Holger S.

Traumtrails zwischen Italien, Österreich und Schweiz – Drei Länder MTB

Holger S.

Traumtrails zwischen Italien, Österreich und Schweiz – Drei Länder MTB

Mountainbike-Collection von Holger S.

Die Drei Länder Tour ist ein Klassiker im Dreiländereck am Reschenpass. Es gibt verschiedene Varianten mit mehr oder weniger Trails, kombiniert mit Liften oder optimiert für E-Biker. In dieser Collection findest du die Version, die ich als Mountainbike-Guide, der die Region mit alle ihren Facetten in zahllosen Touren über viele Jahre kennengelernt hat, einem Freund empfehlen würde.

Die Rundtour beginnt auf den Drei Länder Trails am Reschenpass und führt dich in fünf Etappen auf teils einsamen hochalpinen Pfaden ins hippe Bike-Eldorado Livigno. Täglich überquerst du dabei mindestens einmal eine Grenze zwischen Italien, Österreich und der Schweiz und legst etwa 260 Kilometer und 8.250 Höhenmeter zurück. Unterwegs erwarten dich überwältigende Landschaftseindrücke, spannende Orte mit bewegter Geschichte und epische Singletrails. Zahlreiche Highlights treiben schon beim puren Klang ihres Namens Mountainbikern die Freudentränen in die Augen.


Deine Tour?

Die täglichen Routen sind in meinen Augen ein super Kompromiss aus gut fahrbaren Trails und richtig schönen Transitstrecken. Ich gehöre noch zu den Bikern die gern aus eigener Kraft versuchen jeden Berg zu erklimmen. Aus diesem Grund ignoriere ich in meinen Routenvorschlägen Lifte und Shuttle-Busse. Natürlich kannst du hier und da auch eine Seilbahn oder einen Bustransfer in die Strecke einbauen, um sie etwas zu vereinfachen oder um Trails mehrfach zu fahren. Wo das sinnvoll und möglich ist, hinterlasse ich einen Kommentar zur jeweiligen Etappe.


Vor allem als Tourenbiker auf der Suche nach tollen Landschaftseindrücken und vielen Singletrails wirst du begeistert sein. In Mountainbike Magazinen kursiert für solche Erlebnisse der Begriff “episch”. Bei den gewählten Streckenlängen wirst du als gut trainierter Mountainbiker weder zum Frühaufsteher noch zum Night Rider. Bei täglich etwa fünf bis sechs Stunden auf dem Rad bleibt dir genug Zeit, um die Berge und Trails zu genießen, für ein gemütliches Picknick am Berg oder eine ausgiebige Hütteneinkehr.


Auf den empfohlenen Strecken bist du vor allem auf Singletrails, unbefestigten Wegen, Schotter- und Nebenstraßen mit sehr wenig Verkehr unterwegs. Das hochalpine Gelände erfordert entsprechende fahrtechnische Skills. Ein Enduro-Profi musst du jedoch nicht sein. Ich habe hier Trails zusammengestellt, die auch von Tourenbikern auf einer Transalp üblicherweise gefahren werden. Eine Grundausstattung mit Protektoren für Knie und Ellenbogen halte ich für empfehlenswert, insbesondere wenn du in Nauders oder Livigno zusätzlich zur beschriebenen Route noch weitere Trails fahren willst. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad schieben. Das gilt im Besonderen für die Uina-Schlucht, wo du dein Bike etwa zwei Kilometer und 250 Höhenmeter stoßen wirst (das sagt man so in der Schweiz). Als E-Biker fährst du die komplette Route am besten in umgekehrter Richtung.


Übernachten

Ausgelegt ist die Tour für Selbstversorger. Das heißt, du packst deinen Rucksack mit allen notwendigen Utensilien für eine alpine Mehrtagestour und hast außer bei den Rundtouren in Nauders und Livigno dein komplettes Equipment dabei. Falls du keine Lust auf Rucksack schleppen hast, gibt es in Nauders mehrere Hotels, beziehungsweise Taxiunternehmen, die einen Shuttle-Service für Gepäck anbieten. Nähere Infos dazu erhältst du in der Tourismusinformation in Nauders.

Für die Übernachtung stehen dir in allen Etappenorten zahlreiche Unterkünfte in verschiedensten Kategorien zur Verfügung. Wenn du es rustikaler magst, beachte die Hinweise zu den Hütten am Weg.


Reisezeit

Die beste Reisezeit ist im Sommer. Zwischen Mitte Juni und Ende September sind die Pässe in aller Regel schneefrei.

Im August befindet sich fast ganz Italien im Urlaub. Solltest du nicht ohnehin unter freiem Himmel schlafen, empfehle ich dir deine Unterkünfte generell und insbesondere in den italienischen Regionen (Livigno und Glurns) im besagten August vorab zu reservieren.


An-/Abreise

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist einfacher als du glaubst. Bis nach Landeck/Zams in Tirol (Österreich), Scuol im Engadin (Schweiz) bzw. nach Mals in Südtirol (Italien) fahren Züge, die auch Räder transportieren. Von den jeweiligen Bahnhöfen fahren Linienbusse beziehungsweise Postbusse zu deinem bevorzugten Startort, sofern du nicht die letzten Kilometer mit dem Bike zurücklegen wirst. Die Busse in der Region nehmen Räder huckepack am Heck oder auf speziellen Anhängern mit. Eine Reservierung ist außer bei größeren Gruppen zwar nicht unbedingt erforderlich, erfahrungsgemäß jedoch empfehlenswert. Unter den folgenden Links findest du die entsprechenden Streckenfahrpläne und Kontakte für die Reservierung:

tlbus.at/fahrplaene (Von Landeck/Zams nach Nauders)

postauto.ch/de/ausflugstipps/zernez-mals-nauders-scuol (Linienpläne des Schweizer Postautos von Scuol nach Nauders und von Mals nach Nauders)

suedtirolmobil.info/de (Von Mals nach Nauders)

Mit dem Auto bist du natürlich am flexibelsten. Parkplätze sind an der Talstation der Bergkastelbahn vorhanden. Wenn du eine Unterkunft gebucht hast, empfehle ich dir am jeweiligen Haus nach einer Abstellmöglichkeit zu fragen. Du kommst ja auch wieder. Das freut die Gastgeber. Auch wird dir hier sicher die Möglichkeit des Gepäckshuttles zum nächsten Etappenort erklärt.



Ich wünsche dir viel Spaß bei deiner Drei Länder MTB Tour und freue mich über dein Feedback. Lass es krachen und Kette rechts!

Auf der Karte

Touren & Highlights

    Schwer
    04:29
    40,8 km
    9,1 km/h
    1 450 m
    1 450 m
    Schwere Mountainbike-Tour. Sehr gute Kondition erforderlich. Fortgeschrittene Fahrtechnik notwendig. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen.

    Nauders befindet sich am Alpenhauptkamm noch geradeso, dass es auf der Nordseite liegt, wettertechnisch jedoch mehr vom Süden beeinflußt wird. Das liegt an der besonderen geografischen Lage der auf fast 1.400 Metern liegenden Gemeinde. In den nächsten Tagen wirst du längere Zeit in Höhen von 2.000 Metern biken. Da macht eine Akklimatisierung für Flachlandtiroler natürlich Sinn. Doch nicht nur aus diesem Grund empfehle ich dir eine Rundtour auf den Drei Länder Trails am Reschenpass.


    Der Tag beginnt für dich mit einem Aufstieg zum wohl besten Panoramablick über den Reschensee. Der „Poserfelsen”, wie der ausgesetzte Aussichtspunkt am Plamort im Biker Jargon genannt wird, ist dein erstes Bergziel. Der Ausblick ist grandios. Von dort geht es nochmals kurz hoch über eine freie Wiesenfläche, die im Sommer von Pferden beweidet wird, zu den Panzersperren und Bunkeranlagen. Diese haben als Relikte des Vallo Alpino, des Alpenwalls der zwischen 1938 und 1943 vom faschistischen Italien entlang seiner inneralpinen Grenzen errichtet wurde, die Zeit überdauert.


    Das Panorama von der Hochebene, die in weiten Teilen Moorflächen hat, ist einmalig. Im Westen blickt man auf den Piz Lad an dessen Fuße sich der Dreiländergrenzstein und die Rescher Alm befindet, die du am Nachmittag noch besuchen wirst. Auf dem Plamort Trail werden dir auf ein paar hundert Metern sicher einige Biker entgegen kommen, die von der Bergstation der Bergkastelbahn kommen und zum Bunker Trail wollen. In einer Senke hältst du dich rechts und folgst dem Schotterweg bergauf Richtung Stieralm und folgst nicht weiter dem angelegten Trail zur linken. An der bewirtschafteten Stieralm befindet sich der Einstieg zum neuen Bergkastel Trail. Der Trail ist durchgehend mit S1 der Singletrail Skala bewertet. Hier ist Spaß für jedermann garantiert! Dich erwartet keine Brechsand-Murmelbahn, sondern ein schön naturnah angelegter Singletrail. Und dieser scheint niemals enden zu wollen.


    Im Tal angekommen schließt du dich den Radlern auf dem Weg nach Süden an und überquerst den Reschenpass nach Südtirol. Der zweite lange Anstieg des Tages erwartet dich. An der Rescher Alm kannst du dich mit hausgemachtem Kaiserschmarrn und Käseknödeln stärken. Nur noch wenige Höhenmeter erwarten dich nach der Rast bevor du den Klassiker „Dreiländer Trail” zum Grünsee und Schwarzsee unter die Reifen bekommst. Weiter geht es zum Kleinmutzkopf, wo dich die finalen Trails zurück nach Nauders in Empfang nehmen. Dort kommt es schnell einmal vor, dass du einen Abzweig zwischen Gerri Trail oder Kreuzmoos Trail verwechselst. Egal, denn am Ende landen beide an den Riatsch Höfen. Der Riatschwegele Trail führt schließlich mit wunderschönen Anliegerkurven vom Gasthaus Riatschhof zur Talstation Kleinmutzkopf. Du bist zurück in Nauders.

    Schwer
    04:25
    48,9 km
    11,1 km/h
    1 810 m
    2 250 m
    Schwere Mountainbike-Tour. Sehr gute Kondition erforderlich. Fortgeschrittene Fahrtechnik notwendig. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen.

    Das ganz klare Highlight des Tages ist die Uina Schlucht. Das Seitental des Inntals im Unterengadin bei Scuol mit seinem in Fels gehauenen Steig hat einen ungebrochen anziehenden Ruf und weckt den Abenteuergeist von Bikern und Wanderern gleichermaßen. Ein Hinweis gleich zu Beginn: Bei starkem Regen, angesagten Gewittern oder Schneefällen rate ich dir von dieser Tagestour ab! Der kürzeste Weg nach Glurns wäre dann über den Reschenpass. Wie vor jeder deiner Tagesetappen solltest du unbedingt den Wetterbericht checken. Im Sommer kommt es in den Bergen oft zu nachmittäglichen Wärmegewittern. Diese treten auch oft lokal auf. Generell solltest du die Tagesetappen so früh wie möglich nach dem Frühstück starten und stets die Wolkenbildung am Himmel beobachten. Ein Gewitter im Hochgebirge auf freier Fläche ist kein Vergnügen.
    Möchtest du dich über den Zustand des Weges oder die Schneelage nach vorangegangen Schneefällen informieren, rufe am besten bei der Sesvennahütte an. Die Wirtsleute sind hilfsbereit und freuen sich natürlich auch über deinen Besuch am Nachmittag.
    Nun aber zur eigentlichen Tour: Von Nauders kurbelst du zunächst auf einem schmalen Wirtschaftsweg, der später in eine Schotterstraße übergeht, 400 Höhenmeter hinauf zum Schwarzsee. Der Piz Lad spiegelt sich im dunklen Wasser des Moorsees. Meist schwimmen hier einige zahm wirkende Reiherenten mit ihren charakteristisch knallgelben Knopfaugen. In der Nähe des Gewässers überquerst du die Grenze zur Schweiz. Für ein paar hundert Meter befindest du dich auf einen Trail der teils abschüssig über Wurzelfelder, teilweise auf Holzstegen durch ein Moor führt. Ein Mix aus Schotterwegen und schönen Trails bringt dich ans Ufer des Inns. Der letzte Teil der Abfahrt auf einem Almwiesenweg nach San Niclá ist steil und sorgt für heiße Bremsen. Nun geht es größtenteils entspannt ansteigend auf acht Kilometern und 200 Höhenmetern bis nach Sur En. Dort zweigt das Val d’Uina ab. Hier befindet sich ein Brunnen zum Auffüllen der Wasserreserven. Im weiteren Verlauf des Anstiegs findest du noch weitere Brunnen am Weg. Die letzte Möglichkeit befindet sich an der urigen Alphütte Uina Dadaint, wo du bei mega leckerer Engadiner Nusstorte auch nochmals die Energiereserven auffüllen kannst. Nicht weit von der Alm beginnt, nach knapp 800 Höhenmetern, die Schiebestrecke auf dem Felsenweg durch die Quar-Schlucht, einem Seitental der Uina-Schlucht. Etwa 250 Höhenmeter und zwei Kilometer beträgt die Strecke, auf der du das Rad „stoßen” wirst. Rechts und links befinden sich tiefgraue Felswände. In der Schlucht rauscht der Bach. Von Felsüberhängen und in den kurzen Tunnels, die in den Berg gehauen wurden, tropft kaltes Wasser. Eine faszinierende Stimmung, die sowohl von Wanderern als auch Bikern aufgesogen wird. Der schmale Weg erfordert Vorsicht und ein respektvolles Miteinander. Nach etwa 30 bis 40 Minuten erreichst die Hochfläche der Alp Sursass. Das ist jedoch noch nicht das Ende des Anstiegs. Nochmals etwa 150 Höhenmeter steigt ein schöner, teils technischer Singletrail bis zur Grenze nach Südtirol am unscheinbaren Schlinigpass auf 2.298 Metern an. Lediglich ein Drehkreuz in einem Weidezaun und ein paar unauffällige Grenzsteine markieren die EU-Außengrenze. Nachdem du ein Hochmoor und einen kleinen See hinter dir gelassen hast, wird dir zuallererst die alte nicht bewirtschaftete Pforzheimer Hütte ins Auge fallen. Die Sesvennahütte befindet sich weiter rechts. Du siehst sie sobald du nach dem massiven Weidegatter um die Kurve kommst. Die Hütte hat einen guten Ruf, der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Empfehlung: Wenn du mit Hüttengepäck unterwegs bist, dann bleib auf der Sesvennahütte und fahre am nächsten Morgen weiter nach Livigno. Die Ruhe und Abgeschiedenheit der Hütte, das zünftige Essen und der herrliche Blick auf die Gletscher des Ortler Massivs mit dem Doppelgipfel von Zufallspitzen (3.757 m) und Monte Cevedale (3.769 m), die durch riesige Eisflächen getrennt werden, ist traumhaft. Bleibst du nicht auf der Hütte, dann geht es erstmal steil bergab nach Schlinig. Der Weg bis zur Schliniger Alm ist breit, jedoch oft sehr ausgespült. Direkt neben dem Schotterweg überwindet der Schliniger Bach den Höhenunterschied als fotogener Wasserfall. Bis nach Glurns geht es bis auf einen kurzen Gegenanstieg weiter bergab. Eine alter Patrouillenweg des Militärs führt aus der Senke des Bachs nochmals heraus. Der schöne Trail offenbart, nachdem er den lichten Lärchenwald verlassen hat, einen herrlichen Panoramablick ins Vinschgau und endet unweit des Klosters Marienberg in Burgeis. Nun rollst du bis zum Ziel auf dem Etschtal-Radweg bergab.Das mittelalterliche Glurns als kleinste Stadt Südtirols besitzt noch die vollständig erhaltenen Stadtmauern. Ein Spaziergang nach deiner Tour in den altehrwürdigen Gemäuern, durch die gedrungenen Laubengänge und verwinkelten Gassen ist auf jeden Fall lohnenswert. An mehreren Stellen kannst du die Stadtmauer erklimmen. Nette Restaurants mit südtiroler Spezialitäten (Schlutzkrapfen sind mega lecker!), Espresso und selbst hergestelltes Eis gibt´s übrigens auch. Willkommen in Italien!

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  • Schwer
    05:18
    59,0 km
    11,2 km/h
    1 920 m
    1 020 m
    Schwere Mountainbike-Tour. Sehr gute Kondition erforderlich. Fortgeschrittene Fahrtechnik nötig.

    Am dritten Tag kommst du von den Apfelplantagen Südtirols in die Höhen des Nationalparks Stilfser Joch und erlebst einige der schönsten Trails des Schweizer Nationalpark Marathons. Das wird deine Königsetappe.Von Glurns beginnt der erste Anstieg des Tages zunächst moderat auf einem Radweg. In Laatsch zweigst du Richtung Münstertal (Val Müstair) ab. Der Weg steigt ab der Calvabrücke dem Lauf des Rambachs folgend stetig an. Zwischen Taufers und Müstair überquerst du die Grenze und befindest dich bis zum Nachmittag erneut in der Schweiz. Das unscheinbare Benediktinerinnenkloster in Müstair aus der Karolingerzeit gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. In Santa Maria verlässt du das Münstertal und kurbelst auf einer Schotterstraße zum Döss Radond auf 2.234 Metern. Unterwegs entdeckst du neben der herrlichen Natur die wunderschönen Wasserfälle die vom Bergsee Lai da Rims ins malerische Val Vau hinabstürzen. Am Pass angekommen hast du fast 1.400 Höhenmeter und 26 Kilometer in den Beinen. Wenn ich du wäre, würde ich genau hier mein Picknick einplanen. Einkaufen kannst du dafür in Santa Maria oder bereits in Glurns. Am Pass befindet sich ein Brunnen und reichlich Fläche zum rumfläzen. Murmeltiere, die über die freien Flächen balgen und laut pfeifen sind eine super Unterhaltung während deiner Pause. Ab dem Döss Radond führt die Schotterstraße ins berühmte Val Mora. Nimm dir Zeit, um dich in diesem malerischen Tal auch einmal umzuschauen. Nach etwa fünfeinhalb Kilometern triffst du auf eine Weggabelung. Hier befindet sich ein weiterer Brunnen zum Nachtanken, falls der am Pass zu wenig Wasser führt. Linkerhand geht die eigentliche Hauptroute weiter. Du kannst dieser natürlich weiter folgen und sparst dir ein paar Höhenmeter. Rechterhand gelangst du zur Alp Mora und etwas weiter bergab zu einem schönen, etwas technischen Singletrail, der schließlich talabwärts zurück auf die Hauptroute führt. An der Alp Mora gibt es die Möglichkeit alternativ zum Picknick auf eine zünftige Jause einzukehren. Der Trail durch das Val Mora schwingt sich auf und ab dem Bachlauf folgend bis ins Val di Fraèle, wo du dich bereits wieder auf italienischem Boden, genauer in der Lombardei, befindest. Am Passo di Val Fraèle auf 1952 Metern erreichst du den ersten von zwei Stauseen. Am tiefblauen Lago di San Giacomo di Fraèle entlang fährst du bis zu einer kleinen Bergsiedlung, deren Gebäude einer Modellbahnlandschaft entsprungen sein könnten. Nicht weit von dem Abzweig befindet sich eine Hütte, die einfachen typisch italienischen und mit regionalen Gerichten zum Einkehren einlädt. Die zahlreichen Liegestühle sind verführerisch...doch dich erwartet noch ein großes Tageshighlight.Der Weg zum Passo di Val Trela ist die letzte große konditionelle Herausforderung des Tages, bevor du dich auf den herrlichen Trail nach Livigno freuen darfst. Zunächst noch moderat ansteigend wird es bald steil. Auf 1,8 Kilometern überwindest du 220 Höhenmeter. Gerade noch hast du dich mit einer Felswand konfrontiert gesehn, schon findest du dich wieder in einem herrlichen Talkessel wo sich die Trela Alm (Malga Trela) befindet. Du solltest bis 16 Uhr hier sein, wenn du noch bewirtet werden möchtest. Danach müssen sich die Wirtsleute ihrer ursprünglichen Beschäftigung widmen und die Kühe eintreiben und melken, um Butter und Käse herstellen zu können. An der Alm beginnt der Singletrail der noch weitere 130 Höhenmeter bis zur Passhöhe von 2.295 Metern am Passo di Val Trela ansteigt. Die Beschaffenheit des Weges bergauf widerspiegelt die Qualität des Trails bis nach Livigno. Beginnend von der Passhöhe bis direkt ans Ufer des Lago di Livigno erwartet dich ein herrlicher Flowtrail von fast sieben Kilometern Länge. Das erste Gebäude auf dem Weg ins Dorf ist die Latteria di Livigno. Hier produziert man neben richtig gutem Käse auch mega leckeres Eis. Das ist auch der Grund warum hier so ein Menschenauflauf herrscht. Während du das köstliche Eis genießt, kannst du deine Füße im Bach eintauchen, der direkt vorbei fließt und die Beine für die nächste Tagesetappe regenerieren. Von der Latteria bis ins Dorf ist es nur noch ein Katzensprung. Nutze am besten den Radweg Richtung Dorfzentrum am Mottolino Lift vorbei. In der Fußgängerzone des Ortes ist vor allem in der Hauptsaison im August soviel los, dass du mit dem Fahrrad nur im Schritttempo oder schiebend durchkommst. Solltest du zu dieser Zeit einen Trip nach Livigno planen, dann empfehle ich dir auf jeden Fall schon im Voraus eine Unterkunft zu reservieren. Livigno ist eine der höchstgelegene Gemeinden der Alpen. Die Talsohle liegt bei über 1.800 Metern. Im Sommer findet man hier viele internationale Profisportteams, die hier ihr Höhentraining absolvieren. Zwischen Bikepark, hochalpinen Pässen und unzähligen Trails tummeln sich alle Facetten des Radsports. Wenn du es nicht eilig hast, solltest du dir mindestens einen Tag Zeit nehmen die Trails um das Valle di Livigno zu entdecken. Auch wenn ich es ungern zugebe – da lohnt sich sogar einmal die Investition in ein Tagesticket für die Bergbahnen. Es gibt zwei Talseiten die von Liften und gebauten Strecken erschlossen sind. Die Trails am östich gelegenen Mottolino sind aus eigener Kraft sogar ganz gut zu erreichen, indem man die Straße zum Passo d’Eira hinauf kurbelt und dann auf dem Schotterweg bis zum Einstieg der Trails kurbelt. Empfehlenswert ist hier der Panorama-Höhenweg aka. “Hans Rey Flowcountry Trail” bis ins Val delle Mine, wenn du den Bikepark vorerst ignorieren möchtest. Der Trailpark am Carosello auf der Westseite von Livigno ist nur unter arger Plackerei zu erreichen. Die breiten Schotterpisten, die bis auf etwa 2.800 Meter den Bergrücken hinaufführen, sind extrem steil. Spar dir die Kraft für die unglaublich langen Trails mit ihren zahllosen Kurven, Anliegern und Sprüngen. Solange du nicht auf den Trail „The Bomb” oder „Enduro” kommst, erwarten dich am Carosello vor allem tolle Flowtrails.Livigno ist übrigens ein Zollausschlussgebiet der EU. Auf Waren wird keine Mehrwertsteuer erhoben. Dieser Sonderstatus geht auf die besondere geografische Lage der Talschaft zurück, die schon im 17. Jahrhundert weitgehende wirtschaftliche und rechtliche Unabhängigkeit von den Bündner Landesherren gewährte. 1805 erklärte es Napoleon zur zollfreien Zone. Wie gesagt, wenn du es nicht eilig hast, solltest du dir mindestens einen Tag Zeit nehmen. Doch nicht um zu shoppen, denn den ganzen Kram müsstest du die kommenden zwei Tage im Rucksack mitschleppen, sondern um die Trails im Valle di Livigno zu entdecken.

    Schwer
    04:37
    50,4 km
    10,9 km/h
    1 500 m
    1 500 m
    Schwere Mountainbike-Tour. Sehr gute Kondition erforderlich. Fortgeschrittene Fahrtechnik notwendig. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen.

    Hast du dich gut erholt von der Königsetappe oder am Vortag auf den Trails von Livigno alles gegeben? Der heutige Tag wird landschaftlich ganz großes Kino! Dich erwartet zwischen den Nationalparks Stilfser Joch und Schweizer Nationalpark eine gigantische Landschaft zwischen brachial und Heidi-Kitsch. Nach einer kurzen Aufwärmung bis zum See kommt schon der erste heiße Anstieg. 500 Höhenmeter geht es auf einer alten Militärstraße hinauf zum Passo di Valle Alpisella. Wer am Vortag zu viel Zollfreien Fusel genascht haben sollte, wird bis oben jeden einzelnen Tropfen Gift ausgeschwitzt haben.Die ehemalige Militärstraße fällt zunächst nur leicht ab. Das Tal öffnet sich mehr und mehr nach Osten und gibt den Blick auf das vergletscherte Ortlermassiv frei. An der ersten und einzigen Weggabelung hältst du dich links und folgst einem sehr schönen Singletrail zum Lago di Fraèle. Das Bächlein zu deiner rechten nennt sich Adda und wird im weiteren Verlauf der größte Zubringerfluß des Lago di Como (Comer See) bevor er in den größten italienischen Fluss Po mündet.Am See triffts du für 500 Meter auf die Strecke der dritten Etappe bevor du dich links hältst und dem Verlauf des Tals des Val del Gallo bis zum nördlichsten Ausläufer des Lago di Livigno folgst. Die alte Militärstraße ist ab der Brücke am Grasso di Pra Grata weitestgehend zum Singletrail zusammengeschrumpft. Besonders nach starken Niederschlägen beziehungsweise nach der Wintersaison ist der Weg teilweise von Muren und Geröll beschädigt. Der Lago di Livigno gleicht in diesem Gebiet einem tiefblauen Fjord im Norden Skandinaviens. Vom See führt eine Uphill-Trail zum Fuorcla del Gal. Direkt am Seeufer beginnt dieser als kurze Schiebepassage, denn hier nagt die Erosion Jahr für Jahr am Hang aus Geröll. Nach einer Weile schlängelt sich der Weg dann gut fahrbar in unzähligen Serpentinen nach oben, durch geduckte Latschenkiefern und über freie Almwiesen, die den Blick zur Staumauer des Sees freigeben. Aufgepasst. Der Trail wird in beiden Richtungen befahren. Biker auf Transalp kommen meist von oben, Biker auf Tagestour von Livigno aus sind in der Regel in deiner Richtung unterwegs.Am Fuorcla del Gal (2.279 m) blickst du über weite Almwiesen auf die Hochebene Jufplaun und im Hintergrund den Schweizer Nationalpark. Du befindest dich wieder in der Schweiz. Die Szene könnte aus einem Naturfilm stammen, den du sonst nur träumend zu Hause vorm Fernseher oder bei Vorträgen weitgereister Abenteurer zu sehen bekommst. Wenn du heute ein Picknick machst, dann hier. Sicher hast du, statt einer neuen zollfreien Rolex, guten Käse und Brot aus Livigno mitgenommen. Solltest du kein Trinkwasser mehr haben, befindet sich einige hundert Meter vor dem Pass rechterhand ein Brunnen. Der nächste vor der Abfahrt zur Alp Buffalora (an der Alp befindet sich auch ein Getränke- und Milchvorrat zur Entnahme auf Vertrauensbasis).Nach einer kurzen steilen Abfahrt zur Alp Buffalora wirst du für einen Moment aus der heilen Welt zurück in die Realität geholt. Etwa zwei Kilometer und 170 Höhenmeter erlebst du den seltenen Moment auf deiner Mehrtagestour einer von Autos und Motorrädern befahrenen Straße zu folgen. Am Ofenpass (Pass dal Fuorn, 2.149 m) ist das wieder vorbei. Direkt gegenüber dem Restaurant an der Passhöhe (Keine Empfehlung für eine Einkehr.) ist der Einstieg zu einem schmalen Trail, der als Höhenweg durch eng stehende Latschenkiefern Richtung Alp da Munt führt. Diese Variante ist super für geduldige Fahrer. Solltest du schnell verärgert sein über Latschen, die dir unvermittelt in den Lenker greifen oder Steine in den Weg legen, dann roll etwa 60 Höhenmeter bergab auf der Straße und biege in den ersten Schotterweg nach links ein. Dieser führt zurück auf die geplante Route.Wie entlang des Weges zur Alp da Munt an einigen Stellen noch gut zu sehen ist, wurde in der Gegend um den Ofenpass in früheren Zeiten Erz abgebaut. Die ganze Gegend wurde mehr oder weniger umgegraben und entwaldet. Der Name des Ofenpass (rätoromanisch: Pass dal Fuorn) rührt aus Zeiten, als im Mittelalter in seiner direkten Umgebung Eisenerz verhüttet wurde. Nach ein paar Höhenmetern erreichst du einen super schönen Panorama-Singletrail, der dich durch tiefgrüne Wiesen und einzeln stehende Zirben führt und den Blick ins Val Müstair und den Ortler im Hintergrund freigibt. Am Ende der Abfahrt erwartet dich die Alp Champatsch. Die gemütliche Jausenstation an der Alp heißt La Posa und ist eine perfekte Möglichkeit zum Trinkwasser auffüllen, für eine Pause und Stärkung vor dem steilen Anstieg zum Pass da Costainas. Stelle dich schon einmal auf eine etwa fünfzehnminütige Wanderung ein. Hast du den Pass da Costainas (2.251 m) erreicht, erwartet dich zum Tagesabschluss nochmals ein absolutes Landschaftshighlight. Ein schöner Trail führt zur Alp Astras, die mit einem einfachen Jausenangebot, selbst hergestelltem Alpkäse und einer traumhaften Lage punktet. Im oberen Val S-charl gegenüber der Hütte zu sehen befindet sich mit dem God Tamangur der höchste zusammenhängende Arvenwald der Alpen (Zirbenwald). Bis zum Etappenziel in S-charl geht es nun bergab durch eine kitschig schöne Heidi-Landschaft mit sprudelnden Bach, Alpwiesen mit grasenden Kühen und herrlich duftenden Arven. Die alte Bergbausiedlung S-charl ist dein heutiges Ziel. Es gibt zwei sehr schöne Hotels und ein kleines Hotel Garni am Ortsrand. Solltest du nicht fündig werden oder die Preise dich schrecken, dann erreichst du in weniger als einer Stunde Scuol, als größte Gemeinde des Unterengadins. Dort findest du Unterkünfte in allen Kategorien. Hinweis für extremes Wetter: Bei schlechten Wetterbedingungen kannst du die Passage zwischen Livigno und Ofenpass abkürzen. Folge der Straße durch die zur Seeseite offenen Tunnel bis zum Tunnel Munt la Schera. Dieser wird von einem Shuttle-Bus und außerhalb der Saison vom Linienbus durchfahren. Infos erhältst du hier: ekwstrom.abacuscity.ch/de/homeJe nach Wetterbedingungen kannst du am Tunnelausgang auf der Seite des Schweiter Nationalparks entscheiden weiter abwärts ins Engadin zu rollen und von Zernez dem Inntalradweg nach Scuol zu folgen. Die zweite Möglichkeit ist auf der Straße zum Ofenpass zu kurbeln und von dort der geplanten Route weiter zu folgen.

    Schwer
    04:23
    58,1 km
    13,3 km/h
    1 580 m
    2 030 m
    Schwere Mountainbike-Tour. Sehr gute Kondition erforderlich. Fortgeschrittene Fahrtechnik notwendig. Auf einigen Passagen wirst du dein Rad vielleicht schieben müssen.

    Am Morgen der letzten Tagesetappe geht es deutlich entspannter los, als in den vergangenen Tagen. Du rollst dem Val S-charl folgend talauswärts. Das Tal wird enger und die Felswände links und rechts ragen in Höhen von mehr als 3.000 Metern hinauf. Bei starken Regenfällen kommt es in der Schlucht nicht selten zu Murenabgängen die dann die Straße blockieren und S-charl mitunter tagelang von der Außenwelt abschneiden. Die Spuren solcher Ereignisse in Form von Geröllhalden sind nicht zu übersehen. In dieser Schlucht spürst du die Macht der Natur – und die morgendliche Kälte.


    In Scuol empfehle ich dir dich in Ruhe umzuschauen. Am Campingplatz vorbei gelangst du über die altehrwürdige Gurlainabrücke ins Zentrum des beschaulichen Engadiner Ortes. Die Gassen mit uralten, typischen Engadiner Häusern sind einen Besuch wert. In Scuol gibt es mehrere Brunnen, die neben normalen Quellwasser auch kohlensäurehaltiges natürliches Mineralwasser führen. Das musst du probieren. Der Geschmack des Wassers ist etwas eisenhaltig, jedoch sehr schmackhaft. Ich fülle mir hier immer die Trinkreserven für den Tag auf.

    Die nächsten etwa 30 Kilometer, bis zur Überquerung des Inns nahe der Österreichischen Grenze, orientieren sich weitestgehend an der Via Engiadina, einem Weitwanderweg, der auf der Sonnenseite des Tals durch das ganze Unterengadin verläuft.


    Aus Scuol heraus gelangst du über einen stetig ansteigenden Panoramaweg nach Sent. Der Blick auf das Inntal und die Engadiner Dolomiten im Hintergrund ist umwerfend. Sent und alle noch folgenden Dörfer sind typische Engadiner Siedlungen, die dich für Augenblicke in vergangene Zeiten zurückversetzen. Alles wirkt ruhig und geerdet. Die Atmosphäre ist hier besonders.


    Von Sent führt dich ein Höhenweg ins Val Sinestra zu einer anderen Art von Atmosphäre – das alte Kurhaus trägt den Ruf eines Spukhotels. Also gar nicht lang aufhalten. Wenn du an der Brücke einen eigenartigen Geruch vernimmst, liegt das an der Arsen-Eisen-Quelle, die dort in den Bach plätschert. Vielleicht ein Indiz für die Herkunft der Geistergeschichten.


    Am linken Ufer des Baches führt nun ein schmaler Weg talauswärts. Auf diesem wirst du anfangs dein Rad mehrfach kurz schieben oder tragen, weil Felsen oder Geröll das Fahren schwierig gestalten. Sobald du die Passagen hinter dir hast, folgt ein traumhafter Singletrail bis an die Straße nach Ramosch.

    In einem stark welligen Auf und Ab führt dich der Verlauf der Via Engiadina von Vna nach Tschlin und schließlich zurück ans Ufer des Inns bei Martina. Das Örtchen Tschlin gilt als besonders ursprünglich und sehenswert, da es lange Zeit vom Tourismus ignoriert wurde. Im Hotel Macun kannst du typisch Engadiner Gerichte probieren und am nördlichen oberen Dorfrand nahe der kleinen Kirche, in der Alpenbrauerei Girun auch hier gebrautes Bier. Übrigens ist das nicht die einzige Brauerei in Tschlin. In Martina, unten im Tal, wird ausschließlich aus Schweizer Bio-Zutaten das weit über die Grenzen des Engadins hinaus bekannte Biera Engiadinaisa in der Bieraria Tschlin hergestellt. Bei soviel Auswahl wirklich nur probieren, den Durst vertreibt auch Quellwasser. Denn nach der Abfahrt mit herrlichem Panorama auf das Inntal im Unterengadin, den markanten Piz Lad (2.807 m) und die Almwiesen von Nauders am Schmalzkopf (2.724 m) steht dir der über 650 Höhenmeter betragende letzte Anstieg Richtung Schwarzsee bevor. Direkt hinter der Grenze nach Tirol erwarten dich zum Abschluss des Tages die bereits seit der ersten Etappe bekannten Trails am Kleinmutzkopf und zaubern dir zum furiosen Finale deines Trips ein breites Grinsen ins Gesicht. Willkommen zurück in Nauders!

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Collection Statistik

  • Touren
    5
  • Distanz
    257 km
  • Zeit
    23:11 Std
  • Höhenmeter
    8 250 m
Holger S.

Traumtrails zwischen Italien, Österreich und Schweiz – Drei Länder MTB