Mareike

Mit einer Heiligen durchs Allgäu – Crescentia-Pilgerweg

Michael

Mit einer Heiligen durchs Allgäu – Crescentia-Pilgerweg

Wander-Collection von Mareike

Schritt um Schritt wird es im Kopf ruhiger. Die äußeren Einflüsse nehmen ab, die Aufmerksamkeit im Inneren steigt. Pilgern ist etwas, das du ganz für dich tun kannst. Nimm dir so viel Zeit, wie du möchtest und mache dich frei von allen Erwartungen. So öffnest du dich mit jedem Meter ein bisschen mehr – vielleicht für das Zwiegespräch mit Gott und Crescentia oder auch einfach mit dir selbst.

Der 90 Kilometer lange Crescentia-Pilgerweg verbindet vier Orte, die im Leben der Heiligen von großer Bedeutung waren: Kaufbeuren, Irsee, Ottobeuren und Mindelheim. Hier im malerischen Allgäuer Voralpenland war Crescentia einst selbst unterwegs, um Freunde und Bekannte in den benachbarten Klöstern zu besuchen. Auf ihren Spuren wanderst du eine Runde vorbei an Kirchen, Kapellen und Wegkreuzen. Auch Begegnungen mit anderen Pilgern können ein bereichernder Teil deiner Reise sein.

Unterwegs erzählen zehn Stationen aus dem Leben der heiligen Crescentia. Sie wurde 1682 als Anna Höß in Kaufbeuren geboren und hatte schon als Kind göttliche Visionen. Mit 20 Jahren trat sie ins örtliche Kloster der Franziskanerinnen ein, wo sie den Namen Crescentia, die Wachsende, erhielt und später Oberin wurde. Sie lebte für den Glauben, aber liebte auch Musik, Kunst und die Natur. Zu ihren Lebzeiten suchten viele Menschen ihre Hilfe und bekamen sie auch. Bereits seit ihrem Tod im Jahr 1744 pilgern jährlich unzählige Menschen zu ihrem Grab. Der Prozess ihrer Seligsprechung wurde schon 1775 angestoßen, allerdings erst 1900 vollendet. Heiliggesprochen wurde Crescentia 1998. Eine treibende Kraft dabei war das Kaufbeurer Kloster, das unablässig von Pilgern aufgesucht wird und dem zahlreiche Gebetserhörungen bekannt sind.

Um das Crescentiakloster am Start- und Endpunkt des Pilgerweges in Kaufbeuren in Ruhe besichtigen zu können, reist du am besten schon einen Tag vor dem Start deiner Wanderung an oder verlängerst deinen Aufenthalt am Ende. Das lohnt sich auch, weil es im mittelalterlichen Kern der Stadt noch mehr zu entdecken gibt. Das Kloster zeigt eine Ausstellung zum Leben Crescentias und in der Klosterkirche ist ihr ein Reliquienschrein gewidmet.

Der Pilgerweg ist an vier Tagen zu schaffen und lässt sich so zum Beispiel auch an einem verlängerten Wochenende gehen. Die Etappen sind recht lang, fordern aber nur mäßig viele Höhenmeter von dir. Mit knapp 30 Kilometern ist die letzte Etappe die längste. Die Wege sind gut ausgebaut und einfach zu gehen. Die An- und Abreise kannst du ganz bequem mit dem Zug zum Bahnhof von Kaufbeuren gestalten. Übernachten kannst du direkt in den Etappenorten. Nur am Ende der ersten Etappe in Oberegg ist die Auswahl sehr begrenzt. Es gibt aber auch Gastgeber in Kaufbeuren, die Übernachtungen mit Transport zu den Etappen anbieten. Die Tourismus-Information in Kaufbeuren vermittelt dir auch gerne eine geistliche Begleitung für deinen Weg.

Auf der Karte

Touren & Highlights

    Schwer
    05:53
    21,4 km
    3,6 km/h
    370 m
    310 m
    Schwere Wanderung. Sehr gute Kondition erforderlich. Leicht begehbare Wege. Kein besonderes Können erforderlich.

    Du beginnst deinen Pilgerweg dort, wo auch die heilige Crescentia losgegangen ist, wenn sie einen Ort in der Umgebung besucht hat: direkt am Kloster. Von dort verlässt du Kaufbeuren nach Westen. Zunächst gehst du auf einem Fußweg an einer Landstraße entlang bis kurz vor Ölmühlhang. Dann wendest du dich nach rechts und wanderst durch Wälder und über Wiesen nach Bickenried, wo dich ein großes, farbenfrohes Crescentia-Kreuz erwartet. Hier steht auch das Gut Bickenried, einst ein Meierhof für das Irseer Kloster, dann eine Sommerresidenz für den Abt und seine Patres. Heute ist hier ein Sozialprojekt untergebracht, das ebenfalls nach Crescentia benannt ist.

    Deine nächste Station ist Irsee mit seinem eindrucksvollen Kloster, das auch Crescentia einst besuchte. In der dazugehörigen Kirche Peter und Paul findest du eine Reliquie der Heiligen und eine einzigartige Kanzel in Form eines Schiffsbugs. Ebenfalls kannst du hier eine Plastik des Christus mit der Schulterwunde im Kerker bestaunen, die nach den Vorstellungen Crescentias gefertigt wurde. In der Klosteranlage befindet sich heute ein Hotel. Direkt nebenan liegt die Klosterbrauerei mit Museum und Gasthof.

    Am Ortsrand kommst du anschließend am malerischen Oggenrieder Weiher vorbei, dessen Ufer sich für eine kurze Pause anbietet. Zwei Drittel der Strecke liegen aber noch vor dir. Weiter wanderst du durch die wunderbare Voralpenlandschaft nach Eggenthal, das dich mit einer sehenswerten Wallfahrtskirche empfängt. Am Ortsende passierst du noch eine Kapelle, die jemand als Dank an Crescentia errichten ließ, weil er von einer schweren Krankheit geheilt wurde.

    Ein letzter Abschnitt durch einen Wald bringt dich nach Oberegg zu deinem ersten Etappenziel. Hier gibt es Ferienwohnungen und einen Ferien-Bauernhof.

    Mittelschwer
    04:46
    17,6 km
    3,7 km/h
    210 m
    300 m
    Mittelschwere Wanderung. Gute Grundkondition erforderlich. Überwiegend gut begehbare Wege. Trittsicherheit erforderlich.

    Am südlichen Ortsende von Oberegg beginnt die zweite Etappe auf einem Feldweg nach Westen, der dich mit einer kleinen Kurve durch einen Wald nach Wineden bringt. Auf der Hauptstraße kannst du einen Abstecher nach links zur Kapelle St. Wendelin machen. Über weiterhin malerische Wege gelangst du in ein steileres Waldstück mit riesigen Nagelfluhfelsen. Der Pilgerweg führt direkt hindurch, dabei hilft eine Treppe.

    Kurz darauf hast du das erste Drittel der Strecke schon hinter dich gebracht. Praktischerweise steht genau hier ein Kneippbecken bereit, in dem du deine Füße und Beine für den weiteren Weg motivieren kannst. Im Anschluss triffst du in Markt Rettenbach auf den Bayerisch-Schwäbischen Jakobusweg und die örtliche Pfarrkirche. Am westlichen Ortsausgang kommst du an der Wallfahrtskirche Maria Schnee vorbei. Crescentia kannte den letzten Einsiedler, der hier lebte.

    Nun verlässt du Markt Rettenbach nach Süden und wanderst über Guggenhierl nach Eheim, von wo du ein kurzes Stück auf dem Jakobusweg unterwegs bist. Hier ist es nun etwas hügeliger und du folgst malerischen Feldwegen über den Ort Hofs in einen Wald. Einmal geht es noch kurz bergauf, dann nur mehr bergab. Der Ort Guggenberg liegt etwas erhöht über deinem Etappenziel Ottobeuren. Das ist ideal, denn so kannst du auf dem Weg hinab schon die Türme der Basilika erspähen. Dabei wächst die Vorfreude auf die Ankunft gleich noch ein bisschen.

    An diesem Tag lohnt es sich, früh loszuwandern, damit du nachmittags noch ausreichend Zeit hast, die Basilika von Ottobeuren zu besichtigen. Sie gehört zu den größten barocken Klosteranlagen Europas. Auch Crescentia war hier zu Besuch, weil sie mit dem Abt befreundet war. Dafür kam sie wahrscheinlich auf einem ganz ähnlichen Weg wie du von Kaufbeuren hierher. Einen tieferen Einblick gewährt dir das Klostermuseum mit der beeindruckenden Bibliothek und dem prachtvollen Kaisersaal. In Ottobeuren gibt es ein Wirtshaus, ein Hotel mit Restaurant und außerdem ein Café im Kloster.

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  • Schwer
    06:05
    22,6 km
    3,7 km/h
    260 m
    310 m
    Schwere Wanderung. Sehr gute Kondition erforderlich. Leicht begehbare Wege. Kein besonderes Können erforderlich.

    An deinem dritten Tag auf dem Crescentia-Pilgerweg verlässt du Ottobeuren nach Osten. Hinter Halbersberg durchquerst du einen Wald nach Krautenberg. Erneut zwischen Bäumen hindurch gelangst du dann nach Frechenrieden, wo du eine prächtige Barockkirche besuchen kannst.

    Anschließend überquerst du die Östliche Günz und tauchst in einen Wald ein, auf dessen anderer Seite dich der Ort Mussenhausen empfängt. Dort steht eine wunderschöne Wallfahrtskirche aus der Rokokozeit – genau der richtige Ort für eine erholsame Pause. Außerhalb des Ortes triffst du anschließend auf einen neuen Begleiter: den Auerbach. An seinem Ufer wanderst du nach Norden bis nach Stetten. Du durchquerst den Ort und gehst unter Zuggleisen und einer Autobahnbrücke hindurch.

    Hinter dem Unggenrieder Weiher wartet noch ein letzter Anstieg auf dich. Über einen Hügelzug, auf dem südlich von dir auch die Mindelburg steht, erreichst du Mindelheim. Der Ort heißt dich gleich mit mehreren Kapellen willkommen. Es gibt also schon auf dem Weg in die Altstadt einiges zu sehen.

    Durch das Untere Tor, an dem eine Jesuitenkirche steht, betrittst du schließlich den Stadtkern. Farbenfrohe Gebäude, historische Häuser, Türme und Tore erwarten dich. Für Pilger ist besonders das Kloster Heilig Kreuz interessant. Crescentia pflegte einst Freundschaften und Briefwechsel mit den hier lebenden Franziskanerinnen. Das Kloster ist noch heute aktiv. Rundherum gibt es eine Auswahl an Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten.

    Schwer
    07:49
    29,2 km
    3,7 km/h
    380 m
    290 m
    Schwere Wanderung. Sehr gute Kondition erforderlich. Überwiegend gut begehbare Wege. Trittsicherheit erforderlich.

    Die letzte Etappe des Crescentia-Pilgerwegs ist auch die längste. Die Abwechslung entlang des Weges gestaltet die Strecke aber kurzweilig. Den Weg heraus aus Mindelheim zeigt dir der Fluss Mindel. Ein Uferweg bringt dich wieder unter der Autobahn hindurch nach Apfeltrach, wo der Pilgerweg am Ortsrand entlangführt. Du kannst aber auch einen Abstecher zu den zwei Kirchen von Apfeltrach machen: Sowohl die Pfarrkirche St. Bartholomäus als auch die Wallfahrtskirche St. Leonhard stammen aus dem 15. Jahrhundert.

    Bis in den nächsten Ort Dirlewang bleibst du der Mindel treu. Dort kommst du im Ortskern direkt an der hiesigen Kirche vorbei. Anschließend verlässt du das Tal und damit auch die Mindel. Über Felder und durch Wald geht es hinauf nach Warmisried und dann noch ein Stück höher durch einen Wald über Baisweil. Hier passierst du auf einer Lichtung den sogenannten Ort der Stille. Er sieht aus wie ein kleines Türmchen aus Backstein und schenkt dir einen schönen Ausblick – bei klarerer Sicht Blick bis zur Alpenkette. Auf dem Abstieg nach Baisweil kommst du kurz darauf an der Fatimagrotte vorbei.

    Du durchquerst das Tal und steigst auf der anderen Seite wieder durch einen Wald auf. Über Oggenried gelangst du wieder nach Irsee, das du schon von der ersten Etappe kennst. Vielleicht geht sich ja heute eine Einkehr im Klosterbräu aus? Anschließend schlägst du einen neuen Weg nach Kaufbeuren ein. Du wanderst nach Großkemnat, wo du den Römerturm besteigen kannst, um eine herrliche Sicht bis zu den Alpen zu genießen.

    Auf einem schönen Pfad zwischen Bäumen und Wiesen gelangst du dann zur Fatimakapelle. Die Bürger Kaufbeurens erhofften sich im Zweiten Weltkrieg Schutz von Crescentia und wurden nicht enttäuscht: Die Stadt blieb verschont, obwohl sogar ein Angriff geplant war. Als Dank für dieses Wunder erbauten die Kaufbeurer die Fatimakapelle.

    Nach den letzten Kilometern bergab erreichst du Kaufbeuren, das Ziel deines Pilgerweges. Zum Abschluss schlage ich vor, dass du dich erneut zum Kloster begibst und dort noch ein paar letzte Schritte bergauf in den Klosterberggarten machst. Dieser wunderschöne Terrassengarten ist direkt hinter dem Kloster angelegt. Such dir eine Bank zwischen den bunten Blumen aus und genieße zusammen mit dem Blick über Kaufbeuren den Moment.

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Collection Statistik

  • Touren
    4
  • Distanz
    90,8 km
  • Zeit
    24:33 Std
  • Höhenmeter
    1 210 m

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Mit einer Heiligen durchs Allgäu – Crescentia-Pilgerweg