Burkhard
 

391

Follower

Über Burkhard

Draußen bin ich lieber als drinnen. Und draußen am liebsten wandernd mit meiner Hündin Fosca. Seit Mai 2020 dokumentiere ich Aktivitäten auf Komoot. Aus dem Regime zur Erlangung bestimmter Titel habe ich mich verabschiedet. Ich zeige gerne meine Aktivitäten, und freue mich sehr über Austausch, Lob, Kritik und Anerkennung. Mein Blick auf die Welt soll durchaus vielfältig sein. Er ist einerseits geprägt durch das Sehen, denn ich habe eigentlich stets eine Kamera dabei. Andererseits interessieren mich inhaltliche Hintergründe von Landschaft, Natur und Ornithologie ebenso wie Siedlungsstrukturen und -geschichte. Ich frage dabei immer nach der Geschichte und den Geschichten. Ich mag es gerne, unterwegs mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Entsprechend schätze ich an Komoot die Kommentarfunktion, denn darüber kann ich mich austauschen. Dabei finde ich Witz, buddhistische Gelassenheit, Wortspiele und ja, gerne auch Kalauer bereichernd. Kurz gesagt: ich möchte mich freuen, und nicht ärgern.
Nun ein Blick in die Technikabteilung, da ich häufig nach meiner Foto-Ausrüstung gefragt werde. Ich nutze alles, was mir zur Verfügung steht. Da ist einmal das iPhone. Häufiger ist es die Fujifilm X-Pro2, die eingesetzten Objektive decken 16-400mm ab (entspricht 32-600mm KB). Manchmal tut es auch die kleine Fujifilm XF-10 mit fester Brennweite (28mm). Da ich immer noch gerne die klassische Spiegelreflexkamera mag, nutze ich die Nikon D850. Die Objektive reichen von 12-500mm. In bestimmten Situationen fotografiere ich mit der Hasselblad L1D-20c an der Mavic 2 Pro.
Einige der hier dokumentierten Wanderungen finden sich auch auf unbewandert.de.Kontakt: tiltshift@outlook.comAlle Texte und Fotos ©Burkhard. Alle Rechte vorbehalten. Kontaktieren Sie mich, wenn Sie mehr wollen, als sich die Bilder anzuschauen. All texts and photos ©Burkhard. All rights reserved. Contact me for use other than viewing on this site.

Distanz

948 km

Zeit in Bewegung

195:21 Std

Eigene Collections
Alle ansehen
Letzte Aktivitäten
  1. Burkhard war wandern.

    vor 2 Tagen

    00:29
    1,84 km
    3,7 km/h
    20 m
    10 m
    Bettina, Söhni 🏃 und 117 anderen gefällt das.
    1. Burkhard

      Ein letzter Gruß aus Bayern, bevor es am Donnerstag wieder nach Hause geht. Die Fahrt wird länger dauern als gewohnt, da wir einen äußerst wertvollen Mitfahrer an Bord haben, den es sicher und unbeschadet nach Hause zu bringen gilt. Die Rede ist natürlich von unserem bayrischen Familienzuwachs, einem kleinen Boxerrüden. Bei der Namensfindung für den Welpen gab es nur die Vorgabe, dass der Name mit einem I beginnen sollte, weil es sich um den I-Wurf von Alt-Bayern handelt. Als die Karten auf den Tisch gelegt wurden, hatte meine Frau sich für Ignatius entschieden. Nun ja, ich muss einräumen, dass das nicht so ganz mein Fall war, obgleich nicht nur meine Frau, sondern auch unser temporäres bayrisches Umfeld über die Namenswahl völlig aus dem Häuschen sind. Ignatius von Alt-Bayern, damit ist er ja quasi von Geburt an schon für höhere Weihen qualifiziert. Papst oder Präsident vom FC Bayern wären das mindeste. Schon Ingolstadt wäre eine Nummer zu klein… Als meine Frau mir den Namen vorschlug, wusste ich jedoch augenblicklich, dass meine große Stunde geschlagen hat. Ich war nämlich sofort einverstanden (das hätte meine Frau misstrauisch werden lassen müssen…), weil mein Namensvorschlag auf Iggy lautete. Gedacht habe ich dabei an einen gewissen James Newell Osterberg aus Michigan, genannt Iggy Pop, der auch die Musik für heute liefert. Ignatius oder Iggy? Es war sofort klar, die beiden Vorschläge waren keine Alternativen. Es brauchte keine Debatte, kein 11m-Schießen und keinen Losentscheid. Sondern: in die Papiere kommt Ignatius (wir wollen ihm ja schließlich nichts verbauen…), gerufen wird er Iggy. Punkt. Aus. Alle sind zufrieden…Die Bilder sind in den letzten beiden Tagen entstanden. Die Bilder #2-4 zeigen Fosca. Das letzte Bild zeigt die erste Begegnung von Fosca und Iggy. Fosca hat sich sofort zuständig gefühlt und der kleine Mann ist hinterhergetippelt.

      • vor 2 Tagen

  2. Burkhard war wandern.

    vor 6 Tagen

    01:55
    7,29 km
    3,8 km/h
    80 m
    70 m
    Bettina, 🌍Toschi🐢🐌 und 142 anderen gefällt das.
    1. Burkhard

      Es gibt Orte mit sachlichen Namen („Frankfurt“), Orte mit nichtssagenden Namen („Bielefeld“), Orte mit skurrilen Namen („Elend“) und Orte bei denen man kichern muss oder das Kopfkino anspringt. Gut Hodenberg, Schloss Fikensolt, Fickmühlen, Hymendorf, Drangstedt sind solche Namen, die ja auch alle schon bewandert sind. Pörnbach gehört auch dazu, jedenfalls wenn man es in die falsche Plattform eingibt, die dann boshaft auf Pornbach besteht. Ich durfte das erleben, als ich zum ersten Mal nach Pörnbach reiste und eine Unterkunft suchte. Pörnbach ist, um gleich mit der angemessenen Prominenz zu beginnen, Geburtsort von Fosca, und Fosca ist auch ein Grund unseres Aufenthaltes. Sie ist hier für 10 Tage im Trainingslager um ihre Fähigkeiten zu vervollkommnen. Für uns ist es Urlaub….
      Der erste Bürgermeister der Gemeinde Pörnbach begrüßt auf der Homepage. „Pörnbach ist eine Gemeinde mit gut 2.100 Einwohnern und liegt in der schönen Hallertau im nordwestlichen Teil des Landkreises Pfaffenhofen und ist Knotenpunkt der beiden Bundesstraßen B 13/B 300. Unsere Gemeinde ist geprägt durch die Toerringische Grundherrschaft, den Spargel- und Hopfenanbau.“
      Besser, prägnanter und offener kann man den Ort nicht beschreiben. Eine kleine Runde durch den Ort bestätigt das. Die diesjährige Spargelsaison ist längst beendet, die Erntehelfer sind wieder abgereist, und auf den Spargelfeldern sind nur noch die ausgeschossenen Triebe mit ihren noch grünen Spargelblüten zu sehen. Die Hopfenfelder, die der Landschaft mit ihren 10-12 m langen Stangen ihr unverwechselbares Gepräge geben, werden erst im August abgeerntet. Womit wir beim Bier und dem hier allgegenwärtigen Toerringschen Adelsgeschlecht sind. Sie besitzen hier umfangreiche Ländereien (die wohl sämtlich verpachtet sind) und leben seit 1662 in Schloss Pörnbach. Im Laufe der Jahre erfolgten immer wieder bauliche Veränderungen am Schloss und seinen umfangreichen Nebengebäuden. Nach 1946 boten das Schloss und die dazugehörenden Gebäudekomplexe Unterkunft für Flüchtlingsfamilien. Dann verwahrloste das Areal, bis 2005 alles grundlegend renoviert wurde. Scheinbar wird das Schloss auch als Ort für Feierlichkeiten genutzt, wir fanden es allerdings verschlossen und mit zwei Namensschildern eines Mitgliedes der Familie und seiner, wie mir gesagt wurde, russischen Lebensgefährtin, einer Künstlerin, vor. Ein Foto gelang mir durch das Hochhalten der Kamera über den nicht niedrigen Zaun. Die Drohne wäre hier hilfreich gewesen. In unmittelbarer Nähe befinden sich einige überwiegend leerstehende Teile der Toerringschen Brauerei, eine der ältesten deutschen Brauereien. In einem ersten Schritt wurde seit 2005 die Bierproduktion nach Freising verlagert. Das gefiel der örtlichen Gastronomie überhaupt nicht, denn das Bier ist warm, wenn es aus Freising angeliefert wird. Eine Anlieferung durfte ich heute morgen fotografieren. Die Verwaltung der Brauerei blieb auch nur noch einige Jahre in Pörnbach. Sie beherbergt heute Asylsuchende und die Post. Der alte Mälzereikamin, auf dem fast jeden Sommer ein Storchenpaar nistet, gilt neben der Pfarrkirche als Wahrzeichen der Gemeinde Pörnbach.

      • vor 6 Tagen

  3. Burkhard war wandern.

    20. Juli 2021

    01:45
    7,63 km
    4,4 km/h
    100 m
    110 m
    Marie 🍀🌍🎈, 🌍Toschi🐢🐌 und 185 anderen gefällt das.
    1. Burkhard

      Die Schwaben sind ja als fleißiger Volksstamm bekannt, und in der Tat springt hier am Montagmorgen um 08:00 Uhr nicht nur der Motor an, sondern er dreht gleich ziemlich hoch. Vorbei ist es mit der beschaulichen Wochenendruhe. Sie sind nicht nur sicher, die besten Autos der Welt zu bauen, nein, sie versuchen sich mit Erfolg auch auf völlig artfremdem Gebiet. Beispielsweise der Whiskydestillation. Brennmeister Hitzer von der Schwäbischen Alb meint: “Letschtlich isch a Kornbrand, wo ins Fass ganget”. Der Hitzer oder auch der Brigantia schneidet bei Verkostungen sehr gut ab. Letzterer kommt natürlich erst dann auf den Markt, nachdem er sein Finish an Bord eines Bodenseeschiffes erhalten hat. Ein Alleinstellungsmerkmal, denn leider haben die Schotten keinen Bodensee. Und auch schottische Hochlandrinder werden hier gehalten und gezüchtet, und zwar in Aichschieß, dem Ausgangspunkt unserer heutigen Wanderung. Aichschieß hat 1.500 Einwohner und soll im 9. Jahrhundert entstanden sein, der Name stammt wohl von den reichlich vorkommenden Eichen, die hier gerodet wurden. Das Schottische Hochlandrind ist eine Hausrinderrasse aus, nun ja, Schottland. Die Tiere sind kleinwüchsiger als andere Rinderrassen die zur Fleischgewinnung gezüchtet werden. Sie sind sehr robust und wetterhart – eine Eigenschaft, die mir in der schwäbischen Familie meiner Frau auch immer weiterhilft…
      Die geringe Größe und die behäbige Freundlichkeit der Tiere ist faszinierend, und Johnny, das Nesthäkchen der Herde ist dem Modellstehen nicht abgeneigt. Johnny hat seinen Namen wohl von Tine Ti erhalten, der ich diese heutige Tour widme. Sie ist hier mehrfach gewesen (zuletzt: komoot.de/tour/396989460?ref=itd) und war der Auslöser für die heutige Wanderung. Von Aichschieß aus geht’s in den Schurwald in Richtung Esslingen, bis wir die mächtigen Schornsteine des Heizkraftwerks Altbach/Deizisau EnBW sichten. Danach geht’s durch eine abwechslungsreiche Landschaft wieder in Richtung Aichschieß. Interessant ist auch die Kirche im Zelt in Kimmichsweiler, mit angeschlossenem Fußballplatz und einer kleinen Arche.

      • 20. Juli 2021

  4. Burkhard war wandern.

    18. Juli 2021

    00:56
    3,44 km
    3,7 km/h
    40 m
    40 m
    Steffi 🏞🌞, Bettina und 136 anderen gefällt das.
    1. Burkhard

      Wir sind in Kernen im Remstal und zwar im Ortsteil Stetten, der andere Teil heißt Rommelhausen, und da machen wir gerade ein paar Tage Urlaub. Stetten ist bekannt durch ein, zwei Spitzenwinzer, das einzige griechische Restaurant Deutschlands mit Stern im Michelin und hoher Bewertung im Gault Millau und durch die Diakonie Stetten, ein sehr großer Träger der Behindertenhilfe. Prominentester Patient war übrigens Herman Hesse, der im Alter von 15 Jahren 1892 für fünf Monate durch seine Eltern zwangsweise der damaligen Nervenheilanstalt zugeführt wurde. Er arbeitete im Garten mit und half beim Unterricht der geistig behinderten Kinder (Wikipädia). Stetten hat auch eine Reihe von Traditionslokalen, wie den „Ochsen“, zu dessen Geschichte auch gehört, dass Michael Schumacher sich am 22. Dezember 1991 hier mit dem damaligen Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug und anderen Mercedes Granden zum Rahmrostbraten mit Bratkartoffeln traf, um seinen späteren Wechsel zu Mercedes vorzubereiten. Der Rahmrostbraten im Ochsen ist übrigens auch heute noch vorzüglich…. Die Umgebung Stettens ist sehr schön, die Y-Burg haben wir ja schon im letzten September besucht. Heute ging es in die entgegengesetzte Richtung, die sich dadurch auszeichnet, dass sich hier Weinberge und Streuobstwiesen abwechseln. Eine wunderschöne Landschaft, die besonders am frühen Morgen von betörenden Düften durchzogen ist. Die industrielle Fertigung von Spalierobst darf man dabei allerdings nicht so genau in den Blick nehmen…. Am Ende unseres kleinen Gangs mit Fosca stießen wir dann noch auf einen Ort, der es in sich hat. Ein Antiquitätenhändler nutzt hier aufgegebene und teils offen stehende Gewächshäuser als Lager und Verkaufsfläche. Die Antiquitäten sind eher Trödelware, und da sich Ort und Inhalt so sehr entsprechen, entsteht eine durchgehend bizarre Szenerie des Verfalls. Der Händler wirbt für sein Geschäft mit folgendem Text, dessen grammatikalische Feinheiten man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte: „Bei A*** haben Sie das Gefühl, selber in uralten Dachböden oder Scheuen zu stöbern. Also erwarten Sie keine auf hochglanz polierte Stücke, sondern Antiquitäten die in Ihrer Ursprünglichkeit belassen wurden, so wie wir Sie vorgefunden haben.“

      • 18. Juli 2021

  5. Burkhard und Vissel waren wandern.

    14. Juli 2021

    Ewa und Christof, 🌍Toschi🐢🐌 und 166 anderen gefällt das.
    1. Burkhard

      Die Idee der letzten Etappe, keine Morgenstimmung und kein Himmelsdrama abzubilden, hat sich heute, fast muss man schon sagen, übererfüllt. Es gab nicht nur keinen (sichtbaren) Sonnenaufgang, sondern die Sonne ließ sich überhaupt nicht blicken. Einen kleinen Ersatz habe ich am Ende der Etappe fotografieren können. Heute war der Sinn des frühen Aufstehens auch eher der, dass wir die Etappe gerne absolvieren wollten, ohne nass zu werden. Es gelang uns auch, allerdings leider nur fast. Egal, ab 10:00 Uhr hatte es sich völlig eingeregnet. Insofern war alles gut.
      Dieser Wanderabschnitt war völlig anders, als alle vorhergehenden. Im Grunde sind die Gemeinden Weyhe (der Startpunkt) und die Gemeinde Stuhr (das Ziel) stark an Bremen orientiert. Die Menschen, die hier wohnen, arbeiten zum überwiegenden Teil in der nahen Stadt. Zugleich siedelten sich hier Handel und Gewerbe in starkem Maß an. Zwischen Wohnen und Gewerbe liegen Flächen brach, es gibt noch Landwirtschaft und einige fast unbehelligte Abschnitte von Natur. Überall gibt es Gammel, es gibt Leerstand, es wird neu angefangen, es wird gebaut. Kurz gesagt, wir finden klassische suburbane Strukturen vor. Insofern mangelt es diesem Abschnitt an träumerischen bzw. romantischen Teilen, denn hier wird sauber gewohnt und hart gearbeitet. Irgendwie passend, dass das nicht von der Sonne verschönert wird, sondern sich schattenlos und plan vor uns ausrollt. Noch in der Gemeinde Weyhe besuchen wir im Ortsteil Leeste die Marienkirche, eine klassizistische Backsteinkirche aus dem 18 Jahrhundert. Vor der Kirche ist eine alte Glocke aufgestellt, die eine gewisse Meta Rumsfeld zum Gedenken an Ihren Ehemann Johann Rumsfeld gestiftet hatte. Wer bei dem Namen an den ehemaligen (und im letzten Monat verstorbenen) amerikanischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld denkt, tut das zu recht. Sein Ururgroßvater Hermann Rumsfeld wanderte 1866 nach dem Tod seiner Frau mit sechs Kindern von Weyhe nach Amerika aus. Donald Rumsfeld hat die Familie schon in seiner Zeit als Botschafter in Europa mehrfach besucht.
      Mit dem Ziel Seckenhausen treten wir in die Gemeinde Stuhr ein. Dazu gibt es zu gegebener Zeit einiges zu erzählen (und mit Karen noch auszudiskutieren….). Seckenhausen ist einer der jüngsten Orte im Bremer Speckgürtel, der Speckgürtel heißt, weil ein großer Teil ihrer Einwohner Einkünfte in Bremen bezieht, aber Einkommensteuer, Grundsteuer und andere Abgaben in Niedersachsen bezahlt. Das habe ich wahrscheinlich schon mal geschrieben, ich bin aber grundsätzlich der Meinung, dass ein Bremer das garnicht oft genug sagen und schreiben kann. Das junge Seckenhausen wird erstmals in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts urkundlich erwähnt. Dieses Dorf wurde offenbar aus kleinen Anfängen im Außenbereich von Brinkum gegründet, und hier bekommt man genau den oben geschilderten Eindruck, wie Stadt in Land übergeht.

      • 14. Juli 2021

  6. Burkhard und Vissel waren wandern.

    8. Juli 2021

    02:31
    10,7 km
    4,2 km/h
    10 m
    10 m
    1. Burkhard

      Wir beginnen mal mit einer Richtigstellung. Auf Komoot wird, nicht zuletzt durch (zumindest bis heute morgen) falsch betitelte Highlights, vorgegeben, die heutige Wanderung würde durch das Blockland führen. Tut sie nicht, denn als Blockland wird das auf der Bremer Seite der Wümme liegende Gebiet bezeichnet. Es ist sogar ein eigener Ortsamtsbezirk. Unsere Wanderung startet also nicht im Blockland, sondern im St. Jürgensland. Soviel Zeit und Präzision muss sein. Wir starten wie (fast) stets vor der aufgehenden Sonne, haben allerdings auch heftig mit untergehendem Regen zu tun, ohne darauf wirklich vorbereitet zu sein. Vielleicht sollte man mal wieder was von Wet Wet Wet hören, aber lassen wir das… Eine Idee, nämlich keine Morgenstimmung mit Himmelsdrama abzubilden, ist damit schon mal perdu. Eine zweite Idee, heute kein Reh zu fotografieren, ließ sich nur schwer durchhalten, am Ende hat der Verzicht allerdings triumphiert. Aber jetzt geht’s los, wir befinden uns an der Unteren Wümme, der Fluss ist hier tidenabhängig. Und dieser Umstand macht diesen naturnahen Flusslauf, der einzigartig für Norddeutschland ist, förmlich kaputt. Die Wümme ist ein Sanierungsfall, weil sie durch die bis heute anhaltenden Flussvertiefungen der Unterweser (das Land Bremen hat aktuell die nächste Stufe durchgewunken) stark geschädigt ist. Bei Ebbe läuft hier zu viel Wasser ab, so dass es immer weniger Flachwasserbereiche gibt. Damit sind die Lebensräume von vielen Insekten, Fischen und Wasservögeln stark gefährdet. Das zum Schutz von Hamme und Wümme errichtete Lesumsperrwerk ist ein guter Indikator: Musste es wegen zu starker Pegelschwankungen in den 1970er Jahren ungefähr 20 Mal im Jahr geschlossen werden, ist dieses heute 120 mal nötig. Eine ökologische Trendwende ist dringend erforderlich.
      Das St. Jürgensland ist flach und von schier unendlicher Weite. Entsprechend ist es auf dieser Wümmeseite sehr einsam, es gibt nur wenige Wohnhäuser und kaum Höfe. Man muss nicht viel barockes Blut in sich haben, um diese Landschaft als spröde zu empfinden. Auch der hartgesottene Erznorddeutsche kann das so empfinden. Menschliches Leben kommt erst wieder in den Blick, nachdem wir den Wümmedeich verlassen haben, und an Truper Blänken vorbei ins alte Dorf Trupe einlaufen. Truper Blänken, ursprünglich ein flacher und verzweigter Binnensee ist heute ausgetrocknet und ein (kleines) Naturschutzgebiet, genau hier floss ursprünglich die Wörpe durch den flachen See, und anschließend in die Wümme. Einen kleinen Restarm passieren wir, dann sind wir in Trupe. Es ist der älteste Ortsteil Lilienthals, denn schon spätestens im Jahre 950 waren hier fünf Hofstellen entstanden. Wir erreichen Trupe mit Blick auf einen großen Hof, die Wittenburg, eine der ältesten Hofstellen des Ortes. Der Hof wird, ich kann es nicht anders ausdrücken, entstellt durch einen überlebensgroßen Hahn im Hof und den großzügigen Verbrauch von nach außen gewölbten Baumarktfenstern. Ich habe ein verhuschtes Bild gemacht und in meiner Dunkelkammer dem virtuellen Papierkorb übereignet. Wir passieren den inzwischen sehr großen Biomolkereibetrieb (mit Hofladen und Melkhus, sehr empfehlenswert) Dehlwes und das ein wenig vernachlässigte Kutschenmuseum, bevor wir auf dem östlichsten Grundstück des Ortes die Kirche "Unser lieben Frau" von 1180 erreichen, ein wunderschönes Kleinod mit einem Jahrhunderte alten Friedhof. Dummerweise, aber so ist das heute, ist die Kapelle des Ortes vom Ort durch die Lilienthaler Ortsumgehung getrennt. Danach schwiegen wir und stellten das fotografieren ein, es galt, sich auf die Suche nach einem Kaffee zu machen….

      • 8. Juli 2021

  7. So, nun aber los und 2 andere waren wandern.

    27. Juni 2021

    01:58
    9,50 km
    4,8 km/h
    10 m
    10 m
    michas komoot, Hermann Bauer und 247 anderen gefällt das.
    1. So, nun aber los

      Das Internet ist ja bekanntlich für uns alle Neuland. "Was erwartet uns dann erst in Oberneuland?", fragte ich mich, als uns Burkhard zu einer Tour durch die Parks seines heimischen Kiez einlud.Dies alldieweil schon im letzten Herbst. Aber aufgrund der zwischenzeitlichen C-striktionen kamen wir erst heute zur gemeinsamen Wanderung - was aber insofern perfektes Timing war, als dass es an diesem schönen Sommertag kaum etwas Besseres geben konnte, als durch eine Reihe von Parks in diesem wohlsituierten Stadtteil zu flanieren, geführt von unserem ortskundigen Fotokünstler, dem wir bei der "Arbeit" zusehen durften.Meine Bilder sind leider komplett durcheinandergewürfelt; habe heute eine für mich neue Kamera ausprobiert und wir sind noch in der Kennenlernphase...Einfach ein schöner Sommertag - danke, Burkhard, für die Einladung!Kapelle:

      • 27. Juni 2021

  8. Burkhard und 2 andere waren wandern.

    27. Juni 2021

    03:14
    9,50 km
    2,9 km/h
    10 m
    10 m
    michas komoot, Daniel und 238 anderen gefällt das.
    1. Burkhard

      Den womöglich kryptisch erscheinenden Titel der Tour wird Constantin in seiner Version beschreiben... Im Oktober des letzten Jahres luden Constantin und Micha mich ins Niedersächsisch-Bremische Grenzgebiet ein. Es hat so viel Spaß gemacht, dass ich es kaum erwarten konnte, die beiden zu einem Gegenbesuch in rein bremisches Gebiet einzuladen. Und schwupps, nach nur acht Monaten hat’s schon geklappt. Lag natürlich an der Pandemie, wir sind ja durchaus mit Vernunft ausgestattet und im Übrigen von staatstragender Disziplin. Und bevor Delta zuschlägt (nach der Fußball-Europameisterschaft werden wir sicher unsere Quittung bekommen) wollten wir es denn heute auch endlich realisieren.
      Oberneuland ist ein kleines bremisches Dorf, das 1181 erstmals urkundlich erwähnt wurde, mit, ich bin erschrocken, inzwischen über 13.000 Einwohnern. Merkt man aber wenig, weil die meisten gerne zu Hause bleiben oder den SUV benutzen. Die Straßen sind in bemitleidenswertem Zustand, und Bürgersteige gibt es auch nicht. Wir schlagen uns hier auf Sand zwischen Eichen durch. Pferde und Trecker gehören zum Straßenbild, da wir mehr Reitställe als Kindergärten haben, und noch eine erhebliche Anzahl bäuerlicher Betriebe intakt sind.
      Oberneuland wird auch als Promi-Stadtteil bezeichnet, was aber nicht sein kann, da wir besagte schlechte Straßen haben, da wir ein so schlecht ausgebautes Telefonnetz haben, dass Handyanrufe nur bei bestimmten Wetterlagen gehen - und vor allem, weil ich hier wohne. Zu einem besonderen Stadtteil wurde Oberneuland, als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Bremer Kaufleute, Reeder und Tabakhändler begannen, sich hier prachtvolle Sommersitze, Herrenhäuser und Parks zu bauen. Heute findet sich hier ein breites Feld an durchaus pracht- aber nicht unbedingt geschmackvollen Villen und anderen Wohnhäusern. Es wird stetig verdichtet, da wo ein altes Hausgrundstück auf den Markt kommt, verändern die Nachfolgebauten deutlich den dörflichen Charakter. Was der deutsche Bauherr ja allgemein scheut, findet man auch hier nur in mikroskopisch kleinen Dosen: avantgardistisches oder zumindest architektonisch anspruchsvolleres Bauten. Die Modewellen bilden sich ab, derzeit wird sehr gerne die Säule am Eingang genommen, in Erinnerung an Athen oder vielleicht auch nur Athens/Georgia. Im Zweifel sieht’s dann aus wie eine mittelständische Sparkassenfiliale mit Säulen. Die tatsächlich alten Sommersitze und Herrenhäuser sind zumeist in Stiftungen aufgegangen oder anderweitig sozialisiert, also fast immer begehbar oder offen für Besuche. Wir besuchten heute Heinekens Park, Höpkens Ruh, Muhles Park, den Ichon Park und Hasses Park. Vier haben wir ausgelassen, unter anderem den Park bei dem Anwesen mit dem schönen Namen Gut Hodenberg (das wäre noch was für die RTL2 Zuschauer gewesen), aber irgendwann parkst du es dann doch nicht mehr.

      • 27. Juni 2021

  9. Burkhard und Vissel waren wandern.

    23. Juni 2021

    02:34
    9,77 km
    3,8 km/h
    10 m
    10 m
    1. Burkhard

      Wenn es je in der Menschheitsgeschichte des Wortes „Bogen“ bedurft hätte, dann spätestens bei der Beschreibung des Laufes der Weser. Mindestens bis zum Übergang in die Unterweser, ein kurzer kartographischer Aufblick belegt das, reiht sich Bogen an Bogen. Der meistbesungene ist natürlich der am Weserstadion, aber den lassen wir heute mal in Ruhe, da der genug damit zu tun hat, ab jetzt auf unbestimmte Zeit über Zweitligaspiele zu wachen. Wir wandern heute an einem anderen Weserbogen los, nämlich dem in Dreye in der Gemeinde Weyhe. Es ist die erste Etappe Links der Weser. Dreye kommt aus dem mittelniederdeutschen und bedeutet nichts anderes als „drehen“. Im Plattdeutschen heißt es „de Dreih“, also eine Krümmung bzw., nun ja, ein Bogen der Weser. Dieser ist heute nicht mehr sehr ausgeprägt sichtbar, da Ende des 18. Jahrhunderts die scharfe Kurve an dieser Stelle geglättet wurde. Reste der Alten Weser sind noch als abgetrennter Altarm sichtbar. Dreye hat vor zwei Jahrzehnten eine Ortsumgehung bekommen. Das stieß seinerzeit auf viel Gegenliebe im Ort, am Ende sind die verkehrsberuhigten Orte aber häufig, und Dreye ist so ein Beispiel, vollkommen ausgeblutet. Diejenigen, die das mal vorangetrieben haben, sind weggezogen, weil ein Geschäft nach dem anderen mangels Kundschaft schließen musste. Außer einem Backladen, dessen Betreiber ausschließlich mit trostlosen aufgebackenen Produkten handelt (ja, unser Frühstück bekam heute nur 2/10…), ist da nicht mehr viel. Die Häuser verfallen. Traurige Wildwestorte werden das.
      Aber für unsere Wanderung war es ein schöner Ausgangspunkt, denn wir starteten mit einem wahren Himmelsfeuerwerk an der Weser. Es gab allerdings keinen Bodennebel, nur falls jemand danach fragen sollte… Von dort ging es in Richtung des Flüsschens Hache, dem eigentlichen Hauptdarsteller des heutigen Tages. Die Hache ist ungefähr 33 km lang, und mündet zwischen Kirchweyhe und Dreye in den Kirchweyher See. Dort fließt dann die Ochtum Richtung Weser (Mündung bei Altenesch) ab. Die Hache kommt aus Richtung Bruchhausen-Vilsen und wurde zwischen 1993 und 2002 renaturiert. Bevor wir sie erreichen, entdecken wir die Kirchweyher Felicianuskirche, ein spätromanischer Backsteinbau aus dem Jahr 1250. Es ist eine durch ihren Turm besonders wuchtig wirkende Kirche, und unbedingt einen Besuch wert. Dann sind wir endlich an der Hache und wandern durch Bruchwald und einen wunderbaren Laubwald bis zur Wassermühle Südweyhe. Das ist eines der schönsten Wegstücke unserer bisherigen UBU-Etappen. Nach einem kurzen Schlenker nach Weyhe mündet unser Weg in einen mehrer Kilometer langen schnurgeraden Grasweg durch Getreidefelder. Wenn wir den Reifegrad des Getreides mit den Bildern der letzten Woche vergleichen, fällt wieder auf, wie rasend schnell die Ampel von Grün auf Gelb sprang. In diesem Teil des Weges traten viele Erinnerungen aus der Kindheit vor das geistige Auge, weil wir genau das taten, was wir damals taten: Durch schier endlose Roggen-, Weizen- und Gerstenfelder laufen, ohne irgendetwas anderes zu sehen. Vor allem keinen Mais….

      • 23. Juni 2021

  10. Burkhard und Vissel waren wandern.

    16. Juni 2021

    02:34
    10,1 km
    4,0 km/h
    10 m
    10 m
    Jörg, 🅰️gavia und 176 anderen gefällt das.
    1. Burkhard

      Heute haben wir die letzte der Etappen rechts der Weser absolviert. Ok, es fehlen noch drei, aber wenn alles fertig ist, ist es die letzte. Irgendwann fügt sich halt alles zusammen. Wir starteten nahe des Oyter Sees, den wir uns schenkten, es ist ein durch den Autobahnbau entstandener See, der landschaftlich nur von mäßigem Reiz ist. Und schwimmen wollten wir ja nicht. So hatten wir auch den Vorteil, wieder wunderbar nebelige Wiesen im Licht der aufgehenden Sonne zu erleben, inklusive des Überflugs einer Kranichgruppe. Wo ein durch Autobahnbau entstandener See ist, ist die Autobahn nicht fern, in diesem Fall sogar zwei, die A27 (Walsrode-Cuxhaven) und die A1 (Hamburg-Ruhrgebiet-Köln), die sich hier, am Bremer Kreuz treffen. Insofern hatten wir das Autobahngeräusch wie einen Tinitus ständig im Ohr. Danach wanderten wir an der Bahnstrecke Bremen-Hannover entlang, auch das war mit Geräusch verbunden. Während wir auf den beiden letzten Etappen in die Landschaft von jeweils Wümme und Wörpe eingebunden waren, und Bremen sehr weit weg zu sein schien, war dieser Abschnitt deutlich in Ruf- und Hörweite zur Stadt, ihren Verkehren und Industrien. Wir erfreuten uns am Riesenrad am Weserpark, sahen haushohe Werbeinstallationen, sogar den Fernsehturm in Walle, die Kaffeerösterei von Jacobs und Vitakraft, um nur einige zu nennen. Dann traten wir im weiteren Verlauf wieder in ruhigere Gefilde ein, den Sandtrockenrasen Achim (der Rest einer Weser-Sanddüne) mit dem Eliesee. Alles sehr eigen, ein Naturschutzgebiet mit teils seltenen Pflanzen (Silbergrasarten, Besenheide, ….), die eben die hier vorfindbaren Lebensbedingungen benötigen. In diesem Areal trafen wir auch wieder einen Zeugen vergangener Tage, einen relativ kleinen Bunker. Dieser wurde, wie das gesamte Gelände, bis 1944 zu Übungszwecken von der Firma Borgward genutzt, die hier in der Kriegszeit militärische Fahrzeuge, die sie damals bauten, testeten. Danach querten wir einen modernen Friedhof, der hier nicht so ganz zu erwarten war, aber schon nach weniger hundert Metern waren wir an der geliebten Weser, auf dem Weg nach Bollen. Die Wiesen waren, möglicherweise schon zum zweiten Mal, gemäht, was, da der Schnitt der Mahd extrem kurz durchgeführt, und der Rasen durch die letzten heißen Tage schon sehr gelb war, den Gesamteindruck verstärkte, dass wir uns schon im Spätsommer befanden. Irgendwie gibt es keine Jahreszeiten mehr, und irgendwie wird alles immer mehr beschleunigt. Solche Bilder hatten wir aus früheren Augusttagen im Kopf, aber nicht Mitte Juni! Und nun waren wir in Bollen. Ein kleines Nest von 220 Einwohnern, in dem die Zeit stehen geblieben ist. Es war in den 80er Jahren Wohnsitz des Werder-Fußballers Uwe Reinders, aber das war eine andere Zeit. Heute wohnen diese Jungs in der Nähe ihres Tattoo-Studios in geräumigen Lofts. Aber über Fußball wollen wir heute mal nicht reden… In Bollen passiert eher wenig, in der Zeitung kann man nur über Nachbarschaftsstreitigkeiten mit einem Betreiber eines der Campingplätze lesen. Und über Investoren, die Wohnungen bauen wollen, und von der Gemeinde abgewiesen werden, wahrscheinlich, weil sie nicht für die Infrastruktur sorgen möchte. So ein Stopp muss ja nichts schlechtes sein, verhindert aber natürlich auch Entwicklungen und eine Verjüngung der Wohnbevölkerung. Für Abgeschiedenheit ist sowieso gesorgt, der Ort ist Bremen näher als Achim, und ist einzig über Bremen-Mahndorf erreichbar. Von Bollen aus wurde denn auch im 2. Weltkrieg durch Flakstellungen, deren Sockel man noch heute erkennt, Bremen verteidigt. Apropos 2. Weltkrieg: Bollen hatte einen Bürgermeister, der von 1933 bis 1972 amtierte. Ja, und jetzt kommst Du….

      • 16. Juni 2021

  11. loading