuferstraße nicht mehr verlassen will. Ob sich das Dorf von den anderen abhebt oder in wiefern unterscheidet, will ich heute nicht mehr herausfinden.Am Ende des Dorfes verlasse ich die Hauptstraße in einer Linkskurve nach rechts in eine schmale Teerstraße. Die führt mich in den Ortsteil Strachauer Rad. Später wird aus der Straße ein unbefestigter Weg. Kurz nach der Milchtankstelle der Familie Lind erreiche ich den Elbdeich. Hier halte ich mich links und wandere elbabwärts über die grasige Deichkrone. Rund ein Kilometer später endet der Grasweg und der Wanderer landet auf dem Radweg. Die Deichkrone ist ab hier betoniert. Schließlich befinden wir uns auf dem Elberadweg («1300 km voller Überraschungen»), der mich zum Ziel nach WUSSEGEL bringt.Allen DÖRFERN gemeinsam ist, sie sind Wurtendörfer. Sie entstanden, um sich vor Winterhochwasser (wenn im Riesengebirge der Schnee taut) oder Sommerhochwasser (bedingt durch starke Regenfälle im Juni), zu schützen. Die Menschen bauten Einzelhöfe aber auch ganze Dörfer auf eine «Wurt», auf einen aus Erde aufgeschüttetem Hügel, um sich und ihr Vieh bei «Land unter!» zu schützen.Die Tour drängt sich auf, sie zu wiederholen. Vielleicht im Mai, Juni. Dann könnte man sie mit «Entlang der Storchenstraße» überschreiben. Wenn die Störche wieder da sind und sich um ihre Jungen kümmern. Fazit? Manchmal liegt die Schönheit nicht im Auge des Betrachters, sondern im Verfall.

      • 15. Januar 2021

  9. Mandelkern war wandern.

    6. Januar 2021

    02:24
    10,6 km
    4,4 km/h
    70 m
    70 m
    Renate, Biggi und 41 anderen gefällt das.
    1. Mandelkern

      Januar 6, 2021
      Breeser Grund | In der Nähe bleiben (II)
      «In der Nähe bleiben» heißt der neue «Ordner», in den ich die Touren der kommenden Lockdown-Wochen einsortieren werde. Den habe ich letztes Jahr im März angelegt, um den Gedanken zu vertreiben, dass es mal heißen könnte «Zuhause bleiben». Zufall ist, dass es bis zum Startplatz am Rande der L253 exakt 15 Kilometer sind. Mit dem Auto erreiche den nach 15 Minuten, auch Zufall.Ich bin nicht zum ersten mal im Breeser Grund unterwegs. Zum letzten Mal als die erste Corona-Welle über uns schwappte. Die Idee heute, mit dem ersten Schnee im Wendland einen Skulpturen-Park in Anführungsstrichen zu durchforsten, um ihm Fotos abzuringen von schneegekrönten Skulpturen. Das hat nicht ganz geklappt, mit den Fotos meine ich, weil viel zu wenig Schnee gefallen war und zu warm, als hätte er liegen bleiben können. Das heißt, ich muss wiederkommen, wenn es ordentlich geschneit hat. Der ausgedehnte Spaziergang durch diesen skurril anmutenden «Märchenwald» war trotzdem ideal, um den Kopf frei zu kriegen. Leider steckt das Virus auch in unseren Köpfen.Der Breeser Grund ist ein langgestrecktes Tal, umgeben von hohen, dunklen Tannen und steht seit 1985 unter Naturschutz. Ein sandiger Weg führt mitten durch eine Heidelandschaft mit vielen «zerzausten» alten Eichen mit weit ausladenden Kronen. Viele davon sind innen morsch oder hohl. Oder liegen am Boden. «Totholz voller Leben» kann man auf einer Infotafel nachlesen. Fast 400 Käferarten sind hier zu Hause, viele darauf spezialisiert, Totholz zu zersetzen. Und weil der Breeser Grund seit Jahrzehnten sich selbst überlassen ist, wirkt diese Kulturlandschaft auf mich wie ein «Skulpturen-Park».«Es ist in der Pandemie nicht entscheidend, was wir dürfen, sondern was wir tun oder eben, was wir lassen.» schreibt der Berliner Tagesspiegel und bringt es auf den Punkt.Bleibt sichtbar!

      • 11. Januar 2021

  10. Mandelkern war wandern.

    2. Januar 2021

    Gerd, Güni und 38 anderen gefällt das.
    1. Mandelkern

      Januar 02, 2021
      Untere Jeetzelniederung | Anti-Atom-Ritter-Runde
      Anders als bei der letzten Tour im vergangenem Jahr, sind die äußeren Bedingungen besser. Viel Sonne, strahlend blauer und beinah wolkenloser Himmel, 4°. Das Ziel ist die «Untere Jeetzelniederung», so der Name eines Teilabschnittes im Biosphärenreservat Elbtalaue. Wie komme ich dahin? Ohne Anfahrt, mit Start vom Sofa? Ich versuch’s mit neuer Variante. Wenige Minuten «An der Dorfmark» entlang Richtung Nachbardorf, dann nicht die erste (wie so oft), sondern die zweite Möglichkeit, noch vor der Lüneburger Landstraße links abbiegend folge ich einem namenlosen Wanderweg, der aber einen verdient hätte. «Am Harlinger Bach» könnte man ihn taufen, weil er nahezu bachbegleitend verläuft.Dieser Weg endet abrupt an der Lüneburger Landstraße, die ich für rund 300 Meter nutzen muss, um nach links abzubiegen. Dann ein ganz kurzes Stück über einen breiten Wirtschaftsweg Richtung Wurzelberg. Wurzelberg, das sind ein paar Ferienhäuser auf einem kleinen Hügel. Den Weg verlasse ich sofort wieder nach links, weil zum Wurzelberg will ich nicht.Es folgt ein herrlicher offener Feldweg mit wunderbaren Aussichten, weil die Äcker ruhen oder mit Gründüngung, gelbblühender Ackersenf, bepflanzt sind. Birken säumen den Weg in regelmäßigen Abständen. Den soll es nicht gut gehen. Später ergoogle ich mir Gewissheit. «Die Birke mag es nicht, wenn es im Winter zu nass und im Sommer zu trocken ist. Genau das aber bewirkt der Klimawandel».Nach Gut Hagen, ursprünglich Bauerndorf, noch früher herrschaftliche Schäferei ist heute nur noch Durchgangsstation um nach Marwedel, Hitzackers Vorort zu kommen. Entlang der Bauernstraße erreiche ich den nordwestlichen Rand der «Unteren Jeetzelniederung», den Hitzacker See. Der wird zur Hauptsache durch die Jeetzel gespeist, die den Stadtsee durchfließt. Leider kann man ihn nicht umrunden. Seit Jahren kümmert sich der Verein «Gemeinsam für Hitzacker» und fordert mit vielen Sympathisanten den Ausbaus eines Wanderweges rund um den See. Allein, es dauert.Am Bootssteg hat die Jeetzel wieder «Normalbreite». Vorbei am Hitzackers Freilichtmuseum, das nicht wegen der Pandemie geschlossen hat, sondern wie jedes Jahr von November bis März Winterschlaf macht. Wenn der vorbei ist, haben wir dann mehr Impfstoff? Ich überquere die Jeetzel und folge einem geteerten und breiten Weg, den sich Radfahrer und Fußgänger teilen. Das ist jetzt nicht unbedingt ein naturnaher Weg, aber immerhin verläuft er nicht direkt entlang der Elbuferstraße, sondern unterhalb. Das heißt, der Weg durch das «Überflutungsgebiet» verhindert zwar den Blick auf Elbe und Elbauen, eröffnet aber die großartige Aussichten auf ausgedehnte Wiesen und Weiden.Höhepunkte der Tour sind die Durchquerung der artenreichen «Grünland-Gesellschaften» (wie diese Landschaftsform in Abgrenzung zum Ackerland genannt wird) und der dann folgende Abschnitt über den Deich entlang der Jeetzel zurück nach Hitzacker. Nicht die Aufzeichnung, aber der begleitende Text zur Tour endet am „Anti-Atom-Ritter“, einer Skulptur, die an den letzten Castor-Transport mit hoch radioaktivem Müll aus Frankreich im Jahre des Herrn 2011 erinnert. Kann der jetzt weg, nach dem Ende des Gorleben-Konflikts? Natürlich nicht, «denn als einer von sechzehn Zwischenlagerstandorten müssen wir uns weiter um den Atommüll sorgen». Vielleicht gelingt es beim Nachdenken darüber, uns ein bisschen abzulenken.Fazit? Das Wendland ist wie geschaffen für eine weniger schnelllebige Zeit. Auch deshalb bin ich gerne hier. Heute aber verspüre ich so etwas wie Stillstand. In Zeiten der Pandemie hilft uns Komoot, sichtbar zu bleiben und Kontakte nicht abreißen zu lassen. Ich finde, Komoot ist auf sehr sympathische Weise systemrelevant.

      • 3. Januar 2021

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