2020.07.20-29-Breaking Corona G&K ALASKA (in Deutschland): Werden-Edersee 251km/6000hm

Collection von slueart

2020.07.20-29-Breaking Corona
G&K ALASKA 2020:
Zur Erläuterung: G&K wandern oder paddeln seit etwa 20 Jahren jeden Sommer durch irgendein heimatliches „Alaska“, nachdem der Börsengang unseres Reisegeldes für das echte Alaska ruinös verlaufen war.
Essen-Werden - Edersee 251km/6000hm
DER PLAN: Von West nach Ost.
So weit wandern wie es in den zehn Tagen, die wir dafür anberaumen können, möglich ist.
Nicht weit entfernt fahren, um zu wandern, sondern gemäß der Corona-Zeit stay home ...
Breaking Corona, zuhause loslaufen, ein Gedanke, der uns schon länger fasziniert.
Startpunkt Werden, weil Werden der Startpunkt vieler unserer Tageswanderungen war und ist.
Möglicher und dann auch realer Endpunkt: Der Zufluss der Eder (die wir schon erpaddelt haben) in den Edersee.
Einmal quer durch's Sauerland.
Was wir nicht bedacht hatten:
Im Sauerland sind die Nächte kälter. Biwak reicht nach einer kalten Nacht-Erfahrung nicht, also muss immer das Zelt stehen, was wiederum meistens illegal ist.
Die Täler im Sauerland verlaufen in Nord-Süd-Richtung, die Hauptwanderwege folgen den Hängen und Bergrücken. Wir laufen "quer" dazu, das bedeutet, dass die Wege, die Komoot anzeigt, manchmal kaum auffindbar sind:
Wiesenwege bis zum Hals, Waldarbeitswege, die sich "senkrecht" vor dir auftun und du musst da hoch.
Wir laufen quasi gegen die Landschaft an.
Das Gepäck.
Wir bringen es mit den vier Litern Flüssigkeit und Proviant p. T., der Zeltausrüstung und dem Nötigsten auf ca. 18kg pro Rucksack.
Das ist so schwer.
An manchen Tagen verfluchen wir das Gewicht, unsere Idee und unsere alten Knochen.
Gebrechen und Siechtum.
Nach der 220km Schwarzwaldtour im letzten Jahr mit zu kleinen Wanderschuhen und völlig entstellten Füßen nun die auf vielen Tageswanderung gut erprobten Schuhe in 46 statt 44,5.
Aber: Meine Füße werden immer breiter, nach Tagen ist kein Platz mehr für die kleinen Zehen und sie werden erbarmungslos zu Blasen aufgequetscht.
Der Schmerz ist wieder mein Begleiter, zumal der neue Wander-Rucksack von D. sich als wenig komfortabel im Schulterbereich auszeichnet:
Die Polsterung ist knapp, zu schmal, zu dünn und zu kurz.
C.-Plaster auch auf der rechten Schulter.
Klausens Schulter ist auch immer dabei, wenn es was zu klagen gibt.
Wiesenwege: 15 Zeckenbisse insgesamt, teilweise winzige Biester, die sich nicht ziehen lassen, sondern die wir quasi „herausoperieren“.Hygiene: Nach drei Nächten im Freien ohne Waschgelegenheiten weißt du auch, wer du bist.Schlafplätze: Zwei mal leisten wir uns vor allen Dingen aus hygienischen Gründen ein Zimmer, wobei wir nach dem Duschen schon lieber wieder vor'm Zelt gehockt hätten, zweimal passt ein Campingplatz in den Verlauf der Tour, da ist aber Sense mit Abstandhalten und B.C.
Der Marienhof bietet uns einen Spitzenbiwakplatz plus Dusche, dass ist ganz besonders zu erwähnen und dankend zu loben. Viermal zelten wir wild, das sind die köstlichsten Schlafplätze, dazu mehr in den Tagesberichten.
Geplant war anders auch: Abends sitze ich am Zelt und tippe meine kleinen Reiseberichte in mein neues Sluepad ein.
Leider ist dem nicht so.
Denn am Abend sind wir sowas von groggy, dass gar nix mehr geht.
Eine Negativbilanz?Bei weitem nicht! Wir haben es geschafft!
In zehn Tagen!
Durchschnitt 25km/600hm pro Tag.
Aber es war harter Tobak.Das viele Erlebte, Bereichernde, Glücklichmachende …
kommt jetzt:
Die gesamte Reise stellen wir jetzt nach Vollendung der Wanderung ausführlich hier bei Komoot mit Bild und Text vor.
(Beschreibung siehe Collection/Einzeltouren)
Unser Dank geht dahin, „wo die Regie geschrieben wird!"Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist falsch angegeben, da wohl alle Pausen mitrechnet wurden.

Auf der Karte

Touren & Highlights

    10:55
    31,5 km
    2,9 km/h
    600 m
    440 m

    2020.07.20-29-Breaking Corona
    G&K ALASKA 2020:
    Zur Erläuterung: G&K wandern oder paddeln seit etwa 20 Jahren jeden Sommer durch irgendein heimatliches „Alaska“, nachdem der Börsengang unseres Reisegeldes für das echte Alaska ruinös verlaufen war.
    Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist falsch angegeben, da sie alle Pausen mitrechnet?
    Essen-Werden - Edersee 251km/6000hm
    DER PLAN: Von West nach Ost.
    So weit wandern wie es in den zehn Tagen, die wir dafür anberaumen können, möglich ist.
    Nicht weit entfernt fahren, um zu wandern, sondern gemäß der Corona-Zeit stay home ...
    Breaking Corona, zuhause loslaufen, ein Gedanke, der uns schon länger fasziniert.
    Startpunkt Werden, weil Werden der Startpunkt vieler unserer Tageswanderungen war und ist.
    Möglicher und dann auch realer Endpunkt: Der Zufluss der Eder (die wir schon erpaddelt haben) in den Edersee.
    Einmal quer durch's Sauerland.
    Wir haben es geschafft!
    In zehn Tagen.
    Durchschnitt 25km/600hm pro Tag.
    Aber es war harter Tobak.Was wir nicht bedacht hatten:
    Im Sauerland sind die Nächte kälter. Biwak reicht nach einer kalten Nacht-Erfahrung nicht, also muss immer das Zelt stehen, was wiederum meistens illegal ist.
    Die Täler im Sauerland verlaufen in Nord-Süd-Richtung, die Hauptwanderwege folgen den Hängen und Bergrücken. Wir laufen "quer" dazu, das bedeutet, dass die Wege, die Komoot anzeigt, manchmal kaum auffindbar sind:
    Wiesenwege bis zum Hals, Waldarbeitswege, die sich "senkrecht" vor dir auftun und du musst da hoch.
    Wir laufen quasi gegen die Landschaft an.Das Gepäck.
    Wir bringen es mit den vier Litern Flüssigkeit und Proviant p. T., der Zeltausrüstung und dem Nötigsten auf ca. 18kg pro Rucksack.
    Das ist so schwer.
    An manchen Tagen verfluchen wir das Gewicht, unsere Idee und unsere alten Knochen.
    Gebrechen und Siechtum.
    Nach der 220km Schwarzwaldtour im letzten Jahr mit zu kleinen Wanderschuhen und völlig entstellten Füßen nun die auf vielen Tageswanderung gut erprobten Schuhe in 46 statt 44,5.
    Aber: Meine Füße werden immer breiter, nach Tagen ist kein Platz mehr für die kleinen Zehen und sie werden erbarmungslos zu Blasen aufgequetscht.
    Der Schmerz ist wieder mein Begleiter, zumal der neue Wander-Rucksack von D. sich als wenig komfortabel im Schulterbereich auszeichnet:
    Die Polsterung ist knapp, zu schmal, zu dünn und zu kurz.
    C.-Plaster auch auf der rechten Schulter.
    Klausens Schulter ist auch immer dabei, wenn es was zu klagen gibt.
    Wiesenwege: 15 Zeckenbisse insgesamt, teilweise winzige Biester, die sich nicht ziehen lassen, sondern die wir quasi „herausoperieren“.Hygiene: Nach drei Nächten im Freien ohne Waschgelegenheiten weißt du auch, wer du bist.Schlafplätze: Zwei mal leisten wir uns vor allen Dingen aus hygienischen Gründen ein Zimmer, wobei wir nach dem Duschen schon lieber wieder vor'm Zelt gehockt hätten, zweimal passt ein Campingplatz in den Verlauf der Tour, da ist aber Sense mit Abstandhalten und B.C.
    Der Marienhof bietet uns einen Spitzenbiwakplatz plus Dusche, dass ist ganz besonders zu erwähnen und dankend zu loben. Viermal zelten wir wild, das sind die köstlichsten Schlafplätze, dazu mehr in den Tagesberichten.
    Geplant war anders auch: Abends sitze ich am Zelt und tippe meine kleinen Reiseberichte in mein neues Sluepad ein.
    Leider ist dem nicht so.
    Denn am Abend sind wir sowas von groggy, dass gar nix mehr geht.
    Eine Negativbilanz?Bei weitem nicht!
    Das viele Erlebte, Bereichernde, Glücklichmachende …
    kommt jetzt:
    Die gesamte Reise stellen wir jetzt nach Vollendung der Wanderung ausführlich bei Komoot mit Bild und Text vor.Tag EINS
    Essen-Werden - Spielplatz Kaninchenweg Haßlinghausen
    Die Tour führt uns heute zunächst noch über viele bekannte Stellen und Streckenabschnitte, mittendrin vergessen wir schon mal, dass wir heute am Abend nicht mit B&B nach Hause fahren und mit unseren Frauen die Betten teilen, sondern wir noch überhaupt nicht wissen, wie und wo wir nächtigen werden.Das Gewicht der Rucksäcke wiegt schwer, als wir direkt zu Beginn durch das mächtig steile „Velberter Sträßchen“ zur „Grünen Harfe“ hochsteigen.Besondere Höhepunkte stellen wieder die Täler dar. Asbachtal und Hespertal sind immer einen Besuch wert.Schön ist es, sechs Kilometer über die Trasse zu laufen, wir können schneller voran kommen und im Supermarkt für den Abend einkaufen.Bis zur A43 in Sprockhövel kennen wir uns teilweise aus, danach beginnt Neuland, danach beginnt „Urlaub“.Das Naturfreundehaus Hagelsiepen, das wir als stille Option im Hinterkopf haben, erweist sich abweisend, die Innenbeleuchtung brennt wohl nur zur Tarnung.
    Aber im „Loch“ darunter zeigt sich ein verwunschener Ort, ein aufgelassener, ewig ungenutzter Spielplatz.
    Sicher?
    Aber ja!
    Kein Fitzelchen Müll, alles komplett sauber, wo finden wir so etwas noch?
    Und im Randdickicht ein feines Plätzchen für unser Zelt.
    Abendessen (Hartwurst, Brötchen, Fertigsalat) auf der zugehörigen Bank.Glücksmomente.

    12:00
    31,6 km
    2,6 km/h
    670 m
    750 m

    2020.07.20-29-Breaking Corona
    G&K ALASKA 2020:
    Tag ZWEIDie Sonne lacht am Morgen, als wir nach einem puristischen Frühstück mit Wasser und Müsliriegel aufbrechen.
    Wiesenwege, auf denen wir später noch Zecken sammeln, feuchten die Hosenbeine schneller durch als ein Duschgang, aber es wird warm bleiben, da trocknet alles schnell.
    An der Wittener Straße gibt's einen Kaffee von der Tanke und freundliche Wünsche einer Polizistin.Wir treffen auf Lamas? und einen schönen Raubvogel (Bussard?, gesehen haben wir bisher Sperber, Bussard, Schwarz- und Rotmilan).Beeindruckend zeigt sich das Stefansbach-Viadukt in Gevelsberg. Hinter der Stadtdurchquerung geht es steil bergan, über eine Bahnstrecke mit „Anforderungsschranke“, allerdings begnügt sie sich zur Öffnung mit einem Knopfdruck, es kommt nicht zum freundlichen Geplauder mit einem geheimnisvollen „Schrankenwärter“.Der Wald ist dicht mit Farn durchzogen, bald kommt eine Vorahnung von Sauerland auf: Gespensterwald zeigt seine Flächen mit abgestorbenen Fichten, Opfer des Klimawandels, der Trockenheit und des Borkenkäfers.
    Wir stellen fest, dass diese Gespensterwälder im HSK später weniger werden, wohl weil sie höher liegen.
    Ein kleines Highlight ist der Flughafen in Wahl, besonders wegen der aktiven Anwesenheit des Windsackes, ansonsten ist hier nix los. Ein freundlicher Holzbauer erklärt uns bei einer Rast auf einem Wiesenweg den Ausblick auf das nördliche Ruhrgebiet und den Dortmunder Raum und die Gründe, warum die Bauern „ihr Geld nicht in den Wald tragen mögen“, so die toten Bäume stehen lassen, der pekuniäre Ertrag ist zu gering.Harte Zeiten.Wunderbar nach der Rast der kleine Aufstieg zum TEMPEL, ein schöner Name auf Schildern vor weiß-blauem Himmel in wahrhaft luftiger Höhe.Am Freilichtmuseum Hagen ziehen wir nördlich, nachdem wir uns vor der "Käsedeele" ein Getränk gegönnt haben, vorüber auf einen namenlosen Berg steigend, über dessen kleinem, in den Boden eingelassenen „Gipfelkreuz“ wir erst einmal verschnaufen.
    Wieder einmal haben wir einen MB-Trail erwischt und der Anstieg ist deshalb äußerst steil.
    Beeindruckend führt der Weg uns an der Abrisskante des Grauwackensteinbruchs Hagen-Ambroch längst, mit Blick auf einige der zahlreichen Brücken der Sauerlandlinie.Gut Kuhweide ist ein Weihnachtsbaum-Moloch, gibt sich jetzt im Sommer streng und verschlossen.Dann erreichen wir nach fast 32 Kilometern das Naturfreundehaus Marienhof, bei dem wir uns als einziger Stätte auf unserer Sauerlandtour vorangemeldet haben.
    Jetzt am Abend sind hier alle Verantwortlichen weg, die freundliche Frau B., mit der ich mich per Mail ausgetauscht habe, ist in Urlaub.
    Einige Gäste, die dort nächtigen, sind instruiert, wissen Bescheid und weisen uns ein.
    Wir verzichten auf das Zimmer und kuscheln uns (Leider pure Optik, die Nacht wird scheißkalt) nach einer reinigenden Dusche und einem wiederum puristischen Abendessen auf einem wunderbaren Biwakplatz in den Holzmulch.
    Danke!

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  • 10:03
    22,8 km
    2,3 km/h
    690 m
    550 m

    2020.07.20-29-Breaking Corona
    G&K ALASKA 2020:
    (Einführender Bericht siehe Tag EINS + ZWEI)
    Tag DREI:
    Vom Marienhof nach "Klippkes", Zeltwiese, Nachrodt
    Der dritte Tag beginnt kühl. Wir haben die angebotenen Betten im Marienhof kernig ausgeschlagen, weil wir harte Jungs sein wollen, haben wir draußen unter einer Plane, die einen mit Holzmulch „kuschelig“ aufgefüllten Sitz- (und Liege-)Bereich überspannt, genächtigt und …

    ,,, haben ordentlich gefroren.
    Aber das lehrt uns schon mal hier „unten“, dass es oben im Hochsauerland (HS) kaum erbaulich sein wird, ohne schützendes Zelt draußen zu übernachten.
    (Sprich: Biwakpläne gecancelt)
    Wir stapfen vom Marienhof hoch zur Sauerlandlinie, das Gebrumme des Fernverkehrs wird immer lauter und kurz vor der Autobahnbrücke stehen wir in einem Gespensterwald, durch den die gigantische Brücke zu sehen ist. Ein wenig dystopische Atmo macht sich breit, aber als wir das Bauwerk unterquert haben und die Lärmpiste langsam hinter uns in geräuscharme Vergessenheit gerät, ergreift uns jäh die Wanderlust ……bis zum Käferfrust.Am westlichen Himmolshagen haben die Käfer gewonnen. Im Schatten der wenigen Laubbäume dösen ein paar Kühe den sie umgebenden Kahlschlag an.
    Wir kämpfen uns über breitgefahrene Wirtschaftswege durch die mittlerweile prall scheinende Sonne die Hügel hoch.
    Auf der östlichen Seite verbessert sich nix:
    Die Wege sind von schweren Waldarbeiten aufgewühlt, wir schauen ins Kahle, verwüstete Wurzel- und Geästreste säumen den Weg: Hier haben Klimawandel und Käferplage größte Schäden angerichtet.
    Und Worteleys Kopf ist kahlgefressen.
    Uns beschleicht die zunächst noch leise Sorge:
    „… Sauerland,
    ist abgebrannt!“
    Wenn das so weiter geht, wird es ein Depri-Trip.
    Da reisst uns ein Eichhörnchen aus den trüben Gedanken.
    Nach dem Queren den Nimmertals wird die Situation am "Lahmen Hasen" etwas grüner, spätestens als wir zum „Höchsten“ an der Wiblingwerder Straße aufsteigen, ändert sich alles.
    Denn ich habe beim Entwerfen der Route nicht bemerkt, dass wir über den "Opa Schäfer Trail" (Namensgeber unbekannt) für MB aufsteigen. Der ist so steil, dass uns das Übergewicht der Rucksäcke beinahe den Berg hinunterreißt.
    Hammer.
    Oben angekommen und bei blau-weißem Himmel die Aussicht genießend, wird alles wieder ein wenig optimistischer.Bevor es stetig ins Tal der Lenne und nach Nachrodt hinab geht, taucht Altena mit der gleichnamigen Burg im Dunst südlich von uns auf.Wir quälen uns ein bisschen bis zum Ort Nachrodt, aber die Route muss halt so gelegt werden, dass die Versorgung gesichert ist, deshalb führt sie uns jetzt über ein böses Stück entlang der B236 zu einem Lebensmittelgeschäft, bevor wir am Lennestrand in Kirchennähe auf ein erholsames Kaltgetränk einkehren.
    Jetzt beim Einkaufen und in der Gaststätte ist das Virus plötzlich wieder da.
    Im Wald gibt es kein Corona.
    Im Gasthausgarten sitzend erschrecken uns die „Klippkes“ am gegenüberliegenden Lenneufer, die wir anschließend besteigen müssen, wenn wir unsere Wanderung fortsetzen.
    Ein Spruch: "Ein Bier, einmal verlaufen!“ bestätigt sich gleich wieder, allerdings ist der Weg, den Komoot als Klippenweg erkennt, für uns nicht erkennbar, deshalb nehmen wir ein zweites Verlaufen in Angriff.
    Schließlich keuchen wir mit unserem Gepäck den absolut steilen Hang hinauf. Die Zeit ist uns davon gerannt, sodass wir beschließen, den erst möglichen Biwak-, sprich „wilden Zeltplatz“, der sich uns anbietet, zu besiedeln.
    Kurz hinter dem „Klippkes-NSG“ öffnet sich der Pfad ein wenig und wir stehen auf einer Lichtung am Wald, unserer Waldwiese, die von etlichen Pfaden durchzogen wird.
    Es scheint absolut einsam zu sein, als wir nach kurzer Pause unser Zelt aufstellen.
    Als das Zelt steht, feiert der Märkische Kreis sein „After-Work-Stelldichein“, wir zelten auf dem Jogging-, Walking- und Wandeling-Hotspot der Gegend.
    Misstrauisch bis freundlich werden wir beäugt, ein Paar unterhält sich mit uns, wir beruhigen uns und schließlich kehrt abendliche Ruhe im stillen, einsamen Wald ein.

    10:09
    26,7 km
    2,6 km/h
    660 m
    730 m

    2020.07.20-29-Breaking Corona
    G&K ALASKA 2020:
    (Einführung siehe Tag EINS +ZWEI)
    Tag VIER:
    Von Nachrodt/Lenne, Waldwiese nach Balve, 27km, 700hm
    Am Morgen stehen wir gut früh auf und sind um sieben auf Tour, selbstredend einmal wieder zunächst mit Minimalfrühstück, aber an die unregelmäßigen und manchmal kargen Mahlzeiten (3 kg runter) haben wir uns mittlerweile gewöhnt.
    Beim Zeltabbau begegnet uns nur ein einsamer, früher Jogger, der die Frage des gestrigen Abends "Wo kommen die nur alle her?“ kurz aufleben, sich aber nach einem weiteren Blick auf die Karte nicht erklären lässt.
    Wir wandern über die Hilkenhöhe, die immerhin schon über 440 hoch gelegen ist und genießen die zahlreichen Ausblicke bei strahlend blauem Morgenhimmel.Die Weiler und Örtchen sind meist menschenleer, auch in Attern erwarten uns nur drei neugierige Gänse. Kurz darauf beglückt uns eine überraschende Bank, die wir für eine kurze Zwischenrast nutzen.
    (Im Sauerland gibt es viel zu lesen: Eine unglaubliche Menge und Vielzahl von Wanderwegbeschilderungen, Erklärbilder, religiösen Motiven und Sprüchen, Infotafeln und anderem Lesestoff erwartet den wandernden Menschen, aber gelesen wird im Stehen, denn Bänke finden sich meist nur in wohlwollend werbender Ortsnähe.)
    Im Voßwinkel verlaufen wir uns kurz, weil das Signal nicht eindeutig ist, aber ein freundlicher Anwohner zupft uns von seinem Acker und weist uns begleitend, bis wir wirklich vom Hof sind, den Weg hinaus.Am Ausgang des kleinen NSG "Kesberner Kalkbuchenwald“ begegnet uns weiterhin sehr schönes Gebiet. Natürlich und naturnah stolzieren wir durch's hohe Gewächs, bestehend aus Wiese, Kraut und Buschwerk, leider auch aus Ginster, dem Zeckensprungbrett. Unsere Schuhe und Hosenbeine sind vom Wiesensamen getränkt. Zecken finden wir drei, die wir nicht "in den Wald zurückschnippen“ (P. Wohlleben), sondern genüßlich zwischen den Daumennägeln knacken.
    So sind sie, die selten benutzten Wiesenwege auf dem strikten Weg von West nach Ost.
    Kesbern selber, am alten Drahthandelsweg gelegen, bietet nicht viel an Abwechslung, einen flotten Spruch und ein Erklärbild später steigen wir schon wieder über den Nachtigallenweg hinauf in Richtung Gut Holmecke, dessen Mutter-Kind-Spielplatz sich komplett menschenleer präsentiert.
    (Von dem Campingplatz des FKK Iserlohn, den wir auch mal als Stop im Hinterkopf ruhen ließen, bemerken wir nicht einmal eine Zufahrt?)
    (Bei km 8,5 spinnt der Satellit.)
    Wir befinden uns mittlerweile gut über 400 Meter und genießen den phantastischen Weitblick. Die Sülberg Deele hat heute Ruhetag, aber das wussten wir schon.
    In dieser Gegend heißt der Müll „Lobbe“, die Firma schafft hier allen Unrat weg, sogar mit dem Tankwagen (der direkt zu Beginn einer kleinen Vesper unsere Ruhe durchbricht) die Gülle eines entlegenen Hauses im Wald.
    Wir folgen hinter Frönsberg ein Stück der WALDROUTE, die hier streckenweise nicht nur einen Namenskonflikt zu bestehen hat: Der Wald ist weggefressen, die Wege vom Abtransport der unzähligen geschlagenen und gestürzten Bäume aufgewühlt.Eine Wassermühle und eine Jugendfreizeitanlage erwarten uns in Hemer-Ispei, das aber irgendwie auch den Namen Stephanopel trägt. Wir werden von einem jugendlichen Betreuer auf unserer Rastbank mit Frischwasser versorgt und da hat uns Corona wieder:
    „Alle, die an der Wasserschlacht teilnehmen wollen, ziehen sich bitte ihre Masken an!“
    Fälschlicherweise und enttäuschend ist hier der Felsengarten bei Komoot als Highlight eingetragen, der jedoch etliche Kilometer weiter nördlich in Hemer zu finden ist. (gemeldet)Am Landhauser Berg erwartet uns wieder ein vielversprechender Wiesenweg, aber wir sammeln dieses Mal keine Zecken mehr ein, ist es der Höhe geschuldet?
    An der viel beschriebenen und fotografierten KREUZEICHE legen wir, erschöpft vom bepackten Aufstieg in der Sonne, unsere nächste Rast ein.
    Als Hotspot beschrieben, präsentiert sich uns das ruhige Plätzchen menschenleer.
    Nach einer Weile ein Pärchen mit Hund und Bierbüchsen, ein paar Mountainbiker zischen vorüber. Wir brechen auf gen Balve, wo Versorgungslücken behoben werden sollen. Die Frage nach dem Nachtlager wird zwingender und an Sommers Wiese, die sich als gänzlich ungeeignet für unser Zelt zeigt, fällt der Entschluss:
    „Jetzt bei km 113, heute Hotel, heute Dusche, heute Bett (heute Ausnahme).“
    Ist es ein Verstoß gegen die selbstgewählten Regeln?
    Wollten wir nicht ausschließlich „outside“ sein?
    Und das ist ja das Schöne an den selbstgewählten Regeln: Sie sind dehn- und wandelbar.
    Folglich buchen wir über ein bekanntes Hotelportal zwischen Sommers Wiese und Baumberg ein Zimmer mit Frühstück in Balve. Vom Baumberg sehen wir Balve näher kommen, aber das Zoom täuscht, auch mit der Freude auf eine Dusche und ein warmes Abendessen in Schulter, Knie und Hüfte wollen die Füße nicht mehr so richtig.
    Schmerzhaft zieht sich so der Einzug nach Balve hin.
    Im Haus Drosten, einem freundlich geführten Hotel garni, waschen wir die Wanderhemden und -socken und hängen diese über’m Markant-Parkplatz zum Trocknen auf.
    Danach gibt es ein erstes warmes Abendessen auf dieser Reise.
    Die Betten sind weich, eigentlich in Ordnung, aber der Rücken gewöhnt sich schnell und wohlwollend an das harte Liegen mit dünner Isomatte auf dem blanken Boden.
    Erstaunlich, aber wahr.

    09:45
    28,9 km
    3,0 km/h
    650 m
    470 m

    2020.07.20-29-Breaking Corona
    G&K ALASKA 2020:
    (Einführung siehe Tag EINS +ZWEI)
    Tag FÜNF:
    Von Balve nach Grevenstein, Camping am Einberg, 29km, 650hm
    Zeltverräter, im Hotel weich geschlafen und gut gefrühstückt, verlassen Balve durch das „Arme Sünder Gäßchen“, wie es ihnen gebührt, wo obendrein heute abend noch der Luxus eines Campingplatzes avisiert ist.
    Hoffnung haben wir da aber wenig, weil zwei Anfragen anderenorts negativ beschieden wurden. Heute wollen wir es mit der „Müde Wanderer“-Überrumpelung versuchen.
    Balve hat uns wandernden Menschen mit Verpflegung, warmem Abendessen, Betten und einer eindrucksvollen Kirche, St. Blasius erfreut und so gestärkt nehmen wir es gelassen, dass wir beim Verlassen des Ortes gleich eine steile, asphaltierte Straße hinaufschwitzen müssen.Der Bollenberg (390 m) an der Meller Hochheide bietet viel "Lesen im Stehen", Tafeln und Wanderhinweise, aber auch eine kleine Schutzhütte, in der wir unsere erste Rast des Tages einlegen.
    Ein Schnadestein markiert die Grenze Märkischer Kreis und Hochsauerlandkreis.
    Obwohl ein ausgewiesener Wanderweg zur Sorpetalsperrenmauer führt, wählen wir treu unsere ausbaldowerte Route, dieses Mal mit dem Ergebnis, dass wir zweimal versuchen, uns durch irgendwelche Schneisen bergab gen Osten zu schlagen.
    Nachdem wir im Farnwald versunken sind, taucht der richtige Weg vor uns auf.
    Kartenfehler?
    Die angezeigte Route existiert an dieser Stelle auf jeden Fall nicht, das können wir nach dem Irrweg als sicher konstatieren.
    Die Mauer des Vorbeckens der Sorpetalsperre öffnet uns den Blick auf eine traurig leere Talsperre, aber auch auf ein randvolles Vorbecken.
    Auf Nachfrage haben wir im Vorfeld eine Komplettabsage von allen fünf Campingplätzen am See erhalten. Das ist jetzt aber auch unwichtig, da die Routeneinteilung hier eh keine Pause mehr vorsieht.
    Wir erreichen einen eindrucksvollen Solitärbaum,
    die Krause Eiche:
    "Typ: Naturdenkmal
    Zugang: öffentlich zugänglich
    Land: Deutschland
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Kreis: Hochsauerlandkreis
    Ort: 59846 / Amecke
    Geo-Koordinaten:
    E7°57.7578' / N51°18.4174'
    Baumart: Stiel-Eiche (Quercus robur)
    Alter: 300 Jahre
    Umfang: 3.6 m (ca. Angabe)
    Höhe: 14.50 m
    Einzelb. oder Gruppe: Einzelbaum
    Zustand: vital"
    Quellenangaben: Wege zu alten Bäumen - Nordrhein-Westfalen, Volkmar Brockhaus
    Bald ein Superlativ der anderen Art:
    Auf der Weide vor uns erhebt sich ein Hochsitz, der uns an die alten DDR-Wachtürme oder andere furchteinflössende Überwachungsstützpunkte erinnert. Wie eine gesicherte Kommandozentrale überragt der Turm die Wiesen an der Bermecke.
    Erfreulicher locken uns die vielen Schwarzen Milane, die über den Feldern an der Illingheimer Straße ihre Jagdkreise ziehen. So schön, dass wir wieder einmal versuchen, einen von ihnen gelungen zu „zoomen“.
    Das fotografische Ergebnis hat gemäß unseren kleinen Kameras eher dokumentarischen Wert.
    Dann ein schöner Blick, eine feine Bank, ein erbauliches Holzkreuz, Rosier’s Kreuz geheißen, wieder eine fette Eiche. Ein angenehmer Pausenort um das Treiben der Milane über der Illingheimer (Land)Straße zu beobachten.Bei Seidfeld zwischen Grafen- und Winzenberg der Eintritt ins Land der Weihnachtsbäume.
    Müssen ja irgendwo herkommen.
    Aber für das naturverwöhnte Auge ist der monokulturelle Anblick jener in Reih und Glied stehenden Bäumchen kein so erhebender Anblick.
    An einem Jagd-Hochsitz der Hinweis, das Wild nicht zu stören.
    Irgendwie makaber, oder?
    Hinter den Ortsnamen auf der Karte steht jetzt immer (Sauerland).
    Wir sind also wirklich dort angekommen.
    Wir durchqueren das Sauerland.
    Auch hier gibt es ein Recklinghausen, dem wir uns an einem privaten Wildgehege entlang gehend nähern.
    Groß der Unterschied zu den uns bekannten stadtnahen Gehegen, in denen die Tiere stoisch die Besucher ignorieren, denn das hier äsende Sikawild gerät bei unserer Ankunft sichtlich aus der Fassung und flüchtet in einer Stampede ans andere Ende des Geheges.
    Sauerland ist schon einsamer.
    "Sikahirsche sind deutlich kleiner als ein Rothirsch und entsprechen in ihrer Größe etwa dem Damhirsch. Sie erreichen bei männlichen Exemplaren eine Kopf-Rumpflänge zwischen 95 und 140 Zentimeter. Die Widerrist-/Schulterhöhe beträgt 64 bis 100 Zentimeter, der Schwanz wird 7,5 bis 13 Zentimeter lang. Sie wiegen bis zu 80 Kilogramm. Weibliche Tiere erreichen erkennbar geringere Maße und Gewichte.“ (Wiki)
    Soviel dazu.
    Am Wanderparkplatz Rammstall erwartet uns leuchtendes Blau im Grün.
    Ein Kneippsches Wassertretbecken lockt täuschend uns Wanderer.
    Trocken und nur optisch erfrischend ist auch dieses Becken, genauso wie zwei weitere auf unserer Tour.
    Eigentlich schade.
    Aber hätten wir uns wirklich die Schuhe von den Füßen gepellt?
    Wir wandern durch Linneper Hütte am Seilbach, der Anblick eines kleinen Wasserrades erfreut uns ebenso wie ein „Marterl“ an der schmalen Brücke über den Bach.
    Richtung Grevenstein (Ansage: Acht Kilometer durchs Grüne.) erwarten uns hintereinander drei beeindruckende Erhebungen, deren steile Wegführung sich dem Auge gradlinig und unbarmherzig erschließt.
    Grevenstein selbst wird von den gewaltig groß erscheinenden Werksgebäuden der Veltins-Brauerei am nördlichen Rand dominiert.
    Allerdings ist diese Dominanz rein optisch, anders als beispielsweise in Rothaus im Schwarzwald wird in Grevenstein augenscheinlich keine Bierkultur betrieben und so gibt es auch keinen durstlöschenden Brauereiausschank.
    Hinter Grevenstein steht schüchtern ein Kapellchen mitten in der Wiese:
    "Die katholische Nothelferkapelle ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Grevenstein, einem Ortsteil von Meschede im Hochsauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen. Es steht auf der Klusenwiese.
    Der kleine Bruchsteinbau mit einem Vordach auf Holzpfosten wurde 1728 errichtet. Im Inneren befinden sich ein Barockaltar und die vierzehn Figuren der heiligen Nothelfer." (Wiki)
    Jetzt kommt es darauf an.
    Werden wir auf dem Campingplatz unser Tagesziel erreichen?
    Oder werden wir müde weiterziehen und uns etwas zum Schlafen im Wald suchen müssen?
    Angekommen, die Erleichterung:
    Nach mehreren Klingelanläufen im stillen Hof erscheint die Bäuerin und hat Platz für uns.
    Ein Campingplatz vom Feinsten.
    Drei flache Wiesenterrassen laden zum Zelten ein. Von unserem Zelt in erster Reihe außen genießen wir den unverstellten Blick ins südlichere Hochsauerland mit einer phantastischen Luftperspektive (Verblauung) am Abend.
    Die zugehörigen Anlagen auf dem Bauernhof selbst machen einen etwas provisorischen Eindruck, sind aber intakt.
    Leider sind die Anweisungen in Niederländisch verfasst und in meinem ausgedörrten Schädel ergibt sich der Sinn, dass das Wasser um 19 Uhr abgesperrt wird, was
    erstens zur Folge hat, dass ich um fünf vor sieben die Dusche ungeduscht wieder verlasse und
    zweitens, dass wir später beide ungeduscht auf’s Lager kriechen, um
    drittens kurz vor dem Tagesende festzustellen, dass das Wasser ab 19 Uhr fließt und floss.
    Getränke im Kühlschrank, auch leckeres alkoholfreies Bier, auf das ich meistens verzichten muss.Der Kettenhund ein Lieber. Das Frühstück (8€ p.P.) ist prima und reichhaltig genug für ein kleines Vesperpaket.
    (Zumal es gestern am Abend wieder einmal alte Brötchen und Hartwurst gab.)
    PERFEKT!

    09:11
    15,9 km
    1,7 km/h
    310 m
    390 m

    2020.07.20-29-Breaking Corona
    G&K ALASKA 2020:
    (Einführung siehe Tag EINS +ZWEI)Tag SECHS (Halber Wandertag):
    Von Grevenstein, Camping am Einberg zum Campingplatz am Hennesee bei Meschede, 16km, 300hm
    Um acht Uhr ist das Zelt abgebaut, wir endlich frisch geduscht, das Gepäck wanderfertig und wir freuen uns auf das reichhaltige Frühstück, das sich etwas in die L ä n g e zieht, so dass wir erst gegen neun Uhr auf dem Pfad sind.
    Dieser führt direkt vor dem Hof steil den Hügel hinab Richtung Esmecke-Stausee, den wir uns aber verkneifen und auf halber Höhe in Richtung Wenholthausen wandern.
    Von hier haben wir schöne Aussichten über das Land.
    Der kleine Esmecke Stausee liegt vor uns im Tal.
    Allerdings zeigt sich der Himmel heute dramatisch verhangen, die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei 40%.
    In Wenholthausen überqueren wir die Wenne, finden am Wenneplatz wieder viel Lesestoff auf Pfählen, den wir ungelesen verlassen und ein kurzes Stück dem Wennepfad folgen.
    Dieser erweist sich als ein didaktisch liebevoll aufgemachter Uferweg, der teils wirklich auch am Ufer verläuft.
    Durch einen kleinen Tunnel verlassen wir die Wenne und beginnen einen äußerst mühseligen Aufstieg.
    West-Ost-Wege gibt es weniger, oft sind es vergessene Pfade oder aufgelassene Wirtschaftswege. Durch das Waldsterben begünstigt, wachsen im neuen Licht die Gräser, Kräuter und das Buschwerk, überwuchern schließlich den schmalen Pfad.
    Zudem sind solche Wege in Punkto Steigung oft wenig erfreulich für den wandernden Menschen.
    So auch hier, außerdem fangen wir uns Zecken ein. Nach einer ersten Passage mit hohem Gras und Ginster (You know: Zeckensprungbrett) kann ich mir eine große schwarze Zecke vom Arm fischen und zerknacken.
    Dagegen ist dann der alte, „senkrechte“ Wirtschaftsweg einer von denen, die man auch Holzweg nennt, am Ende krabbeln wir kletternd schon wieder durch’s Gesträuch.
    Aber oben angelangt:
    Blumenwiesen in vielfältiger Farbenpracht belohnen das Auge. Ebenso der Weitblick über das Land nach Nordwest und Südost, denn der Kamm ist fast erreicht.
    Weniger beschaulich auch hier die allgegenwärtigen Weihnachtsbaumkulturen.
    Kurz unter der Kammhöhe erwartet uns eine Bank mit Blick ins Land.
    Pause.
    Wasser.
    Neben der Bank ein gestürzter Wanderpfahl.
    Der nächste Weg ist von einem schräggestellten Allrad versperrt, wir nähern uns den beiden Waldarbeitern vorsichtig.
    „Was meint ihr wohl, warum ich den Wagen quergestellt habe?“
    „Damit wir Sie fragen können, ob Sie uns freundlicherweise durchlassen?"
    „Die mit Hund hätte ich zurückgeschickt.“
    Guter Rucksack!
    Die gefällte Fichte liegt quer über dem Weg, haargenau bis an die Böschung.
    Nacheinander quetschen wir uns durch die Baumspitze und fangen uns eine Menge Harziges ein.
    Hinter Oesterberge beginnt die Wanderlust auf leeren Landstraßen.
    Eine schöne, langgezogene Kuppe in einer geordneten Landschaft mag das wandernde Auge erfreuen, wenn nach und nach sich das geheimnisvolle Dahinter auftut und dann manchmal enttäuschend trivial und wenig wünschenswert erscheint.
    Hier kann jederzeit eine Einmotorige über'm Horizont hervorbrausen, denn hinter der Kuppe liegt der kleine Flughafen von Meschede-Schüren.
    Das Korn ist reif und steht goldgelb vor unseren Augen, als wir uns auf der Bank am Mescheder Höhenweg niederlassen. Eine kleine Idylle unter dem jungen Baum, auch mit Blick auf die Birkenallee, durch die wir bald darauf zum Hennesee hinabsteigen.Obermielinghausen bietet zwar keine Einkehr, aber ein schön anzuschauendes altes Gasthaus (Gibt es hier noch Zimmer?), die Alte Kastanie.Wieder das Thema selbstaufgestellte Regeln.
    Schon wieder auf den Campingplatz?
    Nach so kurzer Strecke?
    Ein halber Tag Urlaub von der Wanderarbeit?
    Das unsichere Wetter spricht dafür.
    Wir lassen („Die Regie wird eh woanders geschrieben!“) entscheiden.
    Besetzt oder frei?Knaus Campingpark am Hennesee ist ein recht großer Platz. Obwohl schon seit zehn Minuten Mittagspause angesagt ist, wird uns sehr freundlich von einem jungen Rezeptionisten geholfen und er zeigt uns Plätze zum Aussuchen an.
    (Er leiht uns sogar sein Feuerzeug über Mittag.)
    Eine Wucht ist der steile Badestrand, der zum Campingplatz gehört und von der Straße aus nicht so ohne Weiteres zu erreichen ist.
    Wenige Menschen tummeln sich heute bei dem bedeckten Wetter auf der Hangwiese, auf der wir einen Teil unseres „freien Nachmittages“ verbringen und ausgiebig im See schwimmen.
    Das Vorbecken hier ist "randvoll", im Gegensatz zum Henne-Stausee.
    Die Badestelle Mielinghausen am eigentlichen Hennesee ist auch empfehlenswert, wenn auch jetzt im Juli 2020 der Strand breit und tief verläuft, denn der Wasserstand ist sehr niedrig.Immerhin gibt es hier die einzige! Verpflegungsstation in Form einer Frittenbude, da der „Grieche“ am Camping noch geschlossen hat.Campingplatz.
    Und Corona ist wieder da.
    Und wie immer gibt es genug Trumpel, die die Gefahr durch den Virus nicht ernst nehmen.
    Meistens funktioniert es mit den Abstandsregeln, aber im Waschhaus wird’s eng.
    Wir zelten direkt davor.
    Manchmal frage ich mich, ...
    Es regnet die ganze Nacht.
    Das Zelt ist dicht.
    Zwischendurch schlafen wir gut.

    04:55
    15,7 km
    3,2 km/h
    460 m
    430 m

    2020.07.20-29-Breaking Corona
    G&K ALASKA 2020:
    (Einführung siehe Tag Eins oder ZWEI)Tag SIEBEN (Wandertag, 1. Hälfte): Vom Campingplatz am Hennesee bis nach Ramsbeck, 16km, 450hm
    (Aus planungstechnischen Gründen ist der Tour-Track heute gesplittet.)
    Es regnet die ganze Nacht durch.
    Am Morgen stellen wir uns schlafend, um dem Driss nicht ins feuchte Auge schauen zu müssen.
    Gegen acht treibt es uns aber doch aus dem Zelt und siehe da…
    ..der Wettergott hat ein Einsehen mit uns, als wir das klatschnasse Zelt packen, scheint schon zaghaft wieder die Sonne.Wir haben uns gegen den „Seeweg“ entschieden (Mann will ja vorwärts kommen und gestern …) und folgen der Landstraße über Horbach nach Remblinghausen.
    Wer denkt bei Landstraße gleich wieder ans Bergwandern?
    Nun, die Straße zieht sich gleich hinter der ersten Kurve mächtig den Berg hinauf, es gibt eben auch Dörfer oben und Remblinghausen gehört dazu.
    (Die Komoot-Karte zeigt die Höhenlinien an, man muss sie nur auch beachten!)
    Gutshof Horbach ist ansehnlich groß, besitzt eine feine Seite in Richtung Remblinghausen und eine Rückseite, die von der Arbeit geprägt ist.
    Die Gutserbauer leisteten sich wohl eine eigene Kapelle, St. Apollonia gewidmet.
    Hinter Remblinghausen folgen wir gezwungenermaßen unangenehme 700 Meter der viel- und schnellbefahrenen L 740, bevor wir -bergauf, versteht sich- erneut in den Wald eintauchen.
    Die nächsten zehn Kilometer bis Ramsbeck wandern wir durch unbesiedeltes Gebiet, meistens durch den Wald. Allerdings können wir an etlichen Stellen Blicke in die aufsteigende Landschaft werfen.
    "Hl. Familie" im Wald: Ein kleiner Ort der Andacht.
    Es ist erstaunlich, wo immer die frommen Sauerländer ihre religiösen Gedenkstätten errichten. Allerdings sind es berührende Anstrengungen, die von der Gläubigkeit der Menschen zeugen.
    Das Gestein hat sich mittlerweile völlig verändert. Wir laufen über einem anderen Teil der Erdgeschichte als zuvor. Aus den nadelgepolsterten Waldwegen stechen immer wieder silbrig-weiße Quarzblöcke hervor.
    Pilze sind jetzt Ende Juli auch schon zahlreich vertreten, aber da kennen wir uns nicht aus und lassen die Finger davon.
    (P. Wohllebens Kapitel „Überleben im Wald“ haben wir gelesen, zum Glück sind wir darauf bisher nicht angewiesen.)
    Die Falle:
    Ein Weg, ein Salzleckstein, 100 Meter bis zum Hochsitz mit zwei zugeklappten Schießlucken.
    An der Grenze zwischen den Gemeinden Bestwig und Schmallenberg, unweit Grenze Meschede, Dreiländereck sozusagen, steht eine beeindruckende Baumruine hinter einem kleinen überdachten Holzkruzifix an einer Wegkreuzung kurz unter dem Kernebrockskopf, der immerhin schon stattliche 682 Meter hoch ist.
    Am stark bemoosten Baum ein verwittertes Blechschild, dessen Unleserlichkeit von einem hohen Alter spricht.
    Leider fehlt auch an diesem exponierten Ort eine Bank.
    Von hier aus geht’s bergab, allerdings nur im nichtübertragenden Sinne, denn auch die Sonne scheint mittlerweile so kräftig, dass wir uns schützen müssen und wir marschieren beschwingt Richtung Valmetal, genießen dabei etliche sehenswerte Ausblicke ins südlichere Sauerland, oft im Vordergrund geschmückt mit den rotorangereifen Beeren der Ebereschen, die vorsorglich nach den beiden trockenheißen Sommern ein Mastjahr vollziehen.Steil geht es bergab über den „Bergbauwanderweg“ auf Schottergestein, vorbei an einer ausladenden Geröllhalde, gekrönt vom aufgelassenen Kamin der ehemaligen Blei- und Metallhütte.
    An einer Bank mit beeindruckender Aufsicht gen Ramsbeck will uns eine Tafel über die Bergbauvergangenheit des Ortes aufklären, wir aber haben dafür jetzt wenig Sinn und stolpern über den steinigen, später wiesenweichen Pfad gen Ort.
    Heute ist Sonntag, die Versorgungslage karg bis „angespannt“.
    Zwei Blicke die Heinrich-Lübke-Hauptstraße hoch und runter vermitteln nicht ausschließlich sonntägliche Tristesse.
    Freudige Überraschung bietet Ramsbeck plötzlich in Form des nachmittags geöffneten Cafés Hamich unterhalb der weißen Kirche St. Margaretha, direkt an der Valme gelegen.
    Hier vor Ort holt uns C. in Form der vermummten Menschenschlange wieder ein.An der Palme übernimmt neben farbenprächtig ausgebrachten Uferblumenwiesen auch das invasive Drüsige Springkraut das Regiment.Zwei Bier und zwei Paar Sauerländer Bockwürstchen stärken uns für den nächsten hammerharten Aufstieg.

    03:12
    8,75 km
    2,7 km/h
    400 m
    170 m

    2020.07.20-29-Breaking Corona
    G&K ALASKA 2020:
    (Einführung siehe Tag Eins oder ZWEI)Tag SIEBEN (Wandertag, 2. Hälfte): Von Ramsbeck zur Elper Hirtenwiese, 9km, 400hmWie bereits vermutet, beginnt der Aufstieg hinter Ramsbeck gleich mit einer gnadenlosen Steigung. Dass Anstieg das Motto der zweiten Tageshälfte bleibt, zeigt die Tatsache, dass wir auf den folgenden knapp neun Kilometern immerhin 400 Höhenmeter zu verzeichnen haben.Unser heutiges Ziel ist die Elper Hirtenwiese, ein beinahe imaginäres Ziel, habe ich es mir doch lediglich bei der Planung unter anderm in der Luftbildansicht angeschaut und einen fiktiven Biwakplatz dort erahnt oder erträumt.Zwischen Sengershausen, Schwabenberg und Sachsenglück sind die Begrifflichkeiten deutschlandaffin geprägt. Vergessen wir Heinrichsdorf nicht, ebenfalls nordwestlich von Elpe gelegen.
    Neben den üblichen Weihnachtsbaumkulturen, hier auch als Babystube zu finden, können wir etliche schöne Ausblicke genießen.
    Die Elpe durchfließt Elpe von Süden nach Norden und zeigt sich als kleines beschauliches Bächlein, dessen artenreicher Uferbewuchs allmählich unter der invasiven Vorherrschaft des Drüsigen Springkrauts verödet.Trinkwasser bekommen wir von einem zunächst misstrauischen Ehepaar (Verständlich, so wie wir mittlerweile aussehen. Nicht nur die Salzbatiken auf den Hemden, auch das allgemein angeschmuddelte Äußere wirken bestimmt nicht vertrauenseinflößend, dazu kommt die C.-Sorge.), dessen Sonntagsruhe wir zu stören wagen, als wir Elpe am äußersten nördlichen Ende passieren.Wasser muss sein:
    Wir haben noch einen heftigen Aufstieg vor uns.
    Oben auf der Hirtenwiese gibt es nix, heute Abend nicht und morgen früh auch nicht.
    Und werden wir dort überhaupt in 620 Meter Höhe einen Schlafplatz finden?
    (Zum Glück ist die Wiese eher von historischer Bedeutung und kein ausgewiesenes NSG.)
    Oder müssen wir noch weiter ziehen?
    Also.
    Wasser.
    Schleppen.
    Es folgt kein eigentliches Highlight, eher ein Lowlight, kaum jemand wird die Strecke nachlaufen, denn dieses Mal sind es 400 Meter querfeldein, die wir den Berg hochklettern.
    Irgendein vergessener Pfad versteckt sich so gut, dass wir ihn auch mit Navy nicht mehr finden können.
    Am oberen Ende zeugt ein merkwürdiges, komplett verfallenes Ensemble mit eingestürztem Tor von der ehemaligen Existenz einer menschengeprägten Örtlichkeit.
    Oben in über 600 Metern Höhe auf dem Hochplateau der Hirtenwiese gibt es wenig, kein Wasser, aber eine feine Sitzgruppe mit Tisch.
    Zum Glück ist die Wiese eher von historischer Bedeutung und kein ausgewiesenes NSG.
    Früher trieben die "Ein-Kuh-Bauern" ihre Kühe ebenso wie die Schafhirten ihre Tiere hier oben hin zum Weiden.
    1928/29 trugen einige Dörfer auf der Wiese, die kaum einen waagerechten Quadratmeter aufweist, ihre Fußballspiele gegeneinander aus.
    Im frischen Wind trocknet unser triefend nasses Zelt im Nu, wir finden einen halbwegs geraden Quadratmeter direkt an der Sitzgruppe und schaffen uns mittels dieser und unseres schnell aufgestellten Zeltes ein sonntäglich-temporäres Stück Zuhause.Im letzten Sonnenlicht widmen wir uns der Abendmahlzeit und frönen einmal mehr unseren Hartwürsten, den noch älteren Brötchen und viel Wasser.Allein sind und bleiben wir den ganzen Abend, früh lockt der harte Boden zum Schlaf.
    Dieses Mal erwische ich eine Kuhle, die mich in latent embryonaler Stellung, im unteren Teil des Zeltes eingerollt, aufnimmt.
    Ich schlafe so gut wie lange nicht.
    Zehn Stunden am Stück, nur einmal unterbrochen, wobei wir bei dieser Gelegenheit ein himmelweit klares Sternenzelt bewundern können, wie wir ihn aus dem urbanen Raum gar nicht mehr kennen.
    Dem hl. Rochus, Schutzheiligem u.a. der Landstreicher, sei Dank.

    11:20
    25,7 km
    2,3 km/h
    730 m
    550 m

    2020.07.20-29-Breaking Corona
    G&K ALASKA 2020:
    (Einführung siehe Tag Eins oder ZWEI)Tag ACHT:
    Von der Elper Hirtenwiese zur Hoppecke-Quelle auf dem CLEMENSBERG,
    26km, 700hm
    Der Tag der Tage.
    Wenn wir von einem Höhepunkt im Sinne "Bester Tag", sprechen können und wollen, dann hat dieses Kompliment der achte Tag unserer Tour verdient.
    Denn nicht nur, dass wir von dem einem Lieblingsbiwak (Wir nennen das jetzt mal so, auch wenn ein Zelt drumherum war, immerhin schlafen wir erst auf 600, dann auf 800 Metern Hochsauerlandhöhe.) zum anderen Lieblingsbiwak laufen, sondern wir durchwandern Highlights von Rang und Namen, wie die Bruchhauser Steine, besuchen zuvor das Gutscafé Rosenbogen im Schloss Bruchhausen, besteigen und überqueren mit dem Langenberg den höchsten Berg von NRW.
    Am Ende landen wir auf dem Clemensberg, einem steinbrecherisch südseitlich abgetragenen Achthunderter, der uns wegen seines Namens viel bedeutet.
    Dort wiederum endet dieser hervorragende Wandertag an der Hoppeckequelle, an der wir verbotenerweise unser Zelt aufschlagen. Dass die Quelle noch im Hochheide NSG liegt, ist uns nicht bewusst, das zugehörige Schild steht hinter der Quelle, die Karte heute spricht eine andere Sprache.
    (Ohne Sorge: Ein Pfadfinder hinterlässt NICHTS als seinen Dank!)
    Wunderbar beginnt der Tag in der Morgensonne, das Zelt ist trocken und hurtig abgebaut, waschen fällt einmal mehr aufgrund fehlenden Wassers aus, das karge Frühstück werfen wir nebenbei ein.Wir wandern durch den Wald, der schon in der Frühe von Waldarbeitern beackert wird.Bald haben wir eine gute erste Sicht auf die Bruchhauser Steine: Vorfreude und Vorschmerz geben sich ein Stelldichein.Wieder passieren wir ein regelrechtes Kahlschlaggebiet, allerdings sind die befallenen und zerstörten Waldstücke hier in HS deutlicher weniger zu finden als in tiefer gelegenen Waldgebieten.Wülmeringhausen bietet laut digitaler Ansage keine Frühstücksgelegenheit, so müssen wir weiter bis Assinghausen, Frühstück gibt es erst bei Kilometer sechs.An der Assinghauser Straße befinden sich auf 422 Meter Höhe ein Kruzifix und mehrere Bänke an einer Straßenkreuzung.
    Ein exponierter Ort, der viele Aussichten ins Umland bietet.
    (Tja, wenn wir die Bänke gerade mal nicht brauchen, erscheinen sie zahlreich.)
    Bei Kilometer sechs stoßen wir neben den Schautafeln mit den Gästeinformationen auf ein hervorragendes Lebensmittelgeschäft.
    (Häufig fehlen die sehr wichtigen Angaben zu LM in Wanderinformationen, dabei ist das nicht sachdienlich, schließlich müssen viele wandernde Menschen sich unterwegs verpflegen.)
    Der Besitzer, darauf angesprochen, dass er wohl das „bestsortierteste uns bekannte Geschäft“ führe, antwortet lakonisch freundlich, dass er selbst nur bei sich einkaufe, der Laden deshalb alles aufweisen müsse, was er persönlich zum Leben brauche.
    Guter Mann!
    Wir frühstücken erfreut am Tisch vor dem Geschäft.
    Das Timing stimmt, wir beginnen gerade mit dem Aufbruch, da beginnt es zu regnen!
    Damit haben wir heute überhaupt nicht gerechnet!
    (Alaska 2019 Schluchtensteig-Spruch: „Gedacht, gesacht, ausgelacht!“)
    Unvorhergesehenes bestimmt den Ablauf, wir stecken nur die Rucksäcke unter die Ponchos, selbst sind wir so nass geschwitzt, dass der Regen nur die Salzbatiken der Hemden verwischt.
    Assinghausen ist ein "Golddorf" und so sieht es auch aus.
    Heute leider ein Golddorf im Regen.
    Alles fein erhalten und herausgeputzt, selbst im Wald finden sich noch von Schützenkönigen gesponserte Wegweisersteine.
    Die historischen Fachwerkbauten strahlen im regnerischen und im Glanz des Wohlstandes, die Straßen empfangen uns menschenleer.
    Montagmorgen.
    Ein freundlicher Ort, aber sicher auch ein anstrengender Ort für nicht angepasste Einwohner, so stellen wir uns das vor, als wir die uniformen Namensschilder an den Häusern betrachten.
    ("Da schau, der macht nicht mit, der hat's bestimmt nicht leicht im Dorf!“)
    Ein Brunnen spendet Wasser und Waschgelegenheit am Ortsausgang, der kleine Küsterland-Park dahinter bietet ungezählte Bänke, die, anders verteilt, ausreichend für eine lange Wanderung wären.
    Zwei Radwanderinnen suchen in der Kapelle Schutz vor der Nässe.
    Eine Marienstatue gemahnt in der gemauerten Felsenhöhle zur Andacht.
    Die nächste Steigung.
    Der Kreuzweg, der sich nun hinter Assinghausen steil den Iberg (569 m) bis zur Grabeskapelle hochzieht, schont die Sünder nicht.
    Aber er wartet mit einer bestaunenswerten Besonderheit auf:
    Die Bildnisse zu den einzelnen vierzehn Stationen sind in einer Art verschlossenem Tabernakel eingefügt; Gläubige müssen den Weg seitlich verlassen, um die jeweilige Türe zu öffnen und das farbenprächtige Relief zu betrachten.
    Wir verlassen den Kreuzweg hinter Station IX, geraten kurzzeitig und fälschlicherweise in eine „Jägerfalle“ und ziehen bei stärker werdendem Regen den Berg hinauf, lassen allerdings das Gipfelkreuz des Iberges linker Hand erhöht liegen.Bei Kilometer neun verlieren wir in einem kleinen Kahlschlaggebiet den Weg unter den Füßen und krauchen regennass durch’s verwüstete Gelände.Wir lassen uns nicht „unterkriegen“, in einer trockenen Bushaltestelle vor St. Cyriakus in Bruchhausen eröffnet sich uns dann das Motto des Tages:
    „Gute Laune im Sauerland!“
    Im Nieselregen ziehen wir weiter, die altbewährte Beschwörungsformel. „Gleich kommt die Sonne raus“ singend und als wir das Gutscafé Rosenbogen im Bruchhauser Schloss erreichen, können wir (Gottseidank!) schon wieder draußen unter dem Schirm sitzen.
    Das Gutscafé, indem wir einen herzhaften, kleinen, aber warmen Eintopf zu uns nehmen, ist Teil von Schloss Bruchhausen.
    Beim Verlassen des Geländes erfreut und erheitert uns ein überklebtes Schild, das den Montag als ehemaligen Ruhetag ausweist.
    Ein schmaler Pfad durchschneidet die Serpentinen der Auffahrt zum Eingang ins NSG Bruchhauser Steine, auch Zubringerweg zum berühmten Rothaaarsteig.Das Museum "Nationales Naturmonument Bruchhauser Steine" bietet einen kleinen, aber feinen Überblick über die geologischen, biologischen und historischen Besonderheiten des NSG. Wir sind Wanderer, haben mal wieder wenig Zeit im Gepäck, oder ist es eher die mangelnde Geduld?
    Ich fege nur kurz durch die Räume, schieße einige Fotos und wir bezahlen den Eintritt von 5,50 € p.P., nachdem wir es uns nicht verkneifen konnten, anzufragen, ob wir als „Durchwanderer“ nicht ohne Ticket passieren dürfen.
    Müdes Lächeln.
    Wir könnten uns auch einige Meter vor der Ampel in den Wald und hindurch schlagen, aber wir wollen nicht übertreiben und zahlen brav unseren Obolus.
    Kurz darauf erleben wir etwas Einzigartiges.
    Nicht die Bruchhauser Steine als felsgewordenes Naturereignis sind gemeint, sondern die Masse an Menschen, die hier plötzlich ameisengleich den Berg von mehreren Seiten emporkrabbeln und sich a l l e vor und auf dem Feldstein versammeln.
    Sowas kennen wir „Waldläufer“ gar nicht mehr.
    Wo kommen die alle her?
    Irritiert kämpfen wir einen inneren Kampf und diskutieren kurz, ob es unseren Reiseeindrücken ernsthaft schadet, wenn wir
    n i c h t oben auf dem Gipfel am Kreuz gekratzt haben. Es ist beileibe keine Faulheit, die uns dann wirklich davon abhält, diese letzte Höhe zu besteigen.
    Wir ergreifen die Flucht.Gesagt werden muss aber schon, dass die Felsen eindrucksvoll sind, dass sie prächtige Steinmonumente in der Landschaft mit fabelhaften Ausblicken ins Hochsauerland darstellen.
    Schade, dass dies sehr viele Menschen wissen.
    Eines Rätsels Lösung erschließt sich bald in Form des Wanderparkplatzes „Vesperhütte“, denn bis hierhin können die Besucher sich in ihren Fahrzeugen bewegen und "zwei Meter weiter oben“ als Wanderer ankommen.
    Lässt uns jetzt kalt, denn „zwei Meter weiter“ im Wald ist es wieder so gewohnt einsam, dass wir bald auf unzertretene Rehspuren stoßen.
    Wir sind -ausschließlich heute- in Nord-Süd-Richtung unterwegs, die Wege sind ausgebaut, die Pfade erkennbar, die Steigungen vergleichsweise moderat.
    Unter unseren Wanderschuhen der „Rothaarsteig“ und der „Uplandsteig“. So nähern wir uns auf prominenten Wegen flott dem geschichtsträchtigen „Richtplatz“, an dem wir auf einem modernistischen Bank-Ensemble kurz rasten.
    "Knapp 1 km südsüdwestlich des Hoppernkopfgipfels liegt oberhalb des Quellbereichs der Schmala ein ehemaliger Richtplatz des Kurkölner Gogerichts. Er befindet sich direkt südöstlich der Landesgrenze auf hessischem Gebiet bei 762,6 m Höhe (statt 800 m Höhe laut Inschrift am dortigen Gedenkstein).
    Inschrift der Bronzetafel des Gedenksteins:
    „Hier, im ehemals kurkölnisch-waldeckischen Grenzgebiet befand sich seit dem 13. Jhd. eine Gerichtsstätte des kurkölnischen Gogerichtes und Amtes Medebach. Als Richter amtierten damals die von Gaugreben, deren Name aus ihrer Amtbezeichnung als Gograf abgeleitet ist.“ (Wiki)
    Wie wichtig es sein kann, einmal vom geplanten Wege ab und eine Ecke weiter zu gehen, erfahren wir, als wir bei Kilometer 20,2 trotz der einsetzenden Erschöpfung einen kleinen Abstecher zu einem nur in der Karte beschilderten Aussichtspunkt wählen.
    Vor einem traumhaften Ausblick übers Fichtenland steht wie gewachsen eine Bank am Hang. Eines von diesen neuartigen, ergonomisch geformten „Baumelbein“-Modellen, die den Ruhenden in den Himmel träumen lassen, wenn nicht, wie in unserem Fall, nach etwa drei Minuten kontemplativer Meditation und Staunen, der Himmel erneut die Schleusen öffnet und wir die Idylle fluchtartig verlassen.
    Kurzer Fotostop am Gipfelkreuz des Langenberges, mit 843 Metern als NRWs höchster Berg ausgewiesen, in herber Konkurrenz -wie uns erzählt wird- zu dem ungleich bekannteren Kahlen Asten bei Winterberg, der es nur auf schlappe 841 Meter bringt.Der Regen lässt nach und unser „Montagsglück“ bleibt uns hold, als wir die Hochheide-Hütte (805 hm) bei Kilometer 24 erreichen. Eigentlich schon ab achtzehn Uhr geschlossen, hat sich der Hüttenwirt mit zwei Streckenwanderern, die hier schon vor Stunden gestrandet sind, verplaudert und wir laben uns mit Frischgezapftem, bekommen auch unsere Wasservorräte coronascheu aufgefüllt, so dass wir anschließend beruhigt in den ungewissen Abend starten können.
    Das Bier, auch das alkoholfreie, aus Westheim ist übrigens köstlich.
    Ein Lob auf die kleinen, regionalen (nicht nur) Brauereien.
    Der Abend nähert sich und die Verblauung der Bergketten ist in der untergehenden Sonne ein berührendes Schauspiel, das wir auch in Form luftperspektivischer Photographien festzuhalten versuchen."Das Wanderziel im benachbarten Niedersfeld!
    Die aus Naturholz gebaute Hütte bietet Ihnen eine erfrischende Pause in 805 m Höhe, keine drei Kilometer vom höchsten Berg des Sauerlandes entfernt, dem 843,5 Meter hohen Langenberg.
    Frische Delikatessen aus der Küche erwarten Sie an einem der schönsten Plätze im Hochsauerland. Zum Beispiel: leckere regionale Speisen, Omas Landkuchen, frische Waffeln oder einen guten Kräuterlikör und Westheimer Bierspezialitäten.“ (meine-gastronomie-willingen.de)
    Die Wirtsleute der Hütte können endlich in den Feierabend starten und fahren, als wir einen Wiesenweg zum NSG Neuer Hagen, der eigentlichen Hochheide, hinaufsteigen, mit ihrem Auto zu Tal.
    Blicke zurück in die Abendstimmung über der Hütte hinaus begleiten uns zunächst auf unserem Weg zum nächsten „großen“ Ziel, dem CLEMENSBERG.
    Es sei nur soviel verraten, dass uns der Berg wegen seines Namens nahesteht, ja, wir der Route sogar wegen IHM den Verlauf an dieser Stelle gegeben haben.
    So richtig ans Herz wächst ER uns, als wir am Fuße SEINES Gipfelkreuzes in ordentlich auffrischendem Wind weit über das Land schauen.
    Südlich, direkt vor unseren Augen, liegen der riesige Krater des Diabas-Steinbruches und das dahinter stehende Werk.
    Der Ort, an dem wir stehen, wird auch „neuer Clemensberg“ benannt, weil der alte Berg dem Krater durch Abtragen weichen musste.
    Möglich, dass sich auch an diesem Hotspot oft die Menschen tummeln, jetzt, kurz vor halb acht am Montagabend, ist die Kuppe menschenleer und wir genießen die windige Einsamkeit.
    Der Endspurt des Tages zieht sich, auf schlottrigem Wege dem Rothaarsteig folgend, über eine wunderschöne, leicht dämmrige Heidelandschaft an dem Zaun des Steinbruchs entlang.
    Zweimal stoßen wir auf fingerhutförmige Bunker, die wohl irgendwie den Sprengungen im Steinbruch geschuldet sind.
    Unser Ziel naht, als auch der Uplandsteig wieder unter unsere Füße findet: Die Hoppeckequelle am nordöstlichen Rand des Clemensberges.
    Ebenso wie die Elper Hirtenwiese ist auch diese „kleine Oase“ (Komoot) als Schlafplatz ein Produkt von Phantasie und Hoffnung.
    Im Luftbild zuvor als Idylle deklariert, steuern wir tatsächlich auf ein in der Realität angesiedeltes Refugium zu.
    Wir nehmen an, dass die Grenze des NSG hinter der Quelle liegt, da erst dort ein Schild darauf verweist. Die Quelle liefert klares, kühles Wasser, mit dem wir uns erfrischen.
    Drei Bänke stehen im Halbkreis, hinter der einen findet sich ein halbwegs waagerechtes Stückchen Wiese, auf dem wir unser Zelt aufstellen.
    Ganz diskret versucht es sich an der Bank zu verstecken, ohne Erfolg allerdings, denn die plötzlich (schon wieder!) im Schwall auftauchenden Gebirgsradler staunen nicht schlecht, sind aber zu schnell um großartig zu reagieren.
    Uns zwackt das schon, aber nach einer Weile kehrt wieder Ruhe ein und wir widmen uns dem Abendbrot, heute auch mit Käse „Alter Schwede“.
    MannMannMann: „Alter Schwede!"
    Im Gebüsch ein munteres Fitispaar, mehr Unterhaltung braucht es nicht.Ruhige Nacht.Danke!

    08:19
    23,1 km
    2,8 km/h
    220 m
    600 m

    2020.07.20-29-Breaking Corona
    G&K ALASKA 2020:
    Tag NEUN:
    Von der Hoppecke-Quelle auf dem CLEMENSBERG nach Medebach, 23km, Abstieg: 600hm
    An der Hoppecke-Quelle auf dem CLEMENSBERG:
    In die Morgenstille fetzt das noch ferne Gekreische der „Fichtenmopeds“.
    Donner.
    Die fleißigen Waldarbeiter beginnen ihr Tagewerk aber früh, ein Blick auf die Uhr zeigt, dass es erst halb sieben ist.
    Nach einem weiteren Blick an den Himmel sind wir ihnen dankbar:
    Noch ist es trocken.
    Flotter Aufbruch.
    Zügig ist das Zelt abgebaut und wir folgen dem Weg der Steine:
    Auf diesem Abschnitt von Rothaarsteig/Uplandsteig finden sich viele Markierungssteine: Grenzsteine, Schützensteine und Wegweiser.
    Es ist duster, die Luft fühlt sich nach Regen an.
    Wir wandern an der geschlossenen Clemensberghütte vorüber.
    Beim Zurückschauen ist der Clemensberg mit seiner offenen Steinbruch-Wunde lange Meter unser Begleiter.
    In Hildfeld schließt die kleine Bäckerei am Morgen um neun.
    Dank noch einmal an die frühen Forstarbeiter.
    Kaffee gibt’s nicht.
    Belegtes auch nicht.
    Während des Verzehrs eines Kirschstreusels lauschen wir den Geschichten von vergangenen Abenteuern, erzählt von einem eifrigen Dorfbewohner.
    Ansonsten ein stiller Ort.
    Interessant ist der Dorfpfad, der hinter dem Dorf steil ins Gelände aufschießt und nach Grönebach und weiter??? führt. Wer nicht an der Hauptstraße entlang gehen mag, muss folglich ein paar Höhenmeter angehen.Auf 600 hm gehen wir über die Hille, bevor wir hinaufsteigen.
    Schöner Wiesenweg am Hang mit Blick zurück auf den Clemensberg.
    Heute macht sich auch allmählich die Gewissheit breit, dass wir die Tour zu Ende wandern, dass wir bis an unser Ziel kommen. Mittlerweile sieht es auch stark danach aus, dass wir das in den geplanten zehn Tagen bewältigen.
    Einzig die Tatsache, dass wir körperlich, besonders sind hier meine Plattfüße erwähnenswert, nach dieser Zeit ein wenig am Limit kratzen, bleibt der Wermutstropfen bezogen auf zeitlich längere Wanderpläne und -wünsche.
    Die Geschichte, dass der Rucksack je länger, je leichter zu tragen ist, bestätigt sich erfreulicherweise.
    Körper- und Rucksackgewicht summieren sich wohl im Hirn zur einheitlich zu schleppenden Masse.
    Wir nähern uns tendenziell bergab laufend einem weiteren gewählten Höhepunkt unserer Fußreise:
    Der Ruhrquelle.
    Als Mann von der Ruhr „muss“ ich hier doch mal gewesen sein.
    Witzig das Flussschild „Ruhr“ vor einem äußerst unspektakulären Rinnsal.
    Dahinter bald der Quellstein und die gerade mal feucht zu nennende Quelle.
    Wird wohl nix mit Ruhrquellwasser trinken.
    Zunächst ruhig, ergießt sich bald eine Flut von Radlern über das Ensemble.
    Als Wanderer bleiben wir unter uns.
    Dies ist ein Stück Land der Radfahrer, besonders der Ebiker (Auf- und Abwärts) und der Ruhrtalradwegfahrer (Aufwärts Zug, abwärts Rad).
    Die "wirkliche“ Ruhrquelle liegt ein paar unauffällige Meter hinter dem Quellstein, aus einem popeligen Plastikrohr fließt flott ein minimaler Wasserstrom hervor, gerade genug um einmal die Lippen zu befeuchten. Wir durchwandern einen pittoresken Ort namens Küstelberg, der auch ein wenig Tourismus zu beherbergen scheint. An der Schutzhütte am Henkmannskopf legen wir gerade eine Vesper mit den letzten Resten ein, da erscheint wie ein Waldungeheuer ein riesiger Holz-LKW.
    Fasziniert beobachten wir, wie handfertig der Mann mit dem mechanischen Greifarm die riesigen Stämme jongliert, auflädt, umsortiert und ordnet.
    Festzurrt.
    Wegfährt.
    Riesiger LKW im Wald.
    Wichtige Beschriftungen auf dem Holz.
    Im Tal der Schmetterlinge, im Gelängebachtal finden sich viele blühende Kratzdisteln, die Scharen von Insekten, in besonderem Maße aber Schmetterlinge wie den Kaisermantel und das Tagpfauenauge anlocken.
    Schmetterlinge zu fotografieren ist immer nervig, weil sie oft „klick“ die Flügel zeitgleich zum Auslösen zusammenklappen.
    Ein Paar Pfauenaugen und ein Kaisermantel lassen gnädig in der Sonne geöffnet.
    Nach knapp 20km eine Schutzhütte, sauber und mit strengen Regeln, kein Biwakplatz.
    Brauchen wir auch heute nicht, so bleibt es bei der letzten Pause vor dem Ziel, denn heute haben wir schon aus hygienischen Gründen aus dem Wald heraus ein Zimmer in Medebach gebucht.
    Die schönen Wiesen zur Linken ein letzter erfreulicher Natur-Anblick vor der Stadt. Einmal müssen wir die Innenstadt queren, bevor wir den Ruhetag des Hoteliers „Zum Oesterntor“ stören und die Vorteile eines Zimmers genießen.Das Ende ist nah.
    Beim Abendessen verschaffen sich die Gefühle Raum, die zum Ende einer Reise anstehen.
    Ein bisschen Kummer, dass es zu Ende geht, ein wenig Erleichterung, es überstanden zu haben.
    Eine kleine Vorfreude auf Zuhause.

    05:26
    17,8 km
    3,3 km/h
    280 m
    420 m

    2020.07.20-29-Breaking Corona
    G&K ALASKA 2020
    Tag ZEHN: Von Medebach nach Herzhausen (Eder), 18km, Abstieg: 420hmFrüh am Morgen wecken mich keine Kettensägen im fernen Wald, sondern die Müllabfuhr vor der Hoteltüre auf der Ausfallstraße in Medebach.
    Noch früher als die Waldarbeiter gestern gehen die Müllwerker geräuschintensiv ihrer Arbeit nach.
    Nach einem reichhaltigen Frühstück mit Vesperpaket verlassen wir bei strahlender Morgensonne die Stadt über eine kleine Landstraße „Am Faustweg“ und laufen strikt gen Osten der Sonne entgegen.
    Nachdem uns gestern eine Art Endzeitgefühl beschlichen hat, sind wir heute beide überraschenderweise von einer freudigen Wanderlust erfüllt, obwohl dies unser letzter Wandertag sein wird.
    Vorbei an einem mächtig-weißen Wegkreuz verlassen wir gemeinsam mit einigen sehr jungen Kröten das Land NRW und gelangen nach Hessen.
    Zunächst ändert sich nix, wir passieren eine Fischzucht, an deren großem Angelteich sich jetzt am frühen Mittwochmorgen schon eine gewaltige Zahl von angelnden Männern ein Stelldichein gibt.
    Die geplante Route führt über einen Wegabschnitt, der aus Naturschutzgründen gesperrt ist, was von uns selbstredend immer akzeptiert wird. Die gewählte Alternative führt uns zunächst parallel, später aber immer weiter vom Wege ab, sodass wir uns schließlich doch zu einer Querfeldeinrückführung entschließen.
    Ein Sturz und zwei geknackte Zecken (auch diese Biester haben uns „oben“ im Hochsauerland in Ruhe gelassen und sind jetzt wieder da) später sind wir wieder in der Spur.
    Bei Kilometer sieben erwartet uns ein ganz besonders erquickliches Highlight südlich des Probstberges (476 m). Auf der Ebene der Hochheide, die sich in warmen Gelb- und Ocker-Tönen vor uns ausbreitet, befindet sich das Areal der Schutzhütte „Auf dem Driesch“ mit waagerechten Wiesenflächen, etlichen Bänken und einem relativ sauberen Wiesenplatz im Angesicht einer weiten Pferdeweide, auf der sich drei Zossen neugierig nähern, als wir eine erste Pause nach dem komplizierten Aufstieg einlegen.
    Das wäre ein Biwakplatz erster Wahl gewesen, wenn er denn verlaufsmäßig gepasst hätte.
    Aber auch jetzt feiern wir diesen Traum von einem Pausenort hoch erfreut.
    Hessen meint es gut mit uns, schon zwei Wegbiegungen weiter, immer noch die Hochheidelandschaft durchstreifend, tummeln sich drei halbstarke Hasen in der Morgenwärme auf einem Feldweg. Hasen sind meist schneller fort als du eine Kamera gezückt hast, die drei Gesellen aber spielen übermütig oder unerfahren miteinander weiter, so dass wir sie in Ruhe „zoomen“ und ablichten können.Niggemucke, L 3076, Kilometer neun:
    Wir genießen den phantastischen Rundblick, hinter uns das Hochsauerland, vor uns, wie ein Gebirge im Tal, der Kellerwald. Irgendwo zwischen den bewaldeten Höhen versteckt sich der Edersee.
    Eigentlich hoffen wandernde Menschen immer, dass der Höhepunkt, auf den sie zulaufen, in irgendeiner halbwegs spektakulären Form auftaucht: Plötzlich ist der See da.
    Nix davon, ab in nächste Tal.
    Die Fuchsmühle am Schaakenbach begegnet uns mit einem liebevoll gestalteten Ensemble am kleinen Bachlauf im idyllischen Tal. Kurz danach wählen wir einen Weg, der uns besonders passabel erscheint, sich nach kurzer Zeit aber als nicht „richtungsweisend“ herausstellt, so dass wir umkehren und dem „Igelpfad Fürstenberg 3“ folgen.Eine wohl platzierte Bank nördlich von Fürstenberg und die umliegenden hoch gelegenen Felder bieten einen wunderbaren Rundumblick auf Hochsauerland und Kellerwald.
    Päusken zum Wassertrinken mit Blick auf die Landstraße „Ziegelei“.
    Mit faszinierenden Aussichten, vielen neuen Wanderwegzeichen, von denen einige Hölzerne schon stark bemoost und pittoresk verwittert sind und einem steilen Pfad bergab begrüßt uns der bekannte "Kellerwaldsteig“.Uns fällt auf, dass wir als West-Ost-Querläufer viele bekannte „Steige“ und Hauptwanderrouten wandernd angeschnitten haben, beginnend mit dem heimischen Neanderlandsteig, ebenso dem Bergischen Steig, weiter über den Lennesteig, den Siegerlandweg, den Plackweg, den Drahthandelsweg, den X18 oder Christine-Koch-Weg, den Homertweg, die Sauerland-Waldroute und den Kurkölner Weg X12 (mal nicht als Steige benannt, aber doch!) über den Rothaarsteig, den Uplandsteig bis hin zum hessischen Kellerwaldsteig.
    Ein Stück des Weges folgen wir auch dem Kaiser-Otto-Weg, dem Jakobsweg zwischen Köln und Paderborn und dem F.W.-Grimme-Weg.
    Jetzt nähern wir uns rasant unserem Ziel, legen noch eine letzte Pause ein, um uns „reise- und zugfertig“ zu machen, dann stehen wir auch schon auf der EDERBRÜCKE in Herzhausen, unserem Ziel.Wir haben es geschafft, sind mächtig stolz auf uns und unsere Freundschaft!
    Den einzigen wunden Punkt sehen wir in dem Fakt, dass der Aufbruch ins nächste „Alaska“ noch lange auf sich warten lässt.
    Rückfahrt: Sechs Stunden Zug mit vielfachem Umsteigen und Wartezeiten in Willingen, Brilon-Wald, Schienenersatzverkehr in Neheim-Hüsten und letzter Zugwechsel in Dortmund.Unser Dank geht dahin, „wo die Regie geschrieben wird!"

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Collection Statistik

  • Touren
    11
  • Distanz
    249 km
  • Zeit
    95:15 Std
  • Höhenmeter
    5 660 m

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